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Bildungsauftrag Erziehung

Lehrkräfte als Verhaltensmodelle im Schulalltag

Schule bedeutet mehr als nur lernen. Sie hat vielmehr einen Bildungs- und Erziehungsauftrag. Lehrkräfte fungieren hier als Vorbild. Wie Sie das im Schulalltag ganz nebenbei berücksichtigen, erfahren Sie hier.

Bildungsauftrag Erziehung: Lehrkräfte als Verhaltensmodelle im Schulalltag Lehrkräfte haben eine wichtige Vorbildfunktion © stockpics - stock.adobe.com

„Schulen haben einen Bildungs- und Erziehungsauftrag umzusetzen“ – so oder so ähnlich ist es in den Schulgesetzen der Bundesländer verankert. Die Bildungsaufträge werden durch unterschiedliche Curricula, schuleigene Lehrpläne und Konzepte meist recht konkret umrissen – der Erziehungsauftrag lässt sich oft schwerer fassen
Dieser Beitrag widmet sich dem Thema, wie das Verhalten von Lehrkräften im Schulalltag – ganz nebenbei - positive Beiträge zur Entwicklung der Schülerinnen und Schüler leisten kann. 

Schüler und Schülerinnen verbringen einen Großteil ihres Lebens in der Schule. Bei angenommenen 6 Unterrichtsstunden täglich mal 5 Schultage pro Woche mal 40 Schulwochen pro Jahr mal mindestens 9 Schuljahre sind das schon circa 10.800 Unterrichtsstunden. Und da sind der Ganztagsbetrieb und sich anschließende Schuljahre noch gar nicht eingerechnet. In den Unterrichtsstunden, in Lerneinheiten und in Projekten werden Kompetenzen erarbeitet, wird Sachwissen vermittelt, werden Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben. Aber über die von Seiten der Lehrkräfte hinaus formulierten (Lern-)Ziele erarbeiten sich Schülerinnen und Schüler ganz nebenbei auch weitere Kompetenzen, zum Beispiel im Verhalten. Ein Blick auf das „Lernen am Modell“ auf der Grundlage der sozial-kognitiven Lerntheorie nach Albert Bandura zeigt auf, wie Schülerinnen und Schüler vom positiven Verhalten der Lehrkräfte profitieren können.

„Lernen am Modell“ – Zusammenfassung in einem Satz

Beim „Lernen am Modell“ eignet sich eine Person eine neue Verhaltensweise an, indem sie andere Personen in deren Verhalten und den darauffolgenden Konsequenzen beobachtet.

Prozesse des Modelllernens

Die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen gliedern verschiedene Phasen des Modelllernens. Übereinstimmend sagen alle aus, dass es 

  • die Phase des Aneignens gibt, in der die Beobachtung des Modells und die Überführung der Informationen ins Gedächtnis im Vordergrund stehen. 
  • Daran anschließend findet die Phase der Erprobung und der Ausführung eigener Handlungen statt.

Zum Weiterlesen

Albert Bandura (1971): Psychological Modeling. Chicago: Aldine & Atherton, Inc.

Spagat zwischen Bildungs- und Erziehungsauftrag, SchiLf Akademie. 

In welchen Situationen kommt dem Lernen am Modell im Schulalltag besondere Bedeutung zu? Eine Vorschlagsliste zur Überprüfung des eigenen Verhaltens in der Schule und im Unterricht.

Pünktlichkeit

Schüler und Schülerinnen lieben es, wenn eine Unterrichtsstunde pünktlich endet. Genauso sollte es selbstverständlich sein, dass der Unterricht auch pünktlich beginnt. Dies kann er nur, wenn auch die Lehrkraft pünktlich erscheint. Also seien Sie Ihren Lernenden ein gutes Modell und verlassen Sie das Lehrerzimmer so, dass Sie Ihren Unterricht zum angegebenen Zeitpunkt beginnen können. Wenn Schülerinnen und Schüler erleben, dass Lehrkräfte häufiger – und ohne nachvollziehbare Begründungen – zu spät kommen, dann messen sie dem eigenen pünktlichen Erscheinen auch keine Bedeutung bei.

Materialorganisation & Vorbereitung

Als Lehrkraft setzen Sie voraus, dass Ihre Schülerinnen und Schüler ihre Hefte und Bücher, den Taschenrechner und die Stifte dabei haben. Genau so sollten auch Sie die für den Unterricht benötigten Kopien vorbereitet haben, die Nachschlagewerke mitgebracht haben, die Links zum Bearbeiten auf der in Ihrer Schule benutzten Plattform rechtzeitig hochgeladen haben. Der Schulalltag bringt schon genug Notwendigkeiten zur Abweichung mit sich, geben Sie Ihr Bestes und seien Sie ein gutes Modell im Bereich Vorbereitung des Unterrichts.

Verlässlichkeit

Sie haben Ihren Schülerinnen und Schülern versprochen, dass im Unterricht in der nächsten Woche der langersehnte Filmausschnitt geschaut wird? Sie haben gesagt, dass Sie den Test bis zur nächsten Unterrichtsstunde nachgeschaut und korrigiert haben?  

Dem Einhalten von Ankündigungen und Versprechen kommt große Bedeutung zu. Bemühen Sie sich, Ihre Ansagen einzuhalten. Im Zweifelsfall ist es wohl besser, keine konkreten Versprechungen zu machen, wenn Sie diese nicht ganz bestimmt einhalten können. Zum eher negativen Lernen am Modell in solchen Fällen kommt noch der beziehungsschädigende Effekt dazu, der Ihre Bindung zu den Schülerinnen und Schülern trübt.

Regeleinhaltung

In jeder Gemeinschaft, in jeder Schule gibt es Regeln, die eingehalten werden müssen. Einige davon sind in der Schulordnung festgehalten, andere existieren eher als klasseninterne Regeln. Hinterfragen Sie, welche der Regeln nur für Schülerinnen und Schüler gelten, und welche auch für die Lehrkräfte. Die Kaffeetasse ins Klassenzimmer mitnehmen, ist nicht angemessen, wenn die Regeln in der Klasse sagen, dass im Unterricht weder gegessen noch getrunken wird. Das gilt ebenso für das Handy, das Sie auf den Tisch legen, wenn alle Schülerinnen und Schüler ihre Geräte in der Tasche lassen sollen. 
Jetzt kann man argumentieren, dass es sich hier um Lernende und um Lehrkräfte handelt und diese nicht gleich zu behandeln  sind. Das wäre dann gewissermaßen ein Standeskonflikt. Hier gilt es abzuwägen, welches Verhalten die größeren langfristigen Vorteile verspricht. 

Streit / Disput / Diskussion / Kommunikation

Der Schulalltag bringt eine Vielzahl von Kommunikationsanlässen mit sich. Manche davon sind positiv, auf andere würde man gern verzichten.

Prüfen Sie selbst, wie Sie Kolleginnen und Kollegen auf dem Flur begegnen, wie Sie die Reinigungskräfte auf dem Schulflur begrüßen, wie Sie auf Zurufe von Schülerinnen und Schülern reagieren. Hier sind Sie nebenbei ein Modell, das von vielen Lernenden gleichzeitig beobachtet wird. Insofern ist in diesem Fall ein positives Vorleben besonders wichtig.

Ob nun bei der Streitschlichtung auf dem Schulhof, ob im Zwist mit einem Kollegen bei der doppelten Buchung eines Fachraums:  Auch hier fungieren Sie als Vorbild. Für Schülerinnen und Schüler extrem wichtig, denn die Fähigkeit zum Umgang mit Konflikten muss oftmals erst noch erworben oder ausgeprägt werden. 

  • Halten Sie Kommunikationsregeln ein,
  • bleiben Sie sachlich und wertschätzend,
  • beenden Sie das Gespräch mit klaren Absprachen. 

Schon haben Sie damit für Ihre Schüler und Schülerinnen ein Modell geliefert, wie auch diese Konflikte im Alltag besser bewältigen können. 

Um Entschuldigung bitten

Wie oft wird im Schulalltag gefordert, dass ein Schüler / eine Schülerin bei einem anderen um Entschuldigung bittet? Gerade in den Grundschuljahren prägt dies noch den Schulalltag. Aber wie halten wir als Lehrkräfte es mit dem entschuldigen? Dass Absprachen nicht eingehalten werden können, dass die Arbeitsblätter nicht kopiert wurden, dass man als Lehrkraft unpünktlich ist – all‘ das kommt vor und lässt sich trotz bester Absichten nicht immer vermeiden. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Oft sind Ausreden das Mittel der Wahl. 

Solche Situationen bedürfen aber einer Erklärung, einer Begründung und einer klaren Formulierung einer Entschuldigung. Es ist gar nicht so schwer zu sagen: „Entschuldigt bitte mein Zuspätkommen, Klasse xy, ich wurde auf dem Flur von Eltern auf der Suche nach dem Büro aufgehalten“. Damit vermitteln Sie Ihren Schülerinnen und Schülern eine Wertschätzung, eine Begegnung auf Augenhöhe und ein tragfähiges Modell zur Bewältigung ähnlicher Situationen. Denn auch bei denen wird es vorkommen, dass sie sich im Laufe ihrer Ausbildung, ihres Berufslebens entschuldigen müssen.

Ein Bewusstmachen über die Funktion des Lernens am Modell führt dazu, dass man als Lehrkraft sein Verhalten im Schulalltags genauer überprüft und mit Sicherheit Aspekte findet, in denen man seinen Schülerinnen und Schülern ein noch besseres Modell bieten kann als bisher.

Ulrike Zerbst


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