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Mathematikförderung

Gut gewählt ist halb gewonnen: mathematisches Handlungsmaterial

Mathematisches Handlungs- und Anschauungsmaterial kann gerade im Mathematikanfangs- und Förderunterricht dabei helfen, innere Bilder und damit mathematische Vorstellungen bei den Lernenden zu fördern.

Mathematikförderung: Gut gewählt ist halb gewonnen: mathematisches Handlungsmaterial Es bringt den Kindern Spaß, mit Birnen und Möhren in die Welt der Zahlen einzutauchen © Peter Zurek - stock.adobe.com

Wie in vielen anderen Klassenzimmern auch, findet sich auch im Klassenzimmer der Klasse 4a von Herrn Tobler ein gut sortiertes Sortiment an mathematischem Handlungs- und Anschauungsmaterial. Dieses wird in den Mathematiklektionen von den Lernenden auch rege genutzt, jedoch fragt sich Herr Tobler manchmal, ob er den Einsatz und Gebrauch des Materials richtig anleitet, respektive vorzeigt. So wie Herrn Tobler mag es mancher Lehrperson gehen, insbesondere in Anbetracht der schier überwältigenden Fülle der auf dem Markt erhältlichen Materialien.

Nicht wenige Schülerinnen und Schüler zeigen im Verlaufe ihrer Schulkarriere  Schwierigkeiten in Bezug auf das Mathematiklernen. Ziel eines am Lernenden ausgerichteten Mathematikunterrichts muss es daher sein, auf diagnostischer Ebene festzustellen, aus welchem Grund spezifische Schwierigkeiten auftreten und die Förderung entsprechend zu planen, durchzuführen und regelmässig zu evaluieren.

Innere Bilder mathematischer Sachverhalte fördern

Erfahrungsgemäss fällt es gerade rechenschwachen Schülerinnen und Schülern oft schwer, die im Mathematikunterricht erfahrenen Inhalte in innere Bilder umzuwandeln, also innere Vorstellungen mathematischer Sachverhalte und somit Bezüge herzustellen. Zur Unterstützung des Aufbaus dieser inneren Bilder können Anschauungs- bzw. Handlungsmaterialien herangezogen werden.

Der maximale Nutzen aus solchen Materialien kann vor allem dann gezogen werden, wenn die getätigten Handlungen explizit gemacht, gegebenenfalls protokolliert und immer wieder besprochen werden.

Weiterführende Literatur:

Scherer, Petra / Moser Opitz, Elisabeth: Fördern im Mathematikunterricht der Primarstufe. Heidelberg: Spektrum 2010

Das Angebot an genannten Materialien ist groß, daher sollen im Folgenden lediglich einige wenige exemplarisch vorgestellt werden.

1. Dienes-Material: Das Dienes-Material besteht in der Regel aus Holz und kann flexibel für alle möglichen mathematischen Inhalte genutzt werden. Der Aufbau des Dienes-Materials besteht aus kleinen Würfeln (sie repräsentieren die Einer), Stäben (Zehner), Platten (Hunderter) und grossen Würfeln (Tausender). Das Material kann sowohl bereits auf der Kindergartenstufe wie auch in der Grundschule verwendet werden. Auch ein Einsatz bei gewissen Themenfeldern,  z. B.in der 5./6. Klasse, ist durchaus denkbar. Zu beachten ist, dass das Dienes-Material an sich unstrukturiert ist, dass also die Struktur (beispielsweise die Fünferstruktur) selbst hergestellt werden muss, um die Ablösung vom zählenden Rechnen zu unterstützen. Weiter verlangt das Dienes-Material nach einer sorgfältigen Einführung und zu Beginn nach einer engmaschigen Begleitung durch die Lehrperson.

2. Alltagsmaterial: Besonders in der Grundschule und Unterstufe kommen häufig Alltagsmaterial im mathematischen Kontext zum Einsatz. Beispiele hierfür können Nüsse, Glasperlen oder Steine sein. Mit diesen Materialien können verschiedene mathematische Kompetenzen trainiert werden, wie beispielsweise die simultane und die quasi-simultane Anzahlerfassung. Wichtig hierbei ist, dass sich die anleitende Lehrperson im Klaren darüber ist, ob die aktuell durchgeführte Übungssequenz auf dem kardinalen (die letztgenannte Zahl einer Zahlwortreihe bezeichnet die Menge der gezählten Objekte) oder dem ordinalen (die Zahl bezeichnet einen Platz in einer Reihe, beispielsweise auf dem Zahlenstrahl) Zählaspekt beruht, da dies gerade bei rechenschwachen Schülerinnen und Schülern möglicherweise für Verwirrung sorgt.

3. Hunderterkette: Die Idee der Hunderterkette entstammt dem Montessori–Material. Häufig ist daher bei den käuflich zu erwerbenden Hunderterketten eine farbliche Anlehnung an die Stellentafel nach Montessori erkennbar. Bei der Hunderterkette (oder, je nach Zahlenraum, der Tausenderkette) handelt es sich um eine Schnur, an welcher hundert (respektive tausend) Perlen aufgezogen sind, welche durch genannte farbliche Strukturierung unterteilt sind (beispielsweise in Zehner).
Die Hunderterkette dient dazu, den linearen Aspekt des Zählens und der Zahlen darzustellen. Ebenfalls können Analogien von kleinen zu grösseren Zahlenräumen ersichtlich gemacht werden. Die Hunderterkette findet vor allem in der Grundschule bzw. Unterstufe Eingang in den Unterricht. Ein grosser Vorteil der Hunderterkette ist die einfache Handhabbarkeit. Auch die Aufbewahrung ist denkbar unkompliziert. Allerdings ist auch hier, wie bei jeder ikonischen Darstellung darauf zu achten, dass das Ziel schlussendlich die Ablösung vom Material sein soll und dass die Hunderterkette unter Umständen dazu geeignet ist, zählendes Rechnen zu fördern. Beides muss beim Einsatz dieses Materials bedacht werden.

Fazit: Abschließend kann gesagt werden, dass der Einsatz von Handlungs- respektive Anschauungsmaterial sorgfältig eingeführt werden muss. Dies ist zeitaufwendig und oft fällt es gerade rechenschwachen Lernenden schwer, sich auf die angebotenen Materialien einzulassen. Jedoch ist der Aufbau innerer Bilder für das Mathematiklernen zentral.

Weiter sollte darauf geachtet werden, dass es nicht zu einer „Materialschlacht“ während des Mathematikunterrichts kommt, sondern dass die Lernenden sich auf wenige, sorgfältig ausgewählte Materialien konzentrieren. Gespräche über die ausgeführten Handlungen sowie gezieltes Nachfragen helfen sowohl Lehrenden wie auch Lernenden dabei, Einblick in die Überlegungen des Gegenübers zu erhalten.

Chantal Daniela Horst

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