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Leseförderung

Kinder zum (Bücher)-Lesen verführen

Wie bringt man Schüler dazu, sich die Welt der Bücher zu erobern? — Indem man das Lesen immer wieder zum Abenteuer werden lässt und spannende Lektüre dafür bereithält. Lesen soll so viel Spaß bringen, dass die Kinder nach weiterem Lesefutter verlangen.

Leseförderung: Kinder zum (Bücher)-Lesen verführen Eine Bibliothek regt zum Stöbern und Schmökern an. Hier findet fast jedes Kind „sein“ Buch, das neugierig aufs Lesen macht © Duplass/shutterstock.com

Das erste eigene Buch kann für Kinder der Start in ein lebenslanges Leseabenteuer bedeuten, das den Hunger auf weitere Lektüre erwachen lässt. Wie aber können es Grundschullehrkräfte schaffen, den Lesehunger ihrer Schüler zu wecken und das Interesse am Buch zu erhalten? 

Am besten, indem man das Lesen eines Buches zum Abenteuer macht und den Kindern interessante Anlässe bietet, sich mit Literatur auseinanderzusetzen. Dies kann durch kleinere und größere Maßnahmen, die sich in den Schulalltag integrieren lassen gelingen. Voraussetzung dafür ist, allen Kindern den Zugang zum Buch und damit auch das „hineinschnuppern“ zu ermöglichen.

So kommt das Kind zum Buch

Es gibt viele Möglichkeiten, Kindern einen Anreiz zu bieten, Bücher kennenzulernen und sie zum Lesen zu verführen. Hier sollen einige besonders motivierende Beispiele genannt werden:

  • Die Leseecke im Klassenzimmer: Im Klassenzimmer kann durch einen Sichtschutz oder ein Regal eine kleine Leseecke abgetrennt werden, die durch bequeme Sitzgelegenheiten wie Sessel, Sitzsäcke, Kissen oder Matratzen ergänzt wird. So wird die Leseecke schnell zu einem begehrten Lernort für die Kinder. Die Bereitstellung von Lesematerial kann auch auf einem Büchertisch stattfinden. Weiterhin können mitgebrachte und eigene Bücher und Zeitschriften angeboten werden. Flohmarkt, Mängelexemplare aus dem Buchhandel und Buchspenden sind Möglichkeiten günstig an Bücher zu kommen.
  • Die Gemeindebibliothek: Die örtlichen Bibliotheken bieten in der Regel die Möglichkeit kostenlos über einen Klassenausweis Bücher auszuleihen. Die Mitarbeiter sind Experten für aktuelle Kinderliteratur und Leseförderung. Sie erklären den Kindern wie die Bibliothek funktioniert und organisieren zahlreiche Aktionen anlässlich des „Internationalen Kinderbuchtages“ und dem „Welttag des Buches“. Darüber hinaus gibt es Autorenlesungen, thematische Bücherkisten zum Ausleihen für das Klassenzimmer sowie die Vermittlung von Lesepaten.
  • Die Klassenlektüre: Eine Klassenlektüre bietet Lesestoff über einen längeren Zeitraum und führt die Kinder zum Buch hin. Die Schüler entscheiden sich gemeinsam für ein Buch, mit dem sie sich intensiv beschäftigen wollen oder die Lehrkraft gibt eine gemeinsame Lektüre vor. 

Als Ergänzung werden oftmals Lesebegleithefte zu einem Buch von Verlagen angeboten und sind speziell auf den Inhalt der gemeinsamen Klassenlektüre abgestimmt. Die Kinder setzen sich anhand der Zusatzaufgaben intensiv mit dem Gelesenen auseinander.

Ein Lesetagebuch formuliert die Arbeitsaufträge freier. So kann jedes Kind individuell zu seiner Lektüre damit arbeiten und kreativ ein „Buch zum Buch“ gestalten.
Im Vordergrund steht, dass die Schüler eine Wertschätzung ihrer Lese- und Gedankenarbeit erfahren und mit Freude und Kreativität bei der Sache sind. Sie setzen sich intensiv mit dem Inhalt auseinander und tauschen sich mit anderen über das Gelesene aus.

Lesen als Abenteuer

Entscheidend für eine nachhaltige Lesekultur ist es jedoch, Lesen als Abenteuer zu vermitteln. Nichts eignet sich besser dazu als eine Lesenacht. Hierbei verbringt die Klasse eine Nacht in der Schule, in der das Lesen im Mittelpunkt steht. Den meisten Kindern bleibt dies als unvergessliches Erlebnis während ihrer Schulzeit in Erinnerung. Die Schule in der Nacht gemeinsam mit den Mitschülern und Lehrern zu erleben — als einen Ort des Vorlesens, des Austausches über Texte, des Schmökerns bis tief in die Nacht — hinterlässt einen bleibenden Eindruck. 

Eine Lesenacht fördert die Klassengemeinschaft und nicht wenige Kinder erfüllt es mit Stolz, einmal ohne Eltern eine Nacht verbracht zu haben. Die Schüler setzen sich intensiv mit Büchern auseinander, tauschen sich mit anderen über das Gelesene aus und erleben die Lehrkraft und die Klassengemeinschaft außerhalb des Unterrichtsalltags. Ganz nebenbei erleben sie auch, dass Lesen nicht „einsam“ macht, sondern etwas sehr Kommunikatives beinhaltet.

Bücher präsentieren

Bereits ab der 2. Jahrgangsstufe können Kinder ein Buch ihrer Wahl, das sie zu Hause gelesen haben, der Klasse vorstellen. Begleitend zur Buchvorstellung kann ein Plakat oder eine Lesekiste gestaltet werden, die den Inhalt des Buches veranschaulicht und die Kinder dazu verführt, sich intensiv und kreativ mit der Lektüre auseinanderzusetzen. Als Lesekisten werden hier Schuhkartons bezeichnet, die im Verlauf eines Leseprozesses passend zu einem Buch oder zu einem Autor gestaltet und mit passenden Gegenständen gefüllt werden. — Spannend, wenn die Mitschüler dann in den verschiedenen Leseschatzkästchen nachsehen dürfen.

Zeit zum Lesen und Vorlesen

Kinder brauchen Zeit für ihr „Leseabenteuer“. Daher sollten freie Lesephasen regelmäßig in den Unterrichtsalltag integriert werden. Es bietet sich die Vorviertelstunde an, eine Viertelstunde nach der Pause oder auch die letzte Unterrichtsstunde vor dem Wochenende. 

Auch das Vorlesen spannender Stellen aus Büchern kann den Lesehunger bei Schülern wecken. Die Kinder können sich gegenseitig aus ihrem Lieblingsbuch vorlesen, Lesepaten werden eingeladen oder die Lehrkraft selbst liest regelmäßig vor. 

Wichtig ist, die Schüler bei der Hinführung zum Buch nicht zu überfordern und sie durch interessante und abwechslungsreiche Angebote zu locken. In einer anregenden Leseumwelt mit vielfältigen Lesesituationen und Lesevorbildern können sich Kinder schon ab der 1. Jahrgangsstufe auf den Weg ins Leseabenteuers machen.

Nadja Bee

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