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Unterrichtsplanung

Rhythmisierung des Schulalltags lässt Schüler besser lernen

Vor der Pause eine Lerntheke, nach der Pause eine Lerntheke — innovativer Unterricht und trotzdem sind die Schüler müde und unkonzentriert? Hier wäre etwas Abwechslung wichtig. Rhythmisierter Unterricht bezieht sich auf unterschiedlichste Aspekte, die alle dafür sorgen, dass Schüler besser lernen können.

Unterrichtsplanung: Rhythmisierung des Schulalltags lässt Schüler besser lernen Gruppenarbeit im Wechsel mit Einzelarbeit — eine von vielen Möglichkeiten der Rhythmisierung © Syda Productions - Fotolia.com

Unser Leben ist durchgängig von Rhythmen geprägt und nicht etwa linear verlaufend. Der menschliche Körper unterliegt vielfältigen vorgegebenen rhythmischen Ordnungen. So leben wir alle im Rhythmus der Jahreszeiten, von Tag und Nacht, Ruhe und Tätig-Sein. Der biologische Rhythmus bezieht sich ganz allgemein auf die regelmäßigen Zustände von Menschen. Bei jedem Menschen tritt darüber hinaus der sogenannte Eigenrhythmus auf, der sich im Biorhythmus und dem persönlichen Tempo von anderen Menschen unterscheiden kann (vgl.  hier).   

So erlebt jeder Mensch einen ständigen Wechsel von Anspannen und Loslassen, von Ein- und Ausatmung, von Essen und Verdauung, von Assimilation und Akkommodation, von Leistungshöhepunkten und Leistungstiefpunkten. In diesem je eigenen Rhythmus treffen sich in der Schule Lehrer und Schüler. Hier kommt noch ein weiterer Rhythmus hinzu: Der Schulrhythmus mit seinen festen Zeiten bestimmt wesentlich den Lehr-Lernvorgang in der Schule.

Lerntypen und Lernkurven berücksichtigen

Schulische Lernprozesse haben folglich immer mit unterschiedlich gerichteten Rhythmen zu tun: der innere Rhythmus des einzelnen Menschen wie auch der äußere Rhythmus der Organisation Schule mit Dauer und Abfolge von Lerneinheiten bzw. Pausen, also der schuleinheitlich festgelegte zeitliche Stundentakt. Darüber hinaus gibt es die funktionale Rhythmisierung im Unterricht durch die Unterrichtsmethodik. Diese meint die interne Lernstruktur innerhalb der vorgegebenen Stunden, die von Lehrern (und Schülern) selbst gesteuert wird, beispielsweise durch den Wechsel der Lehr- und Lernformen.

Wir alle wissen, dass es die Zielorientierung wesentlich erschwert, wenn wir gegen unseren Rhythmus arbeiten. So sind Lehrer aufgefordert, für ihre Schüler passende Voraussetzungen zu schaffen, um gut lernen und arbeiten zu können. Wie können diese im Unterricht systematisch eingesetzt werden? Die Rhythmisierung beschränkt sich bei weitem nicht nur auf den Wechsel des Sitzplatzes. Vielmehr bedarf es unterschiedlicher Zugangsweisen und sehr guter Kenntnisse der Schülervoraussetzungen, zum Beispiel hinsichtlich Lerntyp oder Leistungskurve.

Die Rhythmisierung des Schulalltags berücksichtigt auf dieser Grundlage …

  • wechselnde Lehr- und Lernformen,
  • wechselnde Sozialformen und
  • wechselndes Lernmaterial und
  • die Lernkurven in der Unterrichtsstunde, im Schultag, in der Schulwoche.

Dies sorgt für Abwechslung und Spannung und erhält die Motivation aufrecht. Darüber hinaus unterstützt es die Ausdauer, Konzentration und Lernbereitschaft. Auch wenn man nicht so einfach die organisatorisch festgelegten Bausteine wie Unterrichtszeiten, 45-Minuten-Takt oder Ferienzeiten ändern kann, so gilt es doch, bestimmte zeitliche Strukturen flexibel einzusetzen. Ankommens- und Pausenzeiten können in Grenzen zeitlich verändert werden, um dem individuellen Lernrhythmus der Schüler angepasst werden zu können.

Unterrichtsstruktur und -gestaltung

Eine mögliche äußere Unterrichtsstruktur kann beispielsweise so aussehen: Ankommensphase mit Freiarbeit / gleitender Schulbeginn mit optionalem Frühstücksangebot — gemeinsamer Morgenkreis — Kernunterricht — Trinkpause & Hofpause / aktive Pause — Kernunterricht — Abschlussphase / Entspannung.
In der inneren Unterrichtsgestaltung können Sie durch einfache Maßnahmen der Rhythmisierung folgende Elemente berücksichtigen und im ausgewogenen Wechsel anbieten:

  • Arbeitsplatzwechsel: alle Raumbereiche im Klassenzimmer werden abwechselnd genutzt — vor der Tafel, am Arbeitsplatz, an Gruppentischen, in der Leseecke
  • Lernen auf verschiedenen Raumebenen: auch die Nebenräume, der Flur, die Pausenhalle werden genutzt, Unterrichtsgänge in die Umgebung
  • Tätigkeitswechsel: Aktive und passive Lerntätigkeiten wechseln sich ab, zum Beispiel Zuhören/Kommunizieren, Aufschreiben, Malen/Zeichnen, Aufkleben, Durchführen/Handeln, Bewegen/Sitzen, etwas holen/aufräumen u.v.m.
  • Verschiedene Sinneskanäle ansprechen: Nicht nur das Sehen, sondern auch alle anderen Sinne werden angesprochen; besonders die Nahsinne sind wichtig: vom Greifen zum  Be-Greifen.
  • Einzelarbeit — Partnerarbeit — Gruppenarbeit — verschiedene Sozialformen bereichern den Unterricht und stellen unterschiedliche Anforderungen; je nach Lerntyp fühlen sich Schüler auch in unterschiedlichen Sozialformen wohl.
  • Lehrerzentrierte oder offene Unterrichtsführung / offene und gebundene Unterrichtsmethoden / gelenktes oder selbstständiges Arbeiten: jede Methode stellt bestimmte Anforderungen, sodass es auch bei größeren Unterrichtsmethoden wichtig ist abzuwechseln; hier ist „Mehr-Desselben“ nicht immer die richtige Wahl.
  • Stillarbeit oder verschiedene Gesprächsformen: Der eine Schüler lernt leichter, wenn er etwas anfassen kann und damit Zeit zu intensiver Beschäftigung damit hat, der andere lernt leichter, wenn er es jemandem erzählen kann.  
  • Spannung und Entspannung / Bewegung und Ruhe / Auflockerung: Zu einem echten Spannungsbogen gehört auch die bewusste Planung und Durchführung von Entspannung; dies braucht auch im Unterricht eigene Zeiten und Gestaltungsformen.
  • Gegensätze: Hier drückt sich Rhythmisierung im Kleinen aus, z. B. während einer Unterrichtsstunde laut und leise sprechen, schnell und langsam arbeiten usw.
  • Konzentration und Mitarbeit: das Hervorheben von besonders Wichtigem kann ein Mittel der Rhythmisierung sein, das besonders hohe Aufmerksamkeit fordert.
  • Verschiedene Wahrnehmungskanäle ansprechen, z. B. kognitiv-motorisch, optisch-akustisch, verbal-nonverbal

Diese Elemente beziehen sich nicht nur auf die einzelne Schulstunde, sondern auch auf den Tagesablauf und die ganze Woche. So wird der Unterricht nicht nur abwechslungsreicher, sondern auch zielorientierter und noch stärker an den individuellen Bedürfnissen Ihrer Schüler orientiert.

Claudia Omonsky

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