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Medienpädagogik

Risiko Smartphone — ein Elternabend

Internetfähige Smartphones in Kinderhänden und dazu Eltern, die nicht die leiseste Ahnung von den damit verbundenen Risiken haben: eine fatale Konstellation! Da hilft nur ein „Schnellkurs Medienerziehung“ für die Eltern.

Medienpädagogik: Risiko Smartphone — ein Elternabend Bereits Grundschüler nutzen Smartphones, ohne dass sich Eltern allzu viele Gedanken darüber machen © Syda Productions - Fotolia.com

„Meine Tochter (11) will schon ein eigenes Handy haben — soll ich ihr das erlauben?“, fragt eine Mutter im Forum des Magazins „stern“. Der Tenor der Antworten auf das Posting: Handy ja, die Kinder sollten erreichbar sein. Aber ohne Schnickschnack und am besten nur mit Prepaidkarte, um „horrenden Handyrechnungen“ vorzubeugen. 

Ähnlich sieht das auch Günter Steppich, Schulberater und Referent für Jugendmedienschutz am Hessischen Kultusministerium: „Gegen ein einfaches Handy, mit dem man telefonieren und SMS schicken kann, ist in dieser Altersgruppe wenig einzuwenden“, schreibt er in einem Elternbrief zum Thema Smartphones an alle Grundschulen in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Für ein Smartphone allerdings gebe es in dieser Altersgruppe „kein einziges überzeugendes Argument, aber zahlreiche dagegen“, so der Medienpädagoge. 

Welche Altersgrenzen sind angemessen? Welche Risiken sollten Eltern kennen? Und wie können sie ihre Kinder schützen? Das sind die Kernfragen der medienpädagogischen Elternarbeit, die Günter Steppich auf seiner Website medien-sicher.de und andere medienpädagogische Angebote im Netz beantworten.

Altersempfehlungen für Smartphones

Die Autoren der Website „Schau hin!“ setzen das Mindestalter für Internet, Apps und die vielen anderen Funktionen des Smartphones sehr früh an: „In der Regel ist ein Kind ab etwa elf Jahren soweit [!]“, bei jüngeren Kindern seien jedoch „die Geräte über Sicherheitseinstellungen und Jugendschutz-Apps gut zu sichern“ (ebd.). 

Doch Smartphones eröffnen Kindern und Jugendlichen Zugang zum Internet und damit zu der „Erwachsenenwelt, mit allen Problembereichen“, die Eltern „im realen Leben“ von ihren Kindern fernhalten, so Günter Steppich in seinem Brief an die Grundschuleltern (Link s. o.). „Die Frage lautet nicht, in welchem Alter Sie Ihrem Kind diese Möglichkeiten erlauben wollen, sondern vielmehr, wann sie ihm das zumuten möchten!“ (ebd.), betont der Jugendmedienschutz-Experte. Seine Faustregel: „Tastenhandy nicht vor Klasse 5, Smartphone erst mit ca. 14 Jahren, mobiler Internetzugang (Flatrate) ab 16 Jahren.“ (ebd.).

Weiterführende Hinweise:

Mit FAQs, Materialien und Linktipps unterstützt „klicksafe“ Eltern dabei, Kinder „Schritt für Schritt an Internet, PC-Spiele, Smartphone und Apps heranzuführen“. Differenziert nach Alter bis 10 Jahre und ab 10 Jahren.

Über Möglichkeiten und Grenzen von Filter- und Jugendschutzprogrammen informieren die Elterntipps auf der Website klicksafe.de

Sicherheitseinstellungen für Android bzw. iOS finden sich bei „Schau hin!“ 

Wie sich persönliche Daten im Netz schützen lassen, fasst „klicksafe“ in der Broschüre „Datenschutztipps für Eltern“ zusammen. Und hier ein Beitrag dazu auf der Website „Schau hin!“

Das Deutsche Kinderhilfswerk erklärt in seinem Handy-Guide für Kinder und Eltern erhältlich.

Der Fachberater für Jugendmedienschutz weiß, wovon er spricht: „Ich hatte (...) im vergangenen Schuljahr alle Hände voll damit zu tun, digitale Schadensbegrenzung zu betreiben, insbesondere in Fällen von entgleisten peinlichen Fotos und Onlinemobbing per WhatsApp und Facebook, aber auch [von] pädophilen Übergriffen in sozialen Netzwerken“, schreibt er an anderer Stelle auf seiner Website

JIM- und KIM-Studie: Smartphones unter 8- bis 13-Jährigen weit verbreitet

Ob in den letzten beiden Grundschuljahren oder im ersten Jahr der Sekundarstufe — Lehrkräfte sollten sich bei der Planung eines Elternabends zum Thema „Handynutzung“ bewusst sein, dass Altersempfehlungen bei vielen Eltern zu spät kommen: Tatsächlich besitzen bereits 18 Prozent der 8- bis 9-Jährigen ein internetfähiges Smartphone, wie aus der KIM-Studie 2016 (S. 30) hervorgeht. Bei den 10- bis 11-Jährigen sind es schon 43 Prozent. Und laut JIM-Studie 2016 (S. 23) nutzen 91 Prozent der 12- bis 13-Jährigen ihr eigenes Smartphone. Diese Zahlen weisen darauf hin, dass den meisten Eltern die damit verbundenen Risiken nicht bewusst bzw. bekannt sind. 

Crashkurs Medienerziehung und Jugendmedienschutz für Eltern

In seinem packenden Elternvortrag „Pubertät 2.0 — Einblick ins digitale Klassenzimmer“ sensibilisiert Günter Steppich die Eltern für die Gefahren, denen Kinder und Jugendliche beim Umgang mit Smartphones ausgesetzt sind. Er demonstriert durch konkrete Beispiele, was sich die Kids im Netz so alles „‘reinziehen“ können (z. B. Hardcorepornos, Tötungsvideos aus dem Syrienkrieg oder Gewaltspiele ohne Jugendfreigabe), was viele naiv von sich preisgeben (vgl. z. B. die Ausführungen zu Sexting, im Vortrag ab 1:00:34) und welchen Gefahren sie sich damit aussetzen (Veröffentlichung von Nacktfotos im Netz, Verletzungen der Privatsphäre, sexuelle Übergriffe, Cybermobbing etc.). 

Zwei Stunden dauert der extrem dichte Vortrag, und es wird keine Minute langweilig. Günter Steppich kennt die Abgründe des Netzes und der sozialen Medien und gibt praxisbewährte Tipps, wie Eltern ihre Kinder schützen können. Beispiel: Bei Cybermobbing auf keinen Fall online reagieren, sondern nur Beweise sichern (Screenshots) und versuchen, die Beteiligten an einen Tisch zu holen (1:09:40). 

Mitschreiben muss bei dem Vortrag keiner, denn alles (und noch mehr) ist in seinem „Handbuch Jugendmedienschutz“ (im Folgenden abgekürzt mit „HBJMS“) auf der Website medien-sicher.de in einer laufend aktualisierten Version) einzusehen. 

Hier finden Lehrer zudem praktische Hinweise, wie und wann man die Erziehungsberechtigten ins Boot holen sollte (vgl. HBJMS, S. 15): Der Autor rät etwa, schwerpunktmäßig „die Eltern der Eingangsstufen von Grund- und weiterführenden Schulen“ anzusprechen, um sie von Anfang an „in die Medienarbeit der Schule einzubinden und die Wichtigkeit der Medienerziehung im häuslichen Bereich zu verdeutlichen“. Gut besucht ist seiner Erfahrung nach auch nur eine Veranstaltung mit verbindlich formulierter Einladung, die den Eltern die Teilnahme „sehr eindringlich nahelegt“. — Ein Musterschreiben dazu hat der Jugendmedienschutz-Experte hier auf seiner Website hinterlegt.

Überzeugungsarbeit leisten: Medienerziehung ist Elternsache!

„Das ist mein wichtigstes Anliegen heute Abend, wenn Sie’s bisher noch nicht gemacht haben, dass Sie zu Hause einfach mal Facebook, WhatsApp, Smartphone und so weiter zum Thema machen“, betont der Medienpädagoge gleich zu Beginn seines Elternvortrags. Diese Botschaft zieht sich als roter Faden durch den Abend. Klar wird dabei auch, dass die Eltern sich unbedingt mit der komplexen Materie befassen sollten. Dazu baut der Referent immer wieder humorvoll als „Fluchtmöglichkeiten“ deklarierte Wissenstests für die Eltern ein, zum Beispiel wenn er eine Folie mit Fachbegriffen (vgl. HBJMS, S. 16) wie „MILF“, „Ransomware“, „Cybergrooming“ etc. auflegt: „Wenn Sie sagen‚ das hab‘ ich alles im Griff, (...) das muss mir keiner erklären, dann können Sie jetzt schon direkt entspannt nach Hause gehen“. 

Regeln vereinbaren, konsequent handeln

„Medienerziehung ist (...) glasklar in erster Linie Elternsache“, so Steppichs Überzeugung (vgl. HBJMS, S. 20). Er ermutigt die Eltern dazu, öfter „auch einmal ganz einfach, überzeugend und unemotional“ NEIN zu sagen.

Empfehlenswert ist es auch, sich mit Kindern und Jugendlichen auf Regeln bezüglich der Nutzung des Smartphones zu einigen. Die US-Bloggerin Janell Burley hat dazu für ihren 13-jährigen Sohn einen Handynutzungsvertrag entworfen, den Günter Steppich übersetzt hat und auf seiner Website zur Verfügung stellt. Schon bei kleineren Regelbrüchen sollten die Eltern „mit deutlichen gelben Karten“ reagieren und so verhindern, „dass später die rote Karte gezückt werden muss“ (ebd.).

Wenn Eltern natürlich — zum Beispiel nach einem überzeugenden Elternabend zum Thema Smartphone – plötzlich reglementierend eingreifen, obwohl ihre Kinder beim Medienkonsum bisher freie Hand hatten, gibt’s womöglich „heftige Diskussionen und Streit“, so Steppich in den FAQ auf seiner Website. Stellen sich die Jugendlichen dann auf den Standpunkt, dass die Eltern kein Recht haben, über ihren PC oder Smartphone zu bestimmen, rät Steppich: „Schließen Sie sich ruhig dieser Auffassung an und erklären Sie im Gegenzug freundlich und gelassen, dass der Internetzugang und die SIM-Card Ihnen gehören (...). Mit der SIM-Card in der Hosentasche und abgeschaltetem WLAN haben Sie jetzt eine prima Verhandlungsposition!“.

Martina Niekrawietz

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