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Kreativer Musikunterricht

Hast du Töne?

Das Improvisieren und Komponieren im Musikunterricht stellt für viele Musiklehrer eine Herausforderung dar. Also lässt man es lieber gleich. Dabei kann gerade das kreative Musizieren zu einer besonderen Erfahrung für die Schüler werden.

Kreativer Musikunterricht: Hast du Töne? Schon mit ganz einfachen Instrumenten können sich Kinder musikalisch ausdrücken © Monkey Business - Fotolia.com

„Wann denken wir uns wieder eigene Strophen aus?“, fragt Melanie ihre Musiklehrerin. Nachdem die Schüler in der letzten Woche in Gruppenarbeit eigene Strophen zum Lied „Wenn du glücklich bist“ erfinden durften, ist der Erfindergeist in der Klasse 3c geweckt worden. Die Vorstellung der kreativen und lustigen Kinderideen sorgte für entsprechend großen Applaus, sodass die Schüler den Wunsch äußerten, ihr „eigenes“ Lied sowohl der Nachbarklasse als auch den Eltern am Klassennachmittag vorzustellen.

Eigene Kompositionen — Text, Melodie, Rhythmus, Vertonungen

Ein einfacher Einstieg in die Eigenkreationen der Schüler ist über ein bekanntes Lied möglich, dessen Text verändert oder dessen Strophen neu erfunden werden können. Hier bieten sich weitere Ideen beim Lied „Wenn du glücklich bist“ oder neue Texte beim Lied „Tante aus Marokko“ an. Auch das Lied „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ bietet mit einer einfachen Melodie und Textführung Variations- und Improvisiermöglichkeiten. Kennen die Schüler ein Lied bereits mit Text und Melodie, fällt es leicht, hier silbengenau eine Variation zu erfinden. Am besten gelingen Eigenkompositionen in Gruppenarbeit, um sprachliche und musikalische „Experten“ zu vereinen.

Soll eine Melodie komponiert werden, ist die Notenkenntnis der Schüler von Vorteil. Als Einführungsbeispiel können hier Klangbausteine mit Ganztonschritten verwendet werden (wie c, d, e, g, a oder f, g, a, c, d). Am einfachsten beklebt man einen Würfel mit den Notennamen und lässt die Schüler eine Melodie würfeln. Das Ergebnis können sie dann notieren und auf den Klangbausteinen — rhythmisch variiert — vortragen. Nach den ersten Würfelrunden entstehen sicher schnell eigene Ideen, die notiert und vorgetragen werden können.

Wird ein Rhythmus erfunden, eignen sich Karten mit verschiedenen Notenwerten. Diese können per Zufall gezogen und in eine Reihenfolge gebracht werden. Von den Schülern nachgeklatscht oder auf einem Orff-Instrument gespielt, entsteht hier schnell ein Ohrwurm zum Nachmachen für die ganze Klasse. Ist der Anfang gemacht, kommen die Schüler sicher schnell auf Variationen und Ergänzungen der gefundenen Rhythmen. Wird eine Taktart vereinbart, können die erfundenen Rhythmen als Abschluss mehrstimmig gemeinsam vorgeführt werden.

Möchte man Text und Melodie vereint erfinden, eignet sich ein Werbe-Jingle. Hier einigen sich die Schüler einer Gruppe zunächst auf ein Produkt, malen dieses auf und denken sich dann einen Werbespruch aus. Dieser kann beispielsweise aus den Ideen der Gruppenmitglieder durch Abstimmung oder per Los ermittelt werden. Anschließend wird den Schülern ein Instrument wie Keyboard, Glockenspiel oder Metallophon zur Verfügung gestellt, auf dem eine Melodie erfunden werden kann. Hier bietet es sich zunächst auch an, die Ganztonschritte wie c, d, e, g und a auszuwählen und zu markieren, damit der Song direkt einen geeigneten Klang erhält. Sehr schnell werden die Schüler zu einem Ergebnis kommen und eine „Werbeshow“ der Klasse aufführen können.

In der Regel entwickelt sich nach einer ersten Einheit, in der die Schüler eigene Erfindungen ausprobieren durften — sei es Text, Melodie oder Rhythmus — eine Eigendynamik in der Klasse und alle möchten hier weiter tätig werden.

Das Vertonen von Gedichten oder Geschichten kann ebenfalls ausprobiert werden. Nachdem ein Gedicht gemeinsam mit Orff-Instrumenten und den entsprechenden Klängen (hier bieten sich Naturereignisse wie ein aufziehender Sturm, das Aufblühen einer Tulpe oder Jahreszeiten ebenso wie die Geräusche aus Alltagsszenen an) erarbeitet wurde, können die Schüler hier auch selbstständig tätig sein. Ein Arbeitsblatt mit dem Text wird zunächst an den markanten Stellen, die vertont werden sollen, markiert. Die Schüler tragen hier das Instrument und den Instrumentenspieler ein und üben ihre Ideen ein. Im Anschluss wird das Gedicht vertont vorgetragen. Spannend: Zu dem gleichen Gedicht werden hier von verschiedenen Gruppen unterschiedliche Ergebnisse entstehen. Fächerübergreifend können auch Texte aus dem Deutschunterricht genutzt bzw. neue erfunden werden.

Bewegungen und Tanzideen erfinden

Ein weiterer Bereich für kreative, eigene Ideen stellen die musikalischen Bewegungen und Tanzaktionen dar.

Beginnen kann man hier in Klassen 1 und 2 mit erfundenen Bewegungen zu einem Lied wie „Fliegerlied“ oder „Das rote Pferd“, zu dem die Schüler zu den Textzeilen Bewegungen vorschlagen und mitmachen. Mithilfe von Bildern zu den Bewegungen können sich auch jüngere Schüler die Bewegungen schnell merken und zum Lied entsprechend umsetzen. Klappt die gemeinsame Umsetzung, können sich die Schüler immer mehr in Eigenregie, in Partner- oder Gruppenarbeit Bewegungen zu Liedern ausdenken und diese der Klasse vorstellen. Eventuell können die besten Bewegungsideen für ein Lied auch als Abschluss vor einem Schulpublikums geprobt oder vorgeführt werden.

Viele Schüler bewegen sich sehr gern und haben bereits Vorerfahrungen mit dem Erfinden von Tanzelementen. Im freien Bewegen zu Musik kann dies erfahren werden. Spielt man die aktuelle Musik der Schüler dazu ab, werden einige bereit sein, ihre Tanzelemente vorzuführen. Alle anderen Schüler können dies nachmachen und weiteres eigenes Repertoire einbringen. Der Lehrer kann von den Schülern vorgestellte Tanzschritte notieren. Sind genügend Tanzelemente vorhanden, können diese in verabredeter Reihenfolge von der ganzen Klasse zu einem Lied bzw. Musikstück getanzt werden. Doch auch in Kleingruppen bereitet das Vorbereiten eines eigenen Tanzes Freude.

Bei allen kreativen und kompositorischen Aufgaben, sei es bei Melodie, Text, Rhythmus, Bewegung oder Tanz, kommen meist ungeahnte Talente zum Vorschein und die Schüler werden von ihrer Erfinderfreude gegenseitig angesteckt. Lassen Sie sich als Musiklehrer auf das Abenteuer ein, sich von den Ideen Ihrer Schüler überraschen zu lassen. 

Marion Keil

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