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Unterrichtsideen

Matheförderung: effektiv und zeitsparend

Damit Schüler/-innen mit Rechenschwierigkeiten im Mathematikunterricht nicht auf der Strecke bleiben, muss Förderunterricht etabliert werden. Am besten motivierend und effektiv für die Lernenden und zeitsparend für die Lehrenden.

Unterrichtsideen: Matheförderung: effektiv und zeitsparend Ansprechende Materialien helfen den Kindern, die Welt der Zahlen besser kennenzulernen © wittayayut - stock.adobe.com

Mathematik ist für viele Kinder besonders schwierig, wenn sie beim Lernen und Üben auf sich allein gestellt sind. Das gilt besonders dann, wenn sie zu Hause wenig kompetente Unterstützung bekommen. Deshalb haben sich während des Corona-bedingten Lockdowns gerade bei Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Familien die Lücken im Fach Mathematik weiter vergrößert. – Vermehrter Förderunterricht wäre also erforderlich, damit diese Kinder nicht auf der Strecke bleiben.

Doch an Grundschulen in vielen Bundesländern gab es schon vor Corona einen eklatanten Lehrermangel, wie eine bundesweite Umfrage unter rund 4000 Lehrer/-innen bestätigt. Und nachdem jetzt auch noch viele Lehrkräfte für den Präsenzunterricht ausfallen, weil sie über 60 Jahre alt und/oder gesundheitlich vorbelastet sind, hat sich die Situation weiter drastisch verschärft. 

Wenn es an allen Ecken und Enden an Lehrer/-innen fehlt, fällt vor allem eines durchs Raster: der Förderunterricht. So gaben 59 Prozent der Lehrkräfte an, „dass Förderangebote gestrichen“ werden (ebd., S. 1 des PDFs). Der folgende Beitrag gibt Ihnen Ideen und Materialien an die Hand, mit denen Sie Ihre Schüler/-innen effektiv fördern und dabei doch Ihren eigenen Aufwand in Grenzen halten. 

Neue Ressourcen mobilisieren

Erhöhter Förderbedarf auf der einen Seite, fehlende personelle Ressourcen auf der anderen Seite – wie lässt sich dieses Problem lösen? In Dänemark etwa verkürzen viele Grundschulen den Schultag „für einige Schüler“, um sich dann vermehrt um die Kinder zu kümmern, die ins Hintertreffen geraten sind, wie die Berliner Zeitung in einem Beitrag über Draußenschulen berichtete. 

Eine andere Möglichkeit ist es, externe Partner für den Förderunterricht zu gewinnen. Im Idealfall sind das fachlich versierte Kräfte, wie zum Beispiel Lehramtsstudenten höherer Semester der nächstgelegenen Universität, pensionierte Lehrkräfte, die die Schüler/-innen per Videokonferenz (vermindertes Ansteckungsrisiko!) beim Mathematik-Lernen begleiten, oder auch Mitarbeiter/-innen eines benachbarten Nachhilfeinstituts, die bereits Erfahrungen mit Grundschulkindern sammeln konnten. 

Möglicherweise gelingt es Ihnen auch, innerhalb der „Schulfamilie“ Unterstützer/-innen für die Förderung zu gewinnen: mathematik-affine Eltern, möglichst auch solche mit Migrationshintergrund, um eventuelle Sprachbarrieren zu überwinden, oder auch Schüler/-innen höherer Klassen, die Sie mit Materialien versorgen und im Vorfeld „coachen“. 

Materialien für Förderung, Fortbildung und Coaching

Das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM) wurde im Jahr 2011 von der Deutschen Telekom Stiftung initiiert. Es besteht aus Mathematikdidaktiker/-innen von neun Hochschulstandorten, die Mathematiklehrkräfte mit praktischen Arbeitshilfen und Informationen unterstützen. 

Im Projekt PIKAS haben die Wissenschaftler „forschungsbasierte, praxiserprobte Materialien und Konzeptionen zur Umsetzung guten Mathematikunterrichts mit Videos, Handreichungen, Links“ zusammengetragen. Von den insgesamt zehn verschiedenen Themenbereichen (= 10 „Häuser“) unter dem Menüpunkt „Material PIK“ widmen sich fünf den zentralen Aspekten des Förderunterrichts: „Rechenschwierigkeiten“, „Sprachbildung“, „Heterogenität“, „Lernstände wahrnehmen“ und „Beurteilen und Rückmelden“. Zu jedem dieser „Häuser“ finden Sie eine Vielzahl von gut strukturierten Materialien bzw. Links zu Materialien auf Partnerseiten. 

Im Haus „Rechenschwierigkeiten“ sind das beispielsweise:

  1. Fortbildungsmaterialien mit dem methodischen und didaktischen Grundlagenwissen, ideal auch für (Quer-)Einsteiger, fachfremd Unterrichtende oder zur fachlichen Schulung von Kollegen, Eltern usw.
  2. Unterrichtsmaterialien, „die zur Auseinandersetzung mit Ursachen und Merkmalen von Rechenschwierigkeiten anregen“. Sie widmen sich etwa der Ablösung vom zählenden Rechnen, der Entwicklung des Stellenwertverständnisses, dem Aufbau von Operationsvorstellungen oder zeigen, wie ein hilfreicher Umgang mit Darstellungsmitteln (100-er Feld, Zahlenstrahl, Einer- und Zehnerkarten etc.) erzielt werden kann. Hinzu kommt eine Vielzahl von kompetenzbezogenen Übungsmöglichkeiten: 1+1, 1-1, 1x1, 1:1, Blitzrechnen, Zahlvorstellung.
  3. Informationsmaterialien, zum Beispiel Elterninfos mit Tipps zum Üben, Informationsplakate fürs Klassenzimmer (zur Förderung des „schnellen Kopfrechnens“ etc.), Videos, die richtiges Üben veranschaulichen, Literaturtipps und weiterführende Links zu dem komplexen Thema „Rechenschwierigkeiten“ u.v.m.

Alles für Lernstandermittlung und fachspezifische Sprachbildung

Mit den PIK-Materialien ziehen Sie beim Förderunterricht alle Register. Wenn Sie beispielsweise den individuellen Lernstand jedes Schülers und jeder Schülerin ermitteln möchten, gibt Ihnen die Seite „Haus 9: Lernstände wahrnehmen“ dafür verschiedene Instrumente an die Hand: Der „Mathebriefkasten“ etwa arbeitet mit Diagnoseaufgaben, die die Kinder innerhalb von fünf bis zehn Minuten bearbeiten. Dabei halten sie ihre individuellen Aufgabenbearbeitungen und Erklärungen in einem „Brief“ fest, den sie dann, adressiert an die Lehrkraft, in den „Mathebriefkasten“ (gelb beklebter Schuhkarton mit Schlitz) werfen. – In regelmäßigen Abständen genutzt, können Sie mit dieser Methode kontinuierlich Lernstände wahrnehmen und dokumentieren. Auch zu weiteren Möglichkeiten der Lernstandermittlung wie Standortbestimmungen, Lernberichte und -texte, informative Aufgaben oder Beobachtungsbögen, finden Sie Praxishinweise und Arbeitshilfen. 

Weiterführende Hinweise

Grundschullehrer Sebastian Kottmann stellt auf seiner Website „Mathe üben in der Grundschule“ jeweils 10-minütige Lernvideos mit vielen Übungsaufgaben, geordnet nach Klassenstufen und Themen zur Verfügung. Themenbezogene Arbeitsblätter für das selbständige Üben ergänzen das Angebot.

Die beliebtesten Beiträge der Website Grundschulschatztruhe von Grundschullehrerin Lena Ottermann sind derzeit (September 2020) die Mathe Fördermaterialien der Klassen 1 und 2. 

Die hessische Lernplattform „Mauswiesel“ regt Kinder dazu an, eigenständig zu lernen und zu üben. Weit über 200 mathematische Online-Übungen widmen sich den Lernbereichen „Zahlen“, „Rechnen“, „Sachrechnen“, „Geometrie“ und „Größen“.

Eine Vielzahl von spielerischen Mathematikübungen, differenziert nach Klassenstufen eins bis vier und Unterrichtsthemen, bietet – noch bis Ende des Jahres kostenfrei – die Website „Mathe im Netz“.

Trotz Regelbetrieb werden die Kinder vermutlich in den nächsten Wochen noch vermehrt zu Hause lernen und üben müssen. 10 gute Tipps für die häusliche Aufgabenbearbeitung gibt das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik auf seiner Website.

Mathe lernen und Spaß dabei haben – das klappt am besten mit Lern- und Gesellschaftsspielen. „Richtig gute Mathespiele“ stellt Ihnen die Website lernfoerderung.de vor. Und hier finden Sie vielfältige Materialien für Matherätsel, -quiz und Knobeleien.

Schülerinnen/Schülern mit Deutsch als Zweitsprache oder sprachlichem Förderbedarf fällt es besonders in Mathematik oft schwer, dem Unterricht zu folgen, die Aufgaben zu verstehen, über mathematische Inhalte zu sprechen oder sie zu verschriftlichen. Deshalb widmet sich ein eigener Themenbereich (Haus 4) dem zentralen Förderthema „Sprachbildung im Mathematikunterricht“. Wie Sie als Lehrkraft dabei gute Lerneffekte erzielen, demonstrieren Grundlagentexte und Videos. Gezielte Übungen für den Unterricht bringen die Kinder voran, etwa bei der Beschreibung von Rechenwegen, beim flexiblen Rechnen, bei der Orientierung an der Hundertertafel, bei der Zahlzerlegung und Zahlraumerweiterung und bei vielem mehr.

Binnendifferenzierung im Präsenz- und Distanzunterricht

Wenn die Stunden für den Förderunterricht in der derzeitigen Situation zusammengestrichen werden, rückt die Binnendifferenzierung im Unterricht stärker in den Fokus. Auch hier wieder steht Ihnen PIKAS mit Know-how und Materialien für heterogene Lerngruppen zur Seite. Im Themenbereich Heterogenität erfahren Sie beispielsweise, wie man mit den fünf Niveaustufen zur Planung differenzierten Fachunterrichts „individuelles Lernen initiiert“, „ohne die Kinder zu ‚vereinzeln‘ oder in Lerngruppen zu separieren“ und ohne die „Kompetenzerwartungen des Lehrplans“ aus den Augen zu verlieren. 

Praxistipps und Materialien bereichern das Unterrichtsspektrum: Sie erfahren, wie Sie offene Aufgaben einsetzen, mathematisch besonders begabte Kinder fördern oder gemeinsames Lernen planen und umsetzen. Ein eigener Punkt widmet sich dabei auch dem arithmetischen Anfangsunterricht in heterogenen oder auch jahrgangsgemischten Lerngruppen.

Die direkt übernehmbaren Unterrichtsmaterialien sparen Ihnen viel Vorbereitungszeit bei der Planung des gemeinsamen Unterrichts: Sie finden hier beispielsweise eine Sammlung offener Aufgaben, ein Zahlenmauern-Übungsheft, Lehrer- und Schülermaterial für Folgen mit Farben und Formen oder auch Spiele sowie Materialien für eine differenzierte Förderung in der Schuleingangsphase, die an die unterschiedlichen Fähigkeiten und Voraussetzungen der Kinder am Schulanfang anknüpfen.

Individuell fördern mit dem Lehrerbüro

Auch in Ihrem Lehrerbüro nutzen Sie einen umfassenden Material-Pool für die individuelle Förderung Ihrer Schüler/-innen: Bei der zieldifferenten Förderung im gemeinsamen Unterricht unterstützen Sie die vielfältigen Materialien unter dem Menüpunkt „Mathematik Inklusion“. Unter „Diagnose“ finden Sie Tests mit methodisch-didaktischem Kommentar für die Lernfortschrittsdiagnose zu allen zentralen Unterrichtsthemen. Und unter dem Menüpunkt „Mathematik“ finden Sie mehrere Tausend Übungseinheiten zu allen Inhalten der Lehrpläne, übersichtlich strukturiert von A wie „Anfangsunterricht“ bis Z wie „Zahlen und Mengen“. Ob Sie differenzierte Lern- und Übungsmaterialien für den Wochenplan zusammenstellen oder eine spontane Vertretungsstunde für mathematische Rätsel und Spiele verwenden möchten, mit den Materialien im Lehrerbüro steht Ihre Vorbereitung in wenigen Minuten.

Martina Niekrawietz

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