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Wald-Parcours

Den Wald entdecken — mit allen Sinnen

Der Wald ist ein spannender Lernort, der mit allen Sinnen entdeckt werden will. Ein geführter, waldpädagogischer Gang durch den Wald oder ein Wald-Parcours bringt Grundschülern dieses besondere Ökosystem näher.

Wald-Parcours: Den Wald entdecken — mit allen Sinnen Über Baumstämme zu ballancieren ist neben dem Spaß auch eine sinnliche Erfahrung © Sergey Novikov - Fotolia.com

Alljährlich im September oder Oktober kommt Leben in die herbstlichen Wälder entlang der Ruhr. Mehrere Hundert Grundschüler, meist Viertklässler, treffen sich zu den Waldjugendspielen, die die Landesforstbetriebe in Kooperation mit verschiedenen Trägern veranstalten. Bei dieser für die Schüler kostenlosen Bildungsveranstaltung „steht die spielerische Vermittlung von Wissen zum Ökosystem Wald im Fokus“, erläutert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf seiner Website.

Zunächst suchen sich die Kinder einen Gruppennamen und absolvieren dann — gemeinsam mit einem Waldpädagogen — einen etwa zwei Kilometer langen Parcours mit 10 bis 15 Stationen, wo sie spannende Aufgaben lösen. Im Mittelpunkt stehen dabei das Naturerlebnis und die spielerische Vermittlung von Wissen und Erfahrungen.

Die Waldjugendspiele finden zwar in allen Bundesländern statt, doch in vielen Fällen liegen die relativ dünn gesäten „Wettkampforte“ weit von Ihrer Schule entfernt. Die Alternative zu einer stundenlangen Busfahrt könnte dann eine schuleigene Waldrallye sein. In diesem Beitrag finden Sie direkt übernehmbare Materialien und Ideen für einen schuleigenen Parcours.

Den Wald fühlen, riechen und erforschen

Eine Auswahl von möglichen Parcours-Stationen mit zugehörigen Arbeitsblättern bietet die Website zu den Waldjugendspielen in Nordrhein-Westfalen. Mit „Kopf, Herz und Hand“ erkunden die Kinder den Wald, aktiv und buchstäblich mit allen Sinnen: An der Station „Hinhören/Waldkonzert“ lauschen die Kinder mit geschlossenen Augen drei Minuten lang auf die Geräusche des Waldes und notieren, was sie dabei alles gehört haben. Sie ertasten in blickdichten Boxen Gegenstände aus der Natur (keine Tiere!) und suchen bei der Aufgabe „Augen auf!“ nach (vorher drapierten) Dingen, die im Wald normalerweise nicht vorkommen. Als Walddetektive halten die Schüler zudem Ausschau nach „Spuren der Waldtiere“ (Fraß- und Kampfspuren, Fährten, Losung, Tierbehausungen etc.), und vielleicht läuft ihnen dabei ja auch ein Reh, ein Hase oder zumindest ein Eichhörnchen über den Weg. Beim Wettsägen oder beim Umstapeln eines Holzstoßes packen die Kinder an. Dabei fühlen und riechen sie das Holz — und oft auch das austretende Harz.

Einzig der Geschmackssinn sollte besser vernachlässigt werden, wenngleich sich bei der Bestimmung von Sträuchern sicher auch die ein oder andere essbare Beere findet. Problematisch sind hier natürlich giftige Beeren, und auch eine zwar unwahrscheinliche doch nicht ausgeschlossene Infektion mit dem Fuchsbandwurm sollte keinesfalls riskiert werden.

Achtung: Zeckenbisse vermeiden bzw. behandeln

Welche besonderen Gefahren sonst noch im Wald lauern (Eichenprozessionsspinner!), fassen die Waldpädagogen verschiedener Verbände auf der Website „in-den-wald.de“ zusammen.

Relativ häufig sind Zeckenbisse. Sie lassen sich am besten ausschließen, indem Gebüsch, Unterholz und hohe Gräser gemieden werden. „Bleiben Sie auf lichten und vegetationsarmen Waldwegen. Rasten Sie nicht am Waldrand, an Heuhaufen und im dichten Unterholz“, raten die Experten außerdem.
Mit Blick auf den Zeckenschutz sollten die Kinder geschlossene und helle Kleidung tragen, die die Haut so vollständig wie möglich bedeckt. Also: lange Hosen, lange Ärmel und unbedingt feste Schuhe statt offener Sandalen. Auch sollte Zeckenschutzmittel verwendet werden, wobei Naturstoffe wie Lavendel- und Nelkenöl chemische Produkte ersetzen können. Waldpädagogen (vgl. in-den-wald.de) raten übrigens dazu, Öle auch auf Schuhe und Strümpfe zu träufeln. Und nach jedem Waldspaziergang sollten die Eltern die Haut ihrer Kinder nach Zecken untersuchen (Elternbrief!). Zecken sollten übrigens möglichst schnell entfernt werden, notfalls auch während der Expedition. Worauf Sie dabei achten sollten und wie Sie dabei auch die Eltern miteinbeziehen, zeigt dieser Elternbrief der Grundschule St. Sebastianus in Bad Bodendorf.

Wichtig: Verhaltensregeln für den Wald

Damit die Kinder sich im Wald nicht selbst gefährden und auch mit dem Lebensraum für Tiere und Pflanzen respektvoll umgehen, erarbeiten Sie — am besten mit einigem Vorlauf im Unterricht — Verhaltensregeln für die Waldexkursion. Mit dem ausführlichen Verhaltenskodex auf der Website „In den Wald!“ übersehen Sie dabei garantiert nichts: Der kleine Waldknigge berücksichtigt alles von „A“ wie „Ameisen“ („anschauen ja, anfassen nein“) bis „Z“ wie „Zelten“ (nicht erlaubt, eine Nacht unter freiem Waldhimmel hingegen schon).

Weitere wichtige Warnhinweise (ebd.):

  • Hochsitze: Es ist gesetzlich verboten, jagdliche Einrichtungen zu betreten.
  • Auf Bäume klettern ist zwar nicht verboten, geschieht jedoch auf eigene Gefahr. Falls Sie einen geeigneten Kletterbaum entdecken, sollten Sie sicherstellen, dass „am Baum lebende Tiere (...) möglichst nicht gestört werden“ (ebd.).
  • Grillen und Lagerfeuer nur an dafür ausgewiesenen Plätzen
  • „Holzpolter“, also aufgestapelte Stämme am Rand der Forstwege sind kein Klettergerüst. Das Betreten ist gesetzlich verboten.

Nicht explizit berücksichtigt sind Pilze, die im herbstlichen Wald zuhauf wachsen. Hierzu formuliert die Website naturdetektive.de, was zu beachten ist.

Wie bei allen Regeln gilt auch hier: „Weniger ist mehr“: Fünf einprägsame Gebote genügen, wenn es „die Richtigen“ sind.

Differenzierte Lernangebote für die Klassen 1 und 2 Meist richten sich die „offiziellen“ Waldjugendspiele an Dritt- oder Viertklässler. Doch einige der oben genannten Entdeckungsstationen eigenen sich auch für die unteren beiden Jahrgangsstufen bzw. können mit wenig Aufwand für die 1. und 2. Klasse angepasst werden.

Wer nach weiteren Ideen, besonders auch für die Schüler der ersten beiden Klassen, sucht, findet in der umfangreichen Broschüre „Walderkundungen“ zahlreiche Spiele und Aktionen für sinnenfreudige Entdeckungstouren durch den Wald. Manche Spiele in dieser Broschüre des Fachbereichs Umwelt der Landeshauptstadt Hannover bergen — je nach Klasse — womöglich doch einige Unwägbarkeiten. Bei der Übung „Eigener Platz im Wald“ (S. 12) beispielsweise sucht sich jedes Kind „einen persönlichen Platz im Wald, ein Platz, der ihm gefällt, von dem es sich besonders angezogen fühlt und wo es sich wohl fühlt“. Dort setzt oder legt es sich auf den Boden oder lehnt sich an einen Baum. Von solchen Aktivitäten ist (vgl. oben den Absatz zu den Zeckenbissen) ohne Waldpädagoge mit Ortskenntnis eher abzuraten. Auch sollten — gerade bei Exkursionen mit Erst- oder Zweitklässlern möglichst kleine Gruppen mit eigenen Aufsichtspersonen (Eltern oder Kollegen) gebildet werden.

In jedem Falle auf der sicheren Seite sind Sie als Lehrkraft, wenn Sie weitere Grundschulen in der Region kontaktieren und gemeinsam mit dem örtlichen Forstamt einen waldpädagogisch betreuten Parcours organisieren.

Martina Niekrawietz

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