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Leseförderung

Leselust statt Lesefrust — das Lesetagebuch als Lektürebegleiter

Lesen bringt Spaß, wenn man seinen Lesefortschritt durch kreative Aufgabenformate in einem Lesetagebuch dokumentieren und präsentieren kann. Das motiviert selbst Lesemuffel und leistungsschwächere Schüler.

Leseförderung: Leselust statt Lesefrust — das Lesetagebuch als Lektürebegleiter Lesen kann so viel Spaß bringen, dass Kinder nur noch in ihre Lektüre vertieft sind © detailblick-foto - Fotolia.com

„Schau mal, Frau Müller, gestern habe ich einen Brief an die Hauptperson unseres Buches geschrieben!“, verkündet Julia stolz. Zu Beginn der Deutschstunde dürfen einige Schüler die Hausaufgabe, die sie in ihr Lesetagebuch notiert haben, vorstellen. Während des Lesens der Klassenlektüre haben die Schüler die Möglichkeit, vielfältige Aufgaben in ihrem Lesetagebuch zu notieren. Durch die differenzierte Aufgabenstellung in den Bereichen Gestaltung, kreative Umsetzung durch Kunst oder Theater, Schreibaufgaben zum Text oder in der Weiterführung sowie der Möglichkeit, eigene Ideen einbringen zu können, werden die Hefte schnell mit produktiven Ideen gefüllt. Während der Arbeitsphasen in der Schule dürfen die Schüler auch Aufgaben gemeinsam erledigen, vorausgesetzt, jeder notiert die Ideen in seinem eigenen Heft. So ist ein Lesetagebuch nicht nur eine Aufarbeitung des gelesenen Buches, es enthält viele eigene Überlegungen dazu und ist ebenso eine wertvolle Erinnerung für jeden einzelnen Schüler.

Beginn und Organisation des Lesetagebuchs

Nachdem die Schüler im Umgang mit Lektüren viele Erfahrungen gesammelt haben, bietet sich in Klasse 4 die eigenständige Lesearbeit mit Dokumentation in einem Lesetagebuch an. Bei der Aufgabenfülle ist es für das selbstständige Arbeiten wichtig, Pflichtaufgaben oder eine Anzahl an zu erledigenden Aufgaben vom Lehrer vorzugeben, um ein zügiges, effektives Arbeiten zu fördern. Zunächst kann gemeinsam der Klappentext des Buches gelesen und ein Deckblatt zum Buch gestaltet werden. Es bietet sich auch an, die Seite des Inhaltsverzeichnisses gemeinsam zu gestalten, ebenso wie den Autorensteckbrief. Nachdem die Schüler ihre eigenen Vermutungen zum Buch notiert haben, können die eigenen Aufgaben vorgestellt und individuell erledigt werden.

Schreibaufgaben zum Inhalt des Textes

Nach dem Lesen eines Kapitels können die Schüler sich eine Schreibaufgabe auswählen. Wenn diese zunächst nah an den Text angelehnt ist, werden auch leistungsschwache Schüler Ideen dazu haben. Dafür bietet sich zum Beispiel eine Zusammenfassung des Kapitels an. Zuvor können in einer Mindmap wichtige Stichpunkte gesammelt werden, mit deren Hilfe die Schüler den Inhalt in eigenen Sätzen formulieren. Eine einfachere Variante besteht darin, Stichpunkte zum Kapitel in der Reihenfolge der Erzählung zu notieren.

Ebenso lässt sich eine Personenbeschreibung der/des Protagonisten im Buch erstellen und eventuell eine Seite, mit einer Zeichnung der beschriebenen Person gestalten.

Die Aufgabe, eine spannende, interessante oder besondere Textstelle eines Kapitels abzuschreiben, scheint einfach. Sie ist aber durch die später auch zu begründende Auswahl wichtig, um zu zeigen, ob der  Inhalt verstanden wurde.

Als weitere Idee — und mehr in Richtung freies Schreiben — kommt eine Nacherzählung infrage: Hier können die Schüler den gelesenen Text mehr ausschmücken als in einer Zusammenfassung.

Kreative Schreibideen als individuelle Herausforderung

Um die Schüler mit ihrer Gedanken- und Gefühlswelt zum Text mit einzubeziehen, können kreative weiterführende Schreibideen angeboten werden. Leistungsschwache Schüler können ihre Ideen hier gegebenenfalls mit leistungsstärkeren Schülern zuvor austauschen.

Eine Weiterführung des Kapitels zu ersinnen ist eine anspruchsvolle, aber auch kreative Herausforderung. Ebenso können eigene Gedanken und Ideen zum Kapitel notiert werden: Hätte man ähnlich gehandelt? Findet man die Szenen realistisch? etc. sind Fragen, die bei dieser Aufgabenstellung weiterhelfen.

Wenn die Schüler einen Tagebucheintrag zu einer Hauptperson des Buches schreiben dürfen, dann müssen sie sich intensiv mit dieser Person beschäftigen und in sie hineinversetzen: Was hätte sie nach diesen Erlebnissen wohl in ihr Tagebuch geschrieben?

Sehr kreativ wird es, wenn Schüler zu einem Kapitel ein Gedicht verfassen sollen. Auch ein Akrostichon als Gedichtform, bei dem zu einem markanten Wort des Kapitels zu jedem Buchstaben dieses Wortes ein weiteres Wort mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben geschrieben wird, kann passend zum Kapitel gestaltet werden.

Die Schüler, die die Handlung in mit eigenen Worten verändern würden, könnte es richtig sein, ein Kapitel umzuschreiben: Wie hätten die „Autoren“ der Klasse den Verlauf der Geschichte beschrieben?

Auch ein Brief an eine Person des Buches ist eine gute Schreibübung und steigert die Lesemotivation. Nicht zuletzt ist ein Feedback an den Autor motivierend. Hier können die Schüler schreiben, was sie am Buch positiv bewerten — und es kann sogar geschrieben werden, was sich die Schüler für eine Fortsetzung der Geschichte wünschen würden.

Fächerübergreifende Ideen für das Lesetagebuch

Ein Lesetext bietet sich immer auch für fächerübergreifende Angebote an. Natürlich kann ein Kapitel pantomimisch, als Rollenspiel oder als Theaterstück in Szene gesetzt werden. Ebenso kann das Geschehen künstlerisch als Bild oder als Bastelobjekt widergegeben bzw. umgesetzt werden. Der Fantasie der Schüler sind hier keine Grenzen gesetzt.

Oftmals bietet Literatur auch sachliche Informationen. So können zum Beispiel über ein vorkommendes Tier, eine Landschaft, eine Zeitepoche oder Ähnliches weitere Informationen recherchiert, gesammelt und notiert werden.

Gegenseitige Inspiration

Die Aufgaben können in der Schule und auch als Hausaufgabe bearbeitet werden. Hilfreich für die gegenseitige Inspiration ist es, wenn die Schüler sich zu Beginn jeder Arbeitsphase ihre Ergebnisse vorstellen. Oft kommen dann eigene Ideen hinzu und viele Schüler merken, welche Aufgaben noch ideenreich und lohnenswert für das eigene Buch gestaltet werden können. Es ist unbedingt empfehlenswert, den Schülern neben den vorgegebenen Lehreraufgaben auch Raum für eigene Ideen zu lassen. Diese können nach Vorstellung im Plenum bei Gefallen auch an einer Pinnwand als zusätzliche Aufgabenmöglichkeit für alle notiert werden.

In der Regel begeistern die Schüler die eigenständige Arbeit und das freie Auswählen von jeweils zum Kapitel passenden Aufgaben. Sie können viele eigene Ideen im Leseprozess einbringen. Die Sinnerfassung ist hier zwingend notwendig und es entsteht nicht zuletzt ein eigenes Werk, das man mit viel Arbeit kreativ und ideenreich gestaltet hat und gern präsentiert.

Vielleicht können die Lesetagebücher sogar einer anderen Klasse oder der Elternschaft auf einem Klassenfest präsentiert werden. So wird die Begeisterung für das Lesen auch bei anderen geweckt und alle erinnern sich sicher noch lange an das tolle Buch.

Marion Keil

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