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Kooperation

Konflikte lösen: So helfen externe Beratungsstellen

Viele Probleme von Schülern haben ihre Wurzeln außerhalb des schulischen Alltags. Lehrer können dabei nicht alleine für eine Lösung zuständig sein. Vielfältige außerschulische Unterstützungssysteme bieten in solchen Fällen ihre Expertise an – und deren Angebot sollte genutzt werden.

Kooperation: Konflikte lösen: So helfen externe Beratungsstellen Bei Problemen können Schüler die therapeutische Hilfe externer Beratungsstellen in Anspruch nehmen © iStockphoto.com/track5

Natalie kommt in der Schule nicht mehr zurecht. „Früher war sie doch so ein lustiges, aufgeschlossenes und kontaktfreudiges Kind“, klagen die Eltern der Zwölfjährigen am Ende der fünften Klasse. „Wir wissen nicht, was mit ihr los ist.“ Im Gespräch mit der Lehrerin stellt sich heraus, dass die Familie mit der damals siebenjährigen Tochter aus Russland kam. Weil die Eltern beruflich nicht Fuß fassen konnten, schickten sie Natalie zurück zu den Großeltern in ihren Heimatort. „Das war eine schwere Zeit für uns und für Natalie“, berichtet ihre Mutter. „Natalie hatte in der deutschen Grundschule schnell Freundinnen gefunden und dann musste sie sich schon wieder von ihnen und von uns trennen.“ Das habe sie nicht verkraftet. „Sie ist ein liebes Kind, doch nachdem wir sie wieder nach Deutschland geholt hatten, war sie ganz verschlossen und wirkte immer traurig.“ Die Mutter gibt zu: „Wir wissen nicht, was wir tun sollen.“
Nathalies Lehrerin nimmt Kontakt mit Rebus auf, der „Regionalen Beratungs- und Unterstützungsstelle“ der Stadt Hamburg, die seit mehr als zehn Jahren unter dem Dach der Schulbehörde aktiv ist. Diese empfiehlt ein Gespräch mit einem Schulpsychologen der Einrichtung. Mit Ergebnis: Natalie leidet aufgrund des mehrfachen Herausgerissen-Werdens an einer traumatischen Störung, die therapeutisch verarbeitet werden muss, damit das Kind sein inneres Gleichgewicht wieder finden und Vertrauen zu seinen Eltern aufbauen kann. „Frühzeitige Hilfen sind die wirksamsten, dann lassen sich Schwierigkeiten viel leichter bewältigen!“, sagt Thomas Juhl, kommissarischer Leiter von Rebus in Hamburg. „Es ist wichtig, dass Eltern oder Lehrkräfte nicht abwarten, bis ein Problem manifest geworden ist und die Betroffenen vor Trümmern stehen.“

Anlaufstellen gibt es überall

Auch in anderen Städten und Bundesländern gibt es Einrichtungen wie Rebus. Die Konzepte der „dezentralen Erziehungshilfen“ unterscheiden sich in ihrer Zielsetzung dabei nur wenig. Doch sie arbeiten nicht immer flächendeckend – und ihre Strukturen sind oft nicht so klar wie beim Hamburger Modell. Das erschwert es Eltern und auch Lehrkräften fündig zu werden, wenn sie externe Hilfe benötigen. Erste Anlaufstelle sind in solchen Fällen die Erziehungshilfe-Abteilungen des  zuständigen Jugendamtes oder - nach Bundesland – unterschiedlich -  das Schulamt, die Bezirksregierung oder das Schulverwaltungsamt.

Weiterführende Links:

Die schulpsychologischen Beratungsstellen in Deutschland sowie weitere Informationen für Schüler, Lehrer und Eltern finden sich unter www.schulpsychologie.de.

Hier informiert der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen über das Thema Schulpsychologie.

Das hessische “Netzwerk gegen Gewalt” informiert auf seiner Homepage über seine Arbeit und gibt hilfreiche Tipps.

Für Probleme mit Gewalt, ein Bereich indem viel zu oft weggeschaut wird, gibt es ebenfalls externe Beratungsstellen. Das hessische „Netzwerk gegen Gewalt“ etwa will auch subtilen Bedrohung und Ausgrenzung, wie Mobbing, etwas entgegensetzen. Es engagiert sich in der Schulung und Beratung von Erzieherinnen, Lehrkräften, sozialpädagogischen Fachkräften und auch Eltern. Der Sprecher des Netzwerks erhält direkte Anfragen, die er entweder selbst beantwortet oder gezielt an andere Unterstützungssysteme verweist.

Gewalt erfordert sofortiges Handeln

Uwe Josuttis, Leiter der Regionalen Geschäftsstelle Nordhessen, unterstreicht, wie wichtig es dabei ist, dass Erwachsene beim ersten Anzeichen von verdeckter oder offener Gewalt handeln: „Die Betroffenen dürfen sich nicht aus Scham verstecken, denn das ermutigt die andere Seite fortzufahren mit aggressiven Handlungen.“ Sobald Erwachsene den Eindruck hätten, dass Gewalt im Spiel sei, müssten sie reagieren. „Der erste Schritt ist das Gespräch mit dem jungen Menschen. Er muss angehört und ernst genommen werden.“

Am wichtigsten sei für die Betroffenen, dass sich jemand des Problems annehme. In der Schule sei das die Klassenlehrerin oder ein Vertrauenslehrer. „Sie müssen mit Sensibilität und Wissen über alternative Lösungsstrategien ausgestattet sein“, sagt Josuttis. „Sollten eine Lehrkraft oder die Eltern unsicher, gar ratlos sein, stehen ihnen die Expertinnen und Experten der Jugendämter, Schulämter und Beratungsstellen vor Ort zur Seite.“ Die Initiative zum unverzüglichen Handeln müssten dabei die Pädagoginnen ergreifen, denn bei Ihnen liege die Verantwortung, den jungen Menschen zu schützen. Wichtig sei: Schritte zur Entschärfung der Situation müssen vom ,Opfer‘ bejaht werden. „Schon bevor der Konflikt zu eskalieren droht, empfehle ich dringend, außerschulische Fachleute einzubeziehen“, so Josuttis.

Ursachen liegen oft jenseits der Schule

Was sich Lehrerinnen und Lehrer bewusst machen sollten: Ein Kind hat es dann schwer, sich in der Schule zu recht zu finden, wenn es einer Diskrepanz der Verhaltensnormen und Erwartungen zwischen Schule und Zuhause ausgesetzt ist. Schüler bewältigen dabei einen täglichen Balanceakt. Denn Normen und Erwartungen von Seiten der Lehrkräfte auf der einen und die des Elternhauses auf der anderen Seite sind selten deckungsgleich. Dabei sind die Heranwachsenden verschiedenen Rollenerwartungen ausgesetzt, die es miteinander zu vereinbaren gilt. Erschwerend kommt für Viele hinzu, dass sie psychisch labil sind, sich von den Leistungserwartungen überfordert fühlen oder die Eltern ihren Aufgaben nicht gerecht werden können.

Ob es also um ADHS oder andere auffällige Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen geht, die Ursachen für Probleme sind weniger im schulischen Alltag zu suchen, sondern im familiären und gesellschaftlichen Umfeld. Zudem gibt es nicht so offensichtliche Beeinträchtigungen und Krankheitsbilder, denen Erziehende nicht genügend Aufmerksamkeit widmen (können). Entweder sind die Klassen zu voll oder Lehrkräften, Sozialpädagoginnen und Eltern fehlt das Wissen um die Bedeutung auffälliger Symptome - und sie gehen davon aus, dass sich die Auffälligkeit schon „auswachsen“ wird. Therapeutisch geschulte Fachkräfte hingegen  können auf den ersten Blick erkennen, was nicht stimmt. Sie werden Eltern und Lehrkräften mit Rat und Tat zur Seite stehen – wenn sie denn gefragt werden.

Natalie hat die außerschulische Hilfe viel gebracht: Zwei Jahre später berichten ihre Eltern, dass sie sich ihnen gegenüber öffne und auch in der Schule wieder gut dabei sei. Ihrem Vater ist die Erleichterung deutlich anzumerken: „Die Lehrerin sagt, sie erkennt Natalie kaum wieder. Sie ist neugierig, lernt gut und lacht wieder. Wir sind sehr froh, dass der Kontakt zu Rebus und der geschulte Blick des Beraters uns allen weiter geholfen haben!“ Natalie sei jetzt gar nicht mehr schwierig und fast wie früher. „Wir hoffen, dass viele Familien, bei denen Probleme mit dem Kind auftauchen, von Rebus erfahren und dort Hilfe suchen!“

Dorothea Kröll

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