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Leistungsüberforderung?

Schwächen der Schüler wieder in Stärken verwandeln

Bevor der Schulfrust bei Schülern überwiegt, müssen die Lehrer handeln. Durch Entlastung, besondere Maßnahmen und Differenzierung lassen sich Schwächen der Schüler wieder in Stärken verwandeln.

Leistungsüberforderung?: Schwächen der Schüler wieder in Stärken verwandeln In einem Gespräch mit dem Schüler unter vier Augen wird besprochen, wie er unterstützt werden kann © Africa Studio - Fotolia.com

„Ich habe keine Lust mehr, das mache ich jetzt nicht mehr!“, erklärt Timo seiner Klassenlehrerin in der Mathematikstunde. Hinter einer solchen Aussage steckt meist die Überforderung durch den Unterrichtsstoff. In der Regel wollen Schüler zu Schulbeginn lernen und Erfolge erzielen. Wenn alle anderen Schüler der Klasse leise und motiviert arbeiten, wirkt das ansteckend und „keine Lust“ ist daher selten. Daher sollte der Lehrer hier hellhörig werden und der Ursache auf den Grund gehen. Im Gespräch mit dem Schüler wird dann schnell klar, dass er die Aufgabenstellung nicht verstanden hat und es ihm überhaupt alles zu viel und zu schwierig ist. Um den Schulfrust nicht zu verstärken, sollten diese Anzeichen mit den Eltern besprochen und über eine Entlastung im Unterricht nachgedacht werden.

Möglichkeiten der Entlastung im Unterrichtsstoff

Zunächst bietet sich für Schüler mit Leistungsschwierigkeiten ein Nachteilsausgleich beispielsweise im Lesen, Rechtschreiben oder Mathematik an. Hierbei können die Schüler sowohl quantitativ als auch qualitativ entlastet werden. Droht ein massives Leistungsversagen, kann auch zeitweise die Note ausgesetzt werden. Betreffen die schlechten Leistungen beide Hauptfächer, ist eine Klassenwiederholung anzuraten.

Oft sind Eltern hier wenig kooperativ und suchen Ausflüchte wie: „Mein Kind hat nur noch nicht verstanden, dass man in der Schule lernen muss!“ „Wir üben zu Hause mehr und besser!“ Oder: „Das wächst sich schon aus, das ist nur so eine Phase!“ Da sich durch den Leistungsabfall oft auch Verhaltensschwierigkeiten verstärken oder entstehen, sollte der Lehrer hier immer wieder die schwierige Situation ansprechen und den Schüler unbedingt differenziert unterrichten, um den Frust zu minimieren.

Schwächen in Stärken verwandeln

Wichtig ist es immer wieder, das Selbstbewusstsein des Kindes zu stärken. Dazu benötigt es Erfolgserlebnisse. Bleiben diese durch Überforderung auf Dauer verwehrt, entstehen Wut, Frust oder Depression. Dies zu vermeiden ist oberstes Ziel. Dazu muss jedes Kind da abgeholt werden, wo es steht, und passgenau und individuell gefördert werden. Dies wird klar, wenn nach langem Ringen mit den Eltern vereinbart wurde, dass ihr Kind im Unterrichtsstoff in seinem Tempo, gegebenenfalls mit einem Förderheft, arbeitet.

Ein Schüler, der zuvor lustlos und unmotiviert am Stift kaute und während der Arbeitszeit auf der Toilette verschwand, seinen Stift ausgiebig spitzte oder schlimmstenfalls seine Nachbarn beim Arbeiten ablenkte und störte, schafft hier plötzlich die korrekte Lösung mehrerer Buchseiten und präsentiert stolz seine Ergebnisse. Zudem fragt er womöglich, ob er damit zu Hause noch weiterarbeiten darf. Ist erst die Motivation und das eigene Selbstvertrauen wieder gestärkt, können diese Schüler oft sogar im Regelunterricht aufschließen.

Unkonventionelle Wege, um Schwächen zu umgehen

Viele Schüler haben eine Schwäche, die mehr oder weniger störend während Unterrichtsphasen ist und die Klassenatmosphäre beeinträchtigt. Am nervigsten für Lehrer und Mitschüler ist die Unaufmerksamkeit von Schülern mit ständigen Zwischenkommentaren während Plenumsphasen. Im Sitzkreis hilft es solchen überaktiven Schülern vielleicht, wenn sie etwas in der Hand halten. Dies könnte beispielsweise ein Ball oder bei jüngeren Kindern ein Kuscheltier sein.

Während der Unterrichtsphasen ist Stillsitzen und Zuhören für diese Schüler extrem anstrengend. Auch hier könnte man ihnen eine leise Beschäftigung erlauben, wie beispielsweise Stift anspitzen, Fidget Spinner oder Ähnliches. Hauptsache, sie können etwas in der Hand halten und trotzdem dabei zuhören. Dies muss einfach getestet werden.

Motorische Unruhe kann eventuell durch ein Sitzkissen oder einen Sitzball aufgefangen werden. Gute Erfahrungen gibt es bei motorisch unruhigen Kindern auch mit der Arbeit am Boden. Liegen Schüler mit der nahezu gesamten Körperfläche auf, so benötigen sie oft weniger Außenreize und arbeiten ruhiger. Dies kann auf einem Teppich in der Leseecke ausprobiert werden. Zunächst allein, dann eventuell auch mit einem Partner. Zudem sollten unruhige Kinder oft Bewegungsmöglichkeiten haben. Neben der Flitzepause während der Unterrichtsstunden sind diese Kinder auch dankbar für Botengänge, um aus der Nachbarklasse oder dem Sekretariat etwas zu holen oder dorthin zu bringen. Es kann ebenfalls vereinbart werden, dass sie zwischendurch leise auf den Schulhof gehen, eine Runde rennen und dann wieder an ihre Arbeit zurückkehren. Hier sollte allerdings die Anzahl vorher vereinbart werden, da Schüler Freiheiten schnell ausnutzen.

Für Unterrichtsfragen zum Lerninhalt bietet sich ein starker Tischnachbar im Sinne eines „Lerntandems“ an. Hat der schwächere Schüler Fragen, kann er direkt seinen Nachbarn um Hilfe bitten und muss nicht auf die Lehrerin oder andere Schüler warten.

Viele dieser Maßnahmen bringen eine Verhaltensänderung bei den Schülern und entlasten sie weiterhin.

Mit Eltern und Schülern im Gespräch bleiben

Bei all diesen Maßnahmen ist es wichtig, mit den Schülern und Eltern im Gespräch zu bleiben. Oft ist ein Gespräch mit den Schülern unter vier Augen zielführend, wenn sie äußern, was ihnen besondere Probleme bereitet. Dann können gemeinsam Lösungen wie Extramaterial, spezieller Platz oder Lernpartner gefunden und besprochen werden.

Anstrengend, aber ebenso sinnvoll ist es, immer wieder mit den Eltern im Gespräch zu bleiben und Maßnahmen abzusprechen. Oft müssen die Eltern schrittweise überzeugt werden, dass die Entlastung den Durchbruch bringt. Immer wiederkehrende Gespräche ohne Schuldzuschreibungen, sondern mit wohlmeinender Beratung, Erfahrungsberichten des Lehrers bei Erfolgen bei anderen Schülern etc. stärken auch ihr Zutrauen in die richtigen Entscheidungen. Vielleicht können sie auch mit anderen Eltern sprechen, deren Schüler durch die Entlastung in ihren Schwächen gestärkt wurden und deren Freude am Lernen zurückgekehrt ist.

Entscheidend ist, die Eltern mit einzubeziehen und von der Vorgehensweise zu überzeugen. Durch die ebenfalls häusliche Entlastung laufen dann die weiteren Schritte von selbst und die Eltern werden in der Regel rückmelden: „Mein Kind kommt wieder fröhlich zur Schule und hat Spaß am Lernen. Er ist wie ausgewechselt und ich bin sehr glücklich über die Entlastung und die richtigen Entscheidungen.“

Marion Keil

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