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Über Rollen-Spiele lernen

Soziales und Sprach-Lernen fördern mit Rollenspielen

Sprachmuster wiederholen ohne Langeweile? Aktuelle Konflikte nachhaltig auflösen? Empathie lernen durch Perspektivwechsel? Mit diesen 3 (Rollen-)Spiel-Ideen geht das ganz einfach!

Über Rollen-Spiele lernen: Soziales und Sprach-Lernen fördern mit Rollenspielen Spielerisch Gemeinschaft stärken © Christian Schwier - stock.adobe.com

„Spielen können die Kinder schon, aber nicht so, dass die Klasse außer Kontrolle gerät.“ – Diesen Satz hat vermutlich jeder Referendar und jede Referendarin während der Lehramtsausbildung schon einmal gehört. Auch Gisela Wegener-Spöhring, heute Erziehungswissenschaftlerin und Professorin für Grundschul-Didaktik an der Uni Gießen, ist als Junglehrerin eine Stunde mit einer 2. Klasse aus dem Ruder gelaufen. Das Thema war „Tiere im Wald“ und sie „beendete es mit einem darstellenden Spiel“, berichtet sie in ihrem Beitrag „Spiel ist die Freiheit der Kinder. Soziales Lernen im Spiel“ (hier ein Auszug daraus). „Begeistert verwandelten sich die Kinder (40 in der Klasse!) in hoppelnde Häschen, hämmernde Spechte und röhrende Hirsche“, schreibt sie (ebd., S. 38). Doch eben diese Begeisterung hatte auch eine Kehrseite: „Es war ein Spektakel und ein Chaos, und die didaktische Situation war dahin.“ Die Kinder erlebten „ein Moment der spielerischen Freiheit“, aber sie machten sich auch „zu Herren der Situation“ und durchbrachen das didaktische Arrangement mit „spielerische[r] Widerborstigkeit“, wie es Prof. Wegener-Spöhring umschreibt. 
Mit den folgenden Spiel-Ideen halten Sie die Balance zwischen spielerischer Freiheit und Ihrer didaktischen Absicht. Im Englisch- oder DaZ-Unterricht ebenso wie beim sozialen Lernen. 

Sprachmuster schnell & nachhaltig lernen

Eigentlich ist Pattern Drill eine Methode aus den 50er-Jahren: Der oder die Lehrende spricht einen Satz mit einer bestimmten grammatischen Struktur vor, die Lernenden wiederholen im Chor. Drills sollten die Dauer von 5 Minuten nicht überschreiten, sind beim Sprachenlernen hocheffektiv, aber wegen ihres militärischen Beigeschmacks „leider aus der Mode gekommen“, so heißt es in einem Beitrag im Didaktik-Blog für DaF und DaZ

Gisela Wegener-Spöhring verknüpft das Lernen des Wortfeldes der „Nahrungsmittel“ mit einem Rollenspiel, das einen einfachen Plot und bewusst lustige Stellen hat: Eine Mutter „prügelt die demonstrativ schlafenden und laut schnarchenden Kinder aus den Betten“. Kurz darauf sitzen alle am Frühstückstisch, und die Mutter fragt jedes einzelne Kind auf Englisch, was es zum Frühstück will, und die Kinder äußern möglichst skurrile Wünsche: „I want some whisky for breakfast, Mummy.“ „Whisky, are you silly?“ Dadurch, dass die Phasen spielerischer Freiheit und sprachlicher Übung voneinander abgegrenzt sind, ist gewährleistet, dass die didaktische Absicht umgesetzt werden kann, ohne dass das Spiel entgleist.

„Clever streiten“ lernen

Wenn die Kinder an der Waldschule in Flensburg streiten, helfen ihnen andere Kinder der Schule. Sie sind ein Jahr lang zu Mediatoren ausgebildet worden. Und es ist eine wirklich tolle Sache. Die Mediatoren sind überall in der Schule präsent, zum Beispiel auf dem Pausenhof. Die anderen Kinder können sich bei ihnen im Streitfall Hilfe holen, einen Termin im Mediationsbüro. Ihre Kompetenzen zur Lösung von Konflikten erwerben die Mediatoren und Mediatorinnen in Rollenspielen – genau wie Dritt- und Viertklässler/-innen in der ein- bis zweistündigen Unterrichtseinheit „Clever streiten für Kids“. Und wenn Sie das Thema "Schüler und Schülerinnen als Streitschlichter" vertiefen möchten, nehmen Sie sich ein wenig Zeit für unseren Podcast zum Thema

Der grobe Ablauf des Rollenspiels (vgl. dazu im hier verlinkten Handbuch S. 4): „Es gibt einen ‚Täter‘, ein ‚Opfer‘ und zwei Beobachter“, die einen echten oder einen konstruierten Streitfall lösen.

Die 5 Phasen der Mediation als „Storyboard“

Das Gute an dem Spiel: Es kann direkt umgesetzt werden, denn die Spielenden orientieren sich an den fünf Stufen des Mediationsvorgangs, die Sie auf Karteikarten vor sich haben:

  1. Was genau ist passiert? --> Regeln werden erklärt und die Kontrahenten bekunden ihren Willen zur Kooperation.
  2. Warum ist es passiert? --> Thema wird abgesteckt, Informationen werden gesammelt und Positionen vorgetragen.
  3. Wie habe ich mich dabei gefühlt? --> Beide Seiten werden sich über ihre Bedürfnisse klar und teilen einander ihre Gefühle mit (Blickkontakt!).
  4. Wie kann es in Zukunft besser sein? --> Bei einem kurzen Brainstorming sammeln die Beteiligten Lösungsoptionen, die erst am Ende kommentiert und auf eine mögliche Umsetzung überprüft werden.
  5. Worauf haben wir uns geeinigt? -->  Schriftliches Festhalten der Lösungen, auf die man sich geeinigt hat (Schema SMART, vgl. dazu S. 7). Vereinbarung eines Termins zur Überprüfung der Einhaltung des Vertrags.

Die Spielenden bewegen sich also entlang des vorgegebenen Rasters und können ihre Rollen doch sprachlich, mimisch und gestisch ausgestalten.

Skills für faires Streiten vermitteln

Die Mediatorenausbildung an der Waldschule in Flensburg (vgl. Video oben) dauert mit gutem Grund ein ganzes Jahr, denn zu Konfliktlösungs-Kompetenz gehören ganz bestimmte Fähigkeiten. Mediatorin Claudia Lutschwewitz von der Deutschen Stiftung Mediation vermittelt die wichtigsten bei ihren Besuchen in Grundschulklassen.
In einer vierten KIasse führt sie dabei das Mediationsrollenspiel durch. Wie sie bei der Nachbesprechung vorgeht, schildert sie in ihrem Beitrag „Clever streiten für Kids“:

Anhand der „Konfliktkarten“ von „Was genau ist passiert?“ bis „Worauf haben wir uns geeinigt?“ (ebd., Abb. auf den Seiten 17, 18 und 19) wird der geschlichtete Streit „Stufe für Stufe besprochen“. Die „kleinen Schauspieler“ erzählen von ihren Gefühlen in der Streitsituation „und warum sie so und nicht anders reagiert“ haben. Ihre „Aussagen“ werden an der Tafel festgehalten.

Ganz zentral ist es zu lernen, „dass ‚Warum-Fragen‘ wichtig sind, um den anderen zu verstehen“. Denn oft stecken hinter Streit und Aggression ganz andere Beweggründe; „Wenn ich gewusst hätte, dass du nur mitspielen willst, hätte ich dir den Schuh nicht nachgeworfen“, sagt da ein Mädchen der vierten Klasse zu einem Jungen.

Giraffensprache deeskaliert!

„Der Ton macht die Musik!“ – Das können die Kinder nicht früh genug lernen. Verletzende Worte und ein aggressiver Tonfall entfesseln ganz schnell eine Spirale der Gewalt. Mit gewaltfreier Kommunikation hingegen haben Kontrahenten gute Chancen (keine hundertprozentigen!), eine angespannte Situation zu deeskalieren. Mit dem Unterrichtsvorschlag „Die Giraffen- und Wolfssprache“ auf der Website von „kontakt+co“ sensibilisieren Sie die Kinder für die Unterschiede von Giraffen- und Wolfssprache.

Hier finden Sie übrigens auch viele weitere Unterrichtseinheiten, die bei der Lösung von Konflikten helfen oder auch dazu beitragen, dass die Kids sich fair auseinandersetzen statt „fetzen“. Apropos: Im Unterrichtsvorschlag „Reden statt schlagen“ gibt es einen ganz tollen Wuttrick: „eine alte Zeitung zerfetzen“...

Martina Niekrawietz


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