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Elterngespräche

Beim Lernen helfen – Elternberatung beim Homeschooling

Mehr denn je sind viele Familien während der Pandemie auf Hilfe von Schulen und Lehrkräften angewiesen. Doch welche konkreten Maßnahmen sind sinnvoll? Hier erhalten Sie Tipps, wie Sie die Eltern unterstützen können. 

Elterngespräche: Beim Lernen helfen – Elternberatung beim Homeschooling Eltern-Support in Coronazeiten © volurol - stock.adobe.com

Seit Monaten sind im Lockdown die Schulen immer wieder geschlossen. Das ist für viele Familien eine enorme Belastung, besonders in sozialen Brennpunkten. Familie El Dahoud etwa lebt in einer Hochhaussiedlung in Berlin-Neukölln: Sechs Personen auf 68 Quadratmetern, ein Schlafzimmer für alle, und die beiden schulpflichtigen Jungs machen ihre Hausaufgaben in der Essecke. „Mein Sohn hatte gestern zum Beispiel Onlineunterricht um neun“, erzählt Mutter Silva dem Team des ARD-Magazins Kontraste, „der Papa kam aber um zwei Uhr morgens von der Arbeit. Wir haben uns alle eingeschlossen im Schlafzimmer, damit er in Ruhe in der Essecke online am Unterricht teilnehmen kann.“ Wenngleich sich die Mutter bemüht, kann sie doch ihren Söhnen bei vielen Aufgaben für die Schule „einfach nicht helfen“. Auch der 10-jährige Hassan findet es „sehr schwierig“, wenn ihn sein Lehrer beim Lernen nicht unterstützt, weil er ja im Fernunterricht nicht sehen kann, wo es hakt (ebd.).

Mehr denn je sind viele Familien während der Pandemie auf Hilfe von Schulen und Lehrkräften angewiesen. Doch welche konkreten Maßnahmen sind sinnvoll? Welche Ideen für einen konstruktiven Eltern-Support haben sich bewährt? Der folgende Beitrag gibt Ihnen praktische Anregungen und Tipps an die Hand, die sich mit wenig Aufwand umsetzen lassen.

Wo drückt der Schuh?

Das finden Sie schnell mit einer niedrigschwelligen Elternbefragung heraus. Am besten begleiten Sie die Aktion mit einem freundlichen Brief. Dieser sollte, wie die Befragung selbst, kurz und in einfacher, leicht verständlicher Sprache gehalten sein: 

„Liebe Eltern, 
wie geht es Ihnen und Ihren Kindern in der anstrengenden Homeschooling-Zeit? Was wünschen Sie sich von uns Lehrkräften? Das möchten wir mit einer kurzen Befragung herausfinden.
Den beigefügten Fragebogen können Sie mit den Optionen zum Ankreuzen ganz schnell ausfüllen. Dann schicken Sie ihn uns bitte bis ... per E-Mail, Fax, WhatsAPP oder Post zurück. Wenn das nicht funktioniert, sagen Sie uns Ihre Antworten einfach am Telefon unter ..... 
Falls Sie noch Fragen haben, rufen Sie mich bitte an oder schreiben Sie eine E-Mail/WhatsAPP/SMS. Sie erreichen mich von Montag bis Freitag zwischen X und Y Uhr.
Schon heute herzlichen Dank dafür! 
Viele Grüße, Ihr/e
XY“

Anregungen für die Auswahl und Formulierung der Fragen liefert Ihnen zum Beispiel eine Homeschooling-Befragung auf der Website lamapoll.de. Um die Eltern nicht zu überfordern, beschränken Sie sich auf vielleicht drei oder vier Fragen zu verschiedenen Bereichen wie technische Ausstattung zu Hause, tägliche Lernzeit, Unterstützungs-Potenzial in der Familie und im Umfeld, Über- oder Unterforderung des Kindes oder Jugendlichen durch das Aufgabenpensum, Qualität des Lernmaterials etc. 

Vielleicht gibt es ja sogar eine Möglichkeit, die Befragung für Familien mit anderen Herkunftssprachen übersetzen zu lassen, z. B. von Kolleg/-innen, die die jeweilige Sprache sprechen, von Eltern mit guten Deutschkenntnissen, von Übersetzer/-innen sozialer Einrichtungen oder von ehrenamtlichen Stadtteil- oder Gemeindehelfer/-innen.  

Eltern-Hotlines implementieren

Kinder im Grundschulalter sind bei den Schularbeiten wesentlich mehr auf die Hilfe der Eltern angewiesen als Jugendliche. Das überfordert viele Eltern, besonders wenn sie arbeiten müssen, alleinerziehend sind oder mehrere zu betreuende Kinder haben. In solchen belastenden Situationen wünschen sich viele Eltern einen direkten Draht zu den Lehrkräften und zur Schule. 
Mit festen Hotline-Zeiten lenken Sie Anfragen von Müttern und Vätern in feste, zeitlich klar umrissene Bahnen. Gleichzeitig geben Sie den Eltern die Sicherheit, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. 

Zu welchen Themen Sie Support anbieten, klären Sie am besten zunächst im Kollegium: Wo genau haben die Eltern Gesprächsbedarf? Wozu gibt es besonders häufig Anfragen an einzelne Lehrkräfte? Wer aus dem Kollegium ist in welchem Bereich die richtige Adresse? Sind diese Fragen geklärt, können Sie auch realistisch abschätzen, wer, wann und jeweils wie lange den Hotline-Dienst übernimmt. Und Sie sehen, in welchen Bereichen eine Hotline sinnvoll ist, z. B. 

  • zu technischem Support bei IT-Problemen,
  • zur inhaltlichen Unterstützung bei Unterrichtsthemen aus den verschiedenen Fächern oder
  • bei familiären bzw. zwischenmenschlichen Problemen.

Bei sehr heterogenen Anfragen aus der Elternschaft genügt womöglich auch ein Hotline-Angebot zu allen Fragen rund ums Homeschooling, die den Eltern auf den Nägeln brennen. 

Online-Workshops zu Erziehungsthemen

Nicht alle Eltern können ihre Probleme präzise verorten oder benennen. Doch die neuralgischen Punkte beim Homeschooling sind ja hinreichend bekannt: Es ist z. B. für viele Eltern schwierig, die Kinder zum Lernen zu motivieren, den Tag zu strukturieren oder den Arbeitsplatz lernförderlich zu gestalten. 

Solche grundlegenden Themen könnten Sie in regelmäßigen Videokonferenzen mit den Eltern besprechen und dabei einzelne Facetten in den Fokus nehmen, wie z. B. „Loben, aber richtig“ oder „Wieviel Medienzeit ist zu viel? “ Mit den unten verlinkten Ratgeberbeiträgen und vielen weiteren Anregungen in Ihrem Lehrerbüro steht Ihre Vorbereitung in wenigen Minuten.
Analoge Begegnungen ermöglichen

Erfahrungsgemäß sind es vor allem die bildungsnahen Eltern, die den Kontakt zur Schule suchen. Um zu den eher schulfernen Eltern in Kontakt zu kommen, haben sich während der Schulschließungen vor allem analoge Begegnungen zwischen Erziehungsberechtigten und Lehrkräften bewährt. 

Ideen für Gelegenheiten zu solchen Face-to-face-Begegnungen hat das Konsortium Elternchance zusammengetragen, z. B.:

  • Fenstersprechstunden: Sie sind eine gute Möglichkeit, um sich mit den Eltern zu einem Gespräch zu verabreden. Vorteil: Sie können eine Plexiglasscheibe aufstellen und sich Maske kommunizieren. Einige Schulen haben während des Lockdowns am Fenster auch auf analogem Wege Aufgaben mit Eltern und Kindern ausgetauscht. Die Kinder freuen sich, die Lehrkraft zu sehen, und Gespräche mit Vätern oder Müttern können ganz zwanglos entstehen.
  • „Spiel der Woche“: Soweit es die Infektionszahlen zulassen, könnten Sie einen festen Termin für Draußen-Spiele im Park oder auf einer Wiese implementieren. Während Sie mit den Kindern spielen, können die Eltern „zu verschiedenen Themen Informationen durch Aufsteller bekommen.“ (ebd.) 
  • Tauschschrank für Kleider- oder Spielsachenspenden: Hier geraten die Eltern nicht nur in Kontakt mit Lehrkräften, sondern unterstützen sich auch untereinander.
  • Gespräche über‘n Zaun: Auch der Schulzaun/das Schultor kann zu einem „Elternmagneten“ werden, zum Beispiel mit „Tütchen für Kinder mit Bastel oder Spielideen“ oder mit Steinen zum Mitnehmen, die die Familien in einem bestimmten Zeitfenster abholen bzw. bemalt zurückbringen können. Auch das ist ein guter Anknüpfungspunkt für Kontakte zu Eltern, die der Schule gegenüber eher „zurückhaltend“ sind.

Nach den langen Monaten der Kontaktbeschränkungen werden die Eltern (und ihre Kinder) dankbar sein für jede Gelegenheit zu einer kurzen persönlichen Begegnung. Und wenn Sie dabei auf Abstand, Maske und Hygiene achten, rufen Sie „ganz nebenbei“ bei allen noch einmal in Erinnerung, wie wichtig es nach wie vor ist, sich zu schützen.
 

Martina Niekrawietz


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