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Erziehungspartnerschaft

Elternbriefe: Der Ton macht die Musik

Durch freundlich und wertschätzend abgefasste Elternbriefe fühlen sich Eltern als Erziehungspartner ernst genommen. Ein paar wenige kommunikative Regeln genügen, um den Weg für eine gute und konstruktive Zusammenarbeit zu ebnen.

Erziehungspartnerschaft: Elternbriefe: Der Ton macht die Musik Es kommt auf den Stil an: Statt Standardformulierungen sollte ein Brief an die Eltern eine persönliche Ansprache enthalten © stockfour/Shutterstock.com

„Hat mein Kind etwas ausgefressen?“ „Arbeitet es im Unterricht nicht mit?“ „Ist die Versetzung gefährdet?“ — Wenn Eltern Post von der Schule bekommen, öffnen viele den Brief mit Herzklopfen. Beginnt der Brief dann auch noch mit „Sehr geehrte Damen und Herren, leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ...“ bestätigen sich die Befürchtungen.

So fing auch ein Brief von der Frankensteinschule in Darmstadt an, über den das Magazin Focus am 05.06.2016 auf seiner Website berichtete. Eine Lehrkraft informiert die Eltern darin, dass ihr Kind „sich im Religionsunterricht an die vereinbarten Regeln hält“ und sich zudem auch noch „aktiv“ am Unterricht beteiligt. Sollte sich daran nichts ändern, sehe sich der Verfasser „leider“ „gezwungen, eine gute Note im Zeugnis zu geben“. — Ein witziger Einfall, der möglicherweise den Beginn „einer wunderbaren Erziehungspartnerschaft“ zwischen Lehrer und Eltern markiert.

Wie Sie mit Ihren Briefen die Weichen für einen guten Kontakt und für eine reibungslose Zusammenarbeit mit den Eltern stellen, zeigen die folgenden Anregungen und Praxistipps.

Persönlich schreiben, Kooperationsbereitschaft zeigen

Wichtig ist es zunächst, die Eltern persönlich und freundlich anzusprechen. Wählen Sie statt der geschäftsmäßigen Anrede „Sehr geehrte ...“ besser „Liebe ...“ und personalisieren Sie die Anrede möglichst („Lieber Herr Maier“). Nutzen Sie immer wieder das persönliche Anredepronomen „Sie“ und „Ihr“ und nennen Sie auch das Kind der Eltern beim Namen.

Briefe zum Schulanfang

Viele gute Textvorlagen und Anregungen für gelungene Elternbriefe bieten die beiden Schulpsychologen Hans-Georg Häring und Dr. Walter Kowalczyk mit ihrer Handreichung „Ein gelungener Schulanfang — Briefe zur Information der Eltern“. Auf insgesamt 40 Seiten finden sich Textvorschläge in deutscher Sprache nebst Übersetzungen in Albanisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Russisch und Türkisch. Die Autoren empfehlen, mutmaßlich fremdsprachigen Eltern jeweils auch den deutschen Brief beizulegen, „weil es diskriminierend wirken könnte, zu unterstellen, dass die Eltern keine deutschsprachigen Briefe lesen können.“ (S. 5)

Auf S. 34 findet sich ein „Brief an Kinder“, mit dem die Schüler freundlich zu einem „Fest und einer ersten Schulstunde“ in ihrer neuen Schule eingeladen werden. — Eine sehr gute Idee, die sicherlich auch die Eltern begeistert.

Wenn Sie beispielsweise einen Schüler haben, der in den letzten Wochen häufig unvorbereitet in den Unterricht kommt und notenmäßig abgesackt ist, laden Sie die Eltern zu einem Gespräch ein, „um gemeinsam zu überlegen, wie wir Michael helfen können“. Mit dieser Formulierung sagen Sie zwischen den Zeilen, dass es nicht etwa um Schuldzuweisungen geht, sondern dass Michael Ihnen — genau wie den Eltern — am Herzen liegt und Sie gemeinsam („wir“) mit den Eltern nach Lösungen suchen und an einem Strang ziehen möchten. Dieses „Wir“ ist die Basis für eine erzieherische Partnerschaft, bei der beide Seiten — Schule und Elternhaus — im Sinne des Schülers kooperieren und Verantwortung übernehmen.

Mit der Formulierung „Ihr Sohn Michael“ hingegen würden Sie Distanz schaffen und signalisieren, dass Sie das Problem mit Michael eher auf Seiten der Eltern sehen. Womöglich lesen die Eltern heraus, dass sie für den Leistungsabfall ihres Sohnes verantwortlich gemacht werden sollen und gehen dann schon von vornherein in eine Abwehr- oder Verteidigungshaltung.

Empathie und Wertschätzung schafft Beziehung

Kommunikation mit den Eltern ist immer auch Beziehungsarbeit. Im persönlichen Gespräch signalisieren wir unserem Gegenüber durch Lächeln, höfliche Gesten, zustimmendes Nicken etc. Wertschätzung und die Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog. Bis zu einem gewissen Grad geht das auch beim Briefeschreiben.

Am besten stellen Sie sich beim Schreiben ein reales Gespräch mit den Eltern vor. Zunächst würden Sie die Eltern freundlich begrüßen. Beim Brief nutzen Sie die Einleitung als „Türöffner“ und beginnen mit ein paar freundlichen Worten, um das Eis zu brechen. Hier einige Beispiele:

Wenn Sie die Eltern noch nicht kennen, stellen Sie sich, genau wie beim Face-to-face-Gespräch, kurz vor: „Liebe Frau Müller, lieber Herr Müller, noch kennen wir uns nicht persönlich. Mein Name ist Vorname Nachname. Ich freue mich, dass ich die Klasse 9 a in diesem Schuljahr als Klassenlehrerin begleiten darf.“

Falls etwas Unangenehmes zu besprechen ist, z. B. dass ein Schüler oft den Unterricht stört oder schwänzt, und Sie mit dessen Eltern diesbezüglich schon einmal eine Unterredung hatten, knüpfen Sie vielleicht an Ihren letzten Kontakt mit den Eltern an: „bei unserem letzten Gespräch im Juni hatten wir ja gemeinsam überlegt, wie wir erreichen, dass ...“ Zwischen den Zeilen schwingt dabei mit, dass Sie sich mit den Eltern auf Augenhöhe sehen und darauf vertrauen, dass gemeinsam eine konstruktive Lösung gefunden werden kann.

Alternativ dazu können Sie empathisch Bezug auf die (vermutete) Situation nehmen, in der die Eltern den Brief erhalten. Wenn Sie etwa die Eltern zu einem Elternabend zum Thema „Mediennutzung — sinnvolle Grenzen setzen“ in der letzten Woche vor den Weihnachtsferien einladen, könnte das so klingen: „... bestimmt haben Sie in der hektischen Vorweihnachtszeit mehr Stress als sonst. Und jetzt flattert Ihnen auch noch eine Einladung zu einem Elternabend ins Haus.“ Bei den Eltern kommt dann an, dass Sie für den eher ungünstigen Termin vermutlich gute Gründe haben. Und auch mit der dann folgenden Begründung können Sie punkten.

Nutzen und Vorteile für Eltern betonen

Im Hauptteil erläutern Sie vermutlich, worum es in der Veranstaltung/beim persönlichen Gespräch geht, wie viel Zeit dafür eingeplant ist, wann und wo die Eltern sich einfinden sollen etc. Wenn Sie die Eltern von der Wichtigkeit Ihres Anliegens oder von der Notwendigkeit der Zusammenarbeit überzeugen möchten, kommunizieren Sie hier am besten die Vorteile, die Eltern bzw. Schüler davon haben.

Im Fall des Elternabends schließen Sie dann an die einfühlsame Bemerkung zur hektischen Vorweihnachtszeit z. B. folgenden Satz an: „Doch wir haben den Termin mit Bedacht gewählt, denn es geht um ein Thema, das besonders in den Weihnachtsferien oft zu Konflikten mit pubertierenden Jugendlichen führt.

Im Fall des „Problemgesprächs“ wegen Michael könnten Sie so überleiten: „Gerne würde ich mich noch einmal mit Ihnen beraten und Ideen entwickeln, wie wir Michael unterstützen: Wie schaffen wir es gemeinsam, dass er regelmäßig den Unterricht besucht? Und wie gelingt es uns, dass er seine Lücken in Mathematik und Englisch aufholen kann?“ — Damit haben Sie die beiden Kernprobleme direkt angesprochen. Zugleich signalisieren Sie Zuversicht, dass sich eine konstruktive Lösung im Sinne des Schülers und seiner Eltern finden lässt. — Michaels Eltern kennen nun den Ernst der Lage und sind dabei doch motiviert für eine erziehungspartnerschaftliche Zusammenarbeit.

Gewaltfreie Kommunikation schafft Beziehung

Hilfreich bei einer wertschätzenden und beziehungsstiftenden Korrespondenz mit den Eltern ist besonders auch das Konzept der gewaltfreien Kommunikation. Eine lesenswerte Einführung mit probaten Praxistipps geben Klaus-Dieter und Katarina Gens vom „forum gewaltfreie kommunikation berlin“.

Auf Seite 4 f. beschreiben die Autoren beispielsweise die Charakteristika einer „trennenden Kommunikation“, die sich auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit kontraproduktiv auswirkt. Verzichtet werden sollte demnach u. a. auf Urteile, Analysen im Stil von Schuldzuweisungen, auf die Einteilung in gut und schlecht, auf Verurteilung durch Vergleiche, Forderungen und auf „Denkweisen, die uns (angeborene) Schlechtigkeit, Mangelhaftigkeit und die Notwendigkeit einer Erziehung vermitteln“. Demgegenüber basiert eine „verbindende Kommunikation“ auf „Berührtheit und Mitgefühl“. Dabei fühlen sich die Gesprächspartner nicht nur in den anderen ein, sondern nehmen auch eigene Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche wahr und äußern sie.

Wichtig dabei ist es, zu beobachten und nicht zu werten: „Michael hat in Mathematik in der letzten Woche zweimal keine Hausaufgaben gehabt ...“ wäre eine neutrale Beobachtung. Eine Bewertung hingegen wäre: „Michael ist offensichtlich zu faul, in Mathematik Hausaufgaben zu machen...“ (ebd., S. 7).

Auch Forderungen sind einer konstruktiven Zusammenarbeit abträglich. An ihre Stelle sollten Bitten treten. Sie lassen dem anderen „Wahlfreiheit“ und sollten „in positiver Handlungssprache formuliert sein“ (ebd., S. 16). Und noch ein guter Hinweis der Autoren: „Wenn wir mit der Bitte unsere Gefühle und Bedürfnisse mitteilen, erhöht dies die Chance, die Bitte erfüllt zu bekommen.“ (ebd.) — Doch auch hier wollen die Worte gut abgewogen sein, denn: „Bitten können auch Bewertungen enthalten, die der andere gut mit Schuldohren hören kann“ (ebd.): Aus der Aussage, „Deshalb bitte ich Sie, mir offen zu sagen ...“, könnte der Leser im schlechtesten Fall heraushören, dass Sie ihn für unehrlich halten.

Positiven Abschluss finden

Im persönlichen Elterngespräch spielt auch der Abschluss eine wichtige Rolle: Nach einem „Problemgespräch“ werden Sie noch einmal positive Aspekte hervorheben. Wenn Ihnen an einer kontinuierlichen Zusammenarbeit gelegen ist, werden Sie vielleicht auf Ihre Sprechstunde hinweisen und die Eltern ermutigen, sich bei Fragen jederzeit an Sie zu wenden. In der Regel werden Sie die Eltern dann zur Tür begleiten und sie freundlich verabschieden. Auf diese Weise hinterlassen Sie bei Ihren Gesprächspartnern einen positiven Eindruck.

Beim Elternbrief übernimmt der Schluss Ihres Brieftextes diese Funktion. Bei einem bevorstehenden „Problemgespräch“ können Sie Zuversicht äußern, dass Sie – gemeinsam mit den Eltern — sicher eine Lösung finden werden. Bei der Einladung zum Elternabend „Mediennutzung“ im Dezember erhöhen Sie die „Besuchsbereitschaft“ vielleicht mit einem Hinweis auf einen ungezwungenen Ausklang des Abends bei Plätzchen und Punsch. Vielleicht eröffnen Sie den Eltern an dieser Stelle auch die Möglichkeit, einen alternativen Termin wahrzunehmen oder bieten ein Einzelgespräch an. Falls Sie viele Eltern mit Migrationshintergrund erwarten, weisen Sie darauf hin, dass für Dolmetscher gesorgt sein wird. Und ein abschließendes „Ich freue mich auf Sie“ wirkt genauso positiv, wie ein freundlicher Händedruck und ein Lächeln.

Martina Niekrawietz

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