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Rechenschwache Kinder fördern

Förderung rechenschwacher Kinder - Inklusion

Um das Rechnen zu erlernen, muss die richtige Basis geschaffen werden. Ansonsten entsteht Lernfrust. Hier bekommen Sie wertvolle Tipps zum Vermitteln der Rechenkompetenz.

Rechenschwache Kinder fördern: Förderung rechenschwacher Kinder - Inklusion Der Zahlenraum von 1 bis 10 sollte sicher sein © golibtolibov - stock.adobe.com

Das Lernen unserer Kinder baut immer auf Vorwissen oder bereits vorhandene Fertigkeiten auf. Bei den Kindern mit Förderbedarf Lernen ist das auch so. Doch oft sind ihre mathematischen Kenntnisse noch wenig ausgeprägt. So fehlt es ihnen an Kenntnissen zur Mengeninvarianz. Begrifflichkeiten wie weniger, mehr, größer und gleich werden noch nicht eindeutig verwendet. Unsicherheiten in der Menge- Zahlzuordnung und in der Verwendung des Kardinal- und Ordinalaspektes sind ebenso zu beobachten.

Die Ursachen sind uns Lehrkräften oft nicht bekannt. Doch aus meiner diagnostischen Praxis weiß ich, dass Traumata, Allergien, körperlicher Schwäche/Dysfunktion, Wahrnehmungsverarbeitungsstörung, Konzentrationsstörungen und fehlendes Selbstbewusstsein häufige Hintergründe von Lernschwierigkeiten sind. In der Unterrichtspraxis zeigten sich die Kinder mit Förderbedarf Lernen häufig als konzentrationsschwach und oft mit wenig Selbstbewusstsein. Von daher kann ich die generelle Lernleistung bei diesen Kindern schon mal grundlegend durch einen gezielten Konzentrationsaufbau und hilfreiche Übungen zur Stärkung des Selbstvertrauens verbessern.

In meinen ein- bis zweimal wöchentlich stattfindenden Förderstunden habe ich daher immer am Anfang einige Körperübungen zur Stärkung der Konzentration und zum Selbstbewusstsein gemacht. Die Schülerinnen und Schüler waren dadurch wacher und viel mehr bei sich, sodass die Lerninhalte entsprechend besser aufgenommen und memoriert werden konnten.

Rechnen lernen mit Klappfingern

Um bei den Schülerinnen und Schülern eine tragfähige mathematische Basis aufzubauen, die an ihre oft noch geringen Vorerfahrungen anknüpft, hat sich gerade im Anfangsunterricht der Einsatz der Klappfinger als sehr nachhaltig erwiesen. 

Diese Vorgehensweise ist anschaulich und braucht außer den Fingern und dem Wissen um die Menge 1 keine Vorerfahrung. Das Rechnen mit den Klappfingern ist erlebbar, handlungsorientiert und gleichzeitig auch nah an den Kindern dran. Denn die Finger haben sie immer dabei, und was sie über den Körper lernen, verlernen sie auch meist nicht mehr. Die Erarbeitung mathematischer Strukturen über die Finger holt die Kinder mit Förderbedarf Lernen da ab, wo sie stehen. Kennen sie die Zahl eins, können sie sie meist auch mit dem Daumen zeigen, und schon haben Sie für ein Erfolgserlebnis bei den Kindern gesorgt. Jetzt kann der systematische Zahlenaufbau bis 10 beginnen. Mit den Klappfingern können sie alle relevanten Rechenverfahren erarbeiten. Als zusätzliches Anschauungsmaterial können noch Fingerkarten und Würfelbilderkarten verwenden werden. Aufgabenformate mit Würfelbildern sind besonders gut für Kinder geeignet, die sich mit dem Zahlenschreiben noch schwertun. Es unterstützt auch den systematischen Aufbau des Menge- und Zahlverständnisses. Der systematische Aufbau des Zehnerraumes mit den Klappfingern soll das zählende Rechnen verhindern und Strategieverständnis (wie beispielsweise Kraft der Fünf/Negative Zahlen in der Subtraktion) verinnerlichen. 

Erst wenn der Zahlenraum bis 10 in allen Rechenweisen, (möglichst ohne Abzählstrategie) und mit der Übertragung auf symbolische Darstellungen abgesichert ist, kann der Zahlenraum bis 20 beschritten werden. Dies ist der grundlegende und notwendige Prozess, wenn man dem Kind mit Förderbedarf eine gesicherte Rechenbasis eröffnen will. Dieser kann durchaus bis Ende Klasse 2 und länger dauern. Mit dem sicheren Strategiewissen aus dem Zahlenraum bis 10 ist dann der Zahlenraum bis 20 meist recht einfach zugänglich. Wertvolle Tipps, wie Sie auch hier mit den Klappfingern weiter systematisch rechnen und fördern können, finden Sie in der Broschüre „Kopf und Zahl“. Ist auch der Zwanzigerraum gefestigt, kommt die Königsdisziplin „der 100er Raum“. Hier empfehle ich das Unterrichtswerk Zahlenaufbau bis 100 in kleinen Schritten. Die 100er Tafel hat sich in meiner Förderpraxis zum Aufbau dieses Zahlenraumes nicht bewährt, da sie zum abzählenden Verhalten auffordert und die Systematik nicht ausreichend für schwache Rechner erkennbar ist.

Auch wenn Sie Förderkinder in anderen Stufen haben, sichern sie immer erst den 10er Raum. Selbst wenn es ein Kind in Klasse vier ist. Alles andere ist in meinen Augen bloße Beschäftigungsarbeit, die mechanisch ausgeführt wird. So findet das Kind keinen Einstieg in mathematische Zusammenhänge. Es erlebt sich dadurch oft als unfähig und wird zunehmend demotiviert. Zurück zur Basis zu gehen, braucht manchmal etwas pädagogischen Mut, doch es schafft den Kindern ein faktisches Grundgerüst, auf dem ihnen mathematische Zusammenhänge erlebbar und verstehbar werden. Diese „Aha“-Momente sollte allen Kindern vergönnt sein. Das kann beispielsweise der Moment sein, wenn die Kinder feststellen, dass die 5 immer die 5 ist, weil ihnen ja jeden Tag die gleiche Anzahl Finger an der Hand zur Verfügung stehen. So haben die Schüler/-innen die Möglichkeit zu erfahren, dass sie fähig sind, auch in Mathematik ein Können und Verstehen zu entwickeln.

Christine Frank


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