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Freiarbeit

Individuelle Förderung für Hochbegabte und besonders Begabte

Auf Grund der großen Heterogenität der Lerngruppen sind schülerorientierte Arbeitsformen, die die Möglichkeit der Differenzierung bieten, im Unterrichtsalltag unerlässlich.
So gehört die Freie Arbeit oder Freiarbeit - die Begriffe werden in diesem Artikel synonym verwendet - zu einer Unterrichtsform, bei der sowohl begabte und hochbegabte Schüler als auch durchschnittliche und schwächere Schüler gefördert werden.

Freiarbeit: Individuelle Förderung für Hochbegabte und besonders Begabte Schüler haben bei der Freiarbeit Gelegenheit ihre Stärken und Interessen zu entdecken © Andrey Kiselev - Fotolia.com

Was aber ist nun genau unter Freiarbeit zu verstehen? Schüler arbeiten in Freiarbeitsstunden, die im Stundenplan ausgewiesen werden, weitgehend eigenverantwortlich an Materialien, die der Lehrer bereitstellt. Ein zentrales Merkmal der Freiarbeit ist hierbei die große Wahlmöglichkeit, die die einzelnen Schüler haben. Aus einem differenzierten Lernangebot können sie selber bestimmen, welchen Aufgabenbereich sie in welcher Zeit mit wem bearbeiten möchten.

Hierbei arbeiten sie an Themen, die den Unterricht ergänzen oder die über das Fächerangebot hinausgehen. Weiterhin gibt es in der Freiarbeit die Möglichkeit des fächerübergreifenden Arbeitens. Man kann als Schüler außerdem zwischen Pflicht- und Wahlaufgaben wählen. Durch diese große Flexibilität, die diese Unterrichtsform bietet, haben begabte und hochbegabte Schüler die Möglichkeit, nach ihren persönlichen Interessen und Fähigkeiten auch anspruchsvolle Aufgaben zu bearbeiten.

Ziele

Die Freiarbeit als offene Unterrichtsform fördert das selbstständige Arbeiten. Die Schüler haben Gelegenheit eigene Interessen herauszufinden und zu vertiefen. Es gibt keine Altersbeschränkung, so dass diese Unterrichtsform sowohl in der Grundschule als auch in weiterführenden Schulen ihren Platz hat.

Besonders begabte und hochbegabte Schüler, die ihre Begabung in Leistung überführen, können sich selber Ziele setzen, die Zeit frei einteilen und entsprechend ihren Fähigkeiten eigenverantwortlich arbeiten. Dieses verhindert eine Unterforderung, gibt Raum für angemessene Aktivitäten und führt zu einer Stärkung des Selbstvertrauens und der Kreativität. Gleichzeitig wird das soziale Lernen gefördert, indem die Schüler gegebenenfalls zusammenarbeiten oder ihre Ergebnisse austauschen.

Ablauf

Man kann jede Freiarbeit in drei Phasen aufteilen: die Vorbereitung, die eigentliche Arbeitsphase sowie die Abschlussphase.

Vorbereitung

Zunächst stellen die Lehrer, die in ihrer Klasse Freiarbeit durchführen möchten, differenziertes Material zusammen. Die Materialien können beispielsweise in Form von
Arbeitsblättern, Lernspielen, geeigneten Texten, Forschungsaufträgen oder Karteikarten vorgegeben werden. Sie dienen der Übung und Vertiefung von Erlerntem oder der Erarbeitung neuer Themenbereiche. Die Grundschullehrer können hierbei auf zahlreiche bereits ausgearbeitete Materialien zurückgreifen. Haupt- und Realschullehrer müssen dagegen ihr Material überwiegend selber erstellen.

Arbeitsphase

Im Stundenplan einer Klasse werden zu Beginn der Arbeitsphase spezielle Freiarbeitsstunden ausgewiesen, die die Fachlehrer für die Freiarbeit zur Verfügung stellen.

Um eine intensive Arbeit zu ermöglichen, bieten sich hierfür Doppelstunden an. Der Lehrer erläutert am Anfang der Freiarbeitsphase die Materialien. Er gibt den Schülern Ratschläge, ohne etwas vorzuschreiben. Die Schüler planen ihre Freiarbeit, indem sie überlegen, welche Aufgaben sie bearbeiten möchten, was sie dazu benötigen, welche Hilfen erforderlich sind und ob sie alleine oder im Team arbeiten möchten.

Dann beginnt die eigentliche Arbeitsphase, in der eigenverantwortlich gearbeitet wird. Jeder Schüler notiert anschließend in einem Übersichtsplan, welche Materialien er bearbeitet hat. Bearbeitete Materialien werden vom Schüler selbst kontrolliert oder dem Lehrer gegeben, der diese dann nachsieht und wieder zurückgibt. So können begabte und hochbegabte Schüler entsprechend ihren Fähigkeiten gefördert werden. Idealerweise wählt der Hochbegabte ein Gebiet, das ihm besonders interessiert, bestimmt selber die Ziele seiner Arbeit, erstellt eine Gliederung und entwickelt eigene Lösungsstrategien.

Verwendete Literatur:

Materialien zur Freiarbeit aus Österreich 

Viele hilfreiche Inhalte zur Arbeit mit Geistig- und Körperbehindertengibt es unter www.sonderpaed-online.de

Klein-Landeck, Michael. Kleine Schritte zur Freiarbeit – Montessori in der Regelschule. In: Pädagogik 11/00. Themenschwerpunkt: Freie Arbeit und Projektunterricht. Verlag Julius Brecht GmbH. Weinheim (S. 10 – 12)  

Gudjons, Herbert. Kleine Schritte sind kein Verrat am Ziel – über hinführende Formen zu freier Arbeit und Projektunterricht. In: Pädagogik 11/00. Themenschwerpunkt: Freie Arbeit und Projektunterricht. Verlag Julius Brecht GmbH. Weinheim (S. 6 – 9)  

Zeindler, Edmond. Arbeiten nach dem Wochenplan. In: Pädagogik 11/00. Themenschwerpunkt: Freie Arbeit und Projektunterricht. Verlag Julius Brecht GmbH. Weinheim (S. 23 – 26)

Abschlussphase

Am Ende der Freiarbeit stellen die Schüler ihre Arbeitsergebnisse in der Lerngruppe vor. Eventuell aufgetretene Probleme werden thematisiert. Weiterhin ist es sinnvoll, wenn die Schüler ihre Arbeit selber einschätzen und bewerten. Dieses kann schriftlich in Form eines Fragebogens oder aber mündlich im Gespräch erfolgen. Hierbei sollte der Lehrer die Rolle des Moderators einnehmen.   

Lehrerrolle

Während der Freiarbeit ist die Rolle des Lehrers eine andere als im Frontalunterricht. Er wechselt vom aktiv Lehrenden zum Begleiter und Berater, der häufig passiv im Hintergrund wirkt. Der Lehrer hat ein großes Vertrauen gegenüber seinen Schülern. Er traut ihnen zu, eigene Lernwege zu gehen. Seine Belastung nimmt aber keineswegs ab. So hat er zunächst die Aufgabe, die Lernumgebung für die Freiarbeit vorzubereiten, das heißt, sowohl für besonders begabte als auch für durchschnittliche und schwächere Schüler geeignete Materialien zu erstellen oder auszuwählen.

Während der Arbeitsphase beobachtet er die Schüler und bietet bei Bedarf Beratung und Hilfe an. Er wird vielseitig beansprucht, da er auch häufig fächerübergreifend agieren muss. Weiterhin sorgt er für eine ruhige Arbeitsatmosphäre.

Am Ende der Freiarbeit hat er die Aufgabe, Schülerarbeiten zu korrigieren, Anleitungen bei der Reflexion zu geben und sich mit Kollegen und Eltern zu beraten. Ruhe und Gelassenheit ist bei dieser Unterrichtsform sehr wichtig. Der Lehrer muss beispielsweise zulassen, dass der Leistungsstand der Schüler immer weiter auseinander
geht. 

Chancen und Risiken    

Chancen

Durch die Freiarbeit ist die Möglichkeit gegeben, in heterogenen Lerngruppen auf einzelne Schüler, die unterschiedliche Begabungen zeigen, individuell einzugehen. Die Individualisierung und innere Differenzierung wird durch die Selbststeuerung der Schüler hinsichtlich der Themen und des Lerntempos gesteigert. Die Schüler sind häufig motivierter und kreativer. Die Lernfreude, das Interesse und die Konzentration werden erheblich gesteigert. Der Konkurrenzkampf mit den Mitschülern entfällt häufig, da es keinen direkten Vergleich gibt. So wird die Sache in den Mittelpunkt gestellt.    

Risiken

In der Freiarbeit treten zu Beginn häufiger beim Umgehen mit den vorbereiteten Materialien oder dem Beachten der aufgestellten Regeln Schwierigkeiten auf. Manche Schüler können sich nicht konzentrieren und lassen sich leicht durch Mitschüler ablenken. Einige entziehen sich auch der Arbeit. Viele Schüler sind zu Beginn der Phase unselbstständig oder können sich nicht selber einschätzen. Dieses führt zu einer Unter- oder Überforderung. Auch  das soziale Lernen kommt manchmal zu kurz.

Anette Töniges

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