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Deutsch mit allen Sinnen lernen

Voller Einsatz der Sinne – Förderkinder im Deutschunterricht

Kindern mit dem Förderbedarf Lernen erfassen Inhalte besser, wenn sie konzentriert sind und alle Sinne einsetzen können. Hier erhalten Sie dafür Tipps aus Praxis für Ihren Unterricht.

Deutsch mit allen Sinnen lernen: Voller Einsatz der Sinne – Förderkinder im Deutschunterricht Greifen und Visualisieren hilft beim Lernen © CMP - stock.adobe.com

Kinder mit Förderbedarf Lernen haben oft ein sehr individuelles Leistungsprofil. Doch was ich bei allen Schülerinnen und Schüler immer wieder feststellen konnte: Sie haben meist große Schwierigkeiten mit ihrer Konzentration. Sie sind schnell abgelenkt und können sich nicht lange bei ihrer Aufgabenstellung halten. Vor allem, wenn es sich um neue und noch unbekannte Inhalte handelt. Zudem ist ihre Merkfähigkeit und Transferleistung  meist schwächer ausgebildet. 

Doch Konzentration braucht es, um überhaupt erstmal zu dem Lerninhalt vorzudringen und dann auch noch dabei verweilen zu können. Das klingt sehr banal, ist aber eine notwendige Voraussetzung, damit Lernen überhaupt stattfinden kann. Denn bei zu wenig Input über die Wahrnehmungskanäle (Augen/Ohren) gelangt auch nur wenig Information in den Arbeitsspeicher des kindlichen Gehirns. So werden in der weiteren Verarbeitung kaum oder nur schwach ausgeprägte Verbindungen (Synapsen) im Gehirn geschaffen, die auch nur ein schwaches Lernergebnis als Output des kindlichen Lernvorganges hervorbringen. 

Lesetipp

Manfred Spitzer, Lernen, Gehirnforschung und die Schule des Lebens, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009.

Mehr über Inklusion im Lehrerbüro.

Von daher waren die Lernergebnisse von Kindern mit dem Förderbedarf Lernen durchgängig besser, wenn sie vor der Lerneinheit ihre Konzentrationsfähigkeit selbsttätig unterstützen konnten. Dazu habe ich ihnen die effektiven und leicht in die Unterrichtspraxis einzubindenden Körperübungen der Teschler Lernförderung angeboten und mit ihnen geübt. Ob im Förderunterricht oder mit der ganzen Klasse: Die Übungen zeigten bei regelmäßiger Wiederholung immer mehr aktive Lernbereitschaft. 

Mit allen Sinnen lernen

Mit besserer Konzentration konnten dann auch die Lernangebote aktiver und mit mehr Beteiligung und Erfolg angenommen und umgesetzt werden. Das Lernen in Deutsch bietet zudem viele Möglichkeiten, den Unterricht vielsinnig zu gestalten. Je mehr Wahrnehmungskanäle angesprochen werden, umso wahrscheinlicher ist eine erhöhte Aufnahmekapazität des Lernstoffes und seiner erfolgreicheren Verarbeitung. Das Bemerken der eigenen Lernfortschritte erzeugt zunehmend Lernfreude bei den Schülerinnen und Schülern und sorgt so für eine verbesserte Memorierung der Lerninhalte. Ganz im Sinne von Spitzer (Lernen 2009, S.165) „Wir konnten nachweisen, dass der emotionale Kontext, in dem die Einspeicherung der Wörter geschieht, einen modulierenden Einfluss auf die spätere Erinnerungsleistung hat. So wurden diejenigen Wörter am besten erinnert, die in einem positiven emotionalen Kontext eingespeichert wurden.“

Lautgebärden einsetzen

Um die Vielsinnigkeit zu nutzen, eignet sich für den Anfangsunterricht und bei Bedarf auch für die folgenden Klassen der Einsatz von Lautgebärden besonders gut. Sie unterstützen mit aktiver Gestaltung der Kinder das Erlernen der Buchstaben und deren Lautverbindungen. Sie festigen über die Handbewegungen und die körperliche Abspeicherung, die phonologische Bewusstheit und bereiten so eine gute Basis für den Leselernprozess. Die Lautgebärden bieten ein großes und kreatives Repertoire für einen vielsinnigen Lese- und Schreiberwerb. Hier können Silben, Wörter und ganze Sätze von Lehrern oder Schülern „gebärdet“ werden. Der Ratecharakter dieses Angebotes erhöht auch gleich noch die Aufmerksamkeit. 

FRESCH ans Werk 

Es ergibt Sinn Elemente der FRESCH Methode für die Deutschförderung zu nutzen. Das Sprechschwingen von Silben bezieht hier auch wieder den ganzen Körper ein und trägt zur nachhaltigen Verinnerlichung des Sprechrhythmus bei. Ebenso unterstützend und nachhaltig ist das synchrone Sprechschreiben für den Schrifterwerb. Während das Kind seine Buchstaben oder Silben schreibt, spricht es sie gleichzeitig leise mit. Ist das Kind fähig und bereit, diese Übung immer wieder anzuwenden, wird sein Schriftspracherwerb erfolgreicher verlaufen.

Um Tücken beim häufigen Verschreiben der Buchstaben von „b und d“ oder „p und q“ zu entschärfen, hat es sich bewährt, dem Schüler oder der Schülerin nur einen dieser Buchstaben auf den Tisch zu kleben. In das große „B“ habe ich das kleine „b“ andersfarbig hineingemalt. Das war immer eine prima Unterstützung. Bei „ei“ und „ie“ gilt das Gleiche. Ich habe eine weiße Eiform ausgeschnitten und darin dann „ei“ geschrieben, das hat auch wunderbar geklappt. Mit diesen kleinen Tricks wird das visuelle Bildgedächtnis konstruktiv „gefüttert“ und der Rechtschreiberfolg deutlich erhöht. So kann man die oft vorliegende Ähnlichkeitshemmung, das sogenannte Ranschburg Phänomen, aushebeln. Es besagt, dass ähnliche Lerninhalte, die zeitnah gelernt werden, sich überlagern und dann nicht korrekt abgerufen werden können. Also auch erstmal Nomen so lange üben, bis sie ganz sicher immer wieder erkannt werden, bevor neue Wortgruppen an die Reihe kommen.

Viel Spaß und einen lebendigen, inklusiven Unterricht!

Christine Frank


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