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Kreativer Winterunterricht

Den Winter in der Draußen-Schule erkunden

Draußen-Unterricht im Winter? Unsere tollen und spielerischen Ideen geben dafür genügend Anreiz und Motivation. Bei steigenden Corona-Zahlen ist das eine willkommene Alternative.

Kreativer Winterunterricht: Den Winter in der Draußen-Schule erkunden Kreativer Unterricht im Freien macht Spaß © Kara - stock.adobe.com

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte man – quasi aus Versehen – die positiven Auswirkungen von Draußen-Schule auf die Kindergesundheit. Das Projekt startete Ende Juli 1904 in Charlottenburg, wie der Tagesspiegel aus aktuellem Anlass zu Beginn des ersten Corona-Herbstes 2020 berichtete. Um andere Kinder nicht anzustecken, blieben kranke Kinder, „teilweise abgemagert, allesamt als ‚empfindlich und gefährdet‘ und möglicherweise bereits mit Tuberkulose infiziert eingestuft“ sogar „den nicht eben milden Winter über draußen“. Etwas Unerwartetes passierte: Anstatt in der Kälte erst richtig krank zu werden, ging „es den meisten bald deutlich besser“. Die „Freiluftschule“ war geboren, und „aus aller Welt“ kamen „Tuberkulose-Experten und Bildungsfunktionäre“, um sie zu begutachten.

Fast 120 Jahre später geht wieder ein hochansteckendes Virus an Schulen um. Und wieder könnte die Draußen-Schule – zumindest zeitweise immer wieder einmal – eine sichere Alternative zum Unterricht im voll besetzten Klassenraum sein. Im Folgenden ein paar Anregungen und Ideen für einen gelungenen Draußen-Tag im Winter

Tipps fürs winterliche Draußen-Lernen

Während die Kinder in der Freiluftschule in Charlottenburg noch in dicke „Schlaf-Säcke“ gepackt mit einem heißen Speckstein an den Füßen, setzt der Draußen-Unterricht eher auf Bewegung und der Witterung angemessene Kleidung

An der Grundschule Hoisbüttel etwa verbringen alle Zweit- bzw. Drittklässler zwei Unterrichtsstunden „im Klassenverband mit einem Natur- und Umweltpädagogen und ihrer Lehrerin draußen“, so informiert die Schulwebsite. Bei jedem, wirklich jedem Wetter gehen alle zu Fuß in den nahegelegenen Wald, begleitet von der Lehrkraft und einer Umweltpädagogin bzw. einem Umweltpädagogen. Dort suchen sie sich einen eigenen „Patenbaum“ und bekommen für die Zeit des Draußen-Unterrichts auch ihren eigenen „Waldnamen“. Auf diese Weise „werden die Kinder emotional eingebunden“ (ebd.). Dazu trägt sicherlich auch das „Führen eines eigenen Naturtagebuches“ bei. 

Die Unterrichtseinheiten draußen sind „stark handlungsorientiert“ und dabei auch „ritualisiert“: In jeder Doppelstunde sollten die Kinder „Dinge anfassen, ausprobieren oder bauen“ dürfen. Sie experimentieren, „antizipieren, beobachten, beschreiben und erklären“, und sie dokumentieren und berichten später darüber. Für Abwechslung sorgen „unterschiedliche Aufgaben, Sozialformen und spielerische Elemente“, und die Kinder lernen mit allen Sinnen. Sie lieben es zum Beispiel, „den Geräuschen der Natur mit geschlossenen Augen zu lauschen“. Zum Abschluss jeder Unterrichtseinheit gibt es eine gemeinsame Reflexionsrunde.

Ein ganzes Kalenderjahr beobachten die Kinder zur festgesetzten Doppelstunde „die Zusammenhänge und Veränderungen der heimischen Flora und Fauna“. Das Projekt startet übrigens im Winter; denn die kalte Jahreszeit bietet „optimale Bedingungen“, um „Veränderung und Entwicklung im Jahreszyklus (...) zu erleben“, so die Erfahrung der begleitenden Lehrkräfte (ebd.). 

Die winterliche Flora erkunden

Wie überleben Pflanzen im Winter? Dieses Thema greift ein kurzer, informativer Text auf der Geolino-Website auf. Ausgehend davon begeben sich die Kinder als Detektive auf Spurensuche. Dabei sehen sie genau hin, sie dokumentieren ihre Ergebnisse mit Fotos und im Naturtagebuch:

  • Wo gibt es noch „lebendiges“ Grün? 
  • An welchen Sträuchern hängen Früchte wie Beeren oder Nüsse und warum? 
  • Wie fühlen sich die abgeworfenen Blätter der Laubbäume an?
  • Wie viele verschiedene Bäume kannst du finden?
  • Wie unterscheiden sie sich? 
  • ...

Die Kinder der Grundschule in Hoisbüttel versuchen die Baumarten anhand der Rinde („Rubbelbilder!“) und des Stammes zu bestimmen. Hilfreich dabei sind oft auch die abgeworfenen Blätter rund um den Baum: Ihre Form ist selbst im Winterlaub meist noch gut zu erkennen. Bei den immergrünen Bäumen achten die Kinder auf die Baumform, die Stämme und auf die Beschaffenheit von Nadeln und Zapfen bzw. Früchten.

Tiere im Winter beobachten

„Wer wohnt alles im Winterwald? Welche Überlebensstrategien haben Tiere, um die Eiseskälte zu überstehen?“ fragt Christine Hagemann im Blog auf backwinkel.de. In ihrem Unterrichtsprojekt „Tiere im Winter“ erarbeitet sie mit den Kindern spielerisch, wie Tiere überwintern, ob und was sie fressen, wo sie schlafen und wie sie sich auf den Winter vorbereiten. 

Die verschiedenen Überwinterungsformen, Winterschlaf, Winterruhe, Winterstarre, Winteraktivität, übersetzt Frau Hagemann z. B. mit den Kindern in pantomimische Bewegungen; und sie erstellt Tierporträts, ein Quadrama und ein Mobile zum Thema Überwinterungsformen. Auch zwei gute Anregungen für die Draußenschule sind dabei: 

  1. Die Kinder bauen das Schlafnest eines Igels aus trockenem Laub, Moos und Zweigen nach. 
  2. Und sie fertigen nach Plan eine einfache Snackbar für Vögel.

Klar, dass im Draußen-Unterricht die Tierbeobachtung eine wichtige Rolle spielt. Und auch die Spuren von Tieren im Schnee oder ihre Hinterlassenschaften (Kot, Haare, Federn, Gewölle) geben interessante Impulse für das Lernen in und mit der Natur. Impulse und Bestimmungshilfen für die Spurensuche in Wort und Bild liefert der NABU auf seiner Website

Spiele im Schnee

Schneemann bauen und eine Schneeballschlacht machen – das kennt jedes Kind. Wenn Sie Anregungen für Spaß und Bewegung im winterlichen Draußen-Unterricht suchen, finden Sie auf der Website kinderspiele-welt.de noch viele weitere spannende Spiele mit Schnee. Gezielt lassen sich dabei auch motorische Fähigkeiten fördern, zum Beispiel die Auge-Hand-Koordination mit Wurfspielen: Da werden einfach ein paar leere Konservendosen oder – garantiert verletzungsfrei – Pappkarton-Rollen als Pyramide aufgestellt und mit Schneebällen „abgeräumt“. Oder die Kids versuchen, eine größere Schneekugel mit Schneebällen zu treffen oder ihre Schneebälle möglichst nah an die Kugel zu werfen.

Auch alte Bekannte sind dabei. Dazu gehört der Schnee-Engel, bei dem sich ein Kind auf dem Rücken in den Schnee legt und durch eine Auf- und Abwärtsbewegung der ausgestreckten Arme die Flügel eines Schneeengels formt. Bei eher klebrigem Schnee formen die Kinder aus Schnee Figuren, zum Beispiel jedes Mädchen und jeder Junge sich selbst. Und gemeinsam baut die Klasse dann den Klassenraum nach und positioniert sich. – Das ist auch eine gute Gelegenheit, um spielerisch Konflikte zu thematisieren.
Den eigenen Namen in den Schnee „schreiben“, indem man vorsichtig, Schritt für Schritt, Ferse an Zehenspitzen, die Linien spurt. Das ist eine etwas andere Schreib-Übung für ABC-Schützen und auch für höhere Grundschulklassen eine gute motorische Übung. Dabei  muss man nicht nur die Balance halten, sondern auch gleichzeitig den Überblick wahren.

Zum Abschluss gemeinsames Stockbrotessen

Falls es auf Ihrem Schulgelände eine Feuerschale gibt, beschließen Sie den Draußen-Unterricht doch mit einem gemeinsamen Stockbrot-Essen. Vielleicht lassen sich ja einige Eltern gewinnen, die schon mal ein Feuerchen machen und den Hefeteig bereitstellen. Nach der vielen Bewegung in der frischen Winterluft werden die Kinder Hunger haben und sich gerne an der Feuerstelle aufwärmen.
 

Martina Niekrawietz


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