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Achtsamkeit

Mit Schülern mit intensivem Förderbedarf angemessen kommunizieren

Die Kommunikation und der Umgang mit Schüler mit intensivem Förderbedarf stellen hohe Anforderungen an den Lehrer. Den achtsamen Umgang und die Rücksichtnahme auf die speziellen Bedürfnisse und Schwierigkeiten dieser Schüler sollte man sich immer wieder bewusst machen.

Achtsamkeit: Mit Schülern mit intensivem Förderbedarf angemessen kommunizieren Ein Schüler mit intensivem Förderbedarf ist darauf angewiesen, dass seine Mitmenschen angemessen in seine Welt eintreten © denys kuvaiev - Fotolia.com

In sonderpädagogischen Arbeitsfeldern wie auch in inklusiven Settings stellen Schüler mit intensivem Förderbedarf uns immer wieder vor besondere Herausforderungen im pädagogischen Bezug. Diese Schüler zeigen einen wesentlich höheren Förderbedarf, meist in mehreren Bereichen der Motorik, Sprache, Kognition, Wahrnehmung oder des Verhaltens und einen daraus resultierenden erhöhten Hilfebedarf. Sie fordern uns als Pädagogen oft deutlich stärker als andere Schüler, einen passenden Zugang zu finden, um zu einer sinnvollen Förderung zu gelangen.

„Den“ Schüler mit intensivem Förderbedarf gibt es jedoch nicht. Jeder Schüler ist individuell und verschieden. Eine phänomenologische Annäherung an den Begriff der (schweren) Behinderung kann unmöglich auf so kurzem Raum erfolgen. Dennoch haben Sie wahrscheinlich sofort einen bestimmten Schüler mit ganz bestimmten Fragestellungen vor Augen, wenn Sie den Begriff des intensiven Förderbedarfs hören.

Die besonderen Bedürfnisse beachten

Ein Schüler mit intensivem Förderbedarf ist häufig darauf angewiesen, dass seine Mitmenschen angemessen auf ihn zu und in seine Welt eintreten. Dabei erschweren oft Kleinigkeiten im alltäglichen Umgang das gegenseitige Verständnis — besonders im Hinblick auf Kommunikation.
Das Konzept der Achtsamkeit kann hierbei konkrete Hilfe bieten: nach Kabat-Zinn ist Achtsamkeit eine bestimmte, nicht wertende und absichtsvolle Aufmerksamkeit, die sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht und nicht auf Vergangenheit oder Zukunft (vgl. Jon Kabat-Zinn: An outpatient program in behavioral medicine for chronic pain patients based on the practice of mindfulness meditation: Theoretical considerations and preliminary results. In: General Hospital Psychiatry. 4 (1), 1982, S. 33–47).

Wie können wir mit höherer Achtsamkeit und Sensibilität sofort für eine angenehmere Grundsituation in der Kommunikation sorgen? Wie können wir unser Bewusstsein für die Bedürfnisse des Schülers schärfen?

Ausgangspunkt für eine konkrete Förderung ist das grundlegende Verständnis für die besonderen Bedürfnisse der betreffenden Schüler. Und oft genug sind es unsere eigenen Grenzen in der Kommunikationsfähigkeit, im Verstehen, in den Interpretationsspielräumen, welche hier behindern (vgl. Andreas Fröhlich, Basale Stimulation-das Konzept, Düsseldorf 1998).

Sprich mit mir und nicht über mich

Schüler mit intensivem Förderbedarf sind oft auf weitreichende Hilfe in allen Belangen des Lebens angewiesen. Sie begegnen dabei vielen verschiedenen, oft wechselnden Helfern, die sie sich nicht selbst aussuchen können. Unabhängig davon, ob sich die beiden Personen also mögen oder nicht, muss die Hilfe vom einen gegeben, vom anderen auch angenommen oder sogar ertragen werden. Dabei kann es leicht passieren, dass aufgrund der eingeschränkten sprachlichen Möglichkeiten stärker über den Schüler anstatt mit ihm gesprochen wird. Er wird dadurch aber mehr „behandelt“, denn als Person wahrgenommen. Seien Sie sich darüber im Klaren, dass der Schüler u. U. viel mehr versteht, als er mit Worten ausdrücken kann. Vermeiden Sie es generell, mit anderen Kollegen über Anwesende zu sprechen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist.

Lernen Sie den Schüler möglichst gut kennen, um auch kleinste nonverbale Hinweise verstehen zu können. Sprechen Sie stets mit dem Schüler, egal was Sie als nächstes tun. Sprechen Sie ihn mit Namen an, berühren Sie ihn gleichzeitig initial leicht an der Schulter und sagen Sie, was Sie tun werden. Sprechen Sie handlungsbegleitend und evtl. in immer gleichen Satzmustern. Das kann zum allgemeinen Verständnis beitragen und stellt einen bekannten Kontext her.

Non-verbale Kommunikation beachten

Achten Sie umgekehrt auf Mimik, Gestik und kleine Besonderheiten wie etwa Zupfen oder Ziehen. Deuten Sie diese positiv als Kommunikationsversuch oder Kontaktangebot. Vermeintlich negative Äußerungen wie Schreien oder Zwicken könnten auch bedeuten, dass jemand Ihre Aufmerksamkeit erlangen möchte. Fragen Sie hierzu auch die Eltern oder Personen, die den Schüler bereits besser kennen.

Erklären und erläutern Sie die nächsten gemeinsamen Planungen und Unternehmungen. Gerade wenn ein Schüler im Rollstuhl bewegt wird, ist es wichtig für ihn zu wissen, woher/wohin/wozu oder zu wem er gefahren wird. Auch die Zeitdauer kann eine wichtige Information sein: Wie lange muss ich warten? Wird es dauern?

Überprüfen Sie, wo Sie den Schüler im Rollstuhl stehen lassen: Ist es hier laut oder zugig? Kalt? Eng? Wie ist der Ausblick? Kann ich das Geschehen um mich herum beobachten? Wenn jemand gar keine Mitbestimmungsmöglichkeit darüber hat, wo er positioniert wird, ist er in besonderer Weise auf Ihre Achtsamkeit angewiesen.

Respektvoller Umgang bei der Körperpflege und Nahrungsaufnahme

Noch etwas näher in der persönlichen Privatsphäre befinden Sie sich in Situationen der Körperpflege oder beim Essen und Trinken. Achten Sie hierbei in besonderer Weise darauf, in Kommunikation zu bleiben: Ist es so (noch) angenehm? Hat Ihr Gegenüber Schmerzen? Ist etwas peinlich? Sorgen Sie dafür, dass diese Verrichtungen trotz der pflegerischen Hilfenotwendigkeit auch Privatsache bleiben.

Gerade Essen und Trinken gestalten sich manchmal besonders mühsam, obwohl doch die meisten nichtbehinderten Menschen dies in Verbindung mit Genuss verankert haben. Mit etwas Achtsamkeit können Sie auch hier für eine angenehme Situation sorgen. Nehmen Sie sich Zeit und halten Sie den Blickkontakt, um die Bedürfnisse besser erkennen zu können. Aus eigener Erfahrung wissen wir alle, dass sich bestimmte Gefühlslagen „auf den Magen schlagen“. Berücksichtigen Sie dies in der Begegnung, akzeptieren Sie dann auch ein Nein.

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, wie Martin Buber sagt.

Viele dieser Anregungen mögen wie Selbstverständlichkeiten erscheinen. Erfahrungsgemäß ist es jedoch immer wieder notwendig, diese zu kultivieren, um nicht „betriebsblind“ zu werden. Zeitdruck und Komplexität der täglichen Aufgaben verstellen nur allzu leicht den Blick auf das Wesentliche. Und so wünsche ich Ihnen viele achtsame und erfüllende Begegnungen.

Claudia Omonsky

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