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Anleitung zur Meditation

Die neue Lehrerrolle und ich

Frischgebackene Lehrer sind häufig unsicher: im Umgang mit Kollegen, Schülern und Eltern. Plötzlich muss man eine Rolle ausfüllen, in die man erst hineinwachsen muss. Eine Gedankenreise/Meditation kann dabei helfen.

Anleitung zur Meditation: Die neue Lehrerrolle und ich Lehrer, die neu im Beruf sind, finden sich häufig noch nicht in ihrer Rolle zurecht und fühlen sich schnell überfordert © Victor - Fotolia.com

Mit „Praxisschock“ verbindet sich für viele Berufsanfänger die mehr oder weniger reflektierte Auseinandersetzung mit der Lehrerrolle. Sie waren Schüler und erlebten die Lehrer als Autoritäten, die sie akzeptierten, verehrten, oder denen sie versuchten, aus dem Weg zu gehen, weil sie ihnen „nicht lagen“. Im Studium erfolgte meist die Fortsetzung dieses Verhaltens. Man war der, der belehrt wurde, der lernen musste und der nach allen Regeln der Kunst abgeprüft wurde.

Und plötzlich steht man auf der anderen Seite. Man wird im Lehrerzimmer als Kollege gesehen, Schüler erwarten jetzt von ihrem Gegenüber „Lehrerverhalten“, Kollegen und Eltern sowieso. Man erlebt sich als Mitglied einer „Kaste“ — und fühlt sich unsicher. Man möchte nichts falsch machen, nirgends anecken, in kein Fettnäpfchen treten und tritt doch ab und zu in eines. Man versucht sich in seiner Lehrerkaste einzurichten.

Lehrer — eine in sich geschlossene Gruppe

Dieses Kastenwesen in der Lehrerausbildung/Referendariat und den Lehrerberufen kann man als ein Grundübel des deutschen Schulsystems ansehen, indem ein gegliedertes Schulsystem am Leben erhalten wird, das den Anforderungen des 21. Jahrhunderts nicht mehr entspricht. Ansätze für eine Veränderung sind nicht auszumachen. Sieht man die wesentliche Aufgabe einer Lehrkraft darin, „die Menschen zu stärken und die Sachen zu klären“ (Hartmut von Hentig), so lassen sich keine Gründe für die Notwendigkeit finden, warum sich Lehrer als abgeschottete bzw. abzuschottende Gruppe sehen.

Kinder wollen die Welt erklärt bekommen, ihre Neugier befriedigen, sie wollen lernen. Besonders die Fachwissenschaftler mit ihren Fachsystematiken verhindern hier allerdings häufig den Zugang. Zudem haben manche Fachwissenschaftler im Laufe ihrer Fachstudien die Schüler meist völlig aus den Augen verloren. Sie sind ihnen fremd geworden und sie wissen nicht mehr, wie Schüler denken und wie man sie für Themen begeistern kann. Sind die Studierenden erst Lehrkräfte, dann ordnen sie sich dem gängigen System unter. Dabei ist die Orientierung an Fächern, von den Lernern aus gesehen, ein höchst fragwürdiges Unterfangen. Die meisten Lehrkräfte, vor allem ab der Sekundarstufe, verstehen sich trotzdem in erster Linie als „Fachgelehrte“. Das, was eine Lehrkraft ausmacht oder ausmachen sollte, wird dadurch häufig zweitrangig. Die Kompetenz, eine Gruppe von Schülern für einen Unterrichtsgegenstand zu begeistern, den Stoff didaktisch und methodisch stimmig aufzubereiten und zu vermitteln, die Lerngruppen zu führen und ihnen positive Lernerlebnisse zu ermöglichen, wird von den sogenannten „Fachgelehrten“ nicht selten als „pädagogischer Schnick-Schnack“ abgetan.

Eine neue Rolle, die ausgefüllt werden will

Sich in die Lehrerrolle einzufinden und sich als Teil einer ganz speziellen Berufsgruppe zu akzeptieren, braucht Zeit, die man sich als Berufsanfänger geben muss. Manche finden schnell zu ihrer beruflichen Identität, erkennen den eigenen Wert und die pädagogischen Möglichkeiten in der beruflichen Rolle. Andere laborieren ein Lehrerleben lang an ihrer beruflichen Identität. Sie hadern mit „dem System“, seinen Unzulänglichkeiten und Widersprüchen. Hier gilt es vorzubeugen.

Berufseinsteiger gehen häufig sehr kritisch mit sich selbst um. Das führt allerdings besonders vermehrt zu Unsicherheit und Selbstzweifeln, was wiederum die Arbeit und das eigene Selbstverständnis blockiert. Achtsamkeit und Empathie sind wesentliche Fähigkeiten die Lehrkräfte entwickeln müssen, doch dürfen diese sich nicht nur auf die Schüler beziehen. Ohne Selbstachtsamkeit und Selbstfreundlichkeit besteht die Gefahr, als Lehrkraft an sich selbst zu scheitern.

Lösungsweg: eine Meditation zum Lehrerdasein

Als Lehrkraft ist man auch Teil eines Kollegiums mit seinen diversen „Lehrertypen“, hat Vorgesetzte, die manches, was man denkt und tut, unter „schulspezifischen“ Gesichtspunkten sehen und hat mit Eltern zu tun, die gegenüber jungen Lehrkräften nicht selten reserviert oder misstrauisch sind.

Berufsanfänger sollten sich immer wieder klarmachen, wie wertvoll der Lehrerberuf für unsere Gesellschaft ist. Denn: Lehrkräfte arbeiten mit jungen Menschen, erleben sie in ihrer Begeisterung beim Entdecken der Welt. Lehrkräfte können sie bei ihrem Lernen unterstützen, können sich mit ihnen freuen, wenn sie über sich hinauswachsen und sich neuen Herausforderungen stellen.

Deshalb möchte Ich Ihnen eine gedankliche Übung/Meditation vorschlagen, die positiv auf den Beruf und den Schulalltag einstimmen kann. Auf die folgende Gedankenreise kann man sich sowohl allein als auch in einer Gruppe begeben:

  • Ich suche mir einen angenehmen ruhigen Aufenthaltsort und mache es mir bequem. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich sitze oder liege. Ich schließe meine Augen.
  • Ich vergegenwärtige mir, wie wichtig die Aufgabe des Lehrers ist (siehe oben) und wie Schüler begeistert Neues entdecken. Ich verweile einige Zeit in dieser Freude über meine Berufswahl und die Wertschätzung meiner Arbeit.
  • Danach lenken ich die Gedanken auf meine Grundschulzeit: den Tag der Einschulung, die Ängste und Erwartungen. Ich denke an die Grundschullehrkräfte: Wie erschienen sie uns?
  • Ich denke an die Zeit am Gymnasium und an Lehrkräfte, denen ich dort begegnete. Gute Lehrkräfte kommen uns in Erinnerung, belanglose, auch schlechte. Was machte für mich als Schüler eine gute Lehrkraft aus? Ich erkenne womöglich, wie wichtig Freundlichkeit, Offenheit, Mitgefühl und Geduld sind. Ich erkenne auch, wie wichtig die Begeisterungsfähigkeit der Lehrkraft für den Unterricht und die Unterrichtsthemen ist.
  • Ich denke an meine Entscheidung für den Lehrerberuf. Welches erlebte Lehrerverhalten kann als Vorbild dienen? Welches Lehrerverhalten sollte man unbedingt vermeiden?
  • Ich denke an Kolleginnen und Kollegen der derzeitigen Schule. Wer eignet sich als berufliches Vorbild? Was zeichnet diese Person als gute Lehrkraft aus? Versuche diese Lehrkraft mit den Augen der Schüler zu sehen und verweile einige Momente in dieser Situation.
  • Abschließend entwickele ich mein eigenes Lehrerbild. Wie will ich den Schülern in den nächsten Jahren begegnen? Lass eine Bildergalerie deiner Lehrerzukunft vor deinem geistigen Auge vorbeiziehen.

Als Berufseinsteiger ist man mit einer Vielzahl neuer Aufgaben konfrontiert, ebenso mit einer neuen, noch ungewohnten Rolle. Um all die Ängste, Sorgen und Anspannungen loszuwerden und ein positives Zukunfts- und Selbstbild zu entwickeln, kann eine Gedankenreise wie oben vorgestellt helfen. Zum Schluss möchte ich allen Neu-Lehrern die Parabel von den Fröschen in der Milch als Inspiration mit auf den Weg geben.

Klaus Vogel

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