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Vorbereitungsdienst

Seminarwechsel — schwierig, aber nicht ganz unmöglich

Selbst wenn alles glatt läuft, gilt der Vorbereitungsdienst als schwere Zeit. Da ist es umso problematischer, wenn unkooperative Kollegen oder Lehrpersonen die Lage zusätzlich verschärfen. Einen Mentor oder gar das Studienseminar zu wechseln, ist leider nicht einfach.

Vorbereitungsdienst: Seminarwechsel — schwierig, aber nicht ganz unmöglich Der Vorbereitungsdienst ist eine Herausforderung für Referendare, erst recht, wenn man mit den Bedingungen nicht zufrieden ist © Syda Productions - Fotolia.com

„Vielleicht war es meine Schuld. Vielleicht war ich anfangs zu forsch oder habe zu viele Frage gestellt.“ An den Beginn seines Referendariats erinnert sich Sebastian Müller (Name geändert) nur ungern, er hatte massive Schwierigkeiten mit seiner Mentorin. Dass Kritik an Lehramtsanwärtern nicht immer konstruktiv formuliert wird, ist bekannt, doch was der 26-Jährige zu hören bekam, war beleidigend: „Da vielen auch Sätze wie, ‚Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sie ihr Studium geschafft haben‘, oder ‚Für die Schüler wäre es besser, sie würden Maurer werden. Als die Lehrerin ihn aus lapidarem Grund vor der gesamten Klasse abkanzelte, suchte Müller das Gespräch mit dem Rektor. Dieser reagierte und wies ihm einen neuen Mentor zu.

Kein Rechtsanspruch auf Mentoren- oder Seminarlehrerwechsel

Glück gehabt, denn ein Rechtsanspruch auf einen Mentorenwechsel besteht nicht. Es wird zwar von Schulleitern verlangt, derartigen Wünschen nachzukommen, wenn das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört ist, doch was letztendlich passiert, ist Ermessenssache.

Kaum besser sieht es aus, wenn sich der Betroffene einen Wechsel eines Seminarlehrers wünscht. Auch in diesem Fall besteht kein verbindlicher Anspruch, wer der Meinung ist, die Zusammenarbeit sei unzumutbar, sollte seine Position gut begründen können.

Noch komplizierter ist es, wenn jemand seinen Vorbereitungsdienst in einem anderen Studienseminar fortführen will. Jürgen Eckert betreibt die Website referendar.de, er sagt: „Nach meinem Kenntnisstand ist zumindest bei uns in Bayern kein Wechsel möglich. Das ist problematisch, denn es führt dazu, dass sich Referendarinnen und Referendare ihrem Seminarleiter auf Gedeih und Verderb ausgeliefert fühlen.“ Daher greifen einige Anwärter zu radikalen Lösungen. Eckert berichtet von einer jungen Frau, die eine geplante Schwangerschaft vorzog, um ihren Vorbereitungsdienst nach Ende der Elternzeit anderswo zu beenden.

Links zum Thema:

Die seit 1999 existierende Website www.referendar.de bietet angehenden Lehrern zahlreiche Infos und ein gut besuchtes Forum.

Der Vorbereitungsdienst ist in den Lehrerausbildungs-verordnungen der Bundesländer geregelt. Hier die entsprechenden Vorschriften des Landes Niedersachsen.

Häufig ergeben sich Probleme mit Lehrpersonen dadurch, dass Referendare ihre Benotung als ungerecht empfinden. Dieser Text von Rolf Strietholt und Ewald Terhardt befasst sich mit der Beurteilung von Lehramtsanwärtern.

Entscheidend sind die Gründe

 Annette Niehues (Name geändert) vom Schulbezirkspersonalrat Braunschweig sagt: „Es kommt natürlich auf die Gründe an. Will jemand beispielsweise im Rahmen einer Familienzusammenführung in eine andere Stadt wechseln, bestehen durchaus innerhalb eines Bundeslandes Chancen.  Problematisch ist es hingegen, wenn jemand anderswo weitermachen möchte, weil er Schwierigkeiten mit anderen Teilnehmern oder Lehrpersonen hat. Zudem ist wichtig, dass es in dem Wunschseminar noch freie Plätze gibt.“ Wer hingegen schon vor Beginn seines Vorbereitungsdienstes mit dem Seminarort nicht einverstanden ist, kann sich einen Tauschpartner suchen. Nicht ganz einfach, schließlich müssen nicht nur die Wunschorte der Wechselwilligen übereinstimmen, auch Schulformschwerpunkt und Fächerkombination müssen identisch sein. In Lehrerforen und auf den Internetseiten von Bezirksregierungen und Kultusministerien finden sich eine Vielzahl von Tauschbörsen.

Annette Niehues empfiehlt, bei Problemen den Personalrat zu konsultieren und sagt: „Niemand braucht sich Sorgen zu machen, dass Informationen aus dem Gespräch unbedacht an die Verantwortlichen weitergereicht werden. Für uns besteht Schweigepflicht.“   Wenn jemand – wie im eingangs erwähnten Fall – Schwierigkeiten mit Kollegen seiner Schule hat, findet er in den Personalvertretern geeignete Ansprechpartner. Gewerkschaftsmitglieder können zudem auf das Beratungsangebot der GEW zurückgreifen.

Will man von einem Bundesland in ein anderes wechseln, gestaltet sich das weit schwieriger: Denn hier aufhören und dort anfangen – das funktioniert so einfach nicht.  Rechtliche Regelungen, die einen reibungslosen Wechsel garantieren, existieren nicht. Der Vorbereitungsdienst muss abgebrochen werden, erst dann kann man sich im Wunsch-Bundesland von neuem bewerben. Ein Vorgehen, das eine gewisse Risikobereitschaft fordert, denn ob man einen Platz bekommt, ist nicht zuletzt auch Glückssache. Dass zuvor erbrachte Leistungen angerechnet werden, ist nicht garantiert. Es liegt im Ermessen des neuen Seminars, diese anzuerkennen. Oftmals wird das abgelehnt und bereits erfolgreich absolvierte Prüfungen müssen wiederholt werden. Wer diese Art von Wechsel in Erwägung zieht, sollte vorher entsprechende Informationen einholen und die Folgen sorgfältig abwägen. In den meisten Fällen dürfte sich das Referendariat in die Länge ziehen.








Stefan Hirsch

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