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Selbstvergewisserung

„Schwierige“ Eltern? — Empathie statt Konfrontation!

Elternarbeit bedeutet auch, es mit „schwierigen“ Eltern zu tun zu haben. Konfrontation stachelt dabei Konflikte nur an. Stattdessen erreicht man in Gesprächen mit Empathie häufig weit mehr für ein gutes Miteinander. Darauf können Lehrkräfte sich einstimmen. 

Selbstvergewisserung: „Schwierige“ Eltern? — Empathie statt Konfrontation! Auch wenn Eltern versuchen, eine "Front" aufzubauen, sollte man zugewandt mit Ihnen ins Gespräch kommen © JackF - stock.adobe.com

„Pflege und Erziehung sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ So steht es im Grundgesetz Artikel 6,2. Eltern lieben ihre Kinder, wollen für sie das Beste, natürlich auch was ihre schulische Bildung und Ausbildung angeht. Da nach Artikel 7,1 das gesamte Schulwesen unter der Aufsicht des Staates steht, sind beim derzeitigen Zustand und der Organisation des Schulwesens in Deutschland Konflikte zwischen Eltern und Schule alltäglich. Nun sind Konflikte ja nicht unbedingt etwas Schlechtes. Sie können die Vorstufe für Klärungen und Verständigung sein.

Viele Lehrkräfte belastet die häufig angespannte Beziehung zu einzelnen Eltern ihrer Schüler sehr, haben sie sich doch persönlich meist nichts vorzuwerfen. Sie sind sich der Widersprüche des Schulsystems bewusst und wollen in Kenntnis der Anforderungen des gegliederten Schulsystems das Beste für den jeweiligen Schüler. Dies versuchen sie dann in Beratungsgesprächen und Zeugnissen zum Ausdruck zu bringen. 

Für die meisten Eltern zählt jedoch häufig nur ein möglichst hoher Bildungsabschluss. Ihn gilt es für das eigene Kind zu erkämpfen, koste es, was es wolle, gemäß des Mottos: „Ins Gymnasium gehören die intelligenten Kinder und mein Kind.“ Dass viele Schüler hier „auf der Strecke bleiben“, ist nicht verwunderlich.

Erziehung gelingt nur im Miteinander

Doch bleibt festzuhalten, dass es sich bei den in der Institution Schule wirkenden Personen um ausgebildete Pädagogen handelt, Menschen also, die sich über das komplexe Geschäft der Erziehung reichlich Gedanken gemacht haben. Eltern dagegen sind, wie sie sind. Ihnen beim Misslingen der schulischen Ausbildung die Schuld zuzuschreiben, wie es zum Teil von Lehrkräften gemacht wird, ist zu billig. Eine gelingende Erziehung kann nur im Miteinander aller für die Kinder relevanten Sozialisationsinstanzen erfolgen. Es gilt also verstärkt von schulischer Seite Möglichkeiten der Kooperation zwischen Schule und Eltern zu entwickeln und zu pflegen. Die Professionalität der berufsmäßigen Erzieher ist hier besonders gefordert. Von ihnen muss die Initiative ausgehen. Dass hier im Bereich der Lehreraus- und -fortbildung bisher manches im Argen liegt, ist leider zu konstatieren.

Keine professionelle Front aufbauen

Von Lehrern fordert eine erfolgreiche Elternarbeit, dass sie nicht nur über fachliche, didaktische und methodische Kompetenzen verfügen, sondern dass sie auch ein hohes Maß an kommunikativen Fähigkeiten, diagnostischer Kompetenz, Beratungskompetenz und Teamfähigkeit mitbringen bzw. bereit sind zu entwickeln. Es ist nicht angebracht, dass die Lehrkraft eine Fassade gegenüber Eltern aufbaut oder eine professionelle Front errichtet. Sondern die Lehrkraft hat den Eltern freundlich, offen und wohlwollend zu begegnen, weder unterwürfig anbiedernd, noch überheblich arrogant. Die Lehrkraft hat offen zu sein für die eigenen Gefühle und Empfindungen und für das, was sie bei ihren Gegenübern wahrnimmt. Gerade erste Zusammentreffen haben hier für die Entwicklung von Beziehungen einen besonderen Stellenwert.

Zum anderen ist es für Lehrkräfte unabdingbar, ihre Empathiefähigkeit ständig zu entwickeln und zu erweitern. Dies ist besonders angesichts einer zunehmend multikulturell werdenden Elternschaft ein ständiger Lernprozess. Je mehr Echtheit und Empathie eine Lehrkraft entwickelt hat, umso leichter fällt es ihr, die einzelnen Eltern zu akzeptieren, so wie sie sind. Dies fällt sicher bei manchen Eltern leichter und ist bei anderen schwerer.

Dabei heißt positive Elternarbeit nicht, dass die Lehrkraft in der Lage ist, alle Probleme, die an sie herangetragen werden, zur Zufriedenheit aller zu lösen. Auch qualifiziertes Scheitern gehört zum Arbeitsfeld eines Pädagogen.

Kraft schöpfen durch Meditation

Es steht außer Frage, dass die Zusammenarbeit mit schwierigen Eltern kräftezehrend ist. Um neu aufzutanken und sich seiner selbst zu vergewissern, kann eine Meditation helfen. Sie soll im Folgenden beispielhaft durchgespielt werden.

  • Vergegenwärtigen wir uns zunächst die Eltern von Schülern, die wir bereits kennen und auf gelungene Elterngespräche. Besinnen wir uns sodann auf Schüler, die wir zurzeit unterrichten. Bei welchen Schülern stellen wir uns ein Elterngespräch am Elternsprechtag problemlos vor? Es gibt ja nicht nur „schwierige“ Schüler und „schwierige“ Eltern. 
  • Bei welchen Schülern könnte das Elterngespräch „schwierig“ werden? Was sind die Gründe hierfür? Wir denken an die Gefühle, mit denen die Eltern einzelner Schüler zu dem Gespräch kommen. Welche Erwartungen und Ängste haben sie? Wie haben sie möglicherweise ihre Schulzeit erlebt? Was erwarten sie von der Schule? Was wünschen sie für ihr Kind? …
  • Wie würde ich mich fühlen, wenn dieser „schwierige“ Schüler mein Kind wäre und ich in die Sprechstunde gebeten würde? Wir verweilen einige Momente in diesen Gefühlen und richten dann unseren Blick darauf, was wir von der Lehrkraft erwarten würden. …
  • Wir wissen als Lehrkraft um die Bedeutung des Raumes, in dem das Elterngespräch stattfindet, wissen auch um die Bedeutung unserer Körpersprache, wissen um die Gefahr, als Lehrkraft aus Unsicherheit heraus überheblich und unecht zu erscheinen und probieren antizipierend Gesprächseröffnungen. …
  • Dann denken wir an zukünftige Elterngespräche, die wir als „schwierig“ ansehen. Wir nehmen unsere Gefühle wahr, geben ihnen Raum, ohne sie besonders zu „befeuern“ und lassen sie abklingen. …
  • Hierauf überlegen wir Gesprächsziele für einzelne Elterngespräche, die wir als „schwierig“ einstufen. …
  • Wir richten abschließend unsere Aufmerksamkeit auf uns, unseren Atem, unser Denken und Fühlen und die Kraft unserer Intuition, die uns schon die richtigen Worte finden lässt. Wir stabilisieren unser Gefühl einer positiven, offenen, Menschen zugewandten, mitfühlenden Haltung und ruhen einige Zeit in diesem angenehmen Gefühl. …

Was Lehrkräfte keinesfalls tun sollten

Jetzt haben Sie bereits eine positive Grundstimmung für ein Elterngespräch erreicht. Damit das nicht wieder verlorengeht, sei hier noch einmal als warnende Abgrenzung darauf hingewiesen, wie Sie als Lehrkraft möglichst schnell Konflikte mit Eltern erzeugen:

  1. Sehen Sie die Eltern als Feinde, die Ihnen am Zeug flicken wollen.
  2. Auch in harmlosen Elternfragen können Angriffe und Kritik stecken. Weisen Sie Ansätze von Kritik umgehend zurück.
  3. Angriff ist die beste Verteidigung. Schüchtern Sie die Eltern ein, indem Sie ihnen demonstrieren, wie wenig diese ihr Kind für die Schule vorbereitet haben.
  4. Demonstrieren Sie den Eltern mit einem fach- und fremdwortgespickten Vortrag, wie wenig Ahnung diese von Erziehung haben.
  5. Demonstrieren Sie den Eltern Ihre fachliche Kompetenz, indem Sie ausführen, welche schwierigen Fälle Sie schon gelöst haben.
  6. Was Sie machen und sagen ist richtig. Fehler kommen bei Ihnen nicht vor.
  7. Begegnen Sie den Eltern bürokratisch. Zeigen Sie ihnen, dass sie etwas von Ihnen wollen.
  8. Eine Lehrkraft ist kein Dienstleister, sondern ein Pädagoge, der Menschen erzieht und formt.

Doch wahre Pädagogen kennen auch ihre Grenzen in ihrer Person und in ihren Gesprächspartnern! Nicht umsonst hört man im Süden Deutschlands den folgenden Spruch häufig: „Lehrers Kinder und Pfarrers Vieh, geraten selten oder nie!“

Klaus Vogel

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