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Montessori Prinzipien

Buchstaben begreifen: Wörter zaubern & Lesen lernen

Das haptische Begreifen von Buchstaben unterstützt das Erlernen der Rechtschreibung. Hier erfahren Sie, wie Sie Holz-Buchstaben nach Montessori lernförderlich einsetzen können.

Montessori Prinzipien: Buchstaben begreifen: Wörter zaubern & Lesen lernen Rote & blaue Buchstaben erleichtern das Begreifen von Wörtern © AAP Lehrerwelt GmbH

„L-a-m-a“ buchstabiert er konzentriert und ein Strahlen huscht über sein Gesicht beim Erfolg, selbst ein Wort „geschrieben“ und gelesen zu haben. Malte kam vor wenigen Wochen in die Schule. Er kennt die Buchstaben schon von seiner älteren Schwester. Aber auch Lennard und Tina, die diese erst seit dem Schulbeginn verwenden, gelingt es schon, Wörter aus diesen „beweglichen Buchstaben“ zu legen und zu lesen.

Was ist das Geheimnis hinter diesen blauen und roten Holzlettern? Einige Erwachsene kennen so etwas als einzelne Kärtchen in einem Lesekasten. Das Prinzip beider Materialien ist sehr ähnlich, dennoch weisen die beweglichen Buchstaben einige Unterschiede und Vorteile auf: 

  1. Sie sind dreidimensional und die Form der einzelnen Zeichen kann angefasst werden, was eine komplett andere Haptik darstellt, als flache Kärtchen zu verwenden. Dadurch gelingt das Be-greifen real und nachhaltig. Ebenso ist das Lernen mit unterschiedlichen Sinnen und über das zu häufig bzw. zu wenig genutzte „Muskelgedächtnis“ sehr effektiv.
  2. Konsonanten und Vokale unterscheiden sich farblich. Dadurch wird optisch der Kern, die beim Sprechen betonte Stelle des Wortes, hervorgehoben: Dose, Kissen.

Außerdem dient die Farbunterscheidung den Kindern als Gedankenstütze: Selbstlaute (Vokale), Umlaute und Diphthonge werden durch diesen „einen Laut selbst“ durch unterschiedliche Mundöffnung beim Sprechen gebildet.

Mitlaute (Konsonanten) dagegen benötigen beim Aussprechen immer einen weiteren Laut, der mit Mund, Lippen, Zähnen gebildet wird (l = gesprochen el, k = gesprochen ka).

Die genannten Hinweise erfahren die Schüler/-innen durch Vorführen, Vorsprechen der Lehrkraft und anschließender Nachahmung. Solche Inhalte müssen zuerst vermittelt werden, denn diese komplexen Inhalte werden normalerweise von Lernenden nicht automatisch erfasst.

Die einzelnen Buchstaben fördern durch das Hantieren, das haptische Erleben und Be-greifen unterschiedlichste Sinne:

  • das „Be-greifen“, wie die einzelnen Buchstaben aussehen, wodurch sich ähnlich aussehende beispielsweise p / q / g oder b / d / c vom Aufbau und Aussehen her unterscheiden – dies kann u. U. Legasthenie/Leseschwäche vorbeugen.
  • dass Groß- und Kleinbuchstaben vom Aussehen her meist große Ähnlichkeiten aufweisen (beispielsweise M, m / O, o / W, w) und deshalb der „gleiche Buchstabe ist“ (bildhaft dargestellt Mama/Papa + Kind)
  • dass aneinandergelegte einzelne Buchstaben ein Wort ergeben
    --> Förderung Erstschreiben
    --> unbewusstes Erfassen von Rechtschreibung
    --> Förderung Erstlesen
  • wie ein Wort / Wörter durch einzelne Buchstaben aufgebaut wird/werden
  • dass es unterschiedliche Buchstabenarten gibt:
    Groß- und Kleinbuchstaben 
    - Großbuchstaben nur am Wort- / Satzanfang 
    - Konsonanten = rot + Vokale, Umlaute, Diphthonge = blau
  • Ebenso, dass deutsche Wörter deutlich mehr Konsonanten aufweisen bzw. dass es deutlich weniger Vokale/Umlaute/Diphthonge gibt, die im „Wort den Ton angeben“ (Vokal (Selbstlaut / Bedeutung, Beispiele und Erklärung) und ggf. in diesem Zusammenhang, dass in jeder Sprechsilbe ein Vokal/Umlaut/Diphthong vorkommt: Kat-ze, Töp-fe, Ba-na-nen-stau-de.
  • mit Abstand gelegte Wörter einen inhaltlichen Sinn bzw. einen Satz ergeben.
  • Aufgrund des „Lernens mit allen Sinnen“ ist es dringend empfehlenswert, zu Beginn nur Wörter ohne Sonderrechtschreibung legen, lesen, „schreiben“ und üben zu lassen,also Wörter, bei denen alle Laute hörbar sind (wie Oma, Traum, Schule, Katze).  Auch Abbildungen mit dem da nebenstehenden Wort in korrekter Schreibung (beispielsweise Anker, Sonne, Mutter) sind empfehlenswert. 
    --> Mit beiden Varianten vermeiden Sie, dass sich Fehler einprägen.
  • Richtiges von Anfang an korrekt zu lernen, ist immer einfacher, als falsch Eingeprägtes zu berichtigen! Es soll dringend vermieden werden, Worte, nur weil sie dem Klang nach richtig sind, falsch „schreiben“ zu lassen (z. B. Fane anstatt Fahne).

Die oben genannte Problematik kann aufgrund Erfahrungen im Deutschunterricht der Sekundarstufe leider viel zu häufig bestätigt werden.

Anwendungsmöglichkeiten der beweglichen Alphabete:

  • Die Schüler/-innen ordnen den Großbuchstaben (als bildhaft ausgedrückt Mama- oder Papabuchstabe) den jeweiligen Kleinbuchstaben (Kind) zu. Diese können nebeneinander auf eine Karte gelegt werden, auf dem ein Wort bzw. zwei Wörter, die diejeweiligen Buchstaben aufweisen, zu lesen sind (Bsp.: Esel, fünf Fische).
  • Es ist auch möglich, diese Groß- und Kleinbuchstaben aus Papier auf beispielsweise Papierwagons zu kleben. Dieser Buchstaben-Zug wird für Erstklässler im Klassenzimmer sichtbar als Alphabet aufgehängt.
  • Diese Buchstaben können als Vorbild dienen, um sie mit Knetmasse eigenhändig zu modellieren. Hierfür eignet sich die Stangenknete, die durch die Handwärme zuerst weichgeknetet werden muss, was wiederum die Hand- und Fingermuskulatur kräftigt.
  • Die Kinder sollten, bevor sie mit diesem Buchstaben-Material selbstständig arbeiten, die Buchstaben an sich, Unterschiede + Aussehen der Groß-Kleinbuchstaben, deren Aussprache usw. (auch durch Hantieren mit denselben) kennengelernt haben.

Mögliche Arbeitstechniken:

  • Wörter sollten idealerweise auf Linienmatten oder in entsprechender Größe fotokopierte Linienblättern der jeweiligen Jahrgangsstufe  ausgelegt werden. Damit wird das gerade Anordnen der Buchstaben und Wörter sowie die Einhaltung der Ober-und Unterlängen automatisch geübt. Es bietet sich außerdem zuerst an, Wörter in Kleinschreibung „schreiben“ zu lassen wie lesen, schön, kleben; anschließend auch solche mit Großbuchstaben am Wortanfang (Maus, Käse, Bäume u. a.). Lese- und Schreibanfängern sollten hierfür gängige, zu übende Wörter vorgegeben sein. Durch diese Vorgabe ergibt sich die sich anschließende Selbstkontrolle.
  • Geübtere Schüler/-innen legen Begriffe, die ihnen beispielsweise diktiert werden oder die sie von Abbildungen ableiten. Auch in einem kurzen Lesetext markierte Wörter bieten sich zum Arbeiten an. Anschließend muss eine Kontrollmöglichkeit zur Verfügung stehen – beispielsweise durch korrekte Schreibweise im Text bzw. auf der Rückseite der Abbildung oder durch die Lehrkraft. Falls nötig, berichtigt das Kind schlussendlich die Schreibweise. 
  • Wörter können aneinandergereiht mit einem kleinen Abstand zueinander zu Sätzen gelegt werden (Diktat, „Abschreiben“ von einem Arbeitsblatt…). Erklärung des Sinns der Abstände ist für Anfänger vonnöten. Anschließend folgt die Kontrolle, das Berichtigen. Ebenfalls ist das händische Abschreiben ab einer gewissen Stufe des Könnens sinnvoll.
  • Das Erfassen der richtigen Aussprache erfolgt durch das vorherige Vorlesen der Lehrkraft von Wörtern im Plenum/Sitzkreis, das gemeinsame Sprechen im Chor für Anfänger (insgesamt etwa 10) sowie das anschließend leise Aussprechen und Arbeiten der Schüler/-innen in Einzel- oder Partnerarbeit (Kontrolle der richtigen Schreibweise mithilfe einer Lösung).
  • Die vorher genannte Arbeitsweise bietet sich auch fürs Erlernen/Unterscheiden der Vokale/Umlaute/Diphthonge an. Beim anschließend händischen Schreiben sollte bewusst der Stift an dieser Stelle gewechselt und der Vokal/Umlaut/Diphthong ebenfalls hellblau (damit er sich vom Tinten-Blau unterscheidet) geschrieben werden.

Haben die Kinder die Vokale, Umlaute und Diphthonge bereits verinnerlicht, kann zuerst das Wort im Gesamten notiert und anschließend der Vokal/Umlaut/Diphthong nochmals farbig nachgeschrieben werden.

Die vorherige Übung bildet die Basis des Erkennens von Silben und/oder der Trennregeln. Das Erfassen erfolgt zuerst durch das Vorlesen der Lehrkraft von einem Wort im Plenum, während dieses gezeigt und dabei an der richtigen Stelle auseinandergerückt wird. In die Lücke wird außerdem ein Trennstrich gelegt (z. B. ein flacher, schmaler Zweier-Steckbaustein oder ggf. selbst gebastelt in einer anderen Farbe als rot oder blau). Dies ist wichtig, um die Zusammengehörigkeit der Silben, die ein Wort bilden, zu verdeutlichen. Es folgt gemeinsames Sprechen im Chor (insgesamt ca. 10 Begriffe) sowie das anschließende leise Aussprechen und Arbeiten der Schüler/-innen in Einzel- oder Partnerarbeit (Kontrolle der richtigen Schreibweise mithilfe eines Lösungsarbeitsblattes).

Werden die Wörter außerdem in „Ro-bo-ter-spra-che“ beim Sprechen mitgeklatscht oder mit einem Finger auf der Tischplatte -geklopft und anschließend handschriftlich notiert, bietet sich zusätzlich das Erklären der Bedeutung der Silbenbögen an.

Das Hantieren und Agieren mit „lebendigen Buchstaben“ und „beweglichen Alphabeten“  ist eine anschauliche Möglichkeit, effektiv Lese-, Schreib- und Rechtschreibungsgrundlagen zu lehren und zu lernen; reales Be-greifen, in diesem Falle Buchstaben, ist im Zeitalter moderner Medien, die haptisches Erleben nahezu ausschließen, wichtiger denn je.

Marylin Albert-Legniti

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