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Inklusion bedeutet Zusammenarbeit

Erfolgreiche Inklusion hängt von der Zusammenarbeit ab

Gerade bei schwerer Behinderung müssen viele Personen Hand in Hand arbeiten. Erfolgreiche Inklusion hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie alle Beteiligten zusammenarbeiten. Hier erhalten Sie Tipps.

Inklusion bedeutet Zusammenarbeit: Erfolgreiche Inklusion hängt von der Zusammenarbeit ab Inklusion bedeutet Zusammenarbeit © bildergala - stock.adobe.com

„Also ich würde das so interpretieren…nein, ich würde das ganz anders sehen…“, tauschen sich die Teammitglieder über die sprachlichen Äußerungen einer Schülerin aus, die nicht verstanden wurde. Jede/-r kommt zu einer schlüssigen nachvollziehbaren Meinung, eine letztendlich klare Aussage ist jedoch nicht zu treffen. Das Team geht unzufrieden auseinander.

Je stärker ein Schüler/ eine Schülerin von einer Behinderung betroffen ist, umso mehr wird vermutlich über sie statt mit ihr gesprochen. Wenn die Person sich nur unzureichend selbst mitteilen kann, ist sie auf die richtige Interpretation von außen angewiesen. Noch dazu sind sehr viele verschiedene Personen mit unterschiedlichsten Professionen an der Beschulung beteiligt. Busfahrer/-in, Erzieher/-in, Lehrer/-in, Schulbegleitung oder Eltern – sie alle treten in Interaktion, und es kommt leicht zu Missverständnissen oder Fehlinterpretationen. Damit gibt es den allerbesten Nährboden für Konflikte und Unstimmigkeiten. Erfolgreiche Inklusion jedoch hängt auch maßgeblich davon ab, dass alle Beteiligten effektiv zusammenarbeiten.

Elternarbeit erfolgreich gestalten

Unter der Maßgabe, dass es im Alltag oft nur wenige Zeitfenster gibt, sollte sich eine erfolgreiche Elternarbeit überschaubar und effektiv gestalten. Nicht nur Krisen und Probleme sind zu thematisieren, sondern auch intensiver Austausch über Planungen, Wünsche und Zielvorstellungen für den Schüler/ die Schülerin. Im regelmäßigen Austausch werden die drei Kernbereiche verfolgt:

  • Mitverantwortung , 
  • Information und 
  • Beratung der Eltern. 

Denn nicht nur Diagnostik und Lehrplanorientierung der Lehrkraft, sondern auch Wünsche und Ziele der Eltern sind für eine erfolgreiche Förderung bedeutsam. Realistische Vorstellungen werden am besten gemeinsam entwickelt. So kann man in Stagnationsphasen gut an einem gemeinsamen Strang ziehen.
Ein regelmäßiger Austausch berücksichtigt limitierende Organisationsfaktoren wie Arbeitszeiten der Eltern, Sprechstunde der Lehrkraft und mögliche Betreuung von Geschwisterkindern für eine Gesprächszeit. Die Unterrichtszeit selbst ist hier tabu, die beliebten Tür- und Angelgespräche und Telefonate sollten zugunsten eines ruhigen und geplanten Gesprächsrahmens reduziert werden. Elternarbeit soll für beide Seiten gut machbar sein.

Arbeit im Team – Kommunikation ist alles

Ein multiprofessionelles Team wirkt aus verschiedenen Berufsgruppen heraus in den Erziehungsprozess hinein. Lehrkräfte, Therapeut/-innen und Pflegepersonal arbeiten eng zusammen und gestalten das Lernangebot miteinander. Hier ist es dringend nötig, miteinander grundsätzliche (sonder-)pädagogische Denkweisen und Haltungen zu kommunizieren und ein gemeinsames Handlungsrepertoire zu entwickeln. Dies gibt dem Schüler/ der Schülerin wesentliche Sicherheit. Auch kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle Teammitglieder den gleichen Wissens- und Informationsstand haben. Je weniger Erfahrung in bestimmten Arbeitsbereichen vorliegt, umso mehr Zeit wird ein Team benötigen, um alle auf den gleichen Stand zu bringen. Hier unterstützt auch die Schulleitung durch Besprechungen und Fortbildungsangebote.

Teamteaching – gemeinsam sind wir stark

Das gemeinsame Unterrichten zweier Lehrkräfte im Sinne des Teamteaching ist ein wesentliches Merkmal inklusiven Unterrichts. In unterschiedlichen inklusiven Modellen wie beispielsweise Tandem,- Kooperations- oder Partnerklassen erweist sich die gut funktionierende Zusammenarbeit als essenziell im täglichen Unterrichtsgeschehen. Beide Lehrkräfte sind gleichermaßen für alle Schüler/-innen verantwortlich. Mit guten Fähigkeiten im Teamteaching werden auch Grundlagen der variationsreichen Zusammenarbeit geschaffen. Im Lehrerbüro finden Sie einen interessanten Beitrag zum Teamteaching

Unterstützung durch die Schulbegleitung

Neben den klassenbezogenen inklusiven Modellen lernen Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf oft auch in einem Setting der Einzelinklusion. Hier werden sie sehr häufig durch eine Schulbegleitung unterstützt. Die Tätigkeiten der Schulbegleitung werden bislang noch nicht formal als Profession umschrieben, so dass es auch weitere Bezeichnungen gibt wie Individualbegleitung, Schulassistent oder Integrationshelfer. Die Aufgaben drehen sich weitgehend um pflegerische Tätigkeiten und Unterstützung in lebenspraktischen Verrichtungen, um Unterstützung in der Mobilität und Kommunikation sowie Hilfe im sozial- emotionalen Bereich.

Hier wird deutlich, dass die individuelle Schulbegleitung eine besonders intensive persönliche Beziehung zum Schüler wie auch den Eltern entwickelt. Dieses Spannungsfeld bedarf einer Rollenklarheit, so dass alle Beteiligten wissen, dass sich die Schulbegleitung nicht in jeder Hinsicht alleine kompetent um den Schüler/ die Schülerin mit Behinderung kümmern kann. In diesem Kontext ist eine gelingende Zusammenarbeit besonders notwendig.

Unverzichtbar für eine gute und konstruktive Zusammenarbeit ist also die Kooperation aller unterschiedlichen Personengruppen, die sich um die Bedürfnisse von Schüler/-innen mit Förderbedarf in inklusiven Settings kümmert. 

Neben der persönlichen Psychohygiene, dem kollegialen Austausch und den informellen Besprechungen können Kollegiale Fallberatungen wie auch Teamsitzungen und Supervisionsangebote hilfreich zur effektiven Teamarbeit mithelfen.

Claudia Omonsky


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