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Schülerorientierte Elternarbeit

Eltern erfolgreich in die Entwicklungsarbeit einbinden

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. — Die Zusammenarbeit von Lehrkräften mit Eltern ist kein Selbstzweck. Ziel sind der Schul- und Lebenserfolg von Kindern und Jugendlichen. Nach wie vor gilt: Das Elternhaus steuert hierzu den wesentlichen Anteil bei.

Schülerorientierte Elternarbeit: Eltern erfolgreich in die Entwicklungsarbeit einbinden Elternarbeit kann über die Anwesenheit bei der Elternsprechstunde hinausgehen © Marco2811 - Fotolia.com

Den Begriff der schülerorientierten Elternarbeit prägte der Erziehungswissenschaftler Werner Sacher. Gemeint ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Lehrkräften und Eltern unter Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen. Dazu braucht es die bewusst gestaltete Kommunikation im „Dreieck Lehrkraft – Vater/Mutter – Kind“.

Praxis-Beispiel:
C. ist ein aufgeweckter Junge. Wenn er etwas zum Unterricht beisteuert, hat es Hand und Fuß. Doch meist sitzt er gelangweilt da und beschäftigt sich mit anderen Dingen. Da er selten „den Clown gibt“, stört sich niemand an seinem innerlichen Rückzug aus dem Unterrichtsgeschehen. Nur: Bei diesem hellen Kopf könnten die Zeugnisnoten wirklich besser sein! C.s Mutter war noch nie bei einem Elternabend dabei. Bei Sprechtagen wirkt sie gehetzt und kann Termine nur vor 18 Uhr wahrnehmen.

Diese Beobachtungen veranlassen die Klassenlehrerin, C. einen Hausbesuch bei der Familie anzukündigen. C. begrüßt die Initiative seiner Lehrerin. Beim Telefonat ist die Mutter durch C. vorbereitet. Einen Termin zu finden war jedoch war schwierig: Bitte nur zwischen 16 und 18 Uhr! Kaffee und Kuchen und auch C. erwarten die Lehrerin. Es entspinnt sich ein angeregtes Gespräch. Sie sei verwitwet und als allein erziehende Nachtschwester für zwei pubertierende Kinder verantwortlich. Das sei eine tägliche Herausforderung. Ohne die verlässliche Betreuung in der Ganztagsschule wäre sie hilflos, denn wann wenn nicht um die Mittagszeit könne sie den täglichen Pflichten nachkommen?

Sie wissen, dass C. sich manchmal im Unterricht langweile und bessere Noten heimbringen könne, doch sie wisse nicht damit umzugehen. Hoffentlich käme er nicht auf dumme Gedanken, denn ab dem frühen Abend sind die Kinder allein, da ihre Schicht um 19 beginnt.C. schaltet sich ab und zu in das Gespräch ein und antwortet bereitwillig auf Fragen. Das Interesse an ihm und seiner Familie findet er offensichtlich gut. Der Lehrerin ist deutlich geworden: Sie muss künftig mit der Mutter und C. das gemeinsame Gespräch suchen!

Nutzen Sie den Einfluss der Eltern für die Entwicklungsarbeit

Gesetze weisen auf die Verpflichtung zur Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus hin. Das Bundesverfassungsgericht formulierte es so: „Diese gemeinsame Erziehungsaufgabe von Eltern und Schule, welche die Bildung der einen Persönlichkeit des Kindes zum Ziel hat, lässt sich nicht in einzelne Komponenten zerlegen. Sie ist in einem sinnvoll aufeinanderbezogenen Zusammenwirken zu erfüllen“.1 Dieses Zusammenwirken wird umso bedeutsamer, je mehr „… hektische Bildungsreformen bei Kindern zu übertriebenen Leistungsanforderungen sowie zu großem Druck (bei) Eltern und Lehrern (führen)“ – so Remo H. Largo, Schweizer Kinderarzt und Autor zahlreicher Büchern zum Thema Wachstum und Entwicklung2.

Studien belegen den unverändert hohen Einfluss des Elternhauses auf den Bildungserfolg von Heranwachsenden: „Am deutlichsten ist aber der Einfluss der Eltern auf die Schullaufbahn der Kinder. Eltern achten sehr auf die Schulleistungen der Kinder (häufig nicht unbedingt zu deren Freude), was sich – wie die Lebensverlaufsstudie zeigt – langfristig auszahlt. „ - so die LIFE-Studie von 2008.

Nach einer OECD-Studie3 beträgt der Einfluss des Elternhauses jeweils mehr als 60% bei Lese-, Mathe- und naturwissenschaftlicher Kompetenz. Was liegt also näher, als den Schulterschluss mit Vätern und Müttern zu suchen, wenn es um schulische Belange des Kindes geht?

Verwendete Quellen

BVerfGE34, 165ff. Urteil des ersten Senats Juni 1972

Remo H. Largo: Lernen geht anders, Piper 2012, S. 8

OECD (Hrsg.): Lernen für das Leben, 2001, S. 256ff. - zitiert nach Sacher 2011

Nach Werner Sacher: Schüler als unverzichtbare Partner in der Elternarbeit – workshop-Präsentation, 2008

Achtung vor gefilterten Informationen

Nun - vor allem Jugendliche sehen ein Einbeziehen der Eltern gar nicht gern! Sie möchten, dass sich die Eltern „aus der Schule raushalten“. Haben sie Angst, dass Erwachsene hinter ihrem Rücken (schlecht) über sie reden? Dem können Lehrkräfte mit einer an Schülerinnen und Schülern orientierten Elternarbeit begegnen.

Werner Sacher stellt fest, dass Schülerinnen und Schüler in ihrer Person „leibhaftige“ Botschaften zwischen Schule und Elternhaus repräsentieren. Das kann ohne Worte geschehen (sichtbare Formen sind Freude oder Erleichterung, Bedrückung oder Rückzug). Mündliche oder schriftliche Informationen überbringen Kinder ihren Eltern bzw. Lehrkräften selten „ungefiltert“ und kommentarlos. Sie versuchen verständlicher Weise, sich in das beste Licht zu rücken.4

Ihre Aufgabe bei der schülerorientierten Elternarbeit

C.s Lehrerin hat der Hausbesuch nachdenklich gemacht: was kann die Schule bieten, damit C.s Mutter künftig auf dem Laufenden gehalten wird? Was braucht C., damit er seinen Fähigkeiten entsprechende Noten erarbeitet und sein Abschluss nicht gefährdet wird?

Ihre grundsätzlichen Überlegungen gehen dahin, dass nicht allein sie Verantwortung trägt, sondern auch ihr Kollegium. Sie hat die Überzeugung gewonnen, dass es um zwei Grundhaltungen geht: Im Focus allen Engagements steht das Kind! und: Eltern sind Experten für ihr Kind!

Was also können Lehrkräfte tun, um dem Versagen der ihnen Anvertrauten im Kontakt mit dem Elternhaus vorzubeugen? Wie können sie Eltern eine vertrauensvolle Basis zum Austausch bieten und deren Kinder einbeziehen?

Übersicht „Möglichkeiten der schülerorientierter Elternarbeit“

Kontakt zu Anlass Ergebnis
Elternhäusern Hausbesuch als Kontakt-Angebot der Lehrkraft/Schule Kennenlernen der Eltern und der häuslichen Situation des Kindes
Klassenvertretung

Terminplanung

Vereinbarung zur Informationsübermittlung an die Klassenelternschaft

Halbjahresplan für Elternabende, Feste, wichtige schulische Veranstaltungen, Lernentwicklungsgespräche
z.B. Rundmails, Elternbrief zu Wissenswertem und anstehenden Terminen
Vätern und Müttern
(während der Sprechzeiten per Telefon
oder in der Schule)

Informationen zu aktuellen Ereignissen bzw. Kontakt nach längerer Zeit

Eltern und Lehrkraft bringen sich "auf Stand" hinsichtlich Leistung, Verhalten u.a. Ereignissen in Schulen und Zuhause
Eltern und Kind

 

„Geburtstagsgespräch“

Lernentwicklungsgespräch

Austausch über persönliche Wünsche, Pläne und Sorgen des Kindes

Austausch über Leistungen und Entwicklung des Kindes

Klassensprecher Klassenangelegenheiten /(regelmäßiger) Klassenrat /Elternabend/Jour Fixe Themen aus der Klasse werden vorbereitet und durchgesprochen

 

Dorothea Kröll


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