Fach/Thema/Bereich wählen
Kreativität

Gemeinschaftserleben mit Papierschöpfen fördern

Wenn die Tage wieder dunkler werden, macht es Spaß mit den Schüler/-innen kreativ zu werden. Papierschöpfen ist nicht neu, aber eine einfache Gestaltungsmöglichkeit mit tollen Ergebnissen.

Kreativität: Gemeinschaftserleben mit Papierschöpfen fördern Aus selbst geschöpftem Papier besondere Karten basteln © Jeanette Dietl - stock.adobe.com

Aus alt mach´ neu, Upcycling, kreativ tätig sein, Ressourcen sparen: Viele dieser Schlagworte und Aufforderungen haben wir schon gehört.  Manchmal fehlt es aber noch an der Praxisidee, wie diese Aspekte im Kunst- oder Werkunterricht umgesetzt werden können. In diesem Praxisvorschlag wird gezeigt, wie Sie mit einfachen Mitteln Papier schöpfen und es werden Ideen zur Weiterverwendung des selbst hergestellten Produktes präsentiert.

Das Projekt Papierschöpfen kann mit jeder Altersstufe durchgeführt werden. Es ist ein Projekt, das sich durch einen hohen Tätigkeitsanteil und Aktivitätsgrad auszeichnet. Kooperationen zwischen den Schülerinnen und Schülern sind an vielen Stellen nicht nur möglich, sondern auch nötig und fördern so das Gemeinschaftserleben der Lerngruppe. Die Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Förderbedarfen ist ebenso unproblematisch wie das Mitwirken von Kindern und Jugendlichen mit fremdsprachlichem Hintergrund. Also: ein Mitmach-Projekt für alle!

Vororganisation zum Papierschöpfen

Linktipp

Film zur Einstimmung in das Thema:
Altes Handwerk - Papierschöpfen von euromaxx 

Unterrichtsmaterial: Grußkarten für den Herbst

Das Projekt kann besonders gut auf dem Schulhof durchgeführt werden. Hier stört es nicht, wenn Wasser heruntertropft. Niemand muss später den Boden wischen und gleichzeitig bietet der Wechsel hinaus aus dem Klassenraum vor die Schultür Abwechslung im Schulalltag.

Benötigte Materialien

  • altes Papier – hier bietet es sich im Rahmen des Projektes an, mit verschiedenen Papiersorten und Farbgebungen zu experimentieren. Einfarbige Servietten eignen sich besonders gut für den Einstieg in das Projekt, Fehlkopien und übrig gebliebene Arbeitsblätter ergeben ein anderes Arbeitsergebnis als verwendetes Zeitungspapier.
  • ein leistungsfähiger Mixer samt Schüssel
  • Schöpfrahmen – in einem „Rundrum-Projekt“ schrauben oder nageln die Schüler aus 4 Leisten einen Rahmen zusammen und bespannen diesen straff mit Fliegengitter. Rahmen in der Größe von DIN A 5 lassen sich leicht handhaben.
  • eine oder mehrere große Wannen, mit Wasser gefüllt. Die Wanne muss tief genug sein, um den Schöpfrahmen vollständig einzutauchen.
  • ein Wäscheständer samt Klammern, Geschirrhandtüchern und Lappen oder Schwämme
  • für bestimmte Arbeitsergebnisse können Ausstechförmchen aus der Weihnachtsbäckerei oder Eiswürfelformen aus Silikon verwendet werden

Und los geht’s: Anleitung

Im Projekt Papierschöpfen wird aus altem Papier neues gemacht. Dazu wird zunächst das alte Papier zerkleinert, indem es zerrissen wird. Dabei sollten Stückchen abgezupft werden und das Knüllen des Papiers vermieden werden. Alle Schnipsel werden in der Mixschüssel mit Wasser eingeweicht, am besten über Nacht. Die eingeweichten Schnipsel werden mithilfe des Mixers zu Papierbrei zerkleinert. Je feiner der Papierbrei, desto zarter ist später das geschöpfte Papier. 

An dieser Stelle tritt das erste Fachwort auf: Der Papierbrei heißt ‚Pulpe‘.

Die Pulpe wird in der Wanne mit so viel Wasser verdünnt, dass das Wasser trüb wird, aber keine Papierflocken herumschwimmen. Hier ist ein wenig Ausprobieren gefragt. 
Für die weiteren Schritte wird ein Geschirrhandtuch auf einem Tisch ausgebreitet und die Lappen oder Schwämme werden bereitgelegt.

Die Pulpe wird durch Handbewegungen aufgerührt. Der Schöpfrahmen wird vollständig in das Wasser eingetaucht und langsam waagerecht nach oben geführt. Auf dem Fliegengitter lagern sich die Papierbestandteile ab. Nachdem das Wasser abgetropft ist, wird das Fliegengitter auf das Handtuch gestürzt. Damit sich das geschöpfte Papier ablösen kann, wird mit Lappen oder Schwämmen möglichst viel Wasser vom Fliegengitter getupft. Das geschöpfte Papier bleibt an der Oberfläche des Geschirrhandtuchs hängen. Das Geschirrtuch kann nun mit Klammern am Wäschetrockner aufgehängt werden. 

Nach dem Trocknen des geschöpften Papiers kann dieses einfach vom Geschirrhandtuch abgezogen werden.

Je nach Ausgangsmaterial und Anteil der Pulpe im Wasser wird das geschöpfte Papier dünner oder dicker, fester oder lockerer sein. Das Schöpfpapier kann gepresst werden, wenn für die weitere Arbeit ein ebener Papierbogen nötig ist. Nicht jedes geschöpfte Papier eignet sich zu Beschreiben oder Bemalen, oft ist die Oberfläche uneben oder das Papier ist sehr saugstark.

Vorschläge zur Weiterarbeit mit dem geschöpften Papier …

Glückwunschkarten

Die Papierbögen haben oft einen unregelmäßigen Rand und eignen sich deshalb gut für die Dekoration von Glückwunschkarten. Auf die Deckseite aufgeklebt werten sie die fertig gekauften Karten auf und machen diese zu echten Handmade-Objekten. Besonders schön ist es, wenn getrocknete und gepresste Blüten der Pulpe beigemischt werden und diese dann im Papier enthalten sind.

Abreißblockcover

Wie wäre es, wenn ein handgeschöpftes Papier das Deckblatt für einen selbst hergestellten Abreißblock bildet? Das Zusammensetzen einzelner Blätter und das Verkleben mit Buchbinderleim kann ein weiteres Projekt im Werkunterricht sein. 

Saatscheiben in Ausstechförmchen

Der Pulpe können gekaufte oder selbst geerntete Blumensamenmischungen beigefügt werden. Ein Ausstechförmchen wird auf den waagerecht gehaltenen Schöpfrahmen gelegt, dort hinein wird mittels eines Bechers die Pulpe mit Blumensamen gegossen. Das Wasser läuft zurück in die Wanne, auf dem Schöpfrahmen verbleibt ein geschöpftes Papier in der Ausstecherform. Nach dem Trockentupfen müssen diese Produkte besonders gut und schnell in der Sonne trocknen, damit die Samen nicht bereits im Papier zu keimen beginnen. Die kleinen Saatscheiben sind sinnvolle Verkaufsobjekt für den Osterbasar oder schöne Geschenke für den Muttertag.
Tipp: Besonders attraktiv ist hier die Verwendung einfarbiger Servietten als Ausgangsmaterial.

Saatbomben mitilfe von Eiswürfelformen

Die Pulpe mit Blumensamenbeigabe kann auch als eher dicker Papierbrei (vorher durch ein Sieb gießen) mit den Fingern in Eiswürfelförmchen gepresst werden. Auch hier ist das zügige Durchtrocknen bedeutsam. Auf diese Weise entstehen Saatbomben, die in der Frühlingszeit einfach in die Erde gesetzt werden, wobei der Papieranteil im Boden vergeht.

Papierschöpfen ist Unterrichtseinheit, die den Erwerb von Sachwissen mit kreativem Handeln verbindet und vielfältige Möglichkeiten der Auseinandersetzung beinhaltet. Attraktive Arbeitsergebnisse können anschaulich im Schulhaus präsentiert werden. Ein Bezug zu Geschichtsaspekten kann aufzeigen, wie Papier früher geschöpft wurde, heute noch für Buchrestaurationen stattfindet und wie sich dieser Vorgang technologisch gewandelt hat. Im Internet lassen sich ergänzende und verdeutlichende Sachfilme finden.

Ulrike Zerbst


Mehr zu Ratgeber Fachunterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×