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Alternative Diktatformen

Diktatformen, die das selbstständige Aufschreiben fördern

Rechtschreibung üben, ohne Stress und womöglich mit Spaß? – Alternative Diktatformen machen es möglich, das selbstständige Aufschreiben zu üben und dabei Regelwissen und Rechtschreibstrategien anzuwenden.

Alternative Diktatformen: Diktatformen, die das selbstständige Aufschreiben fördern Bei Partnerdiktaten helfen sich die Schüler gegenseitig. Der Vorteil: Sie sprechen über Rechtschreibregeln © pressmaster - Fotolia.com

In meinem ersten Artikel zu den alternativen Diktatformen hatte ich bereits die Frage aufgeworfen, ob der Deutschunterricht das klassische Diktat wirklich zwingend braucht.  Sicherlich erhält die Lehrkraft dadurch einen schnellen Überblick über die aktuelle Rechtschreibleistung des Kindes. Aber wird dabei wirklich die Rechtschreibentwicklung deutlich, beziehungsweise die Sicherheit in der Anwendung von Regelwissen und Rechtschreibstrategien?

Häufig geäußerte Kritikpunkte am klassischen Diktat sind dessen Fehlerorientierung und dass in der Regel bereits vorhandenes Wissen überprüft wird. Der Lernfortschritt des Kindes und das Nachdenken über Schreibweisen wird dagegen kaum berücksichtigt. Daraus entstand die Forderung, den Rechtschreibunterricht zu öffnen und – neben den klassischen – auch alternative Diktatformen anzubieten. Doch welche Möglichkeiten gibt es hier?

In den neuen Bildungsplänen wird der Fokus stärker als zuvor auf die Kompetenzorientierung und die prozessorientierte Lernentwicklung der Kinder gerichtet. Die nachfolgend vorgestellten alternativen Diktatformen bieten den Kindern die Möglichkeit, nach der Übung des genauen Abschreibens (Beispiele siehe Artikel 1) als nächsten Schritt das genaue Aufschreiben zu üben, sich Wortbilder einzuprägen, Schreibweisen infrage zu stellen und grundlegendes Regelwissen zu vertiefen.

Rechtschreibung erforschen – Regelwissen anwenden

Die weiterführenden alternativen Diktatübungsformen, sollen den Kindern helfen, die Rechtschreibung zu erforschen, über Wortstrukturen und Regelwissen nachzudenken sowie Rechtschreibstrategien anzuwenden. Alle dargestellten Übungsformate können im traditionellen Unterricht eingesetzt werden, bieten sich aber auch (nach vorausgegangener gemeinsamer Einführung) für Freiarbeitsphasen oder andere Formen des offenen Deutschunterrichts an.

Bilddiktat: Die Kinder suchen aus „Bildkarten“ mit Tieren, Tätigkeiten, Spielsachen etc. eine gewisse Anzahl aus und sollen aufschreiben, was sie mit den Karten verbinden. So könnte aufgeschrieben werden, welche Tiere oder Länder sie mögen, was sie über das jeweils Beschriebene schon wissen, oder einfach nur der Name. Die Kinder können mit der Schreibung etwas vermitteln und erfahren, dass Schreiben „funktional“ ist. Eine Kontrollmöglichkeit für die Kinder sollte gegeben sein, z. B. auf der Rückseite der Karte. Je höher die Klassenstufe aber ist bzw. je kreativer die Kinder, desto schwieriger gestaltet es sich, genau passendes Wortmaterial anzubieten. Hier bieten sich Wörterlisten als Angebot, aber zusätzlich der Verweis auf das Wörterbuch an.

Partnerdiktat: Ein Partner übernimmt das Diktieren eines gemeinsam ausgesuchten Textes (Differenzierung durch unterschiedliche Texte). Dabei ist wichtig, dass er auf die individuelle Schreibgeschwindigkeit des anderen Partners eingeht. Artikuliertes Sprechen wird dabei ebenfalls geschult. Fällt dem diktierenden Kind ein Fehler auf, wird das Diktieren zunächst gestoppt, um dem Schreiber eine Möglichkeit der Verbesserung zu geben. Bei dieser Übungsform schult man somit neben der Rechtschreib- auch die Sozialkompetenz.  Ideal ist es, wenn der schwächere Partner zuerst diktiert und sich somit den Text vor dem eigenen Aufschrieb nochmals einprägen kann.

Fragendiktat: Dabei handelt es sich um eine weitere Form des Partnerdiktats. Der aufschreibende Schüler darf seinen Partner nach möglichen Schreibweisen fragen  („Ist das ein Verb?“). Dies fördert die Fehlersensibilisierung und stärkt die Selbstverantwortung. Der Diktierende sollte im Idealfall aber nicht einfach die richtige Schreibung nennen, sondern Hilfen zum Erkennen der jeweiligen Rechtschreibregel anbieten.

Zweistufiges Diktat: Dieses Übungsformat ähnelt dem Partnerdiktat. Bei dieser Diktatform sollten sich die Kinder aber aus einer Anzahl von kleinen Diktattexten selbstständig einen auswählen können. Zuerst wird der Text nach dem Diktat eines Mitschülers aufgeschrieben. Im zweiten Schritt wird die Rechtschreibung gezielt untersucht und es besteht die Möglichkeit, im Wörterbuch nachzuschlagen. Erstschrift und Reinschrift sollten auf getrennten Blättern erfolgen. Diese Diktatform soll auch zur Selbstverantwortung erziehen und das Kind für seine Fehlerschwerpunkte sensibilisieren. Auch kommt diese Übungsform der außerschulischen Schreibpraxis am nächsten.

Tondiktat: Der Diktattext wird vom Schüler selbst (Schüler müssen dann deutlich artikuliert sprechen) oder zuvor vom Lehrer gesprochen und aufgenommen, z. B. als Tondatei auf einem Tablet oder Computer. Individuell gesprochene Texte können gezielt auf das jeweilige Leistungsvermögen ausgerichtet und somit Stress verringert werden. Das Kind hat bei dieser Übungsform die Möglichkeit, die Geschwindigkeit zu steuern und Textabschnitte vor dem Aufschreiben mehrfach anzuhören.

Wortdiktat: Einzelne Wörter (z. B. Lernwörter oder Wörter aus einem bestimmten Sachgebiet) werden in Partnerarbeit diktiert. Hierbei wird die Konzentration auf wenige Wörter gerichtet und bietet somit auch „schwächeren“ Rechtschreibern die Möglichkeit, Erfolge zu erzielen. Das Augenmerk der Kinder sollte bei dieser Übungsform auf die sehr genaue Kontrolle zur Vermeidung von Flüchtigkeitsfehlern gerichtet sein. Als zusätzliches motivierendes Element, kann danach jedes Kind aus seinen aufgeschriebenen Worten eine gewisse Anzahl aussuchen, die in ein Raster des Spieles „Schiffe versenken“ geschrieben werden. Danach wird gemeinsam gespielt. Gewonnen hat, wer zuerst alle Lernwörter des Partners herausgefunden hat.

Wortartendiktat: 1. Unterstreiche alle Nomen blau. 2. Schreibe alle Nomen mit Begleiter in der Einzahl und der Mehrzahl auf, z. B. der Baum – die Bäume. 3. Schreibe die Verben untereinander so auf, wie sie im Text vorkommen. 4. Schreibe daneben die Grundform, z. B. spielte – spielen. 5. Unterstreiche alle Adjektive grün.  6. Schreibe die Adjektive auf. 7. Steigere die Adjektive.  8. Suche das Gegenteil.

Lückendiktat: Das Lückendiktat ist ähnlich wie ein Wortdiktat, aber trotz der Lücken bleibt der Satzzusammenhang erhalten. Diese Diktatform bietet auch weniger starken Kindern die Möglichkeit, Erfolge zu erfahren, indem immer mehr Wörter richtig geschrieben werden können.

Dennoch: Lernerfolgskontrollen sind als Rückmeldung wichtig

Dies ist nur eine Auswahl möglicher alternativer Diktatformen, die das selbstständige Aufschreiben üben. Weitere Formen wie die Rechtschreibarbeit etc. werden in unterschiedlichen Artikeln, Arbeitsmaterialien, Büchern, dem Internet etc. dargestellt. Im Unterrichtsalltag können Kinder ihren Leistungsfortschritt zum Beispiel auch in Standartsituationen wie beim Schreiben eigener Texte, beim selbständigen Üben mithilfe erworbener Übungsstrategien und Übungsformen, beim Untersuchen und Ordnen von orthografischen Besonderheiten, bei Selbst- und Partnerkontrollen sowie in Schreibkonferenzen zeigen.

Als Rückmeldungen an Kinder, Eltern und Lehrkraft braucht erfolgreicher Unterricht aber auch Lernerfolgskontrollen als Rückmeldung. Diese müssen jedoch den Zielen und Wegen des Unterrichts entsprechen. In der Unterrichtspraxis stellt sich bei der Ermittlung der Rechtschreibnote häufig folgendes Problem dar: Vermeintlich gute Rechtschreiber schreiben entsprechend gute Diktate, machen aber beim Abschreiben und beim freiem Schreiben auffallend viele Fehler. Anders formuliert: Nicht alle, die gute Diktate schreiben, sind auch in Alltagssituationen oder bei ungeübten Texten gute Rechtschreiber. Schwache Rechtschreiber hingegen besitzen teilweise durchaus orthografische Kompetenzen, die sie in Diktaten aber nicht wirklich unter Beweis stellen können. Als Lehrkraft steht man demnach vor dem Problem, wie die tatsächliche Rechtschreibkompetenz bei der Ermittlung einer Rechtschreibnote angemessen und nachvollziehbar berücksichtigt werden kann.

Die Rechtschreibkompetenz setzt sich aus Teilfertigkeiten zusammen

Die zu beurteilende Rechtschreibkompetenz setzt sich aus mehreren Teilfertigkeiten zusammen. Hierzu gehören das Rechtschreibgespür (verinnerlichte Schriftprinzipien), die Korrekturkompetenz (Anwendung von Techniken), die Reflexion und die Methodenkompetenz, die durch die unterschiedlichen alternativen Diktatformen auch weiter ausgebaut werden kann.

Betrachtet man diese Ziele, so wird schnell deutlich, dass allein mit herkömmlichen Diktaten diese Kompetenzen nicht optimal überprüft werden können. Diktate geben lediglich Aufschluss über das Rechtschreibgespür (dies aber nur, wenn sie ungeübt sind) und über die Stressresistenz des Kindes. Geübte Texte oder Lernwörter verfälschen das Ergebnis und spiegeln eher Fleiß, Merkfähigkeit und häufig auch den Umfang des häuslichen Übens wider.

Diktate allein als Grundlage für die Rechtschreibnote stellen somit die aktuelle Rechtschreibkompetenz des Schülers nur unzureichend dar und sollten durch weitere Formate ergänzt werden. Kinder setzen sich sehr gern mit neuen Methoden und Materialien auseinander und die Möglichkeit, Strukturen und Regeln selbst zu „entdecken“, spornt an. Mit motivierenden, neuen Diktatformen die Rechtschreibkompetenz der Kinder und gleichzeitig die Sozialkompetenz zu verbessern sowie unterschiedliche Lerntypen berücksichtigen? – Probieren Sie es aus und erleben Sie, wie engagiert sich Kinder mit Rechtschreibung auseinandersetzen können.

Ines Bischoff

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