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Inklusive Klassengemeinschaft stärken

Zugehörigkeitsgefühl im inklusiven Unterricht stärken

Die Klassengemeinschaft bildet die Basis für erfolgreiches Lernen. Hier erfahren Sie, wie Sie spielerisch die Gemeinschaft von heterogenen Lerngruppen stärken und fördern.

Inklusive Klassengemeinschaft stärken: Zugehörigkeitsgefühl im inklusiven Unterricht stärken Gemeinsame Aktivitäten stärken die Gemeinschaft © WavebreakMediaMicro stock.adobe.com

Meiner Erfahrung nach ist gerade im inklusiven Setting oder in heterogenen Lerngruppen eine gut funktionierende Klassengemeinschaft das A und O des gemeinsamen Lernens. Es ist das Klima einer lebendigen Lernatmosphäre, die Fehler erlaubt, und eine sozial empfundene Sicherheit anbietet, die die Schüler und Schülerinnen zu gegenseitiger Achtung, Lernlust und Kooperation anstiften kann. 

Ähnlichkeiten von Familie und Klassengemeinschaft

Doch wie kann aus einer heterogenen beziehungsweise inklusiven Schülerschaft eine Klassengemeinschaft werden, die sich gegenseitig respektiert und kooperiert? Letztlich ist es ähnlich wie in einer Familie, jeder sollte willkommen sein, jeder sollte einen festen Platz in der Gemeinschaft haben, sich ihr zugehörig fühlen. Auch in der Familie wirkt es sich positiv aus, wenn jedes Mitglied einen ihm gemäßen Beitrag leistet, der für die häusliche Ordnung unterstützend und sinnvoll ist. Hier liegt oft das familiäre Übungsfeld und auch gleichzeitig das Konfliktfeld. In diesem Spannungsgebiet wird Selbstständigkeit, Verantwortungsgefühl und Selbstvertrauen trainiert. Praktizierter gegenseitiger Respekt vor der Individualität des anderen und ein partnerschaftlicher Umgangston sind meist eine gesunde Basis für ein kooperatives familiäres Miteinander. Wobei die Eltern die führenden und organisierenden Kräfte sind. 

Sie denken vielleicht, "Ja in der Familie mag das gelingen, doch wie lässt sich das auf die Schulsituation übertragen?". Jede Gemeinschaft braucht ähnlich konstruktive Impulse und Faktoren wie eine Familie. Das heißt, wenn wir als Lehrer und Lehrerinnen wollen, dass sich alle Schülerinnen und Schüler als Teil des Ganzen fühlen sollen, müssen wir ihnen die Gelegenheit geben und auch das Zutrauen haben, dass sie in der Klasse auch ihren Platz finden können.

Konstruktive Impulse setzen

Damit dieses Gemeinschaftsprojekt gut gedeihen kann, sollte ein bewährter Baustein direkt zum Schulstart installiert werden: „Spiele und Aufgaben zur Förderung des Zugehörigkeitsgefühls“. Die Spiele müssen natürlich dem Alter und den Fähigkeiten der Schulkinder angepasst werden. Sie sollten in keinem Fall überfordert werden, da sonst schnell eine Frustration einsetzt. 

Sind Kinder mit Handicap in der Klasse, ist es umso wichtiger, diese in die Klassengemeinschaft zu integrieren. Denn leiden diese unter Verhaltensauffälligkeiten oder anderen Handicaps starten sie ihre Schullaufbahn oft mit dem Gefühl „Mich mag eh keiner, ich gehöre sowieso nicht dazu“. Ganz egal, ob diese Kinder diese Erfahrung gemacht haben oder sie nur befürchten: Meist ist dies ihre Selbsteinschätzung. Um diese Negativetikettierung nicht weiter zu füttern, sondern Alternativen anzubieten, sind solche spielerischen und kreativen Angebote für ein Umlernen notwendig. Auch Kinder aus schwierigen familiären Beziehungen oder unsicheren Kinder fehlt oft das Gefühl einer sicheren Zugehörigkeit.

Insgesamt hat sich im Anfangsunterricht folgender Ablauf bewährt: 

Montags 15-20 Minuten Spiele zum Aufbau der Klassengemeinschaft:

Begrüßungsspiele:
Finden Sie hier im Lehrerbüro. Beispielsweise mit verschiedenen Körperteilen oder Gesten

Bewegungsspiele:
Das bewegte Stuhltheater ist eine Variation von „Die Reise nach Jerusalem- ohne Stuhl wegnehmen“ –  Die Stühle stehen verteilt im Klassenraum. Jeder nimmt einen Stuhl ein, nachdem die Musik stoppt. Dann gibt die Lehrkraft vor: „Sitze so auf dem Stuhl, wenn du müde bist.“ Wieder Musik und die Kinder tanzen oder gehen wieder durch den Raum, bis der nächste Stopp kommt, und die Lehrkraft weitere Gefühle (Tätigkeiten/ Berufe) vorgibt. Dies ist ein sehr beliebtes Spiel, es fördert den Selbstausdruck und unterstützt das Erleben und Darstellen von Gefühlen. Und alle finden immer einen Platz für ihre Tätigkeit.

Kontaktspiele
„Hänschen piep einmal“ oder „Fühl- Stille Post“: Hier können Berührungsängste abgebaut und Kontaktbereitschaft aufgebaut werden.

Mittwoch im Kunstunterricht kreative Aufgaben zur Klassengemeinschaft anbieten. Beispielsweise: In Partnerarbeit Körperumrisse auf Packpapier mit Wachsmalstiften malen lassen. Ausmalen und die Kinderfiguren ausschneiden und im Klassenraum an die Wände kleben. Eine beliebte Arbeit, da alle Kinder hinterher gemeinsam sichtbar werden und auch für weitere Spiele (z. B. Ich sehe was, was du nicht siehst. Wer ist es? Blauer Pulli, graue Hose, blonde Haare) dienen können.

Oder: Das Büchlein „Pezzettino“ vorlesen, nachspielen und mit Drucktechnik umsetzen. Es behandelt wunderbar einfach die Geschichte von einem „Stückchen“, welches ein rotes Quadrat ist. Es denkt von sich, dass es nicht vollständig ist, da alle seine Freunde aus mehreren Stückchen zusammengesetzt sind. Er begibt sich auf eine Reise und entdeckt letztendlich, dass er genauso richtig ist, wie er ist. Diese Thematik, die viele Kinder auch besonders jene mit Handicap beschäftigt, kann man so in vielfältiger und einfacher Weise mit der Klasse bearbeiten.

Freitag: Klassenrat bilden

Links & Tipps:

Lionni, L. (2017): Pezzettini. 5. Aufl., Weinheim. Beltz.

WIR Gefühl Unterrichtsmaterial

Morgenkreis-Gruppenspiele

Gruppenspiel Pferderennen

Zum Wochenabschluss kann über alles gesprochen werden. Hier ist Platz dem eigenen Empfinden, was gefällt, was schwierig ist oder Kummer bereitet, Ausdruck zu geben. Dem anderen Zuhören und Lösungen für Probleme finden. Oft sind es immer wieder ähnliche Themen, die sich durch die Grundschulzeit hindurchziehen. In diesem Forum können die Kinder lernen sich zunehmend besser zu artikulieren, dass jeder und jede eine gleichberechtigte Stimme hat, und Gemeinschaft dann funktioniert, wenn alle mithelfen „dass es läuft“. Diese Wochenstunde sollte direkt ab Klasse eins angeboten werden. Der Klassenrat kann die Gefahr von Mobbing deutlich verringern oder auch sonstige „nicht direkt beobachtbare Nickeligkeiten“ vor einer Belastung einzelner schützen. Zudem werden wir als Lehrer und Lehrerinnen gut über den sozial- emotionalen Stand der Klasse informiert. So können wir gegebenfalls notwendige Impulse setzen, Anregungen geben oder andere Maßnahmen (z. B. Elterngespräche) ergreifen.

Gemeinsame Wohlfühlzeiten und Pausenspiele

Für den weiteren Schulverlauf hat sich die Einführung von gemeinsamen Wohlfühlzeiten im Unterricht mittels eines Würfels bewährt. Ein von der Klasse selbstgestalteter Würfel mit sechs angenehmen Angeboten (beispielsweise: Musikzeit/ Bewegungszeit/ Tanzzeit/ Spiel/ Igelmassage) kommt so oft zum regelmäßigen Einsatz, wie es für das Klassensystem sinnvoll ist.

Im Sportunterricht hilft für das Gemeinschaftsgefühl das Aufgreifen und Einüben von gemeinsamen Pausenbewegungsspielen. Hier eignen sich gut  „Fischer, Fischer wie tief ist das Wasser?“ und „Fischer, Fischer welche Fahne weht heute?“ „Ochs am Berge 1,2,3“ und „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“. Erklärungen dazu finden Sie auf der Website Gruppenstundenspiele. Wichtig hierbei ist, dass sie gut im Unterricht eingeübt werden und faires Verhalten beim „Gefangen werden“ thematisiert wird.

Klassenregeln- wenige sind mehr 

Vier aktive Klassenregeln sind völlig ausreichend. Konzentrieren Sie sich auf diese Regeln, haben Sie eine gute Basis. 

  • Zuhören: Wenn jemand spricht, höre ich zu. 
  • Melden: Wenn ich etwas sagen möchte, melde ich mich.
  • Leise arbeiten: In der Arbeitszeit flüstere ich, wenn ich was möchte.
  • Stopp: Ich zeige mit der Hand "Stopp"

Schaffen wir es in den Folgejahren die heterogene Klassengemeinschaft im Gemeinsamen Lernen auch weiterhin so zu stärken, dass sich jeder Schüler und jede Schülerin darin aufgehoben fühlt, machen wir den Weg frei für eine partnerschaftliche und respektvolle Lernumgebung. Diese wesentliche Grundvoraussetzung ist ausschlaggebend für eine günstige Entwicklung und den Lernerfolg aller.

Christine Frank


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