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Sprachkompetenz

Mit „8 aus 2000“ spielerisch durch den Grundwortschatz

Lernkarten mit Lernwörtern helfen, einen sicheren Grundwortschatz einzuüben. Dabei werden spielerisch Rechtschreibung, Grammatik und Sprachkompetenz trainiert.

Sprachkompetenz: Mit „8 aus 2000“ spielerisch durch den Grundwortschatz Memo-Spiele mit Lernkarten fördern Rechtschreibung und Sprachverständnis © mekcar - Fotolia.com

Frau Marianne Sch. ist Lehrerin in einer 4. Klasse und hat eine ganze Reihe von rechtschreibschwachen Kindern, die — so hat die Qualitative Fehleranalyse (QFA) ergeben — wegen ihrer sehr unterschiedlichen Fehler eine individuell abgestimmte Förderung benötigen. Früher hatte Frau Sch. sich geeignete Lernwörter aus dem Wörterverzeichnis mühsam zusammensuchen müssen, jetzt hat sie einen systematisch nach Fehlerschwerpunkten geordneten Grundwortschatz (GWS) gefunden, der ihr diese Arbeit erspart. Wie kann die Lehrerin aber nun den hilfreichen Fundus aus dem GWS nutzen und daraus Material und Methoden für eine individuelle Förderung ableiten? Eine erfahrene Kollegin rät ihr: „Spielen Sie mit den Kindern doch einfach „8 aus 2000“. Das ist viel besser als „7 aus 49“. Es ist kein Glücksspiel, es kostet so gut wie nichts und alle gewinnen!“ Warum heißt es „8“? Weil aus einem DIN-A4–Blatt genau acht Karteikarten gemacht werden können. Warum heißt es „2000“? Weil der oben genannte GWS über 2000 Wörter enthält.

Lern-Karteikarten selbst herstellen

Um die Lernkarten herzustellen werden einfach acht Wörter einer Wortart aus der entsprechenden Kategorie des GWS ausgewählt und in die acht vorbereiteten Felder (Tabellenfunktion nutzen!) einer Worddatei geschrieben. Dann diese Seite auf dickes Papier (160 g/m²) ausdrucken, evtl. laminieren, zerschneiden und schon sind genau die acht individuell benötigten Wörter als Lernmaterial fertig. Es empfiehlt sich, eine Blankoseite mit den acht Feldern für die weitere Arbeit abzuspeichern.

Je nach Wortart kann man unterschiedlich farbiges Papier nehmen, z. B. gelbes für Nomen, rotes für Adjektive, grünes für Verben. Über die Farben, die einen zusätzlichen Lernkanal ansprechen, können sowohl die Unterscheidung der Wortarten als auch die Groß- und Kleinschreibung nebenbei besprochen und mitgeübt werden.

So kann für jeden Schüler für die Arbeit in der Schule und zu Hause preisgünstiges Lernmaterial produziert werden, das viele Vorteile hat:

  • Verlorene Kärtchen können leicht nachgedruckt werden.
  • Die Lernmenge (quantitative Passung) und der Schwierigkeitsgrad (qualitative Passung) können auf jeden Schüler genau abgestimmt werden.
  • Die Wörter können leicht in immer wieder neuen Verbindungen und Zusammenhängen präsentiert werden, wobei über das vernetzte Lernen das Verständnis vertieft wird.
  • Die Lernkarten ermöglichen systematische Wiederholungspläne, um sowohl das Kurzzeit-/Arbeitsgedächtnis als auch das Langzeitgedächtnis zu stärken.
  • Die Lernkarten regen zum Einsatz vielfältiger Methoden an, die trotz des spielerisch wirkenden Vorgehens zu nachhaltigen Lernfortschritten führen.

Mit Wörtern, Wortarten und Sätzen spielen

Um die Lern- und Denkprozesse der Kinder (bei der Wissensaufnahme, -verarbeitung, -speicherung und -anwendung) zu unterstützen, bieten die Lernkarten eine große Vielfalt an methodischen Einsatzmöglichkeiten. Hier sollen nur einige Beispiele kurz beschrieben.

Empfehlungen:

1. Die Schüler sollen die Übungen nie allein durchführen, sondern in der Regel im Tandem (Abweichungen sind je nach Rahmenbedingungen in der Klasse und je nach Kreativität der Lehrkraft natürlich möglich). Zu zweit wirkt eine Übung eher wie ein Spiel und macht mehr Spaß als allein. Zu zweit gibt es eine größere Motivation zum Anfangen, zum Einhalten der Arbeitsanweisung und zum Durchhalten bis zum Ende.

2. Alle Spiele sind so angelegt, dass leistungsstarke und leistungsschwache Schüler sich gleichermaßen beteiligen können und dass durch den permanenten Rollenwechsel eine Stigmatisierung („Dieses Material/Diese Übung ist nur für Dumme!“) von vorneherein verhindert wird.

3. Die Lehrkraft bereitet für jedes Spiel ein Päckchen Lernkarten nach Anzahl (8, 16, 24 …) und nach Wörtern vor.

4. Fester Bestandteil aller Übungen ist, dass die Wörter auf den Lernkarten immer laut vorgelesen werden (= viel höhere Lernwirkung).

Memo-Spiel: Die (8, 16, 24 …) Karten werden verdeckt auf den Tisch gelegt. Das Kriterium für die Paarbildung wird genannt, z. B.

  • gleiche Anzahl von Buchstaben/Silben oder
  • gleiche Wortbausteine (Vorsilbe ver-, Wortstamm -kauf-, Endung -lich usw.) oder
  • gleiche Rechtschreibbesonderheit (Mitlautverdopplung, Dehnungs-h, -ß-, -ie- usw.) oder
  • Reimwörter (Dose — Hose usw.).

Partner A und Partner B spielen dann Memo-Spiel nach der bekannten Regel.

Quartett: Partner A und Partner B erhalten jeweils 8 oder 16 gemischte Lernkarten. Jeder versucht, auf seinem Platz Quartette nach den Kriterien (wie beim Memo-Spiel) zu legen. Wenn im ersten Schritt alle Karten sortiert sind und noch einige Quartette unvollständig bleiben, findet im zweiten Schritt ein gegenseitiges Tauschen statt („Ich hätte von dir gerne … und biete dir dafür … .“), bis auf beiden Plätzen alle Quartette vollständig sind.

Wer wird Millionär?: Die (16, 24 …) Lernkarten werden offen auf den Tisch gelegt. Partner A wählt daraus vier aus, wobei drei etwas gemeinsam haben (Kriterien wie beim Memo-Spiel). Diese Gemeinsamkeit hält Partner A geheim. Partner B muss die Karten laut vorlesen, die „unpassende“ Karte identifizieren und seine Entscheidung laut begründen (also nicht raten!). Wenn die Gemeinsamkeit richtig erkannt wurde, geht es in die nächste Runde. Wenn Partner B irgendwann die Gemeinsamkeit nicht mehr herausfindet oder Partner A die Ideen ausgehen, findet ein Rollenwechsel statt.

Wörter bauen und Phonologischen Bewusstheit trainieren: Partner A und Partner B erhalten jeweils 8 oder 16 gemischte Karteikarten.

  • Variante 1: Partner A lautiert/buchstabiert ein Wort, z. B. W-u-r-s-t oder G-a-r-a-g-e. Partner B hört sich alle Laute an und muss daraus das Wort zusammensetzen und laut sagen. Das ist ein gutes Training für das Kurzzeitgedächtnis und kann bei längeren Wörtern eine Herausforderung auch für gute Schüler sein.
  • Variante 2: Partner A lautiert ein Wort und lässt den ersten Laut weg, z. B. o-s-e oder i-n-d. Partner B hört sich alle Laute an und muss sich alle Laute in der richtigen Reihenfolge merken. Partner B muss dann das Wort so weit zusammensetzen und es mit einem geeigneten Buchstaben zu einem sinnvollen Wort ergänzen, z. B. Dose, Hose, Rose oder Kind, Rind, Wind. Auch diese Übung ist ein gutes Training für das Kurzzeitgedächtnis und kann bei längeren Wörtern eine Herausforderung auch für gute Schüler sein. Spontane „Quatschwörter“ tragen zum Spaß und zur Motivation bei.

Sätze bauen: Partner A und Partner B erhalten jeweils 8 oder 16 gemischte Lernkarten. Partner A legt drei Karten hin, z. B.  Mann — gehen — Hund. Partner A muss dafür sorgen, dass ein Nomen und ein Verb dabei sind, damit der Satz überhaupt ein Subjekt und Prädikat hat. Partner B muss aus den Wörtern einen Satz oder mehrere Sätze bilden, z. B. Der Mann geht mit dem Hund. Oder mit geänderter Reihenfolge: Der Hund geht mit dem Mann. Oder mit geänderter Reihenfolge als Frage: Geht der Mann mit dem Hund? Dann legt Partner B drei Karten hin und Partner A muss einen Satz bilden. Die grammatikalisch korrekte Satzbildung steht im Mittelpunkt dieser Übung, bei der natürlich viele kreative „Quatschsätze“ möglich sind. Neben dem Freiraum für Kreativität kann die Motivation durch eine höhere Anzahl an Lernkarten erhalten werden, wodurch längere Sätze entstehen können. Dadurch, dass diese Übung mündlich ausgeführt wird, haben leistungsstarke und leistungsschwache Schüler gleiche Chancen. Alle Sätze können aufgeschrieben und später als gemeinsames Produkt der beiden Partner der übrigen Klasse vorgelesen werden.

Texte bauen — Reizwortgeschichten: Partner A und Partner B erhalten jeweils 8 oder 16 gemischte Lernkarten. Jeder legt dem Tandempartner in einer gewissen Reihenfolge 8 Karten hin, aus denen der eine Reizwortgeschichte erfinden und aufschreiben muss. Auch hier sind natürlich Gemeinschaftsprodukte der beiden Partner möglich.

Diese Übungsmöglichkeiten sind nur einige Beispiele dafür, wie mit Einzelwort-Lernkarten aus dem Grundwortschatz spielerisch an Teilfähigkeiten der Rechtschreibung (Phonologische Bewusstheit, Kurzzeitgedächtnis — Langzeitgedächtnis) gearbeitet werden kann. Der passive Wortschatz wird so in einen aktiven Wortschatz überführt.

Karl Gajewski

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