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Musik fachfremd unterrichten

Kinder für Musik begeistern

Musik fachfremd unterrichten zu müssen, ist für viele Lehrer ein einziger Missklang. Praxistipps helfen, Kinder für Musik zu begeistern und gleichzeitig die Lehrplanvorgaben zu erfüllen.

Musik fachfremd unterrichten: Kinder für Musik begeistern Mit diesen einfachen Instrumenten können die Kinder sofort loslegen mit dem Musizieren © koi88 - Fotolia.com

„Was kann ich außer Singen im 3. Schuljahr noch im Musikunterricht behandeln?“, fragt meine Kollegin. Das Fachcurriculum für Musik sieht neben dem Chorgesang noch weitere Elemente des Musikunterrichts vor und bietet eine breite Möglichkeit von informativen und handlungsorientierten Elementen zur Begegnung mit Musik.

Einige Schulen besitzen einen gut ausgestatteten Fundus an Musikinstrumenten (wie Orff-Instrumente, Flöten oder Keyboards) für den Instrumentalunterricht. Andere Schulen sind hier weniger gut sortiert und es ist kein Klassensatz an gleichen Instrumenten vorhanden.

Während die Anschaffung von Flöten aufgrund der geringen Kosten durch Eltern selbst getragen werden kann, sind Glockenspiele oder Keyboards kostspielige.  Eventuell kann man Eltern zu einer Spende motivieren oder der Förderverein wird hinzugezogen. Eine Investition lohnt sich auf jeden Fall, denn Kinder lernen Noten am besten, indem sie ein Instrument spielen lernen.

Erste Noten kennenlernen

Praktisch sollte zunächst die Einführung der Tonleiter, beispielsweise durch eine Geschichte zu den Noten  erfolgen. Die Kinder können, nachdem sie die ersten Notennamen kennengelernt und die ersten Töne auf ihrem Instrument gespielt haben, anhand ihres Notenhefts in ihrem eigenen Tempo mit dem Instrument eigenständig üben. Hierzu wäre es aufgrund des Lärmpegels ideal, wenn zuverlässige Schüler in freien, nahegelegenen Räumen der Schule wie Musikraum, Aula, Flur, Nachbarklassenraum o. Ä. üben könnten.

Der Lehrer begleitet den Übungsfortschritt seiner Schüler dadurch, dass er von Schüler zu Schüler geht und sie darin unterstützt, die  Notation der Notennamen zu verstehen und sie musizierend umzusetzen.

Vorbereitend oder parallel dazu bietet sich zur Festigung eine Stationsarbeit zur Notenlehre an. Eine geplante gemeinsame Aufführung motiviert die Kinder zusätzlich, ihr erstes Stück einzuüben.

Allerdings erweist sich dabei das synchrone Spielen oftmals als schwierig. Lassen Sie gegebenenfalls jeweils nur harmonisch miteinander musizierende Kleingruppen eine Strophe spielen. Wählen sie am besten ein sehr einfaches Lied mit zunächst nur drei Tönen wie „Mary had a little lamb“ etc. So haben die Kinder schnell Erfolgserlebnisse, wagen sich an weitere Notenschritte und lernen dabei automatisch Noten lesen und wiedererkennen.

Instrumente entdecken

Nach der Einführung erster Instrumente zum Selbstspielen, können dann weitere Instrumentengruppen in den folgenden Jahrgängen eingeführt werden. Zur Vorstellung der Instrumente sollte am besten das Instrument selbst, zumindest aber ein Bild vorhanden sein. Auch Hörbeispiele untermalen die Vorstellung und das Erinnern an das Instrument. Hier gibt es im Handel genügend Möglichkeiten für CDs oder auch Videos. Bei YouTube finden sich ebenfalls gute Hörbeispiele mit passenden Videoclips dazu. Dabei sollen die Schüler auch erfahren, wie der Ton bei dem jeweiligen Instrument erzeugt wird und wie es zu spielen ist.

Weiterführende Links:

Zum Notenlernen ein digitales Bilderbuch für Kinder über Noten und die Tonleiter

Musikinstrumente kennenlernen kann man hier.

Musikinstrumente lernen mit Flunkeblunk.

Komponisten kennenlernen

Eine Unterrichtseinheit zu Komponisten ist für fachfremd unterrichtende Musiklehrer einfach zu realisieren. Spannend finden die Kinder oft die Lebensgeschichte der Komponisten. Dabei ist immer wieder auffällig, dass sie sich weniger an Jahreszahlen des Lebenslaufes erinnern können, sondern an kleine Anekdoten: zum Beispiel, dass Ludwig van Beethoven auch nachts den Freunden des Vaters vorspielen musste und Wolfgang Amadeus Mozart mit verdeckten Noten spielen konnte.

Steht hier kein ausreichendes Material zum Lebenslauf zur Verfügung, können die Schüler dazu im Internet recherchieren, um beispielsweise ein Plakat oder einen Steckbrief zum Komponisten zu gestalten und dieses Ergebnis der Klasse zu präsentieren. Hier sollten beispielhafte Kompositionen am besten mehrmals als Hörbeispiel präsentiert werden, damit die Kinder auch später die Musik dem Komponisten zuordnen können. Zum Abschluss der Erarbeitung der Komponisten bietet sich daher ein Musikrätsel an: Wer hat diese Musik komponiert?

Rhythmus erleben

Rhythmusinstrumente faszinieren Schüler und Lehrer wegen der einfachen Handhabung. Vor der Einführung dieser Instrumente kann zunächst mit „Körperinstrumenten“ gearbeitet werden. Der Lehrer wird feststellen, dass gemeinsames Patschen, Klatschen, Schnipsen etc. im Chor einiger Übung bedarf. Ist hier ein gemeinsames Maß gefunden, so wird die Übung auf die Rhythmusinstrumente verlagert. Hier geht es zunächst um ein Kennenlernen und Benennen der Instrumente.

Einen eigenen Rhythmus in einer Kleingruppe zu erarbeiten oder auszudenken und der Klasse zu präsentieren, stellt die erste Anforderung dar. Wenn ein Klangpaar der Instrumente gefunden wurde (wie beispielsweise Chickenshaker und Maracas, Cabasa und Schellenkranz, Triangel und Becken, Armglocke und Glockenspiel), können diesen Instrumentenpaaren Klangeigenschaften wie fröhlich, traurig, laut etc. zugeordnet werden. Danach bietet es sich an, ein Lied, eine Geschichte oder ein Gedicht mit den passenden beschreibenden Instrumenten zum Text zu vertonen. Auch dies kann durch einzelne Gruppen oder mit der ganzen Klasse aufgeführt werden.

Musik in Tanz übersetzen

Musik und Tanz gehören zusammen, verbinden sich doch hier Melodie und Rhythmus mit Bewegung. Aber gerade das Tanzen ist nicht immer beliebt. Wenn einige Jungen oder Klassen hören, dass sie Tanzen sollen, so geht hier oft die Motivation gegen Null. Ein fachfremd unterrichtender Lehrer lässt sich hier leicht abschrecken, daher hier ein paar taktische Tipps: Es ist geschickt, eine geplante Tanzaktion nicht vorher anzukündigen!

Tanz im Musikunterricht hat viele Facetten. Durch spontane Bewegungen im Klassenraum werden alle Kinder begeistert. Zunächst sollte die Aufgabe für die Schüler sein, sich zu unterschiedlicher Musik im Klassenraum zu bewegen. Dabei sollten rockige, aber auch verträumte Musikstücke ausgewählt werden.

Eine Reflexion im Anschluss, zu welcher Musik die Kinder sich am besten bewegen konnten, liefert erste Ideen für ein gemeinsames Tanzstück. Die besten Bewegungen könnten von den Kindern im Klassenraum vorgemacht und von der restlichen Klasse nachgeahmt werden. Hierbei werden meist bereits verwertbare Tanzelemente für einen gemeinsamen Tanz präsentiert.

Nachdem die Kinder ihre eigenen Ideen vorgeführt haben, kann der Lehrer Tanzelemente zusammenfügen und zur Nachahmung vormachen. Und schon hat die Klasse einen ersten eigenen Tanz entwickelt. Sicher sind die Kinder jetzt auch bereit, mehrere Tanzelemente zusammenzusetzen und gemeinsam ein passendes Musikstück dazu auszuwählen. Zum Einüben stellen sich die Kinder am besten versetzt in Reihen auf.

Klappt diese erste Tanzerfahrung gut, so kann ein weiterer, eventuell durch Tanzschritte vorgegebener Kreistanz oder Square Dance eingeübt werden. Ideal ist es, alle musikalischen Ausdrucksformen, wie Lied,  Instrumentenspiel und Tanzelemente, miteinander zu verbinden und als kleines  Musical  bzw. Musik-Theater zum Beispiel zu Einschulung aufzuführen. Denn: Gemeinsames Musizieren ist ausgesprochen motivierend.

Marion Keil

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