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Außerschulischer Lernort

Der Wald als Lernerlebnisort

Als außerschulischer Lernort hat der Wald viel zu bieten: einen Lernerlebnisort zum Erforschen von Pflanzen und Tieren, für Spiel und Bewegung und Kreativität.

Außerschulischer Lernort: Der Wald als Lernerlebnisort Es gibt viel zu entdecken, wenn die Natur zum Klassenzimmer wird © highwaystarz - Fotolia.com

„Wann gehen wir wieder in den Wald“, fragt Peter jeden Montag nach seiner ersten Waldbegegnung im 1. Schuljahr. Tatsächlich bietet sich der Wald als außerordentlicher Lernort für viele verschiedene Bereiche an und bringt für die Schüler viele Erfahrungen in und mit der Natur, die sie sehr begeistern. Die Erfahrung zeigt, dass selbst verhaltensauffällige Schüler sich im Wald und draußen in der Natur ganz anders verhalten als im Klassenraum. Denn hier ist nicht Stillsitzen gefordert, sondern Rumlaufen, Suchen, Finden, Forschen und Erkunden sind gefragt und erlaubt.

Bäume und Waldzwerge

Bereits in Klasse 1 ist der Lernort Wald spannend, um hautnah Erfahrungen mit der Natur zu machen. Ausgangspunkt kann eine kleine Geschichte sein, die in einem geeigneten Waldstück erzählt wird: Im Wald leben Zwerge, die gern eine Wohnung hätten. In Kleingruppen werden die Schüler losgeschickt, um nach ihrer Vorstellung ein Haus für die Waldzwerge zu bauen. Der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt, lediglich das Abreißen von Ästen oder anderen Pflanzen ist verboten.

Ein abschließender Besuch aller Zwergenwohnungen wird umso mehr zum Abenteuer, wenn der Lehrer unbemerkt Zweige, die mit Zwergengesichtern bemalt wurden, in die Wohnungen gesetzt hat.

Erste Erfahrung mit dem Thema Bäume sammeln die Schüler, wenn man in jeder Jahreszeit in den Wald geht und das gleiche Waldstück aufsucht. Hier beobachten die Schüler im Jahreslauf die Blätter, Rinde, Blüten und Früchte. Sie können außerdem mit Zeichenblatt und Wachsmalstiften ausgerüstet eine Frottage der Rinde machen. Sie sammeln Blätter zum Pressen und Gestalten für den Kunstunterricht, ebenso Früchte, Blätter und Rinden, die später verschiedenen Bäumen zugeordnet und für die Gestaltung von Baumplakaten verwendet werden. Und das Spannende: Auf ihrem Weg zwischen den Bäumen gibt es noch viel mehr zu entdecken.

Waldtiere entdecken und kennenlernen

Nach dem Kennenlernen des Waldes bietet sich für die nächste Jahrgangsstufe eine Beschäftigung mit Waldtieren an. Verknüpft mit dem Sachunterrichtsthema „menschliche Sinne“ können die Schüler im Wald spielerisch erfahren, mit welchen Sinnen Waldtiere ausgestattet sind.

Raubvögel können gut sehen. Ein Spiel mit Mäusebussard und Mäusen soll das verdeutlichen: Alle Kinder werden in Mäuse verwandelt und dürfen sich in einem am Boden markierten Bau sicher fühlen. Sie müssen allerdings ausschwärmen und Futter in Form von Waldfrüchten wie zum Beispiel Hagebutten, Bucheckern etc. finden. Außerhalb des Baus fliegt ein Mäusebussard, der sie als sein Futter ergreifen kann. Ergriffene Mäuse müssen stehen bleiben und können durch Antippen anderer Mäuse wieder erlöst werden.

Als Fuchs, der gut tasten kann, müssen die Schüler eine „Fühlstrecke“ abschreiten, in der einiges zum Thema Wald zu erfühlen und zu ertasten ist.

Zum gut ausgeprägten Hörsinn werden die Schüler für folgendes Spiel in Fledermaus und Nachtfalter verwandelt: Ein Kind wird Fledermaus, zwei Kinder werden Nachtfalter. Alle anderen Kinder stehen im Kreis und fassen sich als „Waldlichtung“ bei den Händen. Die „Fledermaus“, die mit verbundenen Augen spielt, bewegt sich innerhalb des Kreises und ruft immerzu „Fledermaus“ – als Verdeutlichung der Ultraschalltöne, die die Fledermaus ständig erzeugt. Steht das Fledermaus-Kind vor einem Nachtfalter, so wird ihr Ruf reflektiert und das Falter-Kind muss „Nachtfalter“ zurückrufen. Steht die Fledermaus vor einem Kreiskind, so ruft es „Wald“. Die Fledermaus muss versuchen, die Nachtfalter zu fangen.

Um den Lebensraum und die Behausung der Tiere im Wald kennenzulernen, bietet sich eine Spurensuche im Winter an. Hier werden oftmals Spuren vom Wildschwein, Eichhörnchen, Dachs, Reh, Specht, Fuchs oder Mäusen gefunden, außerdem Vogelnester, Fraßspuren, Losungen. Daran anschließend können die Schüler im Sachunterricht für Waldtierplakate weiter in Büchern zu den Tieren forschen.

Um die kleinsten Tiere im Wald zu entdecken, ist es spannend, den Erdboden zu untersuchen. Tiere, die in der Laubstreu leben, sind für die Schüler oft besonders interessant, weil sie nicht immer sichtbar sind. Dazu wird das Laub mit den Fingern vorsichtig weggefegt und die Erde mit den Fingern betastet und untersucht. Ein Löffel dient dazu, die Tiere vor dem Weglaufen zu stoppen. Mit einem dicken Haarpinsel können die Tiere auf dem Löffel festgehalten und in eine durchsichtige Becherlupe zum Beobachten gesetzt werden. Zum Bestimmen sollte der Lehrer laminierte Bildtafeln von Bodenlebewesen bereithalten. Die Blätter sind die Nahrung für die Tiere, die dem Boden angepasst sind. Die Schüler erfahren so, dass der Wald das älteste Recyclingsystem der Welt ist.

Wasser als Lebensraum

Parallel zum Themenbereich Wasser im Sachunterricht bietet sich eine Bachwanderung an. Die Schüler lieben es, mit Gummistiefeln und Matschhose durch den Bach waten zu dürfen und dabei die Umgebung zu erforschen. Speziell im Wald ist der Bach meistens besonders idyllisch. Auch hier können die Schüler Kleinstlebewesen im Bach entdecken, mit der Becherlupe beobachten und bestimmen. Anhand der im Bach lebenden Tiere kann sogar die Wasserqualität bestimmt werden. Dafür müssten allerdings auch hier Bildtafeln vorbereitet werden.

Im Werkunterricht könnte für eine bevorstehende Bachwanderung ein Wasserrad gebaut und im Bach getestet werden. Der Bach ist immer ein Erlebnis, im Wald aufgrund der Äste, Blätter und Zweige als Baumaterial umso mehr. Erst recht, wenn auch noch Raum zum Spielen bleibt: um zum Beispiel Boote und Blätter schwimmen zu lassen oder einen kleinen Abschnitt des Baches kurzzeitig zu sperren.

Holz  und Holzverarbeitung

Im 4. Schuljahr kann die Beschäftigung mit dem Thema Holz auf dem Stundenplan stehen. Um vielfältige Erfahrungen damit zu machen, ist hier die Begleitung von Experten ratsam. Vielleicht können die Schüler bei Baumfällarbeiten zuschauen. Mit dem nötigen Sicherheitsabstand ist dies ein sehr eindrückliches Erlebnis. Doch auch eine Waldbegehung mit dem Förster oder die Bestimmung des Alters von Baumstümpfen ist sehr interessant. Vielleicht können in der Schule Nistkästen gebaut und eine Schreinerei besucht werden. So erfahren die Schüler etwas über den Weg vom Baum zum Möbelstück.

Sich zurechtfinden: Kompasswanderung

Eine weitere Walderfahrung ermöglicht das Thema Kompass, das ebenfalls im 4. Schuljahr im Sachunterricht bearbeitet werden kann. Hierzu wählt der Lehrer vorher einen Weg aus und versieht ihn mit Aufgaben zu den Himmelsrichtungen. Dieser Weg kann als gemeinsame Wanderung oder in Kleingruppen mit Unterstützung durch Eltern erkundet und gefunden werden.

Der Lernort Wald bietet sicher noch viele weitere Möglichkeiten, doch bereits ein einfacher Waldspaziergang ohne vorbereitete Aufgabe macht die Schüler zu kreativen Bastlern und zu Entdeckern, verführt sie zu Rollen-, Such- und Fangspielen. Die Bewegung in der Natur wird so für manchen Schüler bereits zum nicht alltäglichen, lehrreichen Erlebnis.

Marion Keil

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