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Schüler und Natur

Schulgarten für Einsteiger

Bewegung an der frischen Luft, Ernährungswissen, Pflanzenkunde und Nachhaltigkeit — Schulgartenarbeit ist wieder angesagt! Wer Lust auf einen Testballon hat, startet am besten mit dem Wettbewerb „Kids an die Knolle“ oder mit Beeten auf allerkleinstem Raum.

Schüler und Natur: Schulgarten für Einsteiger Den meisten Schülern bringt die Arbeit im Schulgarten Spaß. Erst recht, wenn sie selbstgezogenes Gemüse ernten dürfen © redakter/Pixabay

Sind Sie der ideale Schulgarten-Lehrer? Das können Sie mit dem „nicht ganz ernst“ gemeinten Test auf Seite 89 im „Praxisratgeber Schulgarten“ des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz ganz schnell herausfinden. Abgefragt wird dabei nicht etwa, ob Sie z. B. aus dem Stegreif sagen können, in welchem Monat Radieschen, Feldsalat & Co gesät werden sollten. Es geht vielmehr um die richtige pädagogische Einstellung: Wer bei diesem Test die höchste Punktezahl erreicht, vertraut seinen Schülern, mutet ihnen Verantwortung zu und beteiligt sie bei Entscheidungen. Als ideale Schulgarten-Lehrkraft folgen Sie außerdem „dem Prinzip ‚Trial and Error‘“ und haben „immer einen Plan B in der Tasche“. Vor allem aber schätzen Sie die Art, wie Ihre Schüler im Schulgarten lernen: „Aus eigener Motivation, im Flow, mit 100%iger Aufmerksamkeit“. Und Sie finden, Schulgartenarbeit lohnt sich auch dann, wenn einmal „ein anderes Thema aus dem Lehrplan kürzer“ kommt (ebd., S. 91).

In den meisten Bundesländern (außer in Thüringen) ist Schulgartenarbeit in den Bildungsplänen nicht (mehr) vorgesehen. Deshalb hängt es in der Regel vom Engagement einzelner Lehrerkräfte ab, ob die Schüler in den Genuss eines „grünen Klassenzimmers“ kommen oder nicht. Der folgende Beitrag stellt Ihnen drei einfach zu realisierende Projekte für den Einstieg in die Schulgartenarbeit vor.

„Kids an die Knolle!“

Das ist das Motto einer bundesweiten Schulgarteninitiative, die der Deutsche Kartoffelhandelsverband (DKHV) gemeinsam mit dem Schul-Umwelt-Zentrum Berlin (SUZ) 2008 initiiert hat. Das Projekt lebt bis heute fort: Im Jahr 2017 nahmen zum Beispiel in Rheinland-Pfalz mehr als 7500 Schüler in 265 Schulen daran teil, wie der Bauern- und Winzerverband auf seiner Website mitteilte.

Bis Februar eines jeden Schuljahres können Schulen mit dem Anmeldeformular auf der Website des DKHV Ihre Teilnahme anmelden. Pflanzgut und Info-Materialien kommen dann vom DKHV, und auch eine Exkursion in ein „Kartoffelunternehmen“ gehört dazu. Im April oder Mai des Schuljahres beginnen die Schüler dann mit dem Pflanzen der Kartoffeln in die Beete. Parallel dazu führen sie ein Kartoffeltagebuch, worin sie das Projekt bis zur Ernte dokumentieren. Im Juni und Juli pflegt die Klasse nicht nur regelmäßig die Beete, sondern befasst sich auch im Unterricht aller Fächer mit der Kartoffel. — Unterrichtsmaterialien dafür liefert der DKHV und der unten verlinkte Beitrag „Das Thema ‚Kartoffel‘ fächerübergreifend unterrichten“).

Zum Abschluss des Projekts, nach der Ernte im August oder September, präsentieren die Schüler ihre Arbeiten bei einem „Kartoffelfest“ oder auf einem besonderen Projekttag. Auf Wunsch stellt der DKHV auch den Kontakt zu den Landfrauen der jeweiligen Region her, die den Schülern zeigen, wie man aus den Knollen schmackhafte Kartoffelgerichte zubereitet.

Wenig Platz? Ein Hochbeet geht immer!

Hochbeete bieten viele Vorteile: Sie beanspruchen nicht viel Raum und erlauben Gartenarbeit im Stehen. Da sie mit der für die jeweiligen Pflanzen am besten geeigneten Erde befüllt werden können und zudem vor Schnecken geschützt sind, gedeihen Pflanzen hier besonders gut, was frustfreies Gärtnern und einen guten Ernteerfolg sehr wahrscheinlich macht.

Beim Aufbau des Hochbeetes gibt es verschiedene Möglichkeiten: Bei engem Zeitrahmen, zum Beispiel, wenn das Frühjahr unmittelbar vor der Tür steht, nutzen Sie einen fertigen Bausatz. — In Bauhäusern gibt es auch Stecksysteme, mit denen Sie bei Höhe und Form des Rahmens variieren können. Haben Sie einige Wochen Vorlauf bis zur Saatzeit, bauen Sie mit Ihren Schülern ein eigenes Hochbeet. Eine detaillierte Bauanleitung dafür hat die Arbeitsgruppe Schulgarten Rheinland-Pfalz entwickelt. Das Tutorial unterstützt Sie bei der Auswahl und beim Einkauf geeigneter Materialien: Sie sehen z. B. mit einem Blick, welche Höhe für welche Altersgruppe geeignet ist, welche Hölzer welche Vorteile bieten (Wetterbeständigkeit, Preis, Gewicht), welche Füllung für Ihr Vorhaben geeignet ist und wie Sie die Füllstoffe einschichten sollten. Praktische Tipps bewahren Sie vor Fehlern, an denen das Projekt noch vor der Ernte scheitern könnte: Sie erfahren beispielsweise, warum die Bretter mindestens 4 Zentimeter dick sein sollten: Sie verrotten dann langsamer und halten besser die Flüssigkeit aus dem Erdreich. Sinnvoll ist auch ein konischer Aufbau bzw. Fußtritt: Das verhindert, dass die Fußspitzen beim Gärtnern unten am Hochbeet anstoßen. — Wie diese und weitere praktische Hinweise zeigen, lohnt es sich unbedingt, die Bauanleitung auch vor der Auswahl eines fertigen Hochbeet-Aufbaus durchzulesen.

Hochbeet richtig bepflanzen

Bei der Bepflanzung kommt es ebenfalls darauf an, zu welchem Zeitpunkt im Gartenjahr Sie starten: Die Schüler der Hamburger Clara-Grunwald-Schule beispielsweise begannen mit den Vorarbeiten für ihr Hochbeet-Projekt erst Ende April. Und mit entsprechend großen Pflanzen aus der Gärtnerei kann man Gemüse und Salat noch in der ersten Maihälfte setzen. Wer früher im Schuljahr anfangen und Gemüsepflänzchen im Klassenzimmergewächshaus oder auf der Fensterbank vorziehen möchte, findet in einem Aussaatkalender den idealen Zeitpunkt dafür. Rucola und Feldsalat können bereits im Herbst direkt ins Beet gesät und wenige Wochen später — noch im Winter — geerntet werden.

Die Kombination unterschiedlicher Pflanzen im Hochbeet ist eine Wissenschaft für sich. Der NDR-Ratgeber Garten informiert über „gute und schlechte Nachbarn im Beet“ und beantwortet auch gleich die Frage, ob man Gemüse oder lieber Blumen pflanzen sollte. Ideal ist eine Mischkultur aus beidem. Dabei gibt es Blumen, die besonders positiv auf das Gemüsewachstum wirken: So schützen etwa Ringelblumen und Tagetes vor Schädlingsbefall.

Kistenbeete — noch eine Nummer kleiner und mobil dazu

Wenn sich dreißig Schüler um ein Hochbeet drängen, kann es eng werden. Eine Alternative dazu sind Kistenbeete. Die Behältnisse gibt es kostenfrei im Weinhandel oder für ein paar Euro im Baumarkt, und auch sonst braucht man nicht viel, wie diese einfache Anleitung beweist: eine Tageszeitung, Blähton, Erde, Sand, Hornmehl und natürlich Pflanzen oder Saatgut.

Kistenbeete haben zudem den Vorteil, dass jeder Schüler für seine eigene Kiste zuständig ist. Das motiviert die Kids. Und während der Ferien nimmt jeder sein Kistenbeet einfach mit nach Hause und ist dann für einige Zeit ganz allein für seine Pflanzen verantwortlich.

Martina Niekrawietz

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