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Cybermobbing und Gewalt im Netz: Kinder brauchen Schutz!

Schon Kinder erleben Cybermobbing in den sozialen Medien und stoßen im Netz ungewollt auf Gewalt und Pornographie. Deshalb hier unser Vorschlag für den Safer Internet Day: Greifen Sie diese Themen mit den Kindern auf und holen Sie die Eltern für mehr Kinderschutz ins Boot. Direkt übernehmbare Ideen und Materialien dazu finden Sie hier.

: Cybermobbing und Gewalt im Netz: Kinder brauchen Schutz! Cybermobbing beginnt schon an Grundschulen. © myboys.me - stock.adobe.com

Veröffentlicht am 30.01.2024 – Während es in der analogen Welt eher die Ausnahme ist, dass Kinder etwas mitbekommen, das nicht für Kinder bestimmt ist, hat das im Netz eine völlig andere Dimension: Hier sind Mobbing, Hass, Gewalt, Pornographie, extremistische Inhalte u. v. m. allgegenwärtig. Kinder stoßen zunehmend auf gefährliche Inhalte, die sie heillos überfordern, ängstigen oder unangenehm berühren.

Der Safer Internet Day am 06.02.2024 ist deshalb besonders auch in Grundschulen ein wichtiger Aktionstag, der sich auf vielfältige Weise gestalten lässt, um Kinder und Eltern für die häufigsten Risiken im Internet zu sensibilisieren.

Ideen und direkt übernehmbare Materialien für spannende Aktivitäten liefert Ihnen dieser Beitrag.

Cybermobbing fast an jeder dritten Grundschule

Ist Cybermobbing eher ein Thema für weiterführende Schulen? Keineswegs! An über 30 Prozent der Grundschulen vermelden Lehrkräfte einen oder mehrere bekannte Cybermobbingfälle, wie aus der Studie „CyberlifeIV“ von Oktober 2022 (S. 11) hervorgeht. Die tatsächliche Anzahl dürfte weit höher liegen, da Cybermobbing meist im Verborgenen stattfindet, z. B. in geschlossenen Chatgruppen, die oft keinerlei Kontrolle unterliegen.

Und was ist Cybermobbing? Das erklärt Kindermoderator Checker-Tobi im Video „Handy-Check“ so, dass es jedes Kind versteht: Cybermobbing ist Beleidigen über das Handy oder über das Internet, oder wie Tobi es formuliert: „Gemeinheiten austauschen, die nicht von Gesicht zu Gesicht gehen“. Und warum ist Cybermobbing viel gefährlicher, als Beleidigungen face-to-face? „Wenn ich z. B. ein Bild von mir habe, das ich doof finde, kann ich es zerreißen und wegwerfen“, erläutert Tobi. Wird das Bild aber bei WhatsApp oder Instagram gepostet, dann ist es so, „als würde das Bild Hunderte Male kopiert und dann verteilt werden.“ Dass das fatal ist, leuchtet sofort ein. Und auch die Botschaft des folgenden Experiments, das Tobi mit Kindern einer sechsten Klasse macht, werden diese so schnell nicht vergessen.

Experiment: „Cybermobbing ist NULL lustig!“

Im Klassen-Chat postet Tobi ein paar lustige Bilder, die Kinder reagieren mit Smileys, GIFs, Sprachnachrichten usw. Dann schickt Tobi ein Foto von seiner Kollegin Amelie (natürlich mit Amelies Einverständnis!) und schreibt dazu „was Gemeines“: „Das ist meine Kollegin Amelie und die hat einen ganz komischen Nachnamen: Amelie Schweinefuß.“ Die meisten Kinder der Klasse reagieren sofort mit einer Flut von tränenlachenden Smileys.

Dann montiert Tobi mit einem kreativen Filter Amelies Gesicht auf ein Schweinefoto und schickt es mit drei Kaputtlach-Smileys in den Chat, dazu noch eine fiese Sprachnachricht: Tobi, der Lehrer der 6. Klasse und Amelie grunzen wie Schweine. Fast alle Kinder steigen voll ein, nur ein Mädchen schreibt: „Das ist Mobbing!“

Im darauffolgenden Unterrichtsgespräch fragt Tobi, wie die Kinder das finden, was im Chat in den letzten Minuten passiert ist. Manche antworten ausweichend, doch ein Mädchen wundert sich, dass Tobi „so schlecht“ über seine Kollegin „geredet hat“. Sie findet das nicht richtig, „das sollte man nicht machen“. Eine Mitschülerin pflichtet ihr bei. Da eröffnet Tobi den Kindern, dass das eben ein Experiment und Amelie eingeweiht war: „Ich hab‘ (...) so viel Quatsch und Kram gepostet, weil ich wissen wollte, wie ihr drauf reagiert.“

Die Kinder haben erlebt, wie leicht man als Mit-Täter oder Mit-Täterin in die Cybermobbing-Falle gerät. Tobi und ihr Lehrer erklären ihnen, dass bei Mobbingerfahrungen in der Opferrolle nur eines nützt: mit Erwachsenen zu reden!

Das Video könnte am Safer Internet Day genutzt werde, um quasi „eine erste Sonde“ in Sachen Cybermobbing-Prävention zu setzen. Oder Sie steigen mit dem Film in eine ausführliche Unterrichtseinheit zum Thema Cybermobbing ein. Direkt übernehmbare Materialien für eine Stunde in den Klassen 4 bis 6 finden Sie z. B. auf der Website des SWR-Schulfunkprogramms „planet schule!“.

Gewalt und Pornographie – im Netz unausweichlich

Etwa 10 Prozent der Kinder stoßen im Netz nach Auskunft der „Haupterzieher*innen“ „auf gewalthaltige, pornographische oder extremistische Seiten, wie aus der aktuellen KIM-Studie 2022 hervorgeht (S. 67). In der Regel suchen die Kinder nicht aktiv nach solchen Inhalten, „sondern stolpern bei der Mediennutzung einfach darüber, schauen bei älteren Kindern mit oder werden in die Inhalte ‚hineingestoßen‘ (z. B. durch Mutproben, Gruppenzwang, …)“, so die Verfassenden der österreichischen Unterrichts-Broschüre „Safer Internet in der Volksschule“.

Wenn Sie sich einen Eindruck davon verschaffen möchten, welche Scheußlichkeiten im Netz kursieren, nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit und sehen sich diesen Vortrag, den die Schulleiterin, Buchautorin und Medienpädagogin am 17.10.2023 in Wien gehalten hat. Sie werden darin alles finden, was „Kinder nicht im Internet sehen wollen“: krasse Gewaltdarstellungen oder auch rassistische und homophobe Memes, u. v. m. - Mit dem, was Kinder da sehen, darf man sie keinesfalls allein lassen.

Umgang mit Angstmachern im Netz

Ganz wichtig ist es, den Kindern zu vermitteln, wie sie sich verhalten sollten, wenn sie etwas sehen, was ihnen unangenehm ist oder Angst macht: „Wenn das passiert, klicke die Inhalte einfach weg! Wenn du nicht vergessen kannst, was du gesehen hast, sprich darüber mit deinen Eltern oder anderen Erwachsenen, denen du vertraust“, steht in der im vorigen Absatz verlinkten Broschüre (S. 28). Und weil Kinder gerne belastende Inhalte mit anderen teilen, die dann ebenfalls die Bürde des Gesehenen verkraften müssen, gibt es noch einen weiteren wichtigen Tipp für die Kinder: „Zeige die aufwühlenden Inhalte aber nicht auch noch deinen Freundinnen und Freunden – sonst bekommen sie auch noch Angst!“

Sehr zu empfehlen ist die kurze Unterrichtseinheit „Was ich im Internet nicht sehen will“ (S. 29): in der o. g. Broschüre. Sie verläuft in vier Phasen und ist locker innerhalb einer Schulstunde zu schaffen:

  • In Phase 1 spricht die Lehrkraft mit den Kindern über beängstigende Situationen, die sie bereits im Internet erlebt haben.
  • In Phase 2 zeichnen die Kinder „eigene Angstmacher“ und alles, was sie nicht sehen wollen, auf Papier.
  • In Phase 3 erstellen die Kinder ein Plakat mit Tipps, die in der nächsten Angstsituation hilfreich sein können, z. B. „wegklicken und Gerät abschalten“ oder „mit Erwachsenen darüber reden (das müssen nicht die Eltern sein)“.
  • In Phase 4 „werden die Blätter mit großem Getöse zerstört und damit symbolhaft auch "das Böse“, welches hinter den Werken steht. Dann sammelt die Lehrkraft die Papierreste mit dem Papierkorb ein und achtet „darauf, dass nichts in der Klasse zurückbleibt!“ (ebd.)

Mehr Kinderschutz: Crashkurs für Eltern

Wirksamer Schutz vor Internet-Inhalten, die die Seelen der Kinder schädigen, kann nur dann gelingen, wenn Lehrkräfte, Kinder und auch die Eltern an einem Strang ziehen. Doch letztere müssen oft erst für die Risiken im Netz sensibilisiert werden, denn laut KIM-Studie geben 48 Prozent der Erziehungsberechtigten an, dass ihr Kind alleine ins Internet gehen darf (vgl. KIM-Website). Deshalb wäre auch eine Eltern-Veranstaltung am Safer Internet Day unbedingt sinnvoll.

Sie könnte folgendermaßen aussehen: Um den Eltern zu demonstrieren, welche Gefahren im Netz und in den sozialen Medien auf ihre Kinder lauern, zeigen Sie zunächst den oben verlinkten Vortrag von Silke Müller. Anschließend kann durch Fachpersonal der Schule demonstriert werden, wie die Eltern die von Kindern genutzten Geräte kindersicher machen und darauf Zeitkontingente einrichten. Auch Tools wie Google Family Link werden vorgestellt: Damit können die Eltern die Aktivitäten der Kinder im Netz kontrollieren und Kinderschutzeinstellungen vornehmen können.

Gut wäre natürlich, wenn sowohl ein Crashkurs für Erziehungsberechtigte verstetigt wird, als auch die medienpädagogische Arbeit mit den Kindern. Die Übungen in der oben verlinkten Broschüre „Safer Internet in der Volksschule“ eignen sich ganz wunderbar, um die Medienkompetenzen der Kinder regelmäßig zu fördern und ihnen zu vermitteln, wie sie sich im Netz am besten selbst schützen können, z. B. vor Cybergrooming, Bodyshaming, Kettenbriefen, Pöbeleien im Klassenchat, oder vor der Preisgabe von sensiblen Daten im Netz. Und noch ein Literaturtipp: Der Leitfaden „Durchs Jahr mit klicksafe“ gibt Lehrkräften 12 medienpädagogische Einheiten für den Unterricht mit Kindern zwischen 7 und 11 Jahren an die Hand. Ideal, um das ganze Schuljahr gegenüber am Ball zu bleiben.

Martina Niekrawietz


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