Fach/Thema/Bereich wählen
Schulstart

Auf die Plätze, fertig, los! – Können alle gleich mitmachen?

Wenn die Schule wieder losgeht, muss Schule und Lernen neu organisiert werden: Unterschiedliche Lernstände der Schüler und die Rückkehr zum Frontalunterricht stellen Lehrkräfte vor neue Herausforderungen.

Schulstart: Auf die Plätze, fertig, los! – Können alle gleich mitmachen? Alles vergessen? Es ist wichtig zu überprüfen, auf welchem aktuellen Lernstand sich die Schüler und Schülerinnen befinden © ShotPrime Studio/Shutterstock.com

Nach wochenlangem Homeschooling und den dazwischenliegenden Ferien geht es nun in den Schulen wieder los. In der Grundschule in einigen Bundesländern mit den Viertklässlern, in der Sekundarstufe mit den Abschlussklassen und in der Oberstufe mit der Q2. Die Auswahl mag zufällig erscheinen, jedoch sollen erst einmal die unterrichtet werden, bei denen es um Abschlüsse und Übergänge geht. So weit, so gut.

Die Kolleginnen und Kollegen haben in den letzten Wochen ihre Klassen so gut es ging im Homeschooling unterrichtet. Das sah von Jahrgangsstufe zu Schule zu Bundesland ganz unterschiedlich aus. Während die einen Materialpakete mit Wochenplänen bekamen, haben andere weitgehend digital gelernt. Wir nennen das Homeschooling, andere Länder eLearning, da diese Art des Lernens für sie nichts Neues ist.

Lernstände erfassen, Schüler fördern und fordern

Wie aber geht es jetzt weiter? Einige Kinder sind mit dem Homeschooling gut zurechtgekommen und haben alle Lerninhalte gut begriffen und können einfach weitermachen. Andere hingegen hatten vielleicht Probleme mit der Menge des Stoffs, mit der häuslichen Situation, die vielleicht den ein oder anderen vom Lernen abgehalten hat. Mit diesen Voraussetzungen kommen die Kinder wieder in die Schule. Wie sollen die Lehrer nun die Lerngruppen zusammenstellen? 

Aufgrund der neuen Größe der Lerngruppen müssen die Klassen sowieso geteilt werden. Steckt man nun die Fitten zusammen, bildet also homogene Lerngruppen, die dann noch weiteren Vorsprung bekommen oder setzt man die Klassen heterogen zusammen? Da aber Partnerarbeiten und Gruppenarbeiten nicht möglich sein werden, können die Kinder dann trotzdem voneinander lernen und als Lernpartner bereitstehen?

Sicher ist, egal wie die Lerngruppen aussehen werden, der „Unterricht“ wird zunächst aus der Diagnose der Lernstände bestehen müssen. Welche Inhalte sitzen, wo ist Übungsbedarf und wo hat sich ein neuer Förder- oder Forderbereich aufgetan?

Das bedeutet für die Kolleginnen und Kollegen der Grundschulen, dass wahrscheinlich in mehr als drei Stufen differenziert werden muss. Ein individuelles Lernkonzept für jeden Schüler muss her. Wie aber diagnostiziert man am sinnvollsten die Lernstände? Welche Diagnoseinstrumente stehen zur Verfügung? Das Land Nordrhein-Westfalen bietet eine Übersicht über die gängigsten Diagnoseverfahren ab der Jahrgangsstufe 1 an. Hier sind für die Bereiche Mathematik, Deutsch Rechtschreibung und Leseverständnis sowie für Englisch ab der Klasse 3 eine Vielzahl an Tests beschrieben.

Keine Testwut entwickeln

Jedoch sollte man davon Abstand nehmen, die nächsten Wochen in eine Art Testungswut zu verfallen. Die Unterrichtsbeobachtung ist der erste Schritt, den die Kollegen und Kolleginnen gehen sollten; am besten mit Arbeitsmaterialien, die Inhalte wiederholen und dazu geeignet sind, Wissenslücken zu identifizieren. Zeigen sich hier bei einzelnen Kindern oder gar bei der ganzen Lerngruppe Lücken, so ist es für einzelne Fächer bestimmt sinnvoll, eine standardisierte Diagnose durchzuführen. Denn es geht schließlich darum, ALLE Schüler wieder abzuholen und möglichst wieder auf den aktuell geforderte Stand zu bringen.

Wenn es unterrichtsorganisatorisch durchzuführen ist, ist eine Einrichtung von Förder- und Forderkursen bestimmt eine gute Idee. Hier können einzelne Schülerinnen und Schüler, die in den letzten Wochen Schwierigkeiten mit dem Lernen hatten oder unterfordert waren, in Kleinstgruppen die Inhalte wiederholen oder in Profikursen weiterkommen.

Sicher tut es dem ein oder anderen auch gut, außerhalb der Kernzeiten noch in der Schule sein zu dürfen und dort die Aufgaben – womöglich mit Unterstützung – erledigen zu können. Die problematische Situation in einigen Familien ist ja nicht vorbei, nur weil die Kinder morgens einige Stunden in die Schule gehen. Garantiert entzerrt diese Möglichkeit und entlastet die Eltern, die im Homeoffice sind.

Frontalunterricht fantasievoll gestalten

Problematisch werden sicher die Einschränkungen der Sozialformen im Unterricht. Partner- und Gruppenarbeit ist nicht möglich. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich daran gewöhnen, dass sie frontal unterrichtet werden. Auch für die Kolleginnen und Kollegen wird das eine Herausforderung: nicht mal eben schnell über die Schulter schauen und einen Tipp geben, kein Tandem zum Üben bilden. Das fällt alles weg! Dennoch muss der Unterricht so gestaltet werden, dass die Kinder Spaß am Lernen haben. Die Diktatübung wird dann eben nicht als Schleichdiktat, sondern als Streifendiktat geübt, bei dem jedes Kind seine eigene Dose mit Satzstreifen bekommt. Das Eckenrechnen wird durch Ping-Pong ersetzt. Man übt z. B. eine 1x1-Reihe so: Die Schüler sagen nacheinander die Zahlen auf, beispielsweise von 7 bis 70, die zwei darauffolgenden Schüler sagen „Ping“ und „Pong“. Die Schüler, die in der Reihe eine Zahl falsch hatten, setzten sich, ebenso der Schüler, der „Pong“ sagt. Wer am Ende noch steht, hat gewonnen. Das kann man ebenso als Rechtschreibübung mit Buchstabieren spielen. Die Kinder bleiben auf ihrem Platz, trotzdem hat man ein spielerisches Element und die Klasse interagiert.

Die Kreativität der Lehrer ist stark gefragt, im Frontalunterricht ansprechenden Unterricht zu gestalten. Kollaboratives Arbeiten wird nur digital möglich sein, bei denen zwei und mehr Kinder an verschiedenen Geräten an einem Produkt arbeiten. Dafür muss allerdings die Schule entsprechend ausgestattet sein. Zum Beispiel können die Schüler zu einem Thema eine eigene Präsentation am iPad mit Keynote (Apple) oder mit Tablets als PowerPoint-Präsentation (Microsoft Office) erstellen. Im Kunstunterricht können mit der App TEAM SKETCH bis zu vier Schüler gleichzeitig gemeinsam an einem Bild arbeiten. Sollte das in der Schule nicht möglich sein, wäre das ebenso eine kreative Hausaufgabe, die dann im Frontalunterricht – in Richtung Flipped Classroom – weiter besprochen wird.

Babett Kurzius-Beuster

Dazu passender Ratgeber
Dazu passendes Unterrichtsmaterial

Mehr zu Ratgeber Fachunterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×