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Fabeln motivieren zum Lesen und Schreiben

Die relativ kurzen Fabeltexte bieten einen starken Anreiz gerade für Grundschüler, sich intensiv und auf vielfältige Art und Weise mit einem Text,  einer literarischen Gattung und ihrer Botschaft auseinanderzusetzen. Alle Kernkompetenzen im Fach Deutsch lassen sich dabei fördern.

Deutsch: Fabeln motivieren zum Lesen und Schreiben Ob Löwe oder Maus — die Kinder entdecken schnell, dass den Tiergestalten besondere Eigenschaften zugeschrieben werden © umnola - Fotolia.com

Fabeln (lateinisch „fabula“: Erzählung) sind kurze literarische Texte in Prosa oder in Versform, die meist von Tieren handeln. Sie denken, sprechen und verhalten sich wie Menschen und haben Eigenschaften wie wir. Fabeln enthalten eine Lebensweisheit, einen Rat oder eine Lehre, die entweder gleich unter dem Text steht oder erst gefunden werden muss.

Äsop, der Erfinder oder „Vater“ der Fabeln, lebte vermutlich im 6. Jahrhundert vor Christus. Er thematisierte Konflikte, Streit und Ungerechtigkeit und verteidigte die Armen und Schwachen. Er soll ermordet worden sein. Es ist jedoch nicht erwiesen, ob Äsop wirklich gelebt hat. Einer anderen Version zufolge war ein Sklave namens Äsop nur die Hauptperson in einer Erzählung, die nicht im 6. Jahrhundert vor Christus, sondern viel später geschrieben wurde.

Fabeln überdauerten die Jahrhunderte und „wanderten“ — ähnlich wie die Märchen — durch die ganze Welt. Fabelverfasser wie Jean de la Fontaine, Luther, Goethe, Tolstoi, Lessing, Krylow und Krüss bezeugen das. Manchmal enthalten die Texte auch nur den Vermerk „Fabel aus Italien“, aus Korea, aus Indonesien... Im Laufe der Zeit wurden viele Fabeln überarbeitet, verkürzt oder verlängert oder sprachlich verändert. Doch die Inhalte blieben meist konstant.

Kurze Texte mit Tieren — das motiviert Schüler zum Lesen

Lesen als die zentrale Schlüsselkompetenz fördert sprachliche, kognitive, soziale und emotionale Fähigkeiten und ist auch für die textbezogene „Computergeneration“ besonders wichtig.
Alle (bereits erlernten) Lesestrategien sind auch auf Fabeln anwendbar. Veraltete Wörter und Ausdrucksweisen können aus dem Zusammenhang heraus erschlossen oder selbstständig per Wörterbuch oder Internet geklärt werden. Dabei bieten sich folgende Möglichkeiten — u. a. aufgrund der kurzen Texte besonders an:

  • Vorwissen über Tiere aktivieren: Fuchs, Löwe, Ameise, Hahn ...
  • zu Überschriften der Fabeln antizipieren: Hasen und Frösche / Löwe und Mücke / Der wilde Hund / Der kluge Kater und die dummen Affen ...
  • Zusätzliche Anreize zur Texterschließung bieten: Einzelwörter rückwärts oder verdreht tippen / Zeilen vertauschen / Reihenfolge bei 2 oder 3 Textteilen ändern / Text ohne Satzzeichen und Leerstellen vorgeben / 2 oder 3 Fabeln vermischen / nur Anfang, Mittelteil oder Ende einer Fabel vorgeben / ein Fabelgedicht als Prosatext präsentieren / Partnerlesen, wobei die Schüler die Leseanteile selbst festlegen     dürfen / verschiedene Gruppen verschiedene Fabeln lesen lassen, auch einmal zu einem ähnlichen Thema / mehrere Fabeln in 2 Teile schneiden und austeilen: Die Schüler suchen die andere Hälfte und bilden mit dem nach dem Zufallsprinzip gefundenen Partner ein Lesetandem.

Die inhaltliche Texterschließung kann in Einzel- und Partnerarbeit, innerhalb von (heterogenen) Gruppen, im Klassenverband und im offenen Unterricht erfolgen.

Fabelaussagen erschließen und übertragen

Tierfabeln werden nicht nur inhaltlich erschlossen. Sie enthalten „Botschaften“ für uns Menschen. Doch es fällt vielen Grundschülern zunächst nicht leicht, diese „Botschaften“ herauszufinden und sie auf das Alltagsleben zu übertragen.
Dazu ein paar Aufgabenstellungen, die ihnen den Zugang erleichtern:

  • die (oft auch typisierenden) Adjektive finden, Gegensätze dazu suchen, auf Menschen übertragen,
  • Wortschatzerweiterungen: schlau, listig, klug — ängstlich, feige, mutlos,
  • wichtige Wörter oder Stellen im Text markieren oder aufschreiben,
  • Text mit eigenen Worten wiedergeben, Meinungen und Wertungen äußern,
  • von Fabelverfassern vorgegebene Lehren mit eigenen Worten ausdrücken,
  • aus 2, 3 oder 4 formulierten Lehren die richtige zu einer Fabel auswählen,
  • bei verschiedenen (bereits bekannten Fabeln) die Lehren abtrennen, mischen und richtig zuordnen,
  • eine Lehre aus vorgegebenen Bausteinen zusammensetzen lassen, dabei auch einmal falsche Textbausteine einbeziehen,
  • die Lehre selbstständig herausfinden,
  • Fabeln, Lehren und Alltagssituationen, die vermischt wurden und auf Textstreifen stehen, richtig zuordnen.

Fabeln selbst schreiben

Learning by doing — das gilt auch für Fabeln! Die Schüler durchdringen diese Textgattung viel intensiver, wenn sie vom Leser zum Verfasser werden und die bis dahin gewonnenen Einsichten beim Erstellen eigener Fabeln nutzen. Selbst Fabeln oder Fabelteile zu schreiben — allein, mit dem Partner oder in einer Schreibkonferenz — macht Spaß.
Sie können:

  • ein oder zwei Tiere durch andere ersetzen,
  • imaginäre Gespräche erfinden: Fuchs und … treffen sich,
  • den Text in der Ich-Form wiedergeben, die Gedanken eines Handlungsträgers als Traum, als Brief oder als Tagebucheintrag verfassen,
  • den Inhalt verändern, z. B. dadurch, dass beim Text „Die beiden Ziegen“ doch eine nachgibt,
  • zu einer bekannten Lehre (Aus Schaden wird man klug / Hilf, bevor es zu spät ist / Wer nicht hören will, muss fühlen / Versprochen ist versprochen ...) eine eigene Fabel erzählen oder schreiben,
  • individuell oder im Team eine Tierfabel zu Situationen aus dem (Schul-)Leben verfassen (Streit zwischen zwei Schülern, ein großer Junge mischt sich ein und ... / Sofie lernt nicht, schreibt eine schlechte Note, will es demnächst besser machen, aber ... / Herr Meier hilft Herrn Müller im Garten. Herr Müller hilft daraufhin ... / Tim ist neidisch auf Simon, aber dann erfährt er ...)
  • Schreiben als Kritik: Wasser wird verschwendet / Die Reichen und die Armen / Hungernde Kinder — Lebensmittel im Überfluss.

Beim selbstständigen Schreiben wird die Fabel Gegenstand gemeinsamen Nachdenkens, Ausprobierens und eines Gedankenaustausches. Die Schüler erkennen die Bedeutung der Absicht des Verfassers. Da es sich um kurze Texte handelt, können die Fabeln auch auf dem PC geschrieben und gestaltet werden.

Fabeln präsentieren und bewerten

Ganz egal, ob es sich um bekannte, nicht so bekannte oder eigene Texte handelt — sie sollten auf vielfältige Weise präsentiert werden.
Die folgenden Punkte können dabei herangezogen werden: 

  • beim Tippen am PC unterschiedliche Schriften, Schriftgrößen und Textanordnungen verwenden, mit Hervorhebungen experimentieren,
  • die Textstelle, die am lustigsten oder wichtigsten ist, illustrieren,
  • Tiere malen, mit einer Sprechblase versehen, ein Wort oder einen Satz hineinschreiben,
  • eine Fabel als Comic zeichnen oder in eine Bildergeschichte umsetzen,                                             
  • Fabeltexte in ein Themenbuch integrieren,
  • die Fabel flüssig und betont mit oder ohne Vorlage vortragen, eine Leseempfehlung geben,
  • beim Textvortrag die Zuhörer einbeziehen: Sie sollen den Namen oder die Lehre herausfinden, Fragen (auch in Rätselform) beantworten, Handlungsträger, die beim Vortrag nicht genannt wurden, erraten,
  • einzelne Gespräche oder die ganze Fabel vorspielen (Rollen- oder Schattenspiel, Einsatz von Stabfiguren oder Stofftieren), als Vorbereitung dazu die wörtlichen Reden im Text markieren und sie durch weitere Reden, Gedanken und Gefühle ergänzen, auch einmal mögliche Gedanken und Gefühle der Tiere zu Beginn und am Ende des Textes zum Ausdruck bringen,
  • ein Fabelbuch gestalten (linke Seite aus der Sicht des ersten, rechte aus der Sicht des zweiten Tieres),
  • vom Prozess in einer Schreibkonferenz berichten, z. B. beim Verfassen eines Paralleltextes (Streit unter Katzen, Tigern ...) und die Gründe für die getroffenen Entscheidungen nennen.

Alle Präsentationen sollen von den Mitschülern fair bewertet und dabei gemeinsam entwickelte Beurteilungskriterien herangezogen werden.

Altbewährte und allgemeingültige Lebensweisheiten

Fabeln enthalten Lebensweisheiten und Ratschläge, greifen Schwächen und Fehler der Menschen auf und üben Kritik, ohne zu moralisieren. Sie bringen uns zum Nachdenken und zum Schmunzeln und lassen die Leser sich im listigen Fuchs, der fleißigen Ameise oder der faulen Heuschrecke wiedererkennen.

Auch für Schüler ist die Tatsache interessant, dass einige unserer Redewendungen auf Fabeln zurückgehen, z. B.:

  • sich in die Höhle des Löwen wagen     >    Der Löwe in der Höhle
  • vor Neid platzen                                  >     Der Frosch und der Ochse
  • den Löwenanteil bekommen               >    Des Löwen Anteil
  • sich mit fremden Federn schmücken   >    Die stolze Krähe

Fabeln werden immer noch gelesen — in sehr vielen Ländern, in sehr vielen Sprachen. Fabeln im Unterricht — mehr als 2500 Jahre nach Äsop? Die Antwort: Ein eindeutiges Ja!

Ute Hoffmann

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