Fach/Thema/Bereich wählen
Berufsorientierung

Eltern für Infoveranstaltung motivieren

Beim Thema „Berufsorientierung“ sollten Schule und Elternhaus im Sinne der Jugendlichen an einem Strang ziehen. Wie gelingt es, die Eltern für eine aktive Mitarbeit zu gewinnen? Der Leitfaden liefert erprobte Erfolgsideen für Infoveranstaltungen und Workshops nach dem Motto „Stell Dir vor, es ist Elternabend und der Raum ist voll“.

Berufsorientierung: Eltern für Infoveranstaltung motivieren Eine respektvolle Kultur des Miteinanders kann auch Eltern mit Migrationshintergrund für ein Engagement an der Schule motivieren © Ji Sign - Fotolia.com

Für Jugendliche sind die Eltern bei der Berufsfindung die wichtigsten Ansprechpartner. Deshalb funktionieren Angebote zur Berufsorientierung am besten, wenn Lehrer mit Müttern und Vätern zusammenarbeiten. Doch wie gelingt es, die Eltern für dieses wichtige Gemeinschaftsprojekt zu gewinnen? Diese Frage beantwortet der Elternleitfaden „Eltern erwünscht?!“ (LF), den die „Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT“ entwickelt hat.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Elternarbeit ist eine wertschätzende Haltung und die Begegnung auf Augenhöhe. (LF, S. 14) Das sollte sich bereits im Einladungsschreiben zu einer Informationsveranstaltung widerspiegeln: Eine persönliche Anrede („Liebe Familie XY“), ein freundlicher Ton („Herzlich willkommen!“) und ein leicht verständlicher Text sprechen die Eltern an.

Positiv konnotierte Schlagworte („gemeinsames Ziel, Erfolg Ihres Kindes“) und möglichst konkrete Themen (statt „die Arbeitsagentur stellt sich vor“ „Berufsberaterin Frau X präsentiert Ihnen die interessantesten Ausbildungsplätze in unserer Region“) wecken das Interesse der Eltern und erhöhen die Bereitschaft zu kommen.

„Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“

Auch bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen sollten die Wünsche und Lebensumstände der Eltern maßgeblich sein: Ist der Veranstaltungsort verkehrstechnisch gut erreichbar? Kollidiert der Termin womöglich mit den Arbeitszeiten einzelner Eltern oder mit einem Feiertag? (Vgl. dazu den interkulturellen Kalender auf der Website des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge) Oder läuft auch nur im Fernsehen ein spannendes Fußballspiel?

Viele Hindernisse für eine Teilnahme sind von vornherein absehbar und sollten wenn möglich beseitigt werden, selbst wenn das mit organisatorischem Mehraufwand verbunden ist: Können beispielsweise einige Eltern nur teilnehmen, wenn für eine Kinderbetreuung gesorgt ist, sollte dafür eine interne Lösung gefunden werden. Vielleicht könnten ja Schüler, Referendare oder andere Personen „freundlicherweise als ‚Babysitter in der Schule‘ aushelfen“. (LF, S. 15)

Eine angemessene Bewirtung (Getränke oder ein kleiner Imbiss) wirkt „nicht nur höflich, sondern gastfreundlich“ und berücksichtigt im Idealfall verschiedene Essgewohnheiten der Elternschaft (Vegetarier, kein Schweinefleisch aus Rücksicht auf gläubige Muslime etc.).

Oft sind es Kleinigkeiten, die zum Gelingen der Veranstaltung beitragen: „Arrangieren Sie Tische und Stühle so, dass die Eltern sich wohlfühlen. Sitzordnungen, die an Frontalunterricht erinnern, wecken nicht immer gute Erinnerungen: da wirkt eine U-Form schon freundlicher und kommunikativer.“ (ebd.)

Praxisideen für Informationsveranstaltungen und Workshops

Zahlreiche erprobte Konzepte und Ideen „von Praktikern für Praktiker“ („Erfolgsideen“) bilden das Herzstück des Leitfadens und liefern Anregungen für eine gelingende Elternarbeit. Bei der Fortbildung „Eltern zu Multiplikatoren qualifizieren“ etwa geht es darum, über interkulturelle Mittler Zugang zu denjenigen Eltern mit Migrationshintergrund zu finden, die sonst schulischen Veranstaltungen eher fern bleiben. Kurz umrissen werden die Ziele der Schulung, mögliche Partner werden genannt. Konkrete Hinweise helfen bei der Umsetzung: „Die Schulungspräsentation sollte wenig Text enthalten, in leichter Sprache gestaltet sein, kombiniert sein mit Schaubildern und Piktogrammen (…) und evtl. in anderen Sprachen zugänglich sein“, heißt es da zum Beispiel (LF, S. 18).

Ein interkultureller Abend an einem für die Eltern vertrauten Ort — auch dieses Konzept will die Eltern erreichen, die Hemmungen haben, eine Elternveranstaltung in der Schule zu besuchen. (LF, S. 19) Genutzt werden sollten dabei Räumlichkeiten von Migrantenorganisationen, Kulturvereinen, Gemeindezentren, Botschaften oder Konsulaten et cetera, um Ausbildungsberufe und Karrieremöglichkeiten vorzustellen. Persönliche Einladungen (direkte Ansprache oder Anruf durch eine Person, die den Eltern bekannt ist) fördern die Verbindlichkeit, ebenso die Aufgabe, kleine Speisen mitzubringen.

Schüler laden ein

„Gemeinsam sind wir stark“ ist die Devise eines Schüler-Eltern-Abends in der neunten Klasse, den die Jugendlichen selbst gestalten (LF, S. 22). Matthias Resch, Schulleiter einer Ganztagshauptschule in Hamm, hat mit diesem „Rollenwechsel“ sehr gute Erfahrungen gemacht: Die Schüler ergreifen als Moderatoren die Initiative: Sie klären die Erwachsenen „gründlich und umfassend über ihren individuellen Weg in Schule und Beruf“ auf und fordern die notwendigen Hilfen und Fördermöglichkeiten von Schule und Elternhaus ein. (ebd.) — Mit dem aktiven Part übernehmen die Jugendlichen selbst die Verantwortung für ihre berufliche Orientierung. Und auch für die Eltern ist der Besuch einer Infoveranstaltung verbindlicher, wenn nicht die Schule, sondern ihre Kinder dazu einladen.

Zusammenarbeit mit Experten und Partnern vor Ort

Das Thema berufliche Orientierung ist vielschichtig und recherche-intensiv. Angebote für Eltern und Schüler sollten deshalb unbedingt in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Experten und Partnern vor Ort erfolgen. Die Erfolgsideen müssen nicht 1 : 1 umgesetzt, sondern können auch modular verwendet werden. Zum Beispiel für die Planung von ganztägigen Angeboten. Hilfreich dabei ist auch die Checkliste für Elternveranstaltungen, die von der Vorbereitung bis zur Nachbereitung systematisch bei allen Planungsschritten begleitet.

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Elternarbeit
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×