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Sprachunterricht

Sprachen: Besser lernen mit Gesten

Jedes Kind lernt anders. Da ist es gut, Lerninhalte auf unterschiedliche Art und Weise zu vermitteln. So werden mehrere Lerntypen angesprochen. Neueste Studien zeigen den Erfolg von Gesten im Unterricht.

Sprachunterricht: Sprachen: Besser lernen mit Gesten Gesten unterstützen das Lernen © WavebreakmediaMicro - stock.adobe.com

Ich habe oft als Team Teacher im Englisch Unterricht der Grundschule teilgenommen, und meine Kolleginnen nicht um ihre Arbeit beneidet. Gerade in Klasse 1 und 2 war der Englischunterricht von sehr viel Unruhe begleitet. Denn diese Stunden verlangten von den Schülern und Schülerinnen immer eine starke auditive Konzentration. Sie hatten Mühe, dem 30 bis 45-minütigem Sprachinput in „funktionaler Einsprachigkeit“ zu folgen.

Besser ging es schon, als Bildkarten dazu kamen. Aber für viele Sätze und Redewendungen gab es kein Kartenmaterial. Diese hohe Zuhörleistung überforderte die meisten jungen Lerner und sie fingen an, sich zu unterhalten, zu kramen oder sich mit anderem zu beschäftigen. Für jene Schülerinnen und Schüler, die über den auditiven Kanal nur schwer zu erreichen waren, blieben der Lernerfolg und die Motivation weiterhin unbefriedigend.

Gemeinsam sinnstiftende Gesten erfinden

Hinweise

Verwendete Literatur: Dr. Christian Andrä, Dr. Manuela Macedonia, Bewegtes Lernen, Handbuch für Forschung und Praxis. Lehmanns Media. Berlin 2020.

Linktipp: Lernen mit Bewegung, Auer Verlag

Hier könnte ein einfacher Trick zu mehr Lernspaß und besserem Lernerfolg verhelfen. Davon würden gerade auch die schwächeren Lerner profitieren, Englisch oder auch andere Sprachen sowie Inhalte besser zu verstehen und die Vokabeln langfristig zu behalten.

Verknüpfen Sie zuerst die englischen Vokabeln und Sätze mit Bildkarten und dann zusätzlich mit Gesten. Beispielsweise könnte das englische Wort „valley“ (Tal) mit den Händen so dargestellt werden, dass Sie einen nach oben offenen spitzen Winkel beschreiben. Das gesprochene Wort wird immer gleichzeitig mit der Geste ausgeführt und hat einen Bezug zum Inhalt. Jetzt haben die Kinder einen dreifachen Sinnesimpuls zu „Valley“: 

  1. das gehörte Wort,
  2. die Bildkarte/ das geschriebene Wort,
  3. und die Geste.

Den Satz „Running to the train“ zerlegt man beispielsweise in seine drei Wortbestandteile *Running* *to* *the train* und performt die erdachten Gesten dazu. Meine Ideen dazu wären „running“ mit auf der Stelle ausgeführten kleinen Schritten darzustellen oder mit schnellen Fingerbewegungen von Zeige- und Mittelfinger auf dem Tisch zu veranschaulichen. „To“ könnte mit einem nach vorne ausgestrecktem Zeigefinger gestaltet werden. Zu „ the train“ würde ich mit angewinkelten Ellbogen Kreisbewegungen machen. Dem kreativen Gestikulieren sind hier keine Grenzen gesetzt. Natürlich muss es immer die gleichgestaltete Geste sein, die dem Wort oder dem Satz zugeordnet ist. Ein wichtiger Faktor bei den Gesten ist zudem, sie müssen einen verstehbaren Wortbezug für die Lernenden haben. Denn sonst stellt sich der unterstützende Effekt der Gesten nicht ein und kann sogar Lernerschwernis bringen (vgl. Bewegtes Lernen S.19f). 

Am besten man überlegt mit der Klasse gemeinsam, welche Gesten für die Gruppe stimmig sind. Dieser gemeinsame Prozess kann die Unterrichtsinhalte näher und direkter an die Kinder herantragen und die Lernmotivation erhöhen.

Vokabeln pauken – mit Bewegung leichter

Durch diesen zusätzlichen Gestenimpuls werden die Lernenden aktiver handelnd in den Sprachlernprozess eingebunden. Es entstehen Bewegungsfolgen, die das motorische Zentrum im Gehirn stimulieren und den Sprachlernprozess zusätzlich unterstützen. Durch die unmittelbare Selbstbeteiligung der Lernenden entsteht eine bessere Aufmerksamkeit auf das Sprachgeschehen und mehr konzentrative Ruhe im Unterricht. Das Hinzufügen von Gesten im Sprachunterricht ermöglicht so laut eingehender Studien ein deutlich verbessertes Aufnahmevermögen und nachhaltigeres Vokabellernen.

Federführend in diesem Forschungszweig sind hier die Universitäten Dresden, Berlin, Leipzig und auch das Max-Planck-Institut. Die Einrichtungen erforschten, dass mehrsinnige Vermittlung zu verbessertem Lernerfolg führte. „Wenn wir beispielsweise einen Begriff mit einer Geste nachstellen, schaffen wir zusätzlichen Input, der dem Gehirn das Lernen erleichtert“, sagt Dr. Katharina von Kriegstein (Max-Planck-Institut). Es gibt auch eine Studie mit Achtjährigen, die herausfand, dass die Lernergebnisse im Englischunterricht bei visuellem Input die gleichen sind wie bei dem gestischen Input. Doch in den meisten anderen Forschungsergebnissen überwiegen die Aussagen, dass Bild plus Bewegung/ Geste nachhaltiger und schneller zum Fremdspracherwerb führen.

Von der Zufälligkeit zur Forschung

Spannend ist auch, wie der Startschuss zu diesem Forschungsfeld „Gestik und Bewegung im Fremdsprachenunterricht“ (wissenschaftlich VMI-Voice Movement Icons) bei Frau Dr. Manuela Macedonia fiel. Das berichtet sie lebendig und anschaulich hier im Interview. So brachte sie eine müde Sprachlerngruppe aus „purer pädagogischer Verzweiflung“ mit Hilfe von Gesten zu deutlich verbesserten Lernergebnissen. Diesem großen Überraschungseffekt wollte sie auf die Spur kommen. Inzwischen konnte sie wissenschaftlich belegen, dass Lernen nachhaltiger und leichter in einem Sprachunterricht mit Gesten geschieht, verknüpft mit (Text) Bild und gesprochenem Wort (vgl. Bewegtes Lernen S.22 ff).

Nun, liebe Lehrkräftte ist es an Ihnen: Probieren Sie es aus, ob auch Ihr Sprachunterricht durch Hinzunahmen von Gesten zu mehr Lernerfolg und Spaß führt. Überprüfen Sie die Aussage von Frau Manuela Macedonia , „dass vor allem schwächere Lerner besonders von dem multisensorischen Input profitieren“. 
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem kreativen und konzentriert bewegten Englischunterricht.

Christine Frank


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