Fach/Thema/Bereich wählen
Survival-Tipps

Das erste Jahr als Berufsanfänger überstehen

Der Praxisschock trifft viele Junglehrer unvermittelt. Daran erinnern sich auch viele erfahrene Pädagogen. Sie geben ihren jungen Kollegen wertvolle Tipps. Und manchmal auch fertige Unterrichtsmaterialien. Außerdem machen sie Mut zur Lücke, zum Nein-Sagen und zu einem authentischen Umgang mit den Schülern.

Survival-Tipps: Das erste Jahr als Berufsanfänger überstehen Für viele Berufseinsteiger ist das erste Jahr am schwersten. Hier gilt es, Strategien für den Alltag zu entwickeln © Alexey Rumyantsev - Fotolia.com

Ein junger Lehrer fängt zum Halbjahr an einer neuen Schule an. Seine Referendarskollegen waren bereits im Vorjahr zu Schuljahresbeginn in den Beruf eingetreten, und was er von ihnen hört, verunsichert ihn: „Alles sei sehr stressig, man käme kaum mit der Vorbereitung hinterher, ganz furchtbar, schreckliche Schüler usw.“, schildert er in einem Lehrerforum.

Manche dächten schon jetzt — nach wenigen Monaten als Lehrer — daran, „zum Arbeitsamt zu gehen und eine Umschulung zu machen“. Von den erfahrenen Kollegen („den positiv Gestimmten (…) — Ich hoffe, es gibt euch überhaupt!“) würde er gern wissen, wie sie es schaffen, ihren Lehreralltag so gut zu bewältigen.

Die Erfolgsrezepte der „positiv gestimmten“ Kollegen ähneln sich auffallend: „Ich freue mich an den (kleinen) Erfolgen meiner Schüler“, schreibt eine Lehrerin, „ganz oft“ tauscht sie sich mit ihren Kollegen aus „und vor allem: Ich habe ein Leben, das meistens (…) deutlich wichtiger ist als die Schule.“

Ein Berufseinsteiger berichtet, dass er seine Kraft und seinen Enthusiasmus aus der Interaktion mit seinen Schülern zieht: Das „merken meine SuS auch, dass ich sie respektiere und wertschätze und einfach auf ihrer Seite stehe,“ schreibt er. Dadurch ergäben sich „einfach tolle Stunden“ und das Unterrichten mache Spaß. Viele Anregungen drehen sich um die Unterrichtsvorbereitung: Lieber ein paar Euro in fertige Materialien investieren, ruhig auch ‘mal Stunden improvisieren („die sind oft sogar richtig gut geworden!“) oder mit vorhandenen Lehrwerken arbeiten, wird einhellig geraten.

Eigenen Einstellungen als Stressfaktoren

Naturgemäß fehlt es im allerersten Jahr an Materialien für den Unterricht. Wenn dann allerdings dazu noch der Anspruch kommt, „dass wirklich jede Stunde minutiös geplant sein muss“, ist eine Überlastung vorprogrammiert. Ein erfahrener Kollege nennt im eingangs genanntem Forum weitere stressfördernde Muster von Berufseinsteigern: Den Irrglauben, dass man sich als neuer Kollege „unbedingt für Zusatzaufgaben (Steuerunggruppen [sic!], Planungsgruppen, Austauschorganisation etc.) melden muss, um einen guten Eindruck zu machen“, und die Vernachlässigung eigener Bedürfnisse.

Besonders wichtig sei der Austausch mit Kollegen: „Bitte sie um Tipps und Material und gebe auch was zurück, wenn du gute Sachen hast“, rät er. Außerdem auch hier nochmals der Tenor: „Keine Angst vor ‚Instant‘-Material“ und „unvorbereitete Stunden sind OK“. Ein weiterer, wichtiger Hinweis: „Mache dich nicht verrückt, weil du kein Feedback für deine Stunden bekommst“. — Fehlende Anerkennung sollte man nicht persönlich nehmen, sie gehört zum ersten Jahr als Lehrer dazu.

Bedeutsame „Softskills“ zum Überleben

Kirsten Hoffmann und Marc Böhmann, beide Mitglieder in der Fachgruppe Junger LehrerInnen der GEW, ergänzen weitere wichtige Tipps für einen gelingenden Berufseinstieg in der Broschüre „Betriebliches Eingliederungsmanagement" eines Hessischen Schulamtes (S. 8). Unter anderem auch hilfreiche persönliche Strategien gegen Frust und Überforderung: Humor zum Beispiel entschärft Konflikte und ist gesund.

Mangelndes Feedback von außen sollte man durch wertschätzenden Umgang mit eigenen Fortschritten kompensieren: „Nehmen Sie bewusst Erfolge und eigene Lernprozesse wahr. Freuen Sie sich darüber, schwierige Situationen schon besser bewältigt zu haben als beim letzten Mal.“ Und auch Hoffmann und Böhmann erteilen dem kraftraubenden Perfektionismus eine klare Absage: „Sehen Sie den Fehler und das Scheitern als pädagogische Grundkategorien und verabschieden Sie sich vom Ideal eines perfekten Unterrichts, einer perfekten Lehrerpersönlichkeit.“

Auf keinen Fall sollte man versuchen, jemand zu sein, der man nicht ist. Vielmehr sollte man die eigene Persönlichkeit einbringen und authentisch sein. Dazu gehört es auch, seine Grenzen zu kennen und „Nein“ sagen zu können, betonen Hoffmann und Böhmann. Denn: „Vieles, was Schüler/innen, Kolleg/innen, Schulleiter/innen, Eltern oder Sie selbst von sich erwarten, können Sie nicht erfüllen.“

Auf Berufseinsteiger stürzt so viel Neues ein, dass sich manche davon schier „erschlagen“ fühlen. Schon allein durch das Einprägen der vielen neuen Gesichter und Namen fühlen sich viele überfordert. Hier dazu ein Praxis-Tipp aus dem eingangs erwähnten Forum: Die Schüler mit Namensschildern fotografieren und dann „büffeln wie Vokabeln“.

Und was schulspezifische Gepflogenheiten, organisatorische Abläufe, Ansprechpartner et cetera anbelangt, sollte man sich selbst bei extremer Hektik Notizen machen und die Ablage up-to-date halten. Das erspart nervenaufreibendes Suchen.

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Dazu passende Arbeitshilfe


Mehr zu Ratgeber Berufseinsteiger

Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×