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Unterrichtsevaluation

Zufriedener im Beruf durch Selbstevaluation

Lehrersein bedeutet tagtäglich zu Führen und in vielen Bereichen kompetent zu sein. Jeder Lehrer hat daher Stärken und Schwächen. Diese in einem Evaluierungsprozess zu analysieren und sich zu verbessern, trägt zur Zufriedenheit im Beruf bei.

Unterrichtsevaluation: Zufriedener im Beruf durch Selbstevaluation Es lässt sich fröhlich und entspannt unterrichten, wenn man sich und seine Arbeit immer wieder einmal auf den Prüfstand stellt © contrastwerkstatt - Fotolia.com

„Wie professionell bin ich als Lehrer?“, fragen sich viele Kollegen. Sehr effektiv in der Beurteilung ist sicher ein Feedback durch die Schüler. Doch auch selbst kann man seine Stärken und Schwächen mithilfe eines Fragebogens einschätzen. Dieser bringt die eigenen Fähigkeiten noch besser auf den Punkt als die regelmäßige Evaluation nach dem Unterricht.

Viele Lehrer machen sich nach abgeschlossenen Unterrichtseinheiten Notizen zu Mängeln der Kopiervorlagen oder der Vorgehensweise. Doch auch die Lehrerhaltung und die Lehrerpersönlichkeit sind neben den inhaltlichen Vermittlungen entscheidend für den Lernerfolg der Schüler.

Entscheidend ist in der Lehrer-Schüler-Beziehung der höfliche Umgang mit den Schülern, ihr Vertrauen zu gewinnen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass man sich um sie kümmert, sorgt und sie wertschätzt und respektiert. Im Reflexionsprozess sollte man daher ehrlich die Fragen beantworten, ob man mit allen Schülern höflich spricht, sich Zeit nimmt für Sorgen und Wünsche, alle Schüler fair behandelt und bemerkt, wenn sich Schüler besonders anstrengen, um gemeinsam verabredete Ziele zu erreichen.

Eigene Schwächen und Stärken ermitteln

Bereits durch das Nachdenken über diese Bereiche, die weniger auf die inhaltlichen Unterrichtsbereiche zielen, kommt ein Reflexionsprozess in Gang, der Hinweise auf Schwächen und Stärken gibt. Gerade für jüngere Schüler ist diese Beziehung, das Lernen „für den Lehrer“ und (noch) nicht fürs Leben, entscheidend für die Lernmotivation und den Schulerfolg. Sich angenommen fühlen mit seinen Fehlern und dazu Unterstützung einfordern und bekommen zu können, ist hier sehr wichtig.
Auch das Agieren in der Klasse macht die Lehrerpersönlichkeit aus. Gibt es Vereinbarungen, Verbindlichkeiten, an die sich alle halten? Müssen Regeln und deren Konsequenzen für die Arbeitsruhe nachgebessert werden? Wie ist der Umgang untereinander? Auch hierfür ist der Lehrer verantwortlich und stellt gemeinsam mit den Schülern Regeln und Maßnahmen auf. Für die Hinführung der Schüler zu selbstverantwortlichem, eigenverantwortlichem Lernen ist die Anleitung und Führung durch den Lehrer, die Motivation zum Lernen durch geeignete „gute Aufgaben“ nötig.

Unterricht differenziert, interessant und lebendig gestalten

Für den Lernprozess der Schüler ist zunächst das verständliche Erklären von Unterrichtsinhalten wichtig. Bestenfalls sollte der Gesprächsanteil der Schüler mindestens so hoch sein wie der des Lehrers. Das Nachvollziehen, Weiterdenken, Erklären durch die Schüler selbst fördert das eigenständige Denken und Mitdenken.

Gleichzeitig muss der Lehrer die Schüler im Blick haben, die zusätzliche Unterstützung, Motivation und/oder differenzierte Aufgaben benötigen, um nicht unter- oder überfordert zu sein. Wichtig für einen gelungenen Lernprozess ist neben der Förderung und der Begleitung durch den Lehrer ebenfalls die Transparenz der geplanten Unterrichtsinhalte und -ziele. Es fällt den Schülern leichter, etwas zu lernen, wenn sie das Endziel und die Etappenziele kennen. Alltagsbeispiele bereichern hier nicht nur den Mathematikunterricht.

Ein gut organisierter und strukturierter Unterricht vermittelt den Schülern Sicherheit. Wiederholungen im Ablauf des Unterrichtstages gibt nicht nur den hyperaktiven Schülern Halt, sondern minimiert für alle Schüler Unterrichtsstörungen durch verunsicherte Nachfragen, Arbeitsverweigerung oder Absitzen des Tages. Sind die Lernziele für Klassenarbeiten klar, kann auch hier zielgerecht geübt werden.

Regelmäßige Selbstevaluation zur Optimierung der Lehrertätigkeit

Sind Schüler und Eltern mit dem Lehrer zufrieden, ist er es selbst auch. Daher sollte man sich neben der Befragung der Schüler regelmäßig Zeit für die Analyse der eigenen Stärken und Schwächen nehmen. Anhand eines Fragebogens zur Unterrichtsvorbereitung, Erklärung der Aufgaben, Organisation von Lernprozessen, Unterstützung der Lernbereitschaft, Förderung von Schülern, der Unterrichtsgestaltung, dem Schüler-Lehrer-Verhältnis, dem Umgang mit der Klasse und der Motivation zur Weiterarbeit entsteht ein umfangreiches Bild zum Lehrberuf. Während des Ausfüllens sollte man sich immer wieder Unterrichtsszenen in Erinnerung rufen.

Parallel zur Eigenwahrnehmung kann der gleiche Fragebogen (außer dem Bereich Unterrichtsvorbereitung und Lehrerzufriedenheit) von den Schülern ausgefüllt werden. Dabei wird die Eigenwahrnehmung durch die Einschätzung der Schüler ergänzt, sodass ein umfangreiches Lehrerprofil entsteht.

Während man sich über die Stärken freut, kann die Arbeit an den Schwächen beginnen. Nehmen Sie sich zunächst ein bis drei Ziele vor, die Sie verbessern wollen. Dabei sollte die Priorität bei den Bereichen liegen, die Ihnen selbst am wichtigsten vorkommen, vielleicht untermauert durch die negativen Schülermeinungen in diesem Bereich. Notieren Sie sich diese Bereiche und überlegen Sie, wie oder mit welcher Hilfe Sie Ihr Ziel erreichen wollen. Oftmals hilft Literatur zum Thema oder ein Austausch mit Kollegen, wie sie dies handhaben, vielleicht auch eine professionelle Supervision oder einfach die eigene Idee.
Schreiben Sie sich auch Ihre Gedanken und Ideen zur Zielerreichung auf, damit Sie es nicht aus den Augen verlieren. Lassen Sie sich mit Ihrer Zielerreichung bis zu den nächsten Ferien Zeit, um dann erneut zu evaluieren, ob Sie Ihr Ziel bereits erreicht haben.

Grundsätzlich sollte man in jedem Schuljahr seinen Lehrerberuf evaluieren, die gesteckten Ziele von Ferien zu Ferien, damit man in Ruhe über mögliche Ideen und weitere Ziele nachdenken kann. Wenn Sie diese konsequent und diszipliniert, auch immer mit der Beurteilung durch die Schüler und im Gespräch mit ihnen, durchführen, werden Sie bald keine Schwächen mehr feststellen und noch zufriedener ihrem Beruf nachgehen können.

Marion Keil

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