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Sachunterricht

Gut aufgeklärt ist besser — Sexualkundeunterricht in Klasse 4

Sexualkunde interessiert viele Grundschüler brennend. Eine Thematik, die sensibel behandelt werden will. Kindgerechte Materialien und Informationen sind dabei ebenso wichtig wie Einbeziehung der Eltern.

Sachunterricht: Gut aufgeklärt ist besser — Sexualkundeunterricht  in Klasse 4 Auch Grundschüler interessieren sich schon fürs andere Geschlecht und wollen vieles darüber wissen © Tanja - Fotolia.com

„Mich interessiert, wie ein Baby geboren wird“, notiert Anna auf ihrer Placemat. Auch die anderen Mädchen interessieren sich für Themen wie Geburt und Baby. Die Placemat der Jungen gestaltet sich eher um das Thema Pubertät und Sex. — Wie unterschiedlich die Interessen, Wünsche und Fragen zum Thema Sexualkunde im 4. Schuljahr sind, wird bereits bei der Einführung in die Thematik deutlich. Der Unterricht sollte daher verschiedene Themenbereiche behandeln und sachlich auf die Fragen der Schülerinnen und Schüler eingehen.

Bevor die Sachunterrichtseinheit startet, müssen die Eltern über die geplanten Inhalte und die dargebotenen Medien auf einem Elternabend informiert werden. Hilfreich ist es hier, die Arbeitsblätter, Bücher und Lehrmaterialien dazu auf einem Ausstellungstisch im Klassenraum zu präsentieren. Die Kopiervorlagen für die Schüler können in einem Hefter zur Ansicht herumgegeben werden.

Information der Eltern ist wichtig

In einer Mitteilung informiert der Lehrer die Eltern über die Inhalte und auch das Bildmaterial. Hier bietet sich ein Einstieg an: über  „Was ist Liebe?“ hin zu den körperlichen und seelischen Veränderungen in der Pubertät. Weitere Themen im Unterricht: die Zeugung eines Kindes, Verhütung und die Geburt eines Kindes. Die verschiedenen Familienmodelle werden ebenso thematisiert wie sexueller Missbrauch.

Die Eltern sollten darüber informiert werden, dass während der Einheit auch Fragen ihrer Kinder an sie gestellt werden können, auf die sie vorbereitet sein sollten. Ist der Lehrer offen für Fragen aller Art, können diese in einem Briefkasten (wenn von den Schülern gewünscht, auch anonym) gesammelt und in den Sachunterrichtsstunden im Plenum beantwortet werden.

Sanfter Einstieg in die Thematik

Viele Schüler fragen schon nach, wann und ob denn Sexualkunde unterrichtet wird. Während einige Schüler darauf brennen, alles zu erfahren, gibt es wiederum andere, die zunächst zurückhaltend und peinlich berührt sind, wenn das Thema ansteht. Auch die Fragestellungen sind wie oben erwähnt geschlechtsspezifisch verschieden.

Um darauf einzugehen, bietet sich eine Placemat, getrennt für Jungen und Mädchen, als Information für den Lehrer an. Hier sollen die Schüler zunächst ihre Fragen, Sorgen, Wünsche und ihr Vorwissen zum Thema auf ein Extrafeld notieren. Vier Kinder arbeiten in einer Gruppe, um im Anschluss gemeinsame Themen in ein mittleres Feld der Placemat zu sortieren. Wenn nötig und möglich, können sich Mädchen und Jungen dazu in einzelne Räume zurückziehen. Die Placemat wird im Anschluss an den Lehrer gegeben und muss nicht vorgestellt werden. Der Lehrer kann entsprechende Fragestellungen in seinen Unterricht einbeziehen.

Links zum Thema:

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet viele Informationen zur Sexualaufklärung.

Informationen zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs finden Sie hier.

Das Medienpaket „Dem Leben auf der Spur“ können Sie sich hier herunterladen.

Auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg finden Sie ebenfalls Informationen und Materialien zum Thema.

Sind diese Vorinformationen geklärt, lenkt der Lehrer das Gespräch auf das Gefühl „Liebe“ und lässt die Schüler sich frei dazu äußern. Sicher wird im Gespräch herauskommen, dass Verliebtheit keine Frage des Alters ist und Menschen aller Altersstufen sich verlieben können und dies ein gutes, angenehmes, schönes Gefühl ist. Ist diese erste Hürde genommen, sind in der Regel alle Schüler dem Thema zugänglich und gewinnen immer mehr Mut, sich zu beteiligen. Entsprechende Arbeitsblätter mit verschiedenen Bildern zu Liebesgefühlen bei Mutter — Kind, Mann — Frau etc. runden den Einstieg ab.

Pubertät mit Fingerspitzengefühl behandeln

Im weiteren Verlauf des Unterrichts werden Abbildungen von Junge und Mädchen angeschaut und die körperlichen Unterschiede herausgearbeitet. Die körperlichen Veränderungen während der Pubertät in der Entwicklung zu Frau und Mann folgen. Hierzu sollten vorher Absprachen erfolgen, dass im Unterricht die medizinischen Begriffe im Unterrichtsgespräch von allen verwendet werden. Vulgäre Ausdrücke werden hier ausdrücklich verboten. Es geht zunächst um die äußeren Geschlechtsteile. Parallel dazu sollten die seelischen Veränderungen besprochen werden, damit die Schüler darauf vorbereitet sind. Viele Pubertierende leiden unter Launenhaftigkeit, möchten sich von den Eltern abgrenzen, suchen Halt bei Freunden etc. Dass dies normale Gefühle sind, können die Schüler so besser nachvollziehen und haben nicht das Gefühl, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Bereits hier werden einige Fragen auftreten, da der veränderte Gemütszustand oft Verunsicherung hervorruft.

Doch auch die inneren Geschlechtsteile sollten zunächst medizinisch betrachtet werden. Bildmaterial zur Veranschaulichung ist hier wieder hilfreich. Die sachliche Darstellung hilft dabei, die Schüler in ein Gespräch zu begleiten, in dem man die Körperteile unaufgeregt benennen kann. Auf keinen Fall jedoch sollten bei diesem sensiblen Thema Schüler zur Gesprächsbeteiligung aufgefordert werden, die Scham empfinden. Entspannter sind hier für einige Arbeitsblätter, die selbstständig mit den besprochenen Dingen ausgefüllt werden können. Informationstexte können hier auch geschlechtsspezifisch verteilt und bearbeitet werden.

Wie ein Kind entsteht

Zur Thematik „Wie ein Kind entsteht“ können sachlich aufbereitete Informationstexte unterstützend sein. Ebenso gibt es liebevoll gestaltete Literatur oder Filme mit Trickfiguren, die das Thema aufgreifen. Die Schüler sollten auch hier wieder alle Fragen stellen dürfen. Der Lehrer entscheidet selbst, welche Informationen er geben möchte und wird auf private Fragen sicher antworten, dass dies unter seine Privatsphäre fällt und er darüber keine Auskunft geben wird.

Bereits in der Grundschule sollte auf die Vorgänge der Entwicklung eines Babys im Mutterleib eingegangen werden und auch das Thema Geburt interessiert besonders die Mädchen. Wichtig ist es ebenfalls, bereits an dieser Stelle über das Thema Verhütung zu sprechen und über die verschiedenen Möglichkeiten mit Vor- und Nachteilen zu berichten. Gerade in aufgeklärten Zeiten sollte das Thema HIV nicht verschwiegen werden, jedoch ohne Ängste zu schüren. Ziel ist im Grunde: Die Schüler einfach vor dem ersten Geschlechtsverkehr für Vorsorge zu sensibilisieren.

Verschiedene Familienmodelle thematisieren

Gerade ist wieder eine Diskussion entfacht, welche Familienmodelle akzeptiert, besprochen bzw. gesellschaftlich anerkannt sind und in den Sexualkundeunterricht der Schulen gehören. Da bereits viele Schüler in vielen verschiedenen Familienmodellen, vorranging Patchworkfamilien, vielleicht auch homosexuellen Lebensgemeinschaften leben, ist dies auf jeden Fall ein Thema, bei dem mögliche Lebensformen vorgestellt werden sollten.

Sexueller Missbrauch — ein heikles Thema

Zur Sexualaufklärung gehört ebenso die Thematik: „Mein Körper gehört mir!“ Genau dies muss in der Schule vermittelt werden, dass niemand ein Kind dort berühren soll, wo es dies nicht möchte. Auch nicht Vertrauenspersonen, Verwandte oder Bekannte, die zum Täterkreis bei kindlichem Missbrauch gehören. Ermutigen Sie die Schüler, auf ihr Bauchgefühl zu hören und sich bei Dingen, die von ihnen verlangt werden, die ihnen unangenehm oder komisch vorkommen, sich an eine Vertrauensperson zu wenden. Auch wenn sie dazu angehalten wurden, eventuell unter Strafe, keinem etwas zu berichten, müssen sie sich die Hilfe eines Erwachsenen holen.

Hier ist es hilfreich, den Kindern anzubieten, sich an Sie als Lehrkraft zu wenden und ihnen auch eine Telefonnummer für eine zuständige Stelle zu geben, an die sie sich anonym wenden können, falls sie hier Hilfe benötigen. Wenn das Thema auch unangenehm ist, so ist es doch unbedingt erforderlich, um die Schüler darin zu stärken, auch ihre Grenzen beim unliebsamen Küsschen von Oma zu ziehen.

Abschluss mit Experten

Während der Unterrichtseinheit kann wie oben beschrieben ein Klassenbriefkasten aufgestellt werden, in den Fragen zur Beantwortung eingeworfen und im Unterricht verlesen und beantwortet werden können. Da oftmals noch geschlechtsspezifisch spezielle Fragen offenbleiben, die man eventuell nicht vor dem anderen Geschlecht thematisiert haben möchte, bietet sich eine Fragestunde getrennt für Mädchen und Jungen an. Dies kann die Klassenlehrerin organisieren oder besser noch, sich Experten dazu einladen. Profamilia oder andere Organisationen bieten hier möglicherweise gegen eine kleine Gebühr diese Möglichkeit. Da überwiegend Lehrerinnen an der Grundschule arbeiten, besteht hier in einem Team auch die Chance, dass ein Mann die Fragestunde der Jungen übernimmt.

Alternativ kann eine Hebamme über ihre Arbeit berichten oder bei Babygeschwisterkindern könnte die Mutter eines Schülers mit dem Baby kommen und über die Aufgaben als Mutter berichten. Hier gibt es sicher noch weitere Ideen, um Experten in die Schule zu holen.

Marion Keil

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