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Exkusion

Den Herbstwald und seine Bewohner entdecken

Der Herbstwald hat viel zu bieten als Klassenzimmer im Grünen: Kinder und Jugendliche erleben und erforschen Pflanzen und Tiere vor Ort und finden einen ganz neuen Zugang zu der Natur und den Naturwissenschaften.

Exkusion: Den Herbstwald und seine Bewohner entdecken Eichhörnchen im Wald zu beobachten, das ist immer ein Highlight für die Schüler © Pexels/Pixabay

„Warst Du bisher mit der Schule im Wald?“ Das war eine der Fragen der Studie „Fokus Naturbildung“, deren Ergebnisse der Deutsche Jagdverband, der Verein information.medien.agrar und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Jahr 2017 veröffentlichten. Dabei kristallisierte sich klar heraus, dass Waldbesuche in der Grundschule weit verbreitet sind, doch danach abnehmen: Ab Klasse 5 „waren deutlich weniger der befragten Kinder und Jugendlichen — aber immer noch mehr als die Hälfte — mit der Schule im Wald“ (ebd., S. 10). Dabei fänden die meisten der über 1000 befragten Jugendlichen einen Besuch des Waldes besonders „spannend“ (S. 11), wenn  „man Tiere beobachten kann“ (88 Prozent),„man den Wald auch abseits der Wege erkunden kann“ (82 Prozent), „die Menschen, die dort arbeiten, etwas zeigen und erklären“ (77 Prozent), Aktionen wie eine Schnitzeljagd via GPS-Gerät geplant wären (77 Prozent) oder „wenn man praktisch mitarbeiten kann“ (71 Prozent).

Dass der herbstliche Wald für Naturbeobachtungen geradezu prädestiniert ist, zeigen die folgenden Anregungen und Ideen für einen Walderlebnistag. Die Schüler werden dabei selbst aktiv und erkunden Flora und Fauna mit allen Sinnen — und mit den geeigneten Forschungsinstrumenten für Wald- und Bodenuntersuchungen.

Forschungsobjekt: Blätter im Herbst

Im Herbst verfärben sich die Blätter der Bäume und fallen ab. Warum das so ist, erklären die beiden YouTuber Alex und Nico in knapp zweieinhalb Minuten in diesem Video. — Ideal als Informationsgrundlage für einen kurzen an die Schüler gerichteten Input „vor Ort am Baum“, oder auch, um mit den Schülern die Waldexkursion vor- oder nachzubereiten.

Praktische Versuche im Biologie- oder Chemieunterricht veranschaulichen die komplexen Zusammenhänge auch für jüngere Jahrgangsstufen. Wie das praktisch aussehen kann, demonstriert Armin Maiwald anschaulich in seinem Filmbeitrag „Warum die Blätter im Herbst ihre Farbe ändern“: Da werden zum Beispiel beim Mikroskopieren eines Blattquerschnitts die Chloroplasten sichtbar, beim Einfrieren einer Wasserflasche und einer Pflanze sehen die Schüler, dass ein Baum mit Blättern im Winter wertvolle Nährstoffe verlieren würde, und dass ein grünes Blatt auch noch andere Blattfarbstoffe in sich trägt, zeigt ein Versuch, bei dem die verschiedenen Farben mit Utensilien des Chemieunterrichts sichtbar gemacht werden.

Doch Blattfarbstoffe sichtbar machen funktioniert auch mit ganz einfachen Mitteln „im Waldlabor“ vor Ort: Einfach Blätter mit dem Messer zerkleinern, dann in einer Schale zu Brei mörsern, ein Stück Kreide hineingeben und mit Brennspiritus aufgießen, bis die Blätter bedeckt sind. — Ein Versuche aus dem Grundschul-Blog, dessen Ergebnis aber sicherlich auch Schüler älterer Jahrgangsstufen beeindruckt.

Forschungsobjekt: Bäume, Blätter und Baumfrüchte

Weil im herbstlichen Wald die hohen Bäume ihre Blätter und Baumfrüchte abwerfen, rücken diese buchstäblich in greifbare Nähe. Ausgerüstet mit einem Bestimmungsbuch sammeln die Schüler Blätter und Früchte verschiedener Bäume und fotografieren deren Borke mit dem Handy. Hilfreich dabei sind die einschlägigen Bestimmungsbücher, aber auch Informationen aus dem Internet, die die Jugendlichen im Vorfeld selbst recherchieren und zusammenstellen könnten, zum Beispiel von der Website baumkunde.de.

Für diese Bestimmungsaufgabe erstellen Sie am besten eine Liste mit den Baumarten in diesem Waldstück, die zu finden sind, wobei natürlich wichtig ist, dass die jeweiligen Bäume auch wirklich in dem besuchten Waldstück wachsen. Ausgestattet mit dieser Liste ziehen die Schüler dann in Kleingruppen los.

Während für die Bestimmung von Blättern und Früchten von Laubbäumen hauptsächlich optische Merkmale ausschlaggebend sind, lassen sich einheimische Koniferen auch mit dem Tast- und dem Riechsinn identifizieren. Biologielehrer Gerd Weitbrecht hat dazu eine Unterrichtseinheit entworfen, bei der seine Schüler Zweige von Kiefer, Fichte, Douglasie, Lärche und Weißtanne in blickdichten Behältern durch Tasten und Riechen bestimmen: Fichtennadeln fühlen sich „spitzer“ an als Tannennadeln und Douglasien „duften“ nach Zitrone.

Forschen mit der mobilen „Naturforscherkiste“

Becherlupen, Binokular, Insektensauger, Stethoskope, Pinsel, Pinnnadeln, Ferngläser, Filmdöschen, Bestimmungskärtchen und -bücher — das und vieles mehr ist in der Naturerfahrungskiste „Im Wald unterwegs“. Zusammengestellt haben die Kiste die Umweltpädagogen eines Münchner Ökoprojekts. In diesem Leitfaden beschreiben sie u. a. viele einfach umsetzbare Ideen für die Wald- und Bodenerkundungen.

Die Schüler untersuchen zum Beispiel das Laubstreu auf dem Waldboden (ebd., S. 34): Dazu stecken sie eine ca. 30 x 30 Zentimeter große Fläche ab, sammeln das Laub ein und breiten es auf einem weißen Wachstuch aus. Sie sortieren die Blätter nach Zersetzungsgrad und bestimmen anhand der Blätter und Blattsegmente die Baumarten. Dann betrachten sie mit Becherlupen oder Binokularen die eingefangenen Tiere und bestimmen sie mit der „Bestimmungskarte Streutiere“ auf Seite 35 des Leitfadens. Auch die einzelnen Zersetzungsstufen von den ganzen, welken Blättern bis zum feuchten, krümeligen, dunklen Feinmoder nehmen die Schüler genauer unter die Lupe (S. 36).

Kleine Tiere leben nicht nur im Boden, sondern auch in den Zweigen der Sträucher und Büsche. Ausgerüstet mit Insektenlupe und -bestimmungsbuch machen sich die Schüler in Kleingruppen auf die Suche nach ihnen (Leitfaden, S. 32). Der Trick dabei: ein geöffneter Regenschirm wird unter die Zweige gehalten, die dann geschüttelt werden. Auf diese Weise können die Insekten vollständig aufgefangen werden.

Forschungsobjekt: Spuren der größeren Waldtiere

In Büschen, Hecken und Bäumen sieht man im Herbst auch vermehrt Vögel, die von Beeren und anderen Früchten angelockt werden. Vielleicht finden die Schüler auch Federn oder Gewölle von Eulen und Greifvögeln. Dafür gilt allerdings, genau wie für Ausscheidungen von Tieren: Nicht anfassen!

Bei einer kleinen Tierrallye gehen die Schüler auf Spurensuche und dokumentieren ihre Funde mit dem Handy. Sie halten dabei Ausschau nach Tierwohnungen, Fraßspuren und — genauso spannend wie eine GPS-Schnitzeljagd — nach Fährten. Bestimmungshilfen zu Fuß- und Fraßspuren finden sie im LWF-Exkursionsführer (S. 32–35). — Worauf man beim Verfolgen von „Trittsiegeln“ achten sollte, verrät in diesem Video Wildnistrainer Peter Nietz.

Vorsicht ist übrigens geboten, wenn der Boden umgewühlt ist, wenn man Bäume „mit teils abgeschabter Rinde“ sieht oder „ein Baum bis auf circa Kniehöhe mit Schlamm einbalsamiert“ ist, sagt Torsten Reinwald in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Dann nämlich sind Wildschweine im Revier. Riecht es dann „nach Maggi-Würze (...), ist man schon ziemlich nahe an Wildschweinen dran“. Und wenn die Distanz zu einem Tier unter fünf Metern liegt, könne das schnell gefährlich werden. Dann helfe in den meisten Fällen „nur noch großmachen und in die Hände klatschen — sich mit allen Mitteln bemerkbar machen. Normalerweise verzieht sich dann das Wildschwein“, so Reinwald.

Projekt: praktische Waldarbeit

Die befragten Jugendlichen bei der eingangs vorgestellten repräsentativen Studie wünschten sich ja auch, bei der Waldarbeit „praktisch“ mithelfen zu können. Tatsächlich gibt es in Baden-Württemberg bereits waldpädagogische Angebote, bei denen Kinder und Jugendliche ab Jahrgangsstufe 5 einen halben oder ganzen Tag lang „unmittelbar“ Waldarbeit erfahren, „indem sie Aufgaben der Waldpflege selbst übernehmen“, wie es in der Broschüre „Waldpädagogische Angebote zum Schwerpunktthema ‚Waldarbeit schafft Werte und bewahrt‘“ heißt (S. 3). Die Schüler „fällen alleine oder im Team Bäume, betätigen sich handwerklich beim Bau von Vogel- oder Fledermauskästen und erarbeiten sich dabei biologische Hintergründe im Bereich des Artenschutzes selbst“ (ebd., S. 6). — Möglicherweise erklären sich ja auch Forstleute im Umkreis der Schule bereit, einen Arbeitseinsatz im Wald zu betreuen.

Waldpädagogische Angebote in Ihrer Nähe

Auch geführte Waldexkursionen werden oft von den zuständigen Revierförstern durchgeführt, die ja auch — wie die Jugendlichen es sich in der eingangs erwähnten Studie gewünscht haben — im Wald „arbeiten, etwas zeigen und erklären“ können. Deshalb lohnt es sich, zunächst mit der regionalen Forstverwaltung Kontakt aufzunehmen.

Eine Vielzahl von waldpädagogischen Angeboten findet sich außerdem auf der gut gepflegten Website „In den Wald!“, wo verschiedene Akteure ihre Veranstaltungen und Einrichtungen präsentieren. Sie suchen hier wahlweise per Stichwort oder nach bestimmten Suchkriterien.

Wenngleich keine nach Grund- und Sekundarstufe differenzierte Suche möglich ist, so können Sie doch immerhin gezielt nach barrierefreien Angeboten für behinderte Schüler suchen. Stark differenziert wird hingegen bei den Angebotsarten, zum Beispiel nach „Exkursionen“, „Walderlebnistagen“, „Waldführungen“, „Nachtwanderungen“ oder „Wald und Schule“. Auf der Deutschlandkarte finden Sie Anbieter in Ihrer Nähe, immer gleich mit den Kontaktdaten der Ansprechpartner und mit einer detaillierten Beschreibung der Inhalte, die gebucht werden können.

Martina Niekrawietz

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