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Sexueller Missbrauch

So gelingt ein Elternabend zu einem heiklen Thema

Sexueller Missbrauch ist für viele Eltern ein heikles Thema, das dennoch auch in der Schule besprochen werden muss. Ein gut vorbereiteter Elternabend hilft Unsicherheiten und Ängste auszuräumen — im Interesse und zum Schutz der Kinder.

Sexueller Missbrauch: So gelingt ein Elternabend zu einem heiklen Thema Durch ein spezielles Training lernen Kinder, sich gegen Übergriffe zu wehren © st-fotograf - Fotolia.com

„Was kann ich tun, um mein Kind vor sexueller Gewalt zu schützen? Wie spreche ich mit meinem Sohn oder meiner Tochter über das Thema? Was sollte ich dabei vermitteln? Woran erkenne ich, dass mein Kind sexuell missbraucht wird? Und wie reagiere ich angemessen, wenn mein Sohn oder meine Tochter tatsächlich Opfer sexueller Gewalt geworden ist?“ Mit diesen Fragen fühlen sich viele Eltern überfordert. Hinzu kommen Wissenslücken und „unrichtige Vorstellungen“, wie ein Forschungsüberblick zeigt (Details dazu in: Kindler, Schmidt-Ndasi, 2011, S. 43 ff.): Demnach unterschätzen Eltern oft „die generelle Prävalenz von sexuellem Missbrauch, sowie die Häufigkeit eines sexuellen Missbrauchs durch Familienangehörige und Bekannte“. US-amerikanische Studien ergaben, dass 20 bis 30 Prozent der Eltern vermieden, mit ihren Kindern über die Thematik zu reden, viele hielten das Gespräch kurz oder berührten nur einen Teilaspekt, wie den Missbrauch durch Fremde. Sehr unsicher waren die befragten Eltern besonders bei der Beurteilung von Verhaltensanzeichen: Sie überschätzten die Häufigkeit körperlicher Verletzungen und konnten Anzeichen, wie zum Beispiel sexualisiertes Verhalten nicht richtig deuten.

Eltern und Schule als Partner bei der Prävention

Wie stehen Eltern zur Prävention im schulischen Kontext? Auch diese Frage beantworten Heinz Kindler und Daniela Schmidt-Ndasi in ihrer Forschungsübersicht: Mit „großer Mehrheit“ wünschten sich Mütter und Väter „Unterstützung (...) bei der Prävention von sexuellem Missbrauch“, während nur ein kleiner Teil von ihnen (meist unter fünf Prozent) eine Behandlung der Missbrauchsthematik in der Schule „kritisch beurteilte“ (Kindler, Schmidt-Ndasi, 2011, S. 46).

Welche Effekte ergeben sich aus Fortbildungsveranstaltungen mit Eltern? Die derzeit „etwas mehr als ein Dutzend Studien“ (ebd.) vermelden überwiegend positive Ergebnisse: „Unabhängig vom genauen Aufbau der Präventionsmaßnahme erwarben Eltern (...) mehr Kenntnisse über sexuellen Missbrauch und über angemessene Präventionsbotschaften. Vor allem aber fühlten sie sich eher befähigt, mit ihren Kindern über die Thematik zu sprechen.“

Vier von fünf Untersuchungen konnten zeigen, dass „Eltern in der Folge tatsächlich intensiver mit ihren Kindern über sexuellen Missbrauch gesprochen hatten“. (ebd.) Besonders ermutigend: Die stärksten Lerneffekte zeigten sich bei den Schülerinnen und Schülern dann, wenn Eltern und Lehrer bei der Vermittlung von Präventionsbotschaften zusammenarbeiteten. (ebd.)

Einen Themen-Elternabend organisieren

In der Praxis ist es jedoch gar nicht so einfach, Eltern für eine präventive Kooperation zu gewinnen, wie ebenfalls aus mehreren Studien hervorgeht: Nur 20 bis 33 Prozent der eingeladenen Eltern erschienen zu den angebotenen Präventivveranstaltungen oder Workshops tatsächlich. Wie schaffen Sie es also, möglichst viele Eltern zu mobilisieren? Hier einige Vorschläge dazu:

  • Stellen Sie mehrere Termine zur Auswahl.
  • Sprechen Sie die Eltern freundlich und persönlich an. Signalisieren Sie Verständnis für Ängste oder Unsicherheiten und für die Fragen, die die Eltern bewegen (siehe Einleitung zu diesem Beitrag).
  • Möglicherweise ist es sinnvoll, bei dem Elternabend ein zusätzliches, für die Eltern wichtiges Thema auf die Tagesordnung zu setzen, etwa Informationen zu einer bevorstehenden Klassenfahrt.
  •  Verbinden Sie die Informationsveranstaltung mit einem thematisch passenden Event, etwa einem Theaterstück oder mit einem Vortrag durch einen externen Berater, zum Beispiel von einer Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch.
  • Umreißen Sie schon bei Ihrer schriftlichen Einladung kurz und verständlich die präventiven Kernbotschaften: Beispiele für gelungene Formulierungen bieten die Informations- und Eltern-Flyer des Kieler Präventionsbüros „Petze“, die Sie hier als PDF zum Download finden.

Materialien für Planung und Umsetzung

Ein Handout für die Eltern sollte die wichtigsten Inhalte des Elternabends zusammenfassen. Dazu eignet sich zum Beispiel die Informationsschrift der „Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V.“ mit dem Titel „Unwissen macht Angst — Wissen macht stark!“: Sie bietet eine Definition von sexuellem Missbrauch mit Beispielen für strafbare Handlungen, Fakten zu Häufigkeit, Tätern und deren Strategien, die wichtigsten Präventionsbausteine in kindgerechter Sprache („So können Sie mit Mädchen und Jungen darüber sprechen“) und einige wenige Adressen von Beratungsstellen, die Sie mit Ansprechpartnern in Ihrer Region ergänzen können. Die Broschüre liegt hier als Download bereit — in deutscher, aber auch in englischer, türkischer, polnischer und russischer Sprache für Mütter und Väter mit Migrationshintergrund.

Anregungen für den Ablauf eines Elternabends bietet die Bayerische Lehrerakademie in Dillingen, ergänzt durch 18 Vortragsfolien, von denen viele direkt übernommen werden können.

Eltern aktive beteiligen

Am meisten profitieren die Eltern, wenn Sie bei der Annäherung an das doch sehr komplexe Thema aktiv einbezogen werden. Michaela Langen von der „Schleswiger Anlaufstelle gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen“ präsentiert einen minutiös geplanten Ablauf für einen Eltern-Workshop in der – allerdings schon etwas älteren — Ausgabe der Zeitschrift Prävention (6/1999) zum Thema „Elternarbeit — Elternbildung“, herausgegeben vom Bundesverein zur Prävention von sexuellem Missbrauch (vgl. dazu S. 7 ff.). Das methodisch abwechslungsreiche Konzept bietet gute Ansätze für eigene Gestaltung, die vorgeschlagenen Materialien müssten jedoch durch aktuellere ersetzt werden.

Erfolgreiche Prävention von sexuellem Missbrauch und wirksame Intervention gegen sexuelle Gewalt erfordert eine kontinuierliche Erziehungs- und auch Elternarbeit. Im Idealfall greifen Sie bei regelmäßigen Elternabenden wechselnde Facetten des komplexen Themas auf: Anregungen zu möglichen inhaltlichen Schwerpunkten gibt die aktuelle Broschüre „Mutig fragen — besonnen handeln“ des Bundesfamilienministeriums. Sie vermittelt Müttern und Vätern umfassende Kenntnisse über sexuellen Missbrauch: Mit Handlungsempfehlungen für den Verdachtsfall, rechtlichen Informationen und konkreten Empfehlungen zur Prävention.

Martina Niekrawietz

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