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Erzählkreis — Erzählen und Zuhören lernen

Ein Erzählkreis ist der ideale Ort, sich den Mitschülern mitzuteilen und von seinen Erlebnissen außerhalb der Schule zu berichten. Hier kann das kurzweilige Erzählen ebenso geübt werden wie das rücksichtsvolle, wertschätzende Miteinander.

Deutsch: Erzählkreis — Erzählen und Zuhören lernen Im Erzählkreis haben einzelne Schüler das Wort und die ungestörte Aufmerksamkeit der Zuhörer © AntonioDiaz - Fotolia.com

„Wir waren gestern auf einem Flohmarkt. Da habe ich mir diese Kette gekauft. Der Anhänger ist aus Rosenquarz“, berichtet Clara, während sie ihren Anhänger im Sitzkreis herumgibt. Nachdem sie ihren Bericht vom Wochenende beendet hat, gehen einige Finger hoch. Sie darf drei Mitschüler drannehmen, die Fragen zu ihrer Erzählung haben. Danach gibt sie den Massageball weiter und Frederik ist an der Reihe. Er erzählt sehr detailreich von seinem Ausflug zu einer Burg. Seine Mitschüler hören ihm aufmerksam zu.

Um das Ritual des Erzählkreises mit Wochenendberichten der Schüler erfolgreich durchführen zu können, bedarf es einiger Absprachen und Überlegungen, sowohl zur Organisation als auch zu den Erzählthemen.

Regeln für den Erzählkreis

Bevor die Schüler in den Kreis kommen, um vom Wochenende, von den Ferien oder vom Vortag zu berichten, müssen einige Regeln geklärt werden. Zunächst sollte der Lehrer überlegen, in welchem Turnus er den Erzählkreis im Unterricht einplanen möchte. Dies kann täglich, wöchentlich und/oder speziell nach Ferien und besonderen Tagen sein. Auch sollte er sich vorher überlegen, wie lange der Erzählkreis dauern soll und ob alle Schüler oder nur einige Schüler zu Wort kommen sollen.

Ganz wichtig ist es, dass alle Mitschüler zuhören und keine Kommentare während der Erzählung geben. Damit klar ist, wer gerade an der Reihe ist, kann ein Erzählball, beispielsweise in Form eines Massageballs, einer Handpuppe, eines Steins o. Ä. herumgereicht werden. Wer den Gegenstand in der Hand hält, darf erzählen.

Um den Schülern zu demonstrieren, wie man sich fühlt, wenn andere Schüler sich mit anderen Dingen beschäftigen, Geräusche machen oder den Bericht während der Erzählung kommentieren, kann der Lehrer den Bericht eines Schülers zur Demonstration absichtlich stören. Schnell wird deutlich, dass man sich mit seinen Erlebnissen viel mehr wertgeschätzt fühlt, wenn die anderen Schüler das sprechende Kind anschauen und aufmerksam sind. Stören Schüler dennoch, müssen sie an ihren Platz zurückgehen und können am Erzählkreis nicht mehr teilnehmen.

Oft ergeben sich während der Erzählung Fragen von anderen Schülern. Hier muss vorher überlegt werden, ob und wie viele Fragen im Anschluss an den Bericht zugelassen werden, um die Zeit des Erzählkreises nicht zu sehr auszudehnen.

Kurzweilige, ausgewählte Schülererzählungen

Gerade jüngere Schüler schaffen es in Berichten noch nicht, die spannenden Momente ihrer Erlebnisse zu berichten und erzählen sehr ausufernd vom Aufwachen am Morgen bis zum Zähneputzen am Abend. Um eine kurzweilige und für die Zuhörer interessante Erzählung einzuüben, bietet es sich an, die Schüler zu Beginn des Erzählkreises die Augen schließen zu lassen. Jeder soll sich nun an das Wochenende oder den vergangenen Tag erinnern und überlegen, was dabei am interessantesten war. Nun sollen die Schüler nur von diesem Highlight berichten.

Nach längeren freien Zeiten wie Ferien oder Feiertagswochenenden können die Schüler vor der Erzählzeit die Möglichkeit bekommen, ihre Gedanken schriftlich zu fixieren. Dadurch werden die Überlegungen gebündelt und auf das Wesentliche fokussiert. Hierzu bietet sich ein eigenes Leporello mit entsprechender Anzahl von Umklappseiten für die einzelnen besonderen Erlebnisse an. Ebenso ein Ferienbuch oder eine eigene Schreibseite für ein Klassengeschichtenbuch können zunächst gemeinsam schriftlich erarbeitet werden. Im anschließenden Erzählkreis können die Schüler entweder ihre geschriebenen Erlebnisse vorlesen oder frei davon erzählen.

Um die Erzählzeit zu begrenzen, kann auch ein Zeitwächter auserkoren werden, der nach einer Minute ein Zeichen gibt, damit der erzählende Schüler zum Schluss kommt. Möglich ist es ebenfalls, nur eine bestimmte, wechselnde Anzahl an Schülern im Erzählkreis berichten zu lassen.

Interessante Themen versus verbotene Inhalte

Thematisch muss sich der Lehrer vor dem Beginn der Einführung des Erzählkreises überlegen, welche Themen er zulassen möchte. Zunehmend berichten die Schüler von ihrem Umgang mit neuen Medien. Neben Inhalten von Fernsehsendungen spielen Computerspiele, Konsolenspiele und Smartphones bereits im Grundschulalter eine immer größere Rolle. Dementsprechend viel Zeit verbringen viele Schüler damit und berichten davon als Wochenenderlebnis.

Ganz klar ist, dass die Schüler von nicht altersgemäßen Medien, zu denen viele bereits durch Verwandte oder ältere Geschwister ebenfalls Zugang haben, nicht berichten dürfen. Hier ist gegebenenfalls ein Gespräch mit den Eltern notwendig. Da nicht jeder Lehrer sich mit der Medienlandschaft seiner Schüler entsprechend auskennt, verbieten einige Lehrer grundsätzlich den Bericht von Medienerfahrungen. Es ist hier eine Gradwanderung, wie man diese Frage handhabt, denn der Erzählkreis bietet eben auch die Chance für den Lehrer, Dinge aus dem Alltag der Schüler mitzubekommen, eventuell seine Position kritisch gegenüberzustellen und seine Bedenken auch gegenüber Eltern äußern zu können. Zudem ist die Mediennutzung aus vielen Familien nicht mehr wegzudenken.

Themen für den Erzählkreis festlegen

Damit die Schüler täglich oder wöchentlich nicht nur von gleichen häuslichen Ritualen oder Hobbys berichten wie „Wir hatten ein Fußballturnier“ oder „Ich war am Wochenende bei meiner Oma“, kann ein thematischer Erzählkreis weitere Impulse geben. Hier wird vor dem Erzählen ein Thema festgelegt. Dies kann sein: Erzählung über das eigene Haustier oder welches man sich wünschen würde, das Lieblingsessen und wer es kochen sollte, den Traumberuf und warum man ihn mag, die liebste Hausaufgaben und wo man sie erledigen würde, die Lieblingsfarbe und was man in dieser Farbe besitzt, einen Ort, an den man gern fahren möchte, ein besonderer Mensch im Kinderleben, eigene gute und schlechte Eigenschaften, wie das Traumhaus aussehen würde, mit wem man sich warum einmal gern verabreden würde etc.

All diese Ideen können durch weitere Ideen von Lehrer und Kindern erweitert werden, sodass alle sich besser kennenlernen und mehr über die Klassenkameraden erfahren können. Dazu kann ein Plakat zur Ideensammlung im Klassenraum aufgehängt werden, auf das die Schüler bei Bedarf ihre Wünsche für ein Erzählkreisthema notieren können.

Diese gemeinsame und auch persönliche, ritualisierte und regelmäßige Runde, mit oder ohne Themenvorgabe, in der nur Schüler zu Wort kommen sollten, die dies auch möchten, stärkt die Gemeinschaft und fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Klasse.

Marion Keil

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