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Selbstvertauen von LRS-Schülern stärken

LRS-Schüler, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, fühlen sich oft als Versager. Dabei haben sie meist andere Talente, die zum Vorschein kommen müssen, um ihr Selbstvertrauten und ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

LRS: Selbstvertauen von LRS-Schülern stärken Wenn Schüler Anerkennung finden, weil sie gut ein Instrument spielen können, stärkt das ihr Selbstwertgefühl © mmphoto - Fotolia.com

LRS-Schüler plagen sich mit dem Lesen. Die meisten brauchen sehr lange, um einen Text zu lesen. Sie sind so damit beschäftigt, dass sie dann oft noch nicht einmal wissen, was darin steht. Manchmal hilft es vielleicht, ihn noch einmal zu lesen, auch das dauert. Auch das Schreiben erfordert im Allgemeinen mehr Zeit als bei anderen Schülern. Wenn netterweise jemand korrigiert, kommt die Zeit zum erneuten Abschreiben oder zumindest zum Verbessern hinzu. Und dann soll ja auch noch geübt werden, damit man endlich seine Defizite beseitigt.

Dass bei einem solchen Pensum irgendwann Frust und Unlust entstehen, verwundert nicht, zumal der ganze Aufwand nur selten mit guten Noten belohnt wird. Sie werden nie genug gelernt haben. Da bleibt eigentlich keine Zeit für etwas anderes. Gedanken wie, „Ich werde niemals normal sein“, sind für betroffene Schüler nicht ungewöhnlich. Aber, genau wie alle anderen, haben auch sie ihre Stärken. Jeder kann irgendetwas gut. Jeder braucht Erfolgserlebnisse und Anerkennung. Das ist wichtiger als noch ein paar Rechtschreibübungen mehr.

Erfolgserlebnisse durch Sport, Kunst, Musik und Theater

Sport ist ein gutes Ventil, um Frust abzubauen und positive Rückmeldungen zu bekommen. Gute Sportler sind bei den Mitschülern anerkannt. Egal wie groß sonst die Probleme sind, jeder will sie in seiner Mannschaft haben und das tut gut. Häufig haben gute Sportler ihre Erfolgserlebnisse in der Freizeit und sind damit einigermaßen selbstbewusst, um Rückschläge und Verzweiflung in der Schule zu verkraften. Besonders erfreulich ist es allerdings, wenn sie mit ihren Qualitäten die Schule bei Turnieren oder Wettkämpfen vertreten dürfen.

Auch die künstlerischen Fächer sind dazu geeignet, Anerkennung zu bekommen und das Selbstwertgefühl zu steigern. In Kunst und Musik können LRS-Schüler häufig, aber nicht zwangsläufig,  glänzen. Abgesehen von guten Noten im Unterricht bieten sich in diesen Bereichen viele Möglichkeiten, Aufgaben, die Freude machen, zu übernehmen. Sie haben Spaß daran, bei der Theater AG das Bühnenbild mitzugestalten, Plakate zu entwerfen oder Illustrationen für eine Schülerzeitung anzufertigen.

Bei Theater, Chor und Orchester kommen Begabungen guter Auswendiglerner, Schauspieler, Sänger und Musiker zur Geltung. Wenn alle Lehrkräfte wissen, dass der Schlagzeuger sich durchaus konzentrieren kann, gibt das vielleicht einen Anstoß, ihn im Unterricht anders „anzupacken“. Dasselbe gilt für einen Schüler, der sich für die Zirkus AG eine Diabolo-Kür ausdenken (in Gedanken / bildlich durchspielen) kann und daher bei der Probe, ohne viel zu üben, seine Kunststücke vorführt. Er nutzt seine Stärken und kann sich durchaus ebenfalls konzentrieren. Konzentration ist also nicht das eigentliche Problem.

Bildhaftes Denken von Vorteil bei Naturwissenschaften und Technik

Das gilt auch für technisch begabte Schüler oder begeisterte Naturwissenschaftler. Sie finden in AGs Aufgaben, in denen sie ihre Fähigkeiten zeigen und Anerkennung bekommen können. Das Talent, das viele LRS-Betroffene haben, „in Bildern zu denken“, sich Situationen und Abläufe bildlich vorzustellen, ist hier oft von Vorteil. Sei es für Versuche in Physik oder Chemie, in der Informatik oder als Zuständiger für Ton oder Beleuchtung bei Aufführungen.

Das sind nur einige Beispiele, wie LRS-Schüler, die sonst in der Schule kaum Erfolgserlebnisse haben, gerade dort ihr Begabungen zeigen können. Das Wissen, dass Lehrkräfte und Mitschüler sehen, dass sie nicht nur mittelmäßig oder schlecht, sondern in ihrem Bereich richtig gut sind, hilft, ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu stärken.

Die Bedenken, dass durch ein solches Engagement nicht genügend Zeit zum Lernen bleibt, werden immer wieder geäußert. Aber auch LRS-Schüler sind Menschen, die Erfolg und Anerkennung brauchen und mit einem besseren Selbstvertrauen fröhlicher und leistungsfähiger sein werden. Erfolgserlebnisse außerhalb der Schule werden leider im schulischen Umfeld kaum wahrgenommen. Denn: Wer kein Angeber sein will, behält sie für sich. — Das sollten wir im Interesse der LRS-Schüler ändern.

Uta Livonius

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