Fach/Thema/Bereich wählen
Leseförderung

Lesezeiten: Leseanfänger fürs Lesen begeistern

Spannende Geschichten und gute Vorleser können Schüler für das Lesen begeistern. Eine fest installierte Lesestunde bietet Anreize, selbst laut vorzulesen, aufmerksam zuzuhören und die weite Welt der Bücher zu entdecken.

Leseförderung: Lesezeiten: Leseanfänger fürs Lesen begeistern Ein spannendes Buch und Zeit zum Zuhören: Schüler lieben es, wenn Geschichten vorgelesen werden © contrastwerkstatt - Fotolia.com

„Liest du heute gar nicht vor?“, fragt eine Schülerin während der Frühstückszeit. Die Schüler sind neugierig, wie die Geschichte von gestern weitergeht und fordern die Einhaltung dieses liebgewonnenen Rituals. Dabei spielt die Auswahl der Vorlesebücher eine entscheidende Rolle: Die Lektüre sollte dem Entwicklungsstand der Kinder entsprechen. Ein Buch ist schnell „zu langweilig“ oder „zu beängstigend“ oder gar für die Schüler uninteressant, wenn man dies nicht bedenkt.

Der Vorlesende merkt die Begeisterung oder das Desinteresse am Buch schnell. Ein interessantes Buch „fesselt“ die Zuhörer: Während des Vorlesens sind alle Kinder so aufmerksam, dass es schnell sehr still wird und alle den Vorleser anschauen.

Lebendiges Vorlesen weckt Interesse an Lektüre

Es kommt auch auf die Art des Lesens und Vortragens an, um die kleinen Zuhören in die Geschichte zu ziehen. Ein paar Regeln sollte der Vorlesende beachten:  Das Lesen muss in einem angemessenem Tempo und mit geeigneter Betonung erfolgen, sodass die Schüler dem Inhalt  folgen können. Während des Vorlesens sollte der Vortragende so oft wie möglich seine Zuhörer anschauen und mit Mimik und Gestik den Inhalt unterstützen. Durch Lautstärke und Tempo kann zusätzlich Spannung erzeugt werden. Wenn beispielsweise die Hauptperson im Boot auf einen reißenden Wasserfall zusteuert, wird es durch schnelleres Vorlesetempo für die Schüler immer spannender. Hingegen wird das Betreten einer alten Burgruine durch langsames, flüsterndes Sprechen immer gruseliger.

Viele Lehrer stellen die Dramatik des Buches auch durch Bewegungen dar und stehen und laufen während des Vorlesens gern vor dem Schüler-Publikum hin und her. Ob dies unterstützend von Vorteil oder ein ruhiges Sitzen angenehmer ist, muss jeder Vorleser selbst entscheiden.

Leseförderung durch feste Vorlesezeiten

Regelmäßiges Vorlesen kann wie bereits erwähnt während der Frühstückszeiten im Klassenraum stattfinden. Alternativ können auch begleitende Lesestunden vom Lehrer und/oder Eltern während oder nach dem Regelunterricht initiiert werden. Eine weitere Möglichkeit stellt eine regelmäßig stattfindende  Vorlesestunde der gesamten Schule dar. Hierzu können sich die Schüler der Schulgemeinde (oder bei größeren Schulen einer Jahrgangsstufe) jahrgangsübergreifend für Bücher, die vorgelesen werden sollen, entscheiden.

Die Vorleser hängen dazu Plakate mit dem Titel, dem Autor, der Altersempfehlung, dem Vorleseort und evtl. auch ihrem Namen auf. Passend zur Farbe des Plakats können sich die Schüler am Vortag der Lesestunde als Einladung klassenweise eine Karte ziehen. Als Vorleser für diese Stunde kommen zunächst alle Lehrer der Schule infrage. Doch es lassen sich auch andere Vorleser gewinnen: Denkbar sind hier Praktikanten, Erzieherinnen der Betreuungseinrichtungen, Großeltern oder Eltern. Spannend finden es die Schüler auch, wenn „prominente“ Gäste wie die Erzieherinnen der ehemaligen Kitas, Busfahrer, Fußballtrainer, Klavierlehrer, Bürgermeister, Hausmeister, Reinigungsfrau, Bäcker, Metzger oder ähnliche Personen aus ihrem Umfeld vorlesen. Ende Klasse 4 sind viele Viertklässler bereits gute Vorleser, sodass die Klassen 4 die Vorlesestunde organisieren können.

Materialien zur Leseförderung:

Diagnostik: Hamburger Leseprobe, Würzburger Leiseleseprobe, Stolperwörter-Lesetest

Onlineportale: Antolin, Leseludi

Lesestunden fördern Lesebegeisterung

Da das laute Lesen im Unterricht oft zu kurz kommt, weil es zu viel Unruhe bringt bzw. sehr lange dauert, bis alle Kinder vorlesen durften, bietet sich hier eine Lesestunde mit Unterstützung von Eltern an — falls sich Eltern dazu bereit erklären. Alternativ können Großeltern gefragt werden oder der Lehrer wählt Lesepartner für die Lesezeit aus, die sich gegenseitig vorlesen und unterstützen können.

In den entstehenden Kleingruppen können die Kinder unterstützendes, individuell angepasstes Material bearbeiten, das den Leseprozess steuert und zum Leseverständnis beiträgt. Hier wäre auch der Raum für Schüler, eigene, mitgebrachte Bücher zu lesen und auch selbst vorzulesen. Motivierend für Lesebegeisterte ist es, ein Kapitel leise lesend vorzubereiten, um es dann dem Publikum zu präsentieren. In dieser Kleingruppen-Phase können auch Buchpräsentationen geübt, die Schulbücherei für neues Lesematerial besucht oder Bücher von den Kinder von zu Hause mitgebracht, ausgestellt und getauscht werden.

Leseförderung für leseschwache Kinder

Der Leseprozess wird im 1. Schuljahr begleitet von Abhörübungen der Buchstaben in Wörtern und dem Erlesen von ersten Wörtern, deren Buchstaben im Unterricht behandelt bzw. von den Kindern gekonnt werden. Ist das „Zusammenschleifen“ von Buchstaben erst verstanden, so benötigen die meisten Schüler Übung, um schnell immer sicherer und flüssiger lesen zu können.

Während die meisten Schüler schnell Leseerfolge haben, bleiben in der Regel einige Schüler auf der Strecke. Sie versuchen durch auswendig gekonnte Fibelwörter,  ihre Leseunsicherheit zu verstecken und scheitern an Sätzen und längeren Texten. Durch die Leseunsicherheit kommen schnell Probleme in anderen Fächern hinzu, da auch Texte in Sachaufgaben in Mathematik, Experimentieranweisungen im Sachunterricht etc. nicht erlesen werden können. Deshalb muss die Lesediagnostik und -förderung sehr früh ansetzen. Einfache Wörter und Sätze zum sinnerfassenden Lesen bringen Aufschluss, ob Schüler lesen können oder noch Probleme im Verbinden von Lauten haben. Hier ist es wichtig, diese Schüler vom Wort- ins Silbenmaterial zurückzuführen. Oftmals werden die einzelnen Buchstaben beherrscht, aber ein Wort mit vielen Silben kann noch nicht aufgeschlüsselt werden.

Viele Verlage bieten hier zweifarbiges Silbenmaterial an, das die Wörter bereits in Silben unterteilt und diese Leistung zunächst nicht vom Lesenden verlangt. Wird das silbierte Lesen gekonnt, so geht die Leseförderung mit der Sinnentnahme weiter. Immer wieder muss dabei hinterfragt werden, ob die Schüler wissen, was sie lesen. Hier ist es hilfreich, mit Schülern in Förderstunden oder Kleingruppen zu arbeiten, um sie nach dem Inhalt zu fragen.

Für Schüler, die den Leseprozess und die Sinnentnahme verinnerlicht haben, kann das Lesen durch regelmäßiges Lesen geübt werden. Hierzu ist die Integration von vielen Lese- und Vorlesezeiten in den Deutschunterricht sinnvoll. Ein sogenannter „Lesepass“ für zu Hause motiviert die Kinder zum Lesen. Anfänglich zehn Minuten täglich üben die Schüler das Vorlesen und Lesen. Diese Zeiten werden von den Eltern im Pass notiert.

Neben anregender Literatur gibt es auch Online-Leseportale für Schüler, die das Lesen und die Sinnentnahme durch Fragen zum Text unterstützen. Anreiz für die Übernahme von Lesetipps wie angemessenes Tempo, geeignete Betonung, Satzmelodie etc. erhalten die Schüler durch Tipps ihrer Klassenkameraden beim gegenseitigen Vorlesen oder Vortragen von vorbereitetem Lesematerial vor der Klasse. Auch hier empfiehlt sich die Vorstellung von eigenen Büchern, da die Schüler am besten wissen und empfehlen können, was ihnen gefällt — und andere zum Schmökern verleiten könnte.

Marion Keil

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Fachunterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×