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Bewegungsimpulse

Gymnastik fürs Hirn fördert das Denken

Gehirngymnastik verbindet Körper und Gehirn und erleichtert das ganzheitliche Lernen. Durch vielfältige Bewegungsübungen können Denkblockaden aufgelöst, Energiepunkte stimuliert und die Gehirnhälften verknüpft werden.

Bewegungsimpulse: Gymnastik fürs Hirn fördert das Denken Beidhändig zu schreiben oder zu malen trainiert die Koordination und das Gehirn © karelnoppe - Fotolia.com

„Schau mal, Frau Müller, ich habe gestern die „liegende Acht“ geübt“, freut sich Julian und präsentiert seine erste gelungene kinesiologische Übung. Tatsächlich gibt es Übungen aus dem kinesiologischen Bereich, die ganzheitliches Lernen unterstützen können. Durch Bewegungsübungen können Blockaden gelöst und die im Körper verborgenen Fähigkeiten aufgedeckt werden. Seit mehr als fünfzig Jahren wird sensomotorisches Training und die Wirkung der Bewegung auf das Lernen erforscht. Ursprünglich bei Schülern mit Sprachschwierigkeiten eingesetzt, wurden Körper- und Energieübungen entwickelt. Dabei profitieren alle Schüler von Übungen, die Schüler in Lernsituationen stimulieren, entlasten und entspannen sollen.

Lateralität — Übungen zum Kreuzen der Mittellinien

In erster Linie wird die Verknüpfung der beiden Hirnhälften angestrebt. Dazu ist es nötig, die Mittellinie des Körpers zu kreuzen. Dadurch besteht die Chance, spielerisch Lernblockaden zu lösen.
Sind Schüler unfähig die Mittellinie ihres Körpers zu kreuzen, kann dies zu Lernbehinderungen oder gar Dyslexie führen. Das linke und das rechte Gesichtsfeldes überlappen sich beispielsweise in der Mitte und müssen sinnvoll koordiniert werden. Dass die Augen als Einheit funktionieren ist demnach eine Voraussetzung für eine ganzheitliche Körperkoordination im visuellen Nahbereich. Ebenso ist beidseitiges Hören und die Fähigkeit, beide Gehirnhälften zu verknüpfen, als laterale Fähigkeiten für erfolgreiches Lernen notwendig. Gerade fürs Lesen und Schreiben, für die Fein- und Grobmotorik ist die Kreuzung der Mittellinien also wichtig.

Folgende Übungen sind hilfreich:

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Weitere Informationen zur Edu-Kinestetik finden Sie hier.

Einfache Körperübungen zur Synchronisation des Gehirns zeigt ein Video von Roland Rettke.

  • Geschult werden kann dies zunächst durch eine einfache Übung einer „Überkreuzbewegung“. Dazu sollen die Schüler mit jeder Hand abwechselnd das gegenüberliegende Knie berühren. Wird diese Übung gehüpft, sind auch Bewegungen zur Seite und nach vorn oder hinten möglich.
  • Das Unendlichkeitssymbol, die „liegende Acht“, integriert das linke und rechte Gesichtsfeld. Dazu beginnen die Schüler mit der ausgestreckten linken Hand in der Mitte der Acht und beschreiben einen Kreis gegen den Uhrzeigersinn nach links und anschließend den Kreis nach rechts mit dem Uhrzeigersinn. Hier werden drei Wiederholungen empfohlen. Die Kreise können je nach persönlichem Bedürfnis in der Größe variiert werden.
  • Um den Richtungs- und Orientierungssinn des Körpers auszubilden, bietet sich „Simultanzeichnen“ an. Hierbei kommt es nicht auf das Endprodukt, sondern die Tätigkeit selbst an, wenn Schüler beide Händen synchron bewegen. Hier kann die Größe vom Zeichnen an der Tafel bis zu Gemälden auf einem kleinen Blatt variiert werden.
  • Das Hören mit beiden Ohren wird durch den „Elefanten“ gestärkt. Gleichzeitig lösen sich Verspannungen im Nackenbereich. Hierbei wird die liegende Acht mit ausgestrecktem linken Arm beschrieben, indem gleichzeitig der Kopf zur linken Schulter geneigt ist. Auch Buchstaben oder Zahlen können so in die Luft geschrieben werden.
  • Durch die „Beckenschaukel“ wird durch das Kreuzbein das gesamte zentrale Nervensystem bis hin zum Gehirn aktiviert. Dazu setzen sich die Kinder auf den Boden, stützen die Hände nach hinten ab und winkeln die Knie an. Durch kreisförmige Bewegungen beider Knie wird Gesäß und Steißbein massiert. Gerade nach langem Sitzen eine wunderbare Entspannungsübung.

Fokus- Übungen zur Längung

Schüler haben oftmals den Reflex, die Muskeln zusammenzuziehen oder zu verkürzen. Dies ist eine Reaktion auf Gefahr und Angst. Gerade für ängstliche, schüchterne Schüler bietet sich durch diese Übungen die Möglichkeit, wieder in die Aktivität zu kommen und sich zuzutrauen, ein Ziel zu erreichen.

Zunächst erinnern die Übungen an ein Aufwärmtraining beim Sport ähnlich des „Stretching“, sie sollen aber eine anhaltende Körperveränderung bewirken. Besonders zum Auflösen von Reflexen bei Sprachschwierigkeiten bieten sich diese Längungsübungen an:

  • Als erste Übung wird die „Eule“ empfohlen. Wenn sich dabei Nacken und Schulter dehnen, wird die Blutzirkulation und die Energiezufuhr zum Gehirn wiederhergestellt. Dazu umfasst die rechte Hand die linke Schulter und drückt die Muskeln zusammen. Nun dreht sich der Kopf und schaut zuerst über die eine, dann über die andere Schulter. Den Kopf fallen lassen und entspannen. Auf der anderen Seite wiederholen.
  • Um Spannungen und Muskelverkürzungen im Arm zu lockern, kann die „Armaktivierung“ trainiert werden. Dazu einen Arm nach oben strecken und mit dem anderen Arm hinter dem Kopf den Ellbogen fassen. Nun den gestreckten Arm nach vorn, hinten, rechts und links gegen die andere Hand pressen. Danach gelingt das Schreiben wieder entspannter.
  • Um die natürliche Länge der Sehnen im Fuß- und Unterschenkel wiederherzustellen, gibt es die „Fuß- und Wadenpumpe“. Bei der Fußpumpe werden die empfindlichen Stellen an Knöchel, Wade und hinter dem Knie gedrückt, während der Fuß auf und ab bewegt wird. Um die Wade zu dehnen, stellen sich die Schüler an einen Tisch, halten sich fest und strecken ein Bein nach hinten aus. Dabei wird die Ferse auf den Boden gedrückt und angehoben. Mit jedem Bein drei Mal wiederholen.

Zentrierung — Übungen für mehr Energie

Die Energieübungen sollen den Fluss der Energie erleichtern und die Nervenverbindungen zwischen Körper und Gehirn aktivieren. Viele diese Energieübungen sind aus der Akupressur und der Kinesiologie bekannt.

Bevor die Punkte am Körper gefunden und zur Aktivierung gedrückt werden, ist zu den Energieübungen allgemein viel trinken und „Energiegähnen“ hilfreich. Durch Stress dehydriert der Körper und benötigt genügend Nahrung und vor allem Flüssigkeit, da Wasser ein sehr guter Leiter für elektrische Energie ist. Gähnen löst die Spannungen in Kopf und Kiefer. Wenn dabei noch das Kiefergelenk massiert wird, entspannt dies die Muskeln und bringt die Schädelknochen wieder ins Gleichgewicht.
Als „Energieknöpfe“ können nun folgende Punkte am Körper stimuliert, das heißt massiert werden:

  • Für die „Gehirnknöpfe“ reibt der Schüler die Punkte unterhalb des Schlüsselbeins, rechts und links vom Brustbein und hält mit der anderen Hand den Bauchnabel. Auch hierbei entsteht durch die Hände wieder eine Kreuzung der visuellen Mittellinie, beispielsweise geeignet für das Lesen.
  • Bei der Übung „Erdknöpfe“ werden zwei Finger unter die Unterlippe gelegt, die andere Hand auf die Oberkante des Schambeins. In der Vorstellung wird die Energie in der Mitte des Körpers nach oben gezogen.
  • Die „Balanceknöpfe“ befinden sich genau über der Einbuchtung hinter dem Ohr, wo der Schädel auf dem Nacken sitzt. Während eine Hand die Stelle links, dann rechts berührt, ruht die andere Hand auf dem Bauchnabel. Dies entspannt den Körper und hält den Geist wach.
  • Wenn Schüler ängstlich und nervös sind, können die „positiven Punkte“ helfen. Diese befinden sich genau über den Augen zwischen Augenbrauen und Haaransatz auf der Stirn. Diese Stressreduzierungspunkte werden nur sanft berührt. Schließt man dabei die Augen, nimmt man Entspannung und Wohlgefühl besser wahr.
  • Die „Denkmütze“ richtet die Aufmerksamkeit auf die Ohren. Dazu zieht der Schüler mit Daumen und Zeigefinger sanft an den Ohren und massiert sie von der Ohrenspitze bis zu den Ohrläppchen. Dies kann abgelenkten Schülern helfen, wieder besser zuzuhören.

Grundsätzlich mögen viele Schüler die Übungen zur Gehirngymnastik als willkommene Abwechslung zwischen den Lernphasen. Gleichzeitig profitieren sie durch den Aufbau lateraler Fähigkeiten beim Lesen und Schreiben, die Dehnübungen der Längungsübungen bauen Lernblockaden ab und die Energieübungen entspannen und sorgen für mehr Konzentration und besseres Denken.

Marion Keil

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