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Energiesparprogramm

Energie sparen, Gewinn teilen

Energiesparen in Schulen ist das Gebot der Stunde. Mit dem Energiesparprogramm fifty/fifty profitieren alle: Schulträger, Schulen und das Klima.

Energiesparprogramm: Energie sparen, Gewinn teilen Energie sparen lässt sich lernen © guukaa - stock.adobe.com

Energie wird im kommenden Winter knapp und richtig teuer. Schon denken Verantwortliche an den Universitäten verschiedener Länder darüber nach, wie sie durch temporäre Schließungen und weitere Maßnahmen Energie einsparen könnten (vgl. dazu diese Nachricht der dpa Hessen, abgedruckt in der ZEIT). Vereinzelt (Uni Passau!) wird sogar eine Rückkehr zur digitalen Lehre nicht ausgeschlossen. – Wenngleich die Kultusministerkonferenz und die Bundesnetzagentur der Energieversorgung von Schulen und Hochschulen oberste Priorität einräumen (vgl. dazu den Bericht vom 01.09.2022 auf der KMK-Website), sind die Auswirkungen der Energiekrise auf Bildungseinrichtungen noch nicht absehbar. Ganz bestimmt aber werden die Kostenträger in Ländern und Kommunen im Herbst und Winter auf Energieeinsparungen bei Bildungseinrichtungen drängen. 

Energie sparen mit System

In dieser Situation kommt „fifty/fifty“ gerade recht: An dem wissenschaftlich und pädagogisch fundierten Energiespar-Programm kann „grundsätzlich jede Schule, jeder (...) Hort“ teilnehmen, und auch „die Schulträger, Kommunen oder Landkreise deutschlandweit“ sind zum Mitmachen aufgerufen. Entwickelt wurde „fifty/fifty“ von dem Berliner „Unabhängigen Institut für Umweltfragen“ (UfU), das die Projekte an Schulen in Berlin und Brandenburg seit über 25 Jahren durchführt. 

Noch gibt es kein bundesweites, einheitliches fifty/fifty-Programm, dafür aber „etliche Länder- und Regionalinitiativen“, die das Projekt an Schulen begleiten (vgl. dazu die fifty/fifty-Website). Ende August 2022 forderte das UfU-Institut auch, „Energiesparprogramme für Schulen in ganz Deutschland“ anzubieten (vgl. dazu den Pressetext auf der UfU-Website). Und selbst wenn das Programm in Ihrer Region (noch) nicht angeboten wird, hilft es doch dabei, ein bereits erprobtes, schulweites Spar-Projekt anzustoßen bzw. zu implementieren.

ALLE profitieren, ALLE machen mit

Der Projektname „fifty/fifty“ deutet es schon an: Hier wird etwas geteilt, nämlich der Gewinn aus den eingesparten Energiekosten. Die Hälfte kommt der jeweiligen Schule zugute , die andere Hälfte dem jeweiligen Schulträger, der die Energiekosten für die Einrichtung bezahlt. – Praktisch eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und ein gutes Argument, um als Schule auch den Schulträger bzw. andere potenzielle Unterstützer von dem Projekt zu überzeugen. 

Um möglichst große Einsparungen zu erzielen, übernehmen bei fifty/fifty alle Angehörigen der Schulfamilie ihren Part:

  • Grundsätzlich achten sämtliche „Personen des Schulalltags (Kinder und Erwachsene) ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten gemäß auf einen sparsamen Einsatz von Wärme, Licht und Elektrizität“ (vgl. den Sub-Menüpunkt „WAS IST FIFTY/FIFTY“ unter „FIFTY/FIFTY“).
  • Ein Energieteam unter „Beteiligung aller Nutzergruppen“ ermittelt „zum einen das Energiesparpotential“ und kommuniziert zum anderen „die anfallenden Energiesparmaßnahmen“. Es besteht in jedem Fall aus Schüler/-innen, Lehrkräften und dem Hausmeister bzw. der Hausmeisterin, der bzw. die die haustechnische Optimierung voranbringt.
  • In den Grundschulen (in Berlin und Brandenburg bis Klasse 6) übernehmen die älteren Schülerinnen und Schüler das Amt eines Wärme-, Wasser- und Stromlotsen. Im Video erklären sie den Jüngeren, welche Geräte sie zur Energiemessung verwenden und was ihre Aufgaben sind. Eine Wärmelotsin etwa „kümmert sich darum, dass die Heizungen nicht unnötig an sind“, erzählt eine Fünft- oder Sechstklässlerin im Video. Außerdem sorge sie dafür, dass „wenn die Fenster offen sind und gelüftet wird, die Heizungen“ ausgemacht werden.

Projekt-Auftakt: Startwert & Infoveranstaltung 

Das Projekt startet „mit dem Beginn der Heizperiode im Herbst“. Zunächst wird aus den Daten der Vorjahre der jeweilige Startwert für elektrische bzw. Heizenergie ermittelt (erforderliche Infos und Formeln unter Downloads). Das ist die Grundlage für die Berechnung der Energieeinsparung. Dann folgt eine „Grundlagenschulung des gesamten Teams“ der Schule.

Um allen Schüler/-innen zu vermitteln, was Energiesparen in der Schule bedeutet und warum es wichtig ist, gibt es zu Beginn des Projekts eine Einführung ins Thema, die das UfU oder eine lokale Partner-Einrichtung übernimmt. Es folgt ein Energierundgang: „Dabei gehen Schüler, Lehrer, Hausmeister und Vertreter der Verwaltung mit einem Fachmann durch die wichtigsten Räume einer Schule und suchen gemeinsam nach Schwachstellen im Energieverbrauch“, erläutern die Autor/-innen des „Starterkits“, das alle erforderlichen Unterlagen und Infos über die einzelnen Projektschritte enthält. Ein Unterrichtskonzept zum Thema „Energiesparen an Schulen“ (ebd. im Starterkit) unterstützt die Lehrkraft bei der Vorbereitung und Umsetzung des Energierundganges. 

Peerteaching: die Energielotsen

Eine wesentliche Rolle beim Energierundgang spielen auch die Energie-Lotsen und -lotsinnen, wie das Erklär-Video auf der fifty/fifty-Homepage zeigt. Von ihnen erfahren die Schüler/-innen, worauf man achten sollte: „15 bis 17 Grad sollten schon in Zimmern sein“, sagt eine junge Wärme-Lotsin im Video, aktuell seien es 22 Grad, „also immer noch viel zu viel“ (ebd.). Dagmar Hellwig, wissenschaftliche Mitarbeiterin von UfU, ergänzt, worauf die Schüler/-innen beim Energierundgang sonst noch schauen sollten:

  • Brennen Lichter unnötigerweise (auch in den Toiletten)?
  • Sind Fenster geöffnet, während die Heizung auf Hochtouren läuft?
  • Sind die Wasserhähne abgedreht?

Mit einem Digitalthermometer und einem Lichtmessgerät checken die Lotsen und Lotsinnen, ob alle Werte im grünen Bereich sind: In den Klassenräumen empfiehlt sich eine Temperatur von 20 Grad und eine Helligkeit von 300 Lux ideal. Und die Lotsen und Lotsinnen raten bei abgedrehten Heizungen „Stoßlüften, aber nur 5 Minuten!“ (ebd.)

Learning by doing

Der pädagogische Erfolg des Projekts steht und fällt natürlich damit, dass tatsächlich alle Schüler/-innen im Boot sind und ihren Beitrag leisten. Die Energielotsinnen und lotsen vermitteln ihnen dazu einige wichtige Regeln, die dann im Unterricht immer wieder aufgegriffen und ergänzt werden können (Materialien und Ideen dazu finden Sie auf der oben verlinkten Downloadseite und in Ihrem Lehrerbüro). Hilfreich dabei sind auch die Checklisten mit Energiespartipps auf der fifty/fifty-Homepage. Sie enthalten viele Sparmaßnahmen, die an die Schüler/-innen in den Klassen delegiert werden können, hier einige Beispiele:

  • Vor und während des Lüftens, nachts, an Wochenenden, vor den Ferien, in ungenutzten Räumen die Raumtemperatur an den Thermostatventilen herunterregeln.
  • Fenster und Türen beim Verlassen der Schule richtig schließen.
  • Jahreszeitlich passende Kleidung tragen.
  • Fenster niemals kippen, beim Stoßlüften Innentüren schließen.
  • Beleuchtungsstärke messen und auf vorgegebene Richtwerte einstellen.
  • Nicht benötigte Lampen stilllegen (Hausmeister bitten wg. Verletzungsgefahr!) bzw. ausschalten.
  • Tageslicht maximal ausnutzen und künstliches Licht wenn möglich. Ausschalten.
  • Geräte energiesparend betreiben: Stromfresser austauschen, Zeitschaltuhren, Steckerleisten zum Ausschalten nutzen etc. 

Um möglichst viele Kinder oder Jugendliche einzubinden, könnten Lotsen auch auf Klassenebene aufgestellt und die Ämter jedes Schulhalbjahr neu vergeben werden. Zudem könnten den jeweiligen Lotsen und Lotsinnen jeweils eine bestimmte Anzahl von Mitschüler/-innen assistieren (Energielotsen-Teams). Die Schulung der Neulinge übernehmen dann die Vorgänger/-innen.

Auch Memos, Plakate, ein Beitrag in der Schülerzeitung etc. übernehmen die Schüler/-innen. Bei der Gestaltung in Wort und Bild werden auch gleich die Maßnahmen noch einmal wiederholt.

Beträchtliche Einsparungen möglich

Das Video auf der UfU-Projekt-Homepage gibt einen kurzen Einblick in die Projektarbeit an Berliner Grundschulen (in Berlin und Brandenburg bis zur 6. Klasse). Und dass die eingesparten Energiekosten durch (diverse) Sparprogramme wirklich beträchtlich sind, zeigen die Beispiele auf der Website umweltschulen.de. So konnte fifty/fifty Berlin nach 5 Jahren Laufzeit an 221 Berliner Schulen 550.000 Euro jährlich einsparen. Das funktioniert auch bei einzelnen Schulen: Die Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule in Gladbeck konnte ihren jährlichen Heizenergie-Bedarf um bis zu 20 Prozent und den jährlichen Strom-Verbrauch um bis zu 40 Prozent verringern.

Geldgeber finden für energetische Sanierung: 

Klar, dass anfangs oft erst einmal Kosten für eine energetische Sanierung anfallen: Eine neue Heizung, energieoptimierte Fenster oder auch Fassadendämmung – das alles erfordert Investitionen. Doch die amortisieren sich meist durch die Einsparungen in den Folgejahren – bei den zu erwartenden Energiepreis-Steigerungen sowieso. 
Und falls der Schulträger ein Energiespar-Programm nicht oder nur teilweise mittragen möchte, gibt es immer noch die Möglichkeit, Maßnahmen über Contracting zu finanzieren: Dabei wird ein Geldgeber für Energiespar-Maßnahmen gesucht (Privatunternehmen, öffentliche Verwaltung, zivilgesellschaftliche Akteure). Dieser erhält „für eine bestimmte Anzahl von Jahren“ dadurch „eingesparte Energiekosten ausgezahlt“, so erklärt es die Website umweltschulen.de (Link s. o.). „Nach Ablauf dieser Frist spart die öffentliche Einrichtung in die eigene Tasche.“

Es lohnt sich auch, sich über Fördermittel von Bund, Ländern und EU schlau zu machen: In der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz haben Sie die aktuellen Förderprogramme im Blick.

Martina Niekrawietz


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