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Unterrichtsgestaltung

Impulse statt langer Lehrervorträge

Der Redeanteil von Lehrern ist im Unterricht oft zu hoch. Statt langer Vorträge können einfache Impulse den Unterricht aktiv voranbringen und die Aufmerksamkeit der Schüler erhöhen.

Unterrichtsgestaltung: Impulse statt langer Lehrervorträge Ein kleiner Fingerzeig kann ein Impuls sein, ruhig zu sein © pathdoc - Fotolia.com

„Wer die Hausaufgaben aufgeschrieben hat, kann sich hier vorne noch sein Arbeitsblatt für die Hausaufgabe holen und dann alles in den Ranzen packen, weil wir dann frühstücken wollen“, sagt die Klassenlehrerin der Klasse 1a. Mit dem Resultat, dass einige Schüler bereits frühstücken, obwohl sie weder das Arbeitsblatt geholt, noch den Tisch aufgeräumt haben. Für die Erstklässler waren das einfach zu viele sprachliche Anweisungen hintereinander, die sie nicht alle aufnehmen und umsetzen konnten.

Laut Untersuchungen ist der Redeanteil von Lehrern mit 80 Prozent im Gegensatz zu den Schülern sehr hoch. Im Klassenraum herrscht eine permanente Interaktionssituation, in der Lehrer Arbeitsaufträge und Unterrichtsinhalte erklären und vermitteln, Handlungen und Situationen versprachlichen, den Unterricht lenken und Schüler loben und maßregeln. Der Sprache und Kommunikation kommt eine hohe Bedeutung zu. Doch wenn die Schüler zu wenig an den mündlichen Phasen beteiligt werden und mehr oder weniger einem Lehrermonolog folgen müssen, zu viele Anweisungen auf einmal hören oder in langen Schimpftiraden gemaßregelt werden, verfallen sie in eine Konsumhaltung. Sie schalten ab und sind nicht mehr aufmerksam, während der Lehrer vom vielen Reden mittags keine Stimme mehr hat.

Schüler durch sprachliche Impulse aktivieren

Oftmals benötigt es keiner langen Reden. Zur Aktivierung der Schüler reichen häufig Impulse. Diese können verbal, stumm oder medial gegeben werden.

Als verbaler Impuls reicht bereits eine Behauptung wie: „Alle Wörter mit V werden groß geschrieben. “ Schon schnellen die Finger der Schüler nach oben, um diese Lehrer-behauptung mit Gegenbeispielen zu widerlegen.

Manchmal reicht eine einzige Frage für die Aktivierung der Schüler wie beispielsweise: „Was weißt du über Säugetiere?“ Und schon berichtet ein Schüler über einen Besuch im Zoo, gefolgt von Beiträgen anderer Schüler über das eigene Haustier und was in einer Tiersendung dazu berichtet wurde. Der Lehrer muss nur die Stichworte in einer Mindmap an der Tafel mitschreiben und schon haben die Schüler die Gestaltung des Themas selbst entwickelt.

Werden Fragen richtig eingesetzt, so sind die Schüler sehr schnell aktiv. Es sollte nur eine einzelne Frage gestellt werden. Kettenfragen verwirren die Schüler ebenso wie eine Folge von Anweisungen. Je nachdem, ob die Schülerantwort lang oder kurz ausfallen soll, kann man geschlossene oder offene Fragen einsetzen. Dies können wie im Beispiel oben Wissensfragen, Denkfragen mit eindeutiger oder mehrfach möglicher Lösung, gefühlsgerichtete Fragen oder auch Wertungsfragen zum eigenen Lernen sein.

Ein Auftrag sorgt ebenso für die Mitarbeit der Schüler. Hier gilt es sowohl die chronologische Reihenfolge einzuhalten, als auch den Auftrag eindeutig und präzise zu formulieren: „Miss mit dem Zollstock deine Körpergröße und die deines Nachbarn. Schreibt eure Ergebnisse ins blaue Heft.“ Nur dann wissen die Schüler, was zu tun ist, und werden ohne weitere Anweisungen aktiv.

Viele Reaktionen der Schüler ruft oft auch eine Provokation hervor wie: „Das Einmaleins hat 100 Aufgaben. Also müsst ihr alle auswendig lernen. Da habt ihr ja einiges zu tun!“ Ziemlich schnell werden Schüler protestieren, dass die Tauschaufgaben gleich sind und man in weiteren Reihen immer weniger Aufgaben zusätzlich lernen muss.

Visuelle Reize und Medien einsetzen

Anregend sind ebenfalls mediale Impulse: Hier kann eine Tafelanschrift des neuen Themas die Schüler in ihren Bann ziehen wie beispielsweise das Sachunterrichtsthema „Strom“. Ohne weitere Worte des Lehrers werden die Schüler ihre Vorkenntnisse äußern.

Faszinierend für Schüler kann eine entstehende Zeichnung an der Tafel sein. Sie werden raten wollen, was es darstellen soll. Die Zeichnung des Lehrers zeigt beispielsweise einen Fuchs als Einführung zur Lektüre „Findefuchs“.

Hat der Lehrer kein künstlerisches Talent, erreicht man mit einem verhüllten Plakat oder Bild an der Tafel denselben Effekt. Wer ein Whiteboard in der Klasse hat, kann damit ebenfalls Bilder verdecken bzw. Teilausschnitte zeigen, die neugierig machen.

Die Neugier der Kinder ist ohnehin ein wunderbarer Motor, Wissenserwerb in Gang zu bringen. Das geht auch mit ganz klassischen Requisiten wie ein hereingeschobener, verhüllter Tisch, unter dem sich eine Balkenwaage für die Gewichteeinheit befindet oder ein mitgebrachter Koffer mit Magneten für den Sachunterricht etc.

Ein einfacher Gegenstand ermöglicht ebenfalls Denkanstöße. So kann  beispielsweise im Morgenkreis ein Stein oder eine Feder, „steinschwere“ oder „federleichte“ Gefühle symbolisieren, über die man dann leichter sprechen kann.

Einen ganz besonderen medialen Impuls gibt ein Hörbeispiel. Dies können ein Lied zum Thema, Geräusche oder ein gesprochenes Gedicht sein. Auch hier haben die Schüler Raum,  sich zunächst spontan dazu zu äußern. Videos können ebenfalls als Impuls in ein neues Thema einführen. Sie geben einen ersten Überblick, zu dem die Kinder dann womöglich zu einzelnen Teilbereichen eigene Ideen entwickeln und (in Gruppen) weiterarbeiten können.

Stumme Impulse sagen viel

Ganz ohne Stimme kommen stumme Impulse aus wie Körperhaltung, Gestik oder Mimik. Diese kann man sehr gut für erzieherische Maßnahmen einsetzen: hier ein strenger Blick, dort eine Handbewegung, die das Wegräumen anzeigt, ein „Daumen hoch“ für einen aufmerksamen Zuhörer etc. Durch Nicken, Lächeln und Anschauen zeigt man sich gegenseitig, dass man noch aktiv zuhört.

Und weil Schüler Pantomime lieben, sollte man sie auch im Unterricht einsetzen – und schon hat man die Aufmerksamkeit auf seiner Seite. Wenn der Lehrer Zahlen mit den Fingern zeigt, die Buchstaben von Lernwörtern in die Luft schreibt oder zwei Schüler ihren Streit ohne Worte nachspielen sollen, zieht das alle Blicke an.

Einsatzszenarien

Impulse können vielfältig eingesetzt werden. Ritualisiert können beispielsweise Impulse wie folgt genutzt werden:

  • Immer wenn der Lehrer das Leisezeichen aufhängt, darf nur noch geflüstert werden.
  • Im Sitzkreis liegen morgens immer Stein und Feder, um die Gefühle des Tages zu beschreiben.
  • Wenn der Lehrer drei Mal klingelt, schreiben alle Schüler die Hausaufgaben ab. etc.

Mediale, verbale und stumme Impulse können in sehr vielen Unterrichtssituationen eingesetzt werden: von Arbeitsauftrag über Themeneinführung, Unterrichtsgespräch bis zu Einforderung der Klassenregeln. Überall führen sie ohne viele Worte des Lehrers zu mehr Aktion, Kommunikation und Aktivierung der Schüler. Der Lehrer sollte hier zunächst kleinschrittig vorgehen und sich täglich einen speziellen Impuls gezielt vornehmen, um zugunsten der Schüleraktivität seinen Sprachanteil zu reduzieren.

Marion Keil

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