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Elternabend interaktiv

So gelingt der Dialog mit Müttern und Vätern

Elternabende nicht als lästige Pflicht erfahren, sondern als Ort der Begegnung und des fachlichen Austauschs gestalten: Das geht — sogar mit einfachen Mitteln. Vor allem braucht es Mut, um etwas Neues auszuprobieren.

Elternabend interaktiv: So gelingt der Dialog mit Müttern und Vätern Der Elternabend sollte einen lebendigen Austausch von Erfahrungen und Meinungen ermöglichen © iStockphoto.com/ Kai Köhler

Die undankbare Pflicht ruft — der Elternabend steht vor der Tür. Undankbar? Das muss nicht sein! Mit einfachen Mitteln kann aus der vermeintlich lästigen Pflicht eine rundherum gelungene Veranstaltung werden. „Nichts ist so erlabend, wie ein Elternabend“, singt Reinhard Mey mit ironischem Unterton. Dabei könnte er es durchaus auch ernst meinen. Langweilig für die Eltern und anstrengend für die Lehrkraft ist ein Abend, wenn er wie Unterricht aufgefasst wird. Es ermüdet und ist eben wenig erlabend, wenn es an lebendigem Austausch von Erfahrungen und Meinungen fehlt. Peter Famulok weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Atmosphäre ist: „Die Rollen sind klar verteilt: Es ist die Aufgabe der Elternbeiräte, zum Elternabend einzuladen und mich als Gast oder Experten dabei zu haben“, sagt der Klassenlehrer in der Offenen Schule Waldau in Kassel. „Ich bin nicht der Animateur des Abends, was mich sehr entlastet. Einen Elternabend empfinden die Eltern und ich als eine nette Veranstaltung in lockerer Atmosphäre.“ Selbst in der Abgangsklasse besuchten deshalb noch weit mehr als die Hälfte der Eltern solche Abende. Auch Erziehungsexperte Remo H. Largo weiß, wie wichtig es ist, Unterrichtsatmosphäre zu vermeiden. „Ein Lehrer (…) hatte die Eltern zu einem Elternabend eingeladen“, berichtet der Schweizer. „Nach seiner Orientierung über den Lehrplan und einer kurzen Aussprache kam ein italienisches Elternpaar auf ihn zu und bot ihm an, den nächsten Elternabend zu organisieren.“ Dieser Elternabend sei ein höchst anregendes Erlebnis mit Pizza und Wein geworden, bei dem sich Lehrer und Eltern wirklich näherkamen. Mit einem eindeutig positiven Ergebnis: „Der Lehrer ging am nächsten Tag entspannter in die Schule und sah die Kinder mit anderen Augen“, so Largo.

Zunächst ist also zu klären, für wen der Elternabend eigentlich sein soll. Ist es ein Abend von Lehrkräften für Eltern oder ein Abend von Eltern für Eltern, unter Einbeziehung von Lehrkräften? Die Mitarbeit der Eltern spielt eine wichtige Rolle, denn Mütter und Väter sind dankbar, wenn sie selbst aktiv werden können. Und von ihrer Kompetenz und ihrem Fachwissen kann die gesamte Schulgemeinde profitieren.

Link zum Thema:

Auf dem Bildungsserver Hessen finden sich Tipps zur Gestaltung von Elternabenden.

Ein gelungener Einstieg macht vieles einfacher

An Largos Beispiel wird aber auch deutlich, wie wichtig ein kommunikativer Einstieg in den Elternabend ist. Wein und Pizza braucht es dafür natürlich nicht zwangsläufig — schon Wasser und Saft auf dem Tisch signalisieren: Heute Abend wird es nicht trocken zugehen! Wichtig ist außerdem, dass nicht sofort mit dem ersten Punkt der Tagesordnung begonnen wird. Eine Viertelstunde Zeit für Getränke und informellen Austausch lockert die Atmosphäre enorm auf. Und danach kann die Runde dann umso konzentrierter zur Sache kommen.

Übrigens: Schon vor dem offiziellen Beginn des Abends bieten sich gute Gelegenheiten für zwanglose Gespräche. „Ich komme immer früher, denn viele Eltern kommen vorzeitig, um mit mir noch persönliche Anliegen zu besprechen oder einen Termin zu vereinbaren“, weiß beispielsweise Peter Famulok zu berichten. „So ergibt sich automatisch ein offener Anfang.“

Einfache Methoden der Kommunikationsgestaltung helfen anschließend dabei, die Anwesenden miteinander ins Gespräch zu bringen. Als Einstieg für eine größere Gesprächsrunde eignen sich dabei hervorragend so genannte „Murmelgruppen“. Dabei tauschen sich zwei bis drei Anwesende (die sich möglichst noch nicht so gut kennen) rund drei Minuten lang  zu einer vorgegebenen Frage aus. Zum Beispiel: „Was interessiert mein Kind in der Schule und Zuhause?“ „Wie geht es meinem Kind im Unterricht/in der Schule gerade?“ „Welches Ziel sollte die Klassenfahrt haben und wie teuer darf sie sein?“ „Was erwarte ich von einer Person, die sich als Elternsprecher/in zur Wahl stellt?“ und vieles mehr.

Literatur-Tipp:

Largo, Remo H./Beglinger, Martin: Schülerjahre – Wie Kinder besser lernen. München: Piper Verlag, 2009.

Gute Vorbereitung, genaue Nachbereitung

Die Teilnahme an einem Elternabend sollte ein „kann“ sein und kein „muss“. Deshalb gilt es das Zeitbudget der Teilnehmer zu berücksichtigen und nicht überzustrapazieren. Eine Einladung zum Elternabend sollte genau darüber informieren, wann die Veranstaltung beginnt und wann sie aufhört. Das kann etwa für die Organisation einer Babysitterin wichtig sein und berücksichtigt zudem, dass viele Anwesende bereits einen anstrengenden Tag hinter sich haben. Auch die Tagesordnung sollte deshalb nicht überladen sein. Für einen gelungenen Elternabend unabdingbar ist zudem eine gute Vorbereitung. Dabei sollten die zu besprechenden Themen und die dafür benötigte Zeit schon vor der Einladung feststehen. Die Gesprächsleitung muss ebenfalls geplant werden, häufig ist es wirkungsvoll und arbeitserleichternd, wenn sich mehrere Personen abwechseln. Und nicht zuletzt sollte überlegt sein, wie und in welcher Form Informationen gesichert und weitergegeben werden.

Weil die Anwesenden Wichtiges beraten und beschließen, braucht es zusätzlich immer ein Protokoll. Es enthält in Stichworten, was besprochen und beschlossen wurde, wer anwesend war und wie lange die Sitzung dauerte. Denn trotz aller Kurzweil, die ein Elternabend idealerweise bieten sollte, ist er eine offizielle Veranstaltung. Außerdem können so fruchtlose Diskussionen über Sachverhalte, die schon längst besprochen und beschlossen wurden, verhindert werden. Das Protokoll sollte am Ende in einen Ordner „Elternabende“ abgeheftet und vorher für diejenigen kopiert werden, die nicht dabei waren. Damit erreicht die Abwesenden eine wichtige Botschaft: Wir möchten Sie auf dem Laufenden halten – und: Wir haben Sie vermisst!

Ein lebendiges Schulleben braucht engagierte Menschen. Mit ganz unterschiedlichen Beiträgen können sie Unterricht und Schulalltag bereichern.  Das anzuerkennen sollte zu einem kleinen Ritual am Ende eines Elternabends werden. Ein kleines Lob für die Lehrerin oder den Lehrer, für einen in der Mensa engagierten Vater, eine die Bücherregale reparierende Mutter oder das gelungene Projekt einer Schülergruppe kann viel bewirken. Am Ende sollten sich alle Teilnehmer eines bewusst machen: „Die Beziehung zwischen Kind und Lehrer (wird) wesentlich durch die Beziehung zwischen Lehrer und Eltern bestimmt“, so Remo H. Largos. „Je größer die Vertrauensbasis zwischen Lehrer und Eltern ist, je mehr sich die Eltern mit dem Lehrer identifizieren können, umso wohler fühlt sich das Kind.“

Dorothea Kröll


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