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Unterrichtsideen

Eine Lernhilfe mit großem Potenzial: der digitale Lesestift

Mit dem digitalen Lesestift eröffnen sich Förder- und Einsatzmöglichkeiten, um Schüler/-innen mit Lernschwierigkeiten zu unterstützen. Das Sprachausgabegerät hilft beim Lesen und Rechnen, bei der Unterstützenden Kommunikation, bei Arbeitsaufträgen u. v. m.

Unterrichtsideen: Eine Lernhilfe mit großem Potenzial: der digitale Lesestift Der Lesestift unterstützt viele Schüler/-innen beim Lesen und Lernen © Claudia Omonsky

„Ich will vorlesen“, ruft Lisa, die keine Schriftsprache im engeren Sinn versteht, und läuft motiviert zur Tafel. Mit dem Lesestift tippt sie auf den Vorlesepunkt der richtigen Bildkarte und kann so die Tafelanschrift für die ganze Klasse zum Besten geben. Möglich macht es der digitale Lesestift – weniger ein Stift als ein mobiles Sprachausgabegerät in Stiftform. Dieser ermöglicht es, Wörter, kurze Texte, Aufgaben, Lieder und vieles mehr selbst zu vertonen und somit individuell zu nutzen. 

Jedes benötigte Objekt wie ein Buch, ein Arbeitsblatt oder Bildkarten, Spielekarten usw. wird mit einem oder mehreren Stickern beklebt. Diese sind bereits bespielt, können genauso auch blanko erworben und individuell bespielt werden. Um dem Sticker eine Aufnahme aufzuspielen, wird der Stift auf den Aufkleber gehalten und besprochen. 

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

Aus dieser sehr einfachen Anwendung heraus ergibt sich ein wahres Universum an unterrichtlichen Einsatzmöglichkeiten. Diese sind besonders für die Schüler/-innen von großer Bedeutung, die nicht eigenständig Schrift erlesen können und auf individuelle Sprach- und Sprechförderung angewiesen sind. Besonders in heterogenen Lerngruppen können so Schüler/-innen unterschiedlichster Leselernniveaustufen miteinander lernen.

Der Einsatz des Lesestifts ist vielfältig denkbar – sei es für individuelle Leseaufgaben des Einzelnen wie auch als Unterstützungsmaterial für eine Lernstation innerhalb der Lerngruppe. Je nach Einsatz benötigt man mindestens einen oder im Idealfall mehrere Lesestifte. Die „besprechbaren“ Aufnahmesticker lassen sich mehrfach überspielen, sodass es sich lohnt, sie zu laminieren und haltbarer zu machen. Sie können dann für immer neue Spielkarten, Würfel oder Lesebuchseiten verwendet werden. Wenn man sie halbiert, sind sie sogar doppelt einsetzbar.

Sehr häufig werden die Lesestifte angewendet, um Bilderbücher für Kinder nutzbar zu machen, die noch keine Texte lesen können. Der Text wird auf den Sticker gesprochen und kann selbstständig abgehört werden, indem der Schüler/die Schülerin auf den entsprechenden Stickerpunkt tippt. 

Käufliche Bilderbücher können auf diese Weise leicht noch ansprechender und individueller gestaltet werden, z. B. durch zusätzliche Musik oder Geräusche, durch selbst eingesprochene Texte oder gemeinschaftlich gesungene Lieder. Wenn ein Lesetext zu lang ist, kann man eine gekürzte Fassung einsprechen und so das Mitlesen für langsame Schüler/-innen ermöglichen.

Im Bereich der Unterstützten Kommunikation findet der digitale Lesestift ebenso regen Einsatz: beispielsweise kann man im Fotoalbum der letzten Klassenfahrt wichtige Ereignisse und Personen bezeichnen und damit eine Erzähl-Möglichkeit für zu Hause schaffen. Auch individuelle Ich-Bücher, wie sie im Bereich der Förderung von Autismus-Spektrums-Störungen eingesetzt werden, können damit vertont werden. Und für Kinder nicht-deutscher Muttersprache ist der Lesestift das ideale Hilfsmittel, um schnell Wortschatz aufzubauen und sich zugleich auch mitteilen zu können. Vokabellernen mit der richtigen Aussprache wird ermöglicht. Auch hier ist eine zweisprachige Vertonung von Lesetexten gut vorstellbar, etwa im Fremdsprachenunterricht.

Im Leseunterricht wie auch in der Freiarbeit gibt es weitere zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Immer dann, wenn ein Schüler/eine Schülerin möglichst selbstständig arbeitet und dabei noch keine aktive Schriftsprache beherrscht, hilft der Lesestift: Übungen zur phonologischen Bewusstheit, zum Anlaute-Vergleich oder Zuordnung von gehörtem zu geschriebenem Wort, Arbeit mit dem Silbenteppich, Reimwörter finden oder Unsinnsgeschichten weitererzählen – diese Aufgaben sind einfach zu konzipieren. 

Im Mathematikunterricht hilft der Lesestift bei Kopfrechenaufgaben oder beim Üben der Raumbegriffe (oben – unten – hinten – vorn). Einfache Merkaufgaben werden dadurch spielerisch möglich, sodass der Schüler/die Schülerin seine Merkfähigkeit „nebenbei“ trainiert.

Besonders hilfreich wird der Lesestift, wenn man ihn als sprechenden Arbeitsauftrag nutzt und damit das Lernen im eigenen Tempo ermöglicht. Anstatt warten zu müssen, kann ein nicht-lesender Schüler einfach mit dem Lesestift die Aufgabe erschließen und somit wesentlich selbstbestimmter in offenen Unterrichtsformen agieren. Ritualisierte Abläufe im Morgenkreis oder an der Garderobe werden durch kleinschrittige Anweisungen über den Lesestift in Erinnerung gerufen. Bei Spielen kann ein nicht-sprechender Schüler/eine nicht-sprechende Schülerin eine wichtige Aufgabe übernehmen, etwa durch Aufrufen der Mitschüler/-innen (Poster mit Fotos und Namen auf den Stickerpunkten). Im Sachunterricht können etwa alle Bildkarten einer Handlungseinheit mit der Sachinformation besprochen werden, sodass alle Schüler/-innen sich an der Tafelarbeit gut beteiligen können. Alle Ablauf- und Verhaltenspläne werden somit selbstständig nutzbar.

In der Elternarbeit stellt der Lesestift ein schnell einsetzbares UK-Medium dar. Er ist wesentlich günstiger anzuschaffen als andere Sprachausgabegeräte und gut zu transportieren. Als sprechendes Hausaufgabenheft, als Mitteilungsheft oder auch auf Lernmaterialien und Arbeitsblättern baut er eine Brücke in die nachmittägliche Arbeit hinein.

Gerade in Zeiten der neuen digitalen Mediennutzung stellt der Lesestift eine sehr gute Möglichkeit dar, niederschwellig den Umgang mit solchen Geräten zu erproben und spielerisch-angstfrei Schüler/-innen mit hohem Sprachförderbedarf zu fördern. Es gibt unterschiedliche Marken mit jeweils ähnlichen Funktionen, beispielsweise den Tellimero ®, AnyBookReader ®, C-Pen Readerpen ® TipToi ® oder Ting Hörstift ®. Je nach Hersteller kann man Zusatzprodukte dazu kaufen, etwa die besprochenen Sticker, die nach Begriffen aus verschiedenen Lebensbereichen sortiert sind und dabei eine bestimmte Altersgruppe bedienen. Auch Blanko-Sticker sind erhältlich. Beliebt sind die bereits mit entsprechenden Punkten versehenen Bilderbücher und Spiele, die mit dem Lesestift sofort einsatzfähig sind. Somit ist das Material einerseits schnell einsetzbar und fertig zu erwerben, bietet andererseits aber unendlich viele Möglichkeiten, die Aufgaben maßgeschneidert anzupassen und kreative neue Wege zu entdecken. Wer sich tiefer in die Möglichkeiten einarbeiten möchte, kann hier eine große Sammlung mit zahlreichen Ideen finden.

Claudia Omonsky

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